Carlos María Domínguez Wüste Meere

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Inhaltsangabe zu „Wüste Meere“ von Carlos María Domínguez

Ein junger Hafenarbeiter, der mit seinem Idol Tarzan alias Johnny Weißmüller um die Wette schwimmt. Ein Einsiedler, der auf einem winzigen Eiland den Böen eines heftigen Sturmes trotzt. Die Matrosen eines großen Frachtschiffes, die unversehens zu Gefangenen eines selbst verschuldeten Psychodramas werden: Eine literarische Reise, weiter als der Horizont …<br /><br />

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  • Rezension zu "Wüste Meere" von Carlos María Domínguez

    Wüste Meere
    ScotlandTheBrave

    ScotlandTheBrave

    21. November 2008 um 20:47

    Wie bereits der Titel vermuten lässt, dreht sich in diesem Bändchen alles um das Thema Meer - seine Tücken, seine Schönheit, wie es den Menschen Leben oder auch Tod bringt. Seine Weite, seine Kraft und wie es jeden von uns in seinen Bann ziehen und nicht mehr loslassen kann. In jeder der sieben Kurzgeschichten findet der große Teich also nicht nur Erwähnung, sondern ist das zentrale Motiv im Leben der Protagonisten; ob sie das nun wollen oder nicht, ob es ihnen Glück oder Unheil bringt. Es wird also als Mittelpunkt des Lebens beschrieben, als Nabel der Welt und Existenzgrundlage der Menschheit - so nicht ganz falsch, aber nicht unbedingt ganz zutreffend für den gestandenen Mitteleuropäer. Allerdings findet jener auch keine Erwähnung in Domìnguez Erzählungen, die allesamt in seiner Heimat Südamerika und um dessen Zentrum (laut Domìnguez), Buenos Aires, spielen. Dementsprechend trifft der Leser in den Geschichten, die sowohl in der Gegenwart als auch Vergangenheit spielen, vor allem auf verarmte Waisen die am Hafen betteln, hart gesottene Seemänner, die sich noch an die Zeiten der großen Segler erinnern, verzweifelte Fischer denen die See ihren Kahn entriss, der doch ihre ganze Familie versorgen musste und noch viele mehr. Diese Vielfalt macht den großen Reiz an den Erzählungen des talentierten Südamerikaners, die er selbst mit folgenden Worten als Klappentext beschreibt: " Wüste Meere erzählt Geschichten über die Leerräume des Wassers; einige tauchen an seinen Ufern auf, andere in seinen enormen Weiten und alle konfrontieren den Menschen mit seiner erstaunlichen Natur. Das Meer ist das schmucklose Szenario eines moralischen Treibens, welches das Abenteuer des conditio humanis, das Ausgeliefertsein an seine Stürme, seine Brüderlichkeit und seinen schmerzhaften Trotz zum Ausdruck bringt." - Carlo Marìa Domìnguez Interessant, interessant, mich bringt das ehrlich gesagt nicht weiter und ich bezweifle auch, dass ihr jetzt sehr viel schlauer seid. Daher werde ich einer kurzen Auswahl zwei u der folgenden sieben Erzählungen näher für euch beschreiben: Johnnys Bekenntnis / S. 9-25< Der Baum mit den Reihern / S. 25-37 Mancuso / S. 37-55 Die Falle im Sand / S. 55-73 Delta / S 73-95 Eine aufrichtige Unterhaltung / S.115-166 Der Baum mit den Reihern Ein Ich-Erzähler berichtet aus seiner Perspektive (okay, etwas anderes wäre wohl schwer möglich) von einem prägenden Ereignis, das ihm in Santa Rosa im Augustes des letzten Jahres passiert ist: In einer kleinen Seitenmündung des Rìo de la Plata, nahe dem Meer, hatte er sich von seinem mageren Erbe ein kleines Eiland von nur 200 Metern Durchmesser gekauft und sich darauf in harter Arbeit ein Zuhause aufgebaut. Er ernährte sich nur von dem was das brackige Flusswasser im gab, seinen zwei kleinen Weiden, seiner Kuh und zwei Birnbäumen. Letztere wurden jedoch von einer Reiherkolonie, die auf einem riesigen, wilden Kapokbaum auf seiner Insel nisteten, immer wieder um ihre, ohnehin schon magere, Ausbeute an Früchten erleichtert. Wieder und wieder versuchte er sie zu vertreiben, doch vergebens. Eines Tages zog jedoch ein gewaltiger Sturm auf, größer als jeder, den unser namenloser Erzähler je zuvor erlebt hatte. Die aufgewühlte See peitschte mir ihren Wogen bis in das Delta und den Seitenarm des Flusses hinein, und bevor der Mann den schwarzen Himmel und die Flutwellen fliehen konnte, war sein kleines Boot von den Gewalten des Sturmes fortgerissen worden. Er suchte Zuflucht in seiner Hütte, doch riesige Wellen fluteten immer wieder über die kleine Insel hinweg und die Temperatur fiel schlagartig, sodass er bereits glaubte, sterben zu müssen. Diesem Schicksal entging er auch nur sehr knapp, der gerade noch rechtzeitig verließ er seine Hütte, bevor auch diese von den Fluten fortgespült wurde. Auf seiner kleinen Insel bot sich ihm ein Bild der völligen Zerstörung, ja sogar Vernichtung: Seine Birnbäume, seine Weiden, selbst der Boden unter seinen Füßen wurde fortgespült und auch er stand kurz davor, in die Tiefe gerissen zu werde. Doch etwas war noch standhaft: Der Kapokbaum, dicht an dicht besetzt mit den verhassten Reihern. Nur mit Mühe konnte der Mann sich an einem Zaun entlang bis zum Baum hangeln, sank dabei immer wieder bis zur Hüfte im Schlick ein und erreichte das rettende Bollwerk nur knapp. Er erklomm es, voll Furcht dass auch dieser Baum der Last des Wassers anheim fallen könnte, und wurde oben von den Reihern erwartet, die er zu verscheuchen versuchte. Die jedoch wehrten sich und hackten auf ihn ein, bis er blutend und ob der Kälte schlotternd auf dem Baum zusammensank. Mehr als einen Tag lang klammerte er sich verzweifelt an seinen Ast, kurz davor zu erfrieren. Schließlich viel er in eine tiefe Ohnmacht und war in seinen letzten Gedanken bewusst, dass dies sein Ende sein musste. Doch es kam anders… : Als er am nächsten morgen erwachte, schien die Sonne und der Fluss lag glatt und eben vor ihm, der Baum hatte standgehalten. Verwundert bemerkte der Mann die mollige Wärme um ihn herum und fragte sich, warum er nicht erfroren sei. Wie zur Antwort krächzten die Reiher und als er an sich herabblickte, sah er die isolierende, wärmende Schicht von (ich zitiere, damit es seriös bleibt) "Reiherscheiße", die ihm in dieser längsten Nacht das Leben gerettet hatte… Eine aufrichtige Unterhaltung Der junge Mirko, ein Matrose aus einfachen Verhältnissen, hat auf der "Fidschi", dem größten Lastschiff seiner Zeit, angeheuert. Der gebürtige Pole vermisst seine Heimat zutiefst, ist das Schiff doch multikulturell und die Verständigung nur über Zeichensprache, gebrochenes Englisch und ein Kauderwelsch aus einem verwirrenden Sprachenwirrwarr möglich. Aufgrund ihrer Größe und gewaltigen Tiefe legt die "Fidschi" auch in kaum einem Hafen der Welt an, die Ware wird einfach per Kran gelöscht und auf andere, kleiner Schiffe und Kähne übertragen. Daher ist Mirko bereits seit Monaten nicht mehr an Land gewesen, die Einsamkeit und Langeweile treiben ihn nahezu in den Wahnsinn. Noch schlimmer wird das ganze durch seinen aktuelle Aufenthaltsort: das Schiff befindet sich am Äquator und zu drückender Temperatur und ungewöhnlich hoher Luftfeuchte kommt die kaputte Klimaanlage. Eines Abends kommt mit einem Mal ein junger Offizier, Julio Andrade, in seine Kajüte. Trotz des strengen Alkoholverbots an Bord trinken die beiden Männer gemeinsam italienischen Grappa, um ihren angehenden Depressionen zu entgehen, und beginnen ein Gespräch. Hier wird es kurios: Denn beide Männer reden in ihrer Muttersprache, die das jeweilige Gegenüber nicht versteht. Es ist unglaublich lustig dem Wechsel einer Unterhaltung zu folgen, die eigentlich keine ist. Zwar reden die beiden abwechselnd, doch über komplett andere, teils kontroverse Themen. In dieser abstrusen Weise geht es weiter und weiter, bis beide Männer in ihrer Betrunkenheit dass in die Worte des anderen hineindeuten, was sie hören möchten (oder halt auch nicht). Dieser erstaunliche Dialog endet schließlich in dem Bekenntnis Mirkos, der am Anfang noch lustlos mit Sätzen wie "Auf einem Fluss in Afrika rasiert sich ein Affe mit einem silbernen Doch" antwortet, am Tod ihres gemeinsamen Kameraden, Tarik, Schuld zu sein. Bei Wartungsarbeiten hatte er eine Winde nicht richtig kontrolliert; ein Seil riss sich los, peitschte umher und trennte seinem Freund Tarik sauber dem Kopf ab. Von Julio weiß man, dass er als Offizier gleichzeitig der "Schiffpolizist" ist, und erwartet gewohnheitsgemäß, dass Mirko nun zur Verantwortung gezogen wird - bloß wie? Schließlich hat dieser kein Wort von dem verstanden, was der junge Pole ihm erzählt hat. Also trinken die beiden gemeinsam weiter, bis Julio Mirko beschuldigt, ihm seinen Mantel geklaut zu haben. Letzterer verlässt empört den Raum und beschließt, die Klimaanlage zu überprüfen um sich abzureagieren. Julio folgt ihm nach und die beiden öffnen den Schacht der Klimaanlage; ein steifgefrorener Chinese, der die Anlage verstopft hat, fällt ihnen entgegen, eingehüllt in Julios Mantel. Da die beiden so betrunken sind, dass sie ihren Job und eine hohe Strafe riskieren wen man sie so sieht, versuchen die den Mann zurück in die Anlage zu pferchen, doch seine steifen Glieder haben sich etwas entfaltet und es ist ihnen unmöglich. So werden die beiden zu Komplizen und versenken ihn im Meer, das zusammen mit ihrer Sprachdifferenz ihre ganzen, dunklen Geheimnisse für immer bewahren soll… Das interessante ist hier nicht nur das unsinnige Gespräch, sondern auch der Wechsel der Erzählperspektive: Abwechselnd berichten in den, auch so benannten, Abschnitten "1-6" Ein auktorialer Erzähler, dann Mirko und zuletzt Julio: eine wunderbare Erzählung! Ich war beim Lesen wirklich überrascht - ist dieses Buch doch so extrem anders als mein heißgeliebtes "Papierhaus"! Der detailverliebte, herausragende Stil meines literarischen Lieblings Domìnguez kommt zwar auch in diesem Buch zum Tragen, ist dabei aber bei weitem pathetischer und emotionaler als der Vorgänger. Konnte man da die staubige, trockene und weise Atmosphäre der Bibliotheken geradezu schnuppern, so findet sich hier im wilden, rastlosen Schreibstil die ruhelose Gewalt der Meeres wieder; darum bin ich auch erneut mehr als beeindruckt, stilistisch stimmt hier einfach alles. Je nach Erzähler oder Hauptperson variiert Domìnguez seine Worte und den Satzbau in feinen Nuancen, schreibt mal hypo- oder parataktisch, mal nüchtern und karg oder schmeißt mir Adjektiven und Leidenschaft um sich. Hier findet sich auf kleinem Raum höchster Anspruch und die enorme sprachliche Dichte, die eigentlich allen Kurzgeschichten und Erzählungen zueigen sein sollte. Aber nun zum inhaltlichen Aspekt: Die Erzählungen selbst kreisen alle um das zentrale Thema "Leben MIT und GEGEN das Meer". Dieser rote Faden zieht sich absolut klar ersichtlich durch jede einzelne Geschichte, doch trotzdem kommt es dabei nicht zu Wiederholungen. Aus dem selben Motiv spinnt Domìnguez wieder und wieder eine neue Handlung, lässt unterschiedliche Person

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