Carlos M. Dominguez Der verlorene Freund

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Inhaltsangabe zu „Der verlorene Freund“ von Carlos M. Dominguez

'Der verlorene Freund' erzählt von einer gedankenlosen Geste mit verhängnisvollen Folgen und der notwendigen Illusion menschlicher Nähe. Zwei Männer kommen ins Gespräch, lernen sich kennen, freunden sich an. Eines Tages stürzt der eine, ein passionierter Kunstsammler, sich aus dem Fenster, der andere bleibt ratlos zurück. Er nimmt, um die Beweggründe des Verstorbenen zu verstehen, Kontakt zu dessen Familie und Bekannten auf. Eine seltsame Geschichte zeichnet sich ab, die Spur führt ihn in eine gottverlassene Bergarbeitersiedlung voller sonderbarer Figuren und zurück zu einem dunklen Familiengeheimnis. Und während er sich dort in den Unwägbarkeiten eines anderen Lebens zu verlieren droht, macht er schließlich eine Entdeckung von niederschmetternder Einfachheit. Carlos María Domínguez, der große Solitär der südamerikanischen Literatur, hat einen großen kleinen Roman von eindringlicher Schönheit geschrieben, über Verlust und Verlorenheit und darüber, dass wir auch die nicht kennen, die uns vertraut sind.

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  • Ein verhängnisvolles Holzkreuz

    Der verlorene Freund
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    21. October 2013 um 09:52

      Die Romane des 1955 in Buenos Aires geborenen Carlos María Domínguez, der seit Ende der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts in Montevideo (Uruguay) lebt, zeichnen sich allesamt durch frappierende Kürze aus. Sparsam gesetzte, reduzierte, doch zum Poetischen neigende Prosa für literarische Momentaufnahmen. Prosa, die dazu zwingt, langsam und genau zu lesen, da einem sonst leicht Details entgehen können. Waldemar Hansen heißt der Mann, dem der Ich-Erzähler dieses Romans im Wartezimmer seines Rechtsanwaltes begegnet. Man kommt ins Gespräch, es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden nicht mehr jungen Männern. Eine Freundschaft, deren Basis durch viele Gemeinsamkeiten kultureller Natur Stärkung findet und so rasch zu einer wirklich innigen Verbundenheit führt. Scheinbar ohne Anlass, stürzt sich Waldemar Hansen eines Tages aus seinem Fenster. Da er vorerst überlebt, bittet er seine Tochter, den Erzähler ins Krankenhaus an sein Bett zu rufen. Dort angekommen, lernt er nicht nur die Tochter, sondern auch die Schwester des Sterbenden kennen. Zu einem letzten Gespräch zwischen den beiden Männern kommt es nicht mehr. Der Erzähler will und kann nicht verstehen, was den Freund zu dieser Tat gezwungen haben könnte. So beginnt er mit einer dezenten Spurensuche, die sich vorerst auf den Kontakt zu den Verwandten und einer ehemaligen Freundin des toten Freundes konzentriert. Als die ebenso an der Ergründung interessierte Tochter dem Ich-Erzähler den Computer des Verstorbenen zum Durchsuchen gibt, stößt er im Postfach des verlorenen Freundes auf e-mails, die von einem amourösen Verhältnis mit einer Dame zeugen, das offensichtlich nie ganz verloschen ist. Der Ich-Erzähler findet Hinweise auf ein aus den Bergen Uruguays stammendes Holzkreuz, das in einer noch unklaren Art und Weise für den Freund scheinbar fatale Auswirkungen gehabt hatte. Er reist in die abgelegene Berggegend, um die Hintergründe und Zusammenhänge zu erforschen, die hier zum Suizid von Waldemar Hansen geführt haben. Die Geschichte, die er aufdeckt, ist absurd und teilweise fast unglaublich verrückt; die Bedenken werden allerdings durch die erzählerische Kompetenz von Carlos María Domínguez locker wettgemacht. Die Stärke dieses Romans liegt in den unendlich vielen Details und der penibel ausgehörten Prosa, die übrigens von Susanne Lange wunderbar genau und musikalisch übersetzt worden ist. Eine Auflösung des Rätsels bzw. einen konkreten Grund für den Selbstmord des Freundes - den bietet der südamerikanische Autor nicht an. Eine Art Verweigerung, die diesem Text jegliche kriminalistische Andeutung und Motivation vorenthält. Ein Motiv allerdings, das gibt es, mehr nicht. "Der verlorene Freund" ist ein eindrucksvoller, kurzer und sehr dichter Roman, der, formal perfekt konstruiert, noch sehr lange nach der Beendung in den Gedanken nachklingt. Empfehlung. (Roland Freisitzer; 05/2013)

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  • Ein komplexes Leben hinter einfacher Fassade

    Der verlorene Freund
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    03. June 2013 um 12:44

      Die schönen Künste, Malerei, Opern, dass ist die Welt von Waldemar Hansen. Ein genügsames, ruhiges Ruhestandsleben.   „Ich begann ihn regelmäßig zu besuchen, weil ich einen dieser einsamen Männer in ihm vermutete, die in Montevideo immer für Überraschungen gut sind“.   Einsam ein  wenig ja, das ist Waldemar. Getrennt von seiner Frau, der Mutter seiner Tochter seit langem, sich sorgend um die Tochter all die Jahre, die allerdings seit geraumer Zeit erwachsen ist und in Italien lebt.   Aber noch anderes trägt dieser Waldemar in sich, wie allerdings der Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive Dominguez seine Geschichte erzählt, erst viel später feststellen wird. Nun ja, einige kleinere Ungereimtheiten, eine Reserviertheit was das Persönliche angeht, ein merkwürdiger Kamin in der Wohnung, dass fällt ihm bei seinen Besuchen schon auf, doch Waldemar geht nicht darauf ein. Allgemein, intellektuell, abstrakt sind die Gesprächsthemen der beiden älteren Herren bei ihren Treffen.   Und dann springt Waldemar einfach aus dem Fenster und stirbt. Beerdigung, die Tochter reist an, eine Schwester, mit der kaum mehr Kontakt bestand. Ein Geschehen, ein Leben, das keine Ruhe lässt, dass den Ich-Erzähler auf den Weg bringt, den Grund für das Geschehen, diesen Selbstmord, herauszufinden. Sicher auch wegen eigener, leichter Schuldgefühle, denn hätte nicht er als einzig regelmäßiger Kontakt etwas ahnen, sehen müssen?   So begibt sich der Protagonist des Buches auf eine Reise in die Vergangenheit, sucht die Familie, Bekannte Waldemars auf und dringt ein in ein Geflecht eines durchaus komplex scheinenden Lebens mit Tiefen. Und wird doch eine ganz einfache Lösung für all die Ereignisse finden. Aber kann er am Ende diese einfache Lösung glauben? Oder bleiben Fragen offen?   Geschickt verwebt Dominguez die Ereignisse dieses Lebens und zeigt vor allem auf, das hinter einer (jeder?) einfachen Fassade und scheinbar ganz klarer Verhältnisse eine verzweigte, mit dem Leben und anderen verwobene Welt zu finden ist. Diese innere Ebene der Motive, der gelebten Leben, der Spuren, die ein solches Leben hinterlässt und denen man auf Dauer nicht entkommen kann, das ist das eigentliche Thema dieses Romans.   In einer sehr verdichteten, auf den punkt gebrachten, äußerlich sachlich-ruhigen Sprache, die immer wieder an die Substanz der Personen rührt. Mit der Dominguez allein vom Sprachlichen her den Leser zu fesseln versteht. Selten versteht es ein Schriftsteller, mit eher wenigen, aber genau gesetzten Worten kräftige Bilder in den Raum zu setzen und das Innere einer Romanfigur mit ebenso knappen und präzisen Sätzen wie in einem stetigen Fluss auszuleuchten. So dass sich Motive und Lösungen von Fragen nicht immer ganz geklärt auf der Faktenebene, wohl aber im inneren Verständnis Waldemars durch den Leser zweifelsfrei ergeben.   Sprachlich, im Erzählrhythmus und in der Offenlegung des Inneren der Personen ein sehr treffendes, lesenswertes Buch.

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