Carlo Strenger Zivilisierte Verachtung

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Inhaltsangabe zu „Zivilisierte Verachtung“ von Carlo Strenger

Moderne Gesellschaften stehen seit je vor der Herausforderung, das Zusammenleben unterschiedlicher Konfessionen, Ethnien usw. zu ermöglichen. Leitbilder wie das der multikulturellen Gesellschaft gerieten dabei jüngst in die Kritik. Zu Recht, so Carlo Strenger, habe der Westen mit der Idee der Political Correctness doch ein »Eigentor« geschossen, da er nun selbst zum Ziel von Intoleranz werde. Anhand konkreter Beispiele erläutert Strenger sein Gegenmodell der »Zivilisierten Verachtung«, einer Haltung, aus der heraus Menschen Positionen, die sie für irrational oder unmoralisch halten, verachten, ohne jenen, die sie vertreten, ihre Menschlichkeit abzusprechen.

Der Autor versucht die Grundwerte der Aufklärung gegen den immer stärker werdenden politischen, religiösen Extremismus zu verteidigen.

— Iudicare
Iudicare

Ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion. Ich würde mir so eine deutliche Sprache sehr viel öfters wünschen.

— JulesBarrois
JulesBarrois

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  • Zivilisierte Verachtung. Wie können die Grundwerte der freien Welt verteidigt werden?

    Zivilisierte Verachtung
    Iudicare

    Iudicare

    13. November 2015 um 19:32

    Rezension: „Zivilisierte Verachtung“ von Carlo Strenger Der schweizerisch-israelischer Philosoph und Psychologe Carlo Strenger diagnostiziert in seinem politischen Essay „Zivilisierte Verachtung“ dem Westen eine intellektuelle Lähmung mit dem Umgang extremistischer Weltanschauungen und entwickelt Instrumente zur Überwindung dieser Herausforderung. Mit der optimistischen Stimmung nach dem Mauerfall erschien der langersehnte ewiger Frieden zum Greifen nah zu sein. Doch wurde dieser Optimismus binnen kurzer Zeit durch die Huntington’sche Prophezeiung – dem Kampf der Kulturen eingedämpft. Statt der erhofften Harmonisierung der Gesellschaften im Zuge der wirtschaftlichen Verflechtung, stellen religiös motivierte Konflikte den Westen vor neuen Herausforderungen. Abgeleitet von dieser Problematik, geht Strenger der Frage nach und legt zugleich dem Leser eine Methode vor, wie der Westen, ihre Grundwerte verteidigen kann, ohne gleichzeitig ihre eigenen Werte verletzen zu müssen. Strenger hebt zunächst, die noch weiterhin starke Rolle der Religion als Identifikation stiftendes Merkmal für Individuen und Gesellschaften hervor. Allerdings steht die Religion in einem Spannungsverhältnis zu den Prinzipien der Aufklärung – universelles Geltungsanspruch von Werten wie Meinungsfreiheit.„Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie schwer sich viele Vertreter der freien Welt damit tun, ihre Lebensformen ernsthaft zu verteidigen.“, so der Autor. Diese Kritik ist zugleich der Ausgangspunkt des Essays. Strenger ist der Auffassung, dass der Westen ihre eigenen Errungenschaften gegenüber anderen Lebensformen nicht konsequent schützt. Diese Ohnmächtigkeit führt er auf die „politische Korrektheit“ zurück, die einen grundlegenden Relativismus verinnerlicht hat. Daraus folgt, dass jede Weltanschauung, Religion und Lebensformen gleichgültige Geltung besitzen und daher nicht kritisiert werden können. „Wenn nichts begründet, aber auch nichts kritisiert werden konnte, war jede Meinung legitim.“ Der Westen konnte sich mit ihren Idealen der Aufklärung bis zu den Weltkriegen als eine moralische Überlegene Zivilisation präsentieren. Die verlorene moralische Überlegenheit im Zuge der Verbrechen des „Weißen Mannes“ wurde zunächst durch den Kommunismus übernommen, da sie sich für diese Verbrechen nicht entschuldigen mussten. Als auch der Kommunismus sich nicht als moralisch überlegen zeigte, bereitete dies den Nährboden für den neuen gesellschaftlichen Relativismus – den sogenannten politischen Korrektheit – vor. Im Momentum der Unsicherheit wird die Verteidigung der freien Welt an rechtsnationale Gruppen delegiert, die auch in den letzten Jahren in Europa politische Erfolge erreichen konnten. Diesem Erfolgstrend entgegenwirken zu können, entwickelt Strenger die Methode der „Zivilisierten Verachtung“ sowie ein Gedankenexperiment, den Ärztetest. Beide bilden den Dreh- und Angelpunkt des Essays. Der Ärztetest und die Zivilisierte Verachtung erlauben alle Lebensformen aber auch politische Einstellungen zu kritisieren, ohne dabei den Anhängern dieser Strömungen zu beleidigen, deren Meinungsfreiheit zu verletzten. Mit anderen Worten: Nicht die Person, sondern die Idee wird kritisiert. Ziel ist die Rückbesinnung auf die Idee der Aufklärung. Dieser Essay muss als eine politische Kampfschrift mit emotionalem Charakter verstanden werden. Daher ist es selbstverständlich, dass die Erwartung des Lesers, ein vollkommen schlüssiges Praxishandbuch zur Verteidigung der freien Welt in die Hand zu bekommen, nicht befriedigt wird und nicht befriedigt werden kann. Der deutsche Staatstheoretiker Ernst-Wolfgang Böckenförde bestritt bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts dem liberalen Staat jegliche Abwehrfähigkeit ab, was heute, als ein nach ihm benannten Theorem (Böckenförde-Theorem) ein gängiger Begriff in den Politikwissenschaften ist. Auch Jürgen Habermas hat beobachtet, dass die Moderne durch fehlendes Narrativ gekennzeichnet ist. Somit ist Strenger nicht der Erste, der diese Herausforderung erkannt hat. Aber er ist vermutlich einer der wenigen, die mit dem Rechtsstaat vereinbare Lösungsvorschläge in die Diskussion einspeisen. Der Ärztetest ist einer dieser Vorschläge. Die Praxistauglichkeit auf dem ersten Blick erweist sich auf dem zweiten Blick als ein fragiles und argumentativ angreifbares Konstrukt. Ein solcher Test wird mit aller Sicherheit Anhänger extremistischer Positionen nicht von den Werten der Aufklärung überzeugen können. Vielmehr dient es als ein Instrument der Mobilisierung der ‚eigenen Leute’. Zwar existieren allgemein anerkannte Kriterien für eine objektive Wissenschaft, dennoch ist die Wissenschaft durch eine „Erkenntnispluralität“ gekennzeichnet. Die aktuelle Finanzkrise zeigt, dass die Ökonomie bisher keine einzig richtige Methode vorlegen konnte. In diesem Zusammenhang zeigt sich die Untauglichkeit des Ärztetests. Strengers Gedankenexperiment ist auch der Tatsache der vollkommenen Rationalisierung und Verwissenschaftlichung aller Lebensbereiche ausgesetzt. Im Verlauf des Essays bekommt der Leser das Gefühl, das die Zivilisierte Verachtung keinen Anspruch auf eine gesellschaftliche Veränderung hat, sondern vielmehr sich auf den Wunsch eines Gewaltverzichtes der Werte orientiert.

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  • Hoffen auf den Aufstand der Anständigen?

    Zivilisierte Verachtung
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    15. April 2015 um 08:31

    Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit – Carlo Strenger, 104 Seiten, Suhrkamp Verlag; (21. März 2015), 10,00 €, ISBN-13: 978-3518074411   Der Schweizer Carlo Strenger ist Professor für Philosophie und Psychologie, lehrt an der Universität Tel Aviv "Eine der klügsten Stimmen der israelischen Linken", hat ihn die "Zeit" einmal gelobt. 10 Kapiteln, die durchaus als eigenständige Essays gelesen werden können legt er vor: Das Eigentor der westlichen Kultur - Ein Testfall: Die Fatwa gegen Salman Rushdie - Die Geburt des Toleranzprinzips in der Aufklärung - Kolonialismus und zwei Weltkriege - Der Aufstieg der politischen Korrektheit - Verantwortliche Meinungsbildung: der Ärztetest - Wenn Ressentiment zur Tugend wird - Religion und zivilisierte Verachtung - Kränkungen ertragen - Die Leidenschaft für die Freiheit Strenger attackiert die politische Korrektheit, kritisiert die politische Linke und die Mitte, dass sie die Verteidigung unserer Grundwerte an die Rechten abgetreten hat, prangert das Versagen Europas an und fordert das Gegenteil von politischer Korrektheit: eine Haltung der zivilisierten Verachtung. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um den Aufstand der Anständigen. Und der muss viel früher beginnen, die ganze Rhetorik, die den Westen als dekadent, als wertlos, als nihilistisch betrachtet und deswegen auch nicht als verteidigungswürdig, dass dieser Rhetorik geantwortet werden muss. Und wie sagte Strenger in einem Interview zur Leipziger Buchmesse: „Ein zivilisierter Mensch zu sein, heißt, dass man Kränkungen ertragen kann, ohne zur Gewalt zu greifen.“ „Wenn andere Kulturen nicht kritisiert werden dürfen, kann man die eigene nicht verteidigen.“ (Seite 19) Ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion. Ich würde mir so eine deutliche Sprache sehr viel öfters wünschen.   Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Suhrkamp/Insel Verlages: http://www.suhrkamp.de/buecher/zivilisierte_verachtung-carlo_strenger_7441.html   Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.deZivilisierte  

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