Der autobiografische Roman ist ein Buch über eine Krebserkrankung, ohne ein trauriger Krankheitsbericht zu sein. Die Autorin behandelt die Erkrankung souverän wie ein neues Projekt und nutzt die Zeit mit dem Krebs zum Reflektieren und Philosophieren. Eigenwillig und stark wie gewohnt schafft sie diesmal nicht nur die Heilung ihres Körpers, sondern auch das Zulassen von Hoffnung und Liebe.
Die Rückblenden zu ihrer Kindheit in der DDR sind schön zu lesen wie überhaupt das ganze Buch. Ich hab es sehr genossen und mochte es nicht aus der Hand legen. Das Sterben und Leben eines Kernbeißers bilden den Rahmen der Handlung und werden mit dem besonders gelungenen Cover gekrönt.
Carmen Rohrbach

Lebenslauf
Neue Bücher
Alle Bücher von Carmen Rohrbach
Im Reich der Königin von Saba
Auf der Insel der Gletscher und Geysire
Jakobsweg
Solange ich atme
Im Reich von Isis und Osiris
Mein Blockhaus in Kanada
Namibia
Muscheln am Weg
Neue Rezensionen zu Carmen Rohrbach
Betrachte ich mir den Titel dieses Taschenbuches, fallen drei Dinge auf: Eine fröhlich lachende sonnenbebrillte Frau, der deutliche Titel und mehr noch der Untertitel – Meine dramatische Flucht aus der DDR... – und dass das Buch bei Malik / National Geographic herausgekommen ist. Carmen Rohrbach las am 14. September 2025 aus dieser Autobiografie bei Dresden (er)lesen. Am Stand auf der kleinen feinen Buchmesse hoch über der Elbe im Schloss Albrechtsberg war sehr schnell zu erkennen, was ihr Leben prägte: Eine nicht sofort zu überschauende Zahl von Reisebüchern aus aller Welt lagen aus.
Von Patagonien wird an anderer Stelle noch zu schreiben sein, bleiben wor vorerst bei der Autobiografie.
Im Prolog erläutert die Reiseautorin schon ziemlich ausführlich, was ihr Leben prägte, Leserin und Leser wussten, bereits „vorgewarnt“ nun ganz deutlich, was sie da lesen werden.
Carmen Rohrbach beginnt mit der Anfahrt an die Ostsee, die sie gemeinsam mit einem Gefährten Richtung Dänemark zu überqueren gedenkt. In Neopren gehüllt, ein Schlauchboot schwimmend mit sich führend, darin ein paar persönliche Sachen und Verpflegung. Trainiert waren die beiden, das erfahren wir im Laufe des Buches.
Zwischen Ostseestrand und einer Boje weit draußen in der See blättert Rohrbach ihr Leben vor uns auf. Kindheit, Familie, Schule, Studium. Geboren (1948) in Bischofswerda wächst sie mit Geschwistern in einer Familie auf, der Vater schwört als Kommunist auf den Versuch DDR.
Die kleine Carmen findet sich schnell in die Natur, Flora und Fauna, stromert durch die Wiesen und Wälder; genau das wird sie ihr Leben lang begleiten, unterbrochen durch rund zwei Jahre im Gefängnis. Carmen Rohrbach setzte sich erst spät kritisch im Studium mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten der DDR auseinander. Was sie wollte, war reisen und forschen. Schnell merkte sie dann, dass sich in ihrem Fall anscheinend unüberwindbare Hindernisse vor ihr auftürmten.
Letztlich plant sie ihre Flucht, zwischen deren Etappen fahrt sie mit ihrem Lebenslauf fort.
Ehlich, über dieses Unterfangen kann ich immer noch mit dem Kopf schütteln und dabei gleichzeitig diesen Mut, den Willen und die Kraft bewundern, wobei letztere irgend wann zu schwinden scheint. Eine Hochseetonne ist der letzte Anke, die Volksmarine nimmt sie auf und außerdem fest.
Der letzte Teil ist dann dem Weg durch Untersuchungshaftanstalten bis Schloss Hoheneck (Stollberg) gewidmet und dem Neubeginn nach der urkundlichen „Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR“. In München wird sie promoviert und tut sofort nach Ankunft in der Bundesrepublik 1976 das, was ihr Leben schon immer von Kindesbeinen an prägt: Reisen und Schreiben.
Die Komposition des Buches macht es spannend. Am Stand blättert man das Taschenbuch durch und merkt schnell, das ging wohl schief mit der Ostsee und liest dann auch, „die Geschichte einer willensstarken Frau, die für ihren Traum nach Freiheit und fernen Ländern das eigene Leben riskierte.“ (Süddeutsche Zeitung – Buchrücken). Die Verhaftung auf hoher See rettet ihr das Leben.
Republikflucht. Kein unbekannter Begriff für den Jungen, den Lehrling, den Studenten in der DDR, und doch so weit weg; mit Carmen Rohrbach stand ich „erst“ der dritten Person gegenüber, die dies wagte. Ein Klassenkamerad, dies erfuhr ich vor fünfzehn Jahren auf einem Klassentreffen, wurde deswegen in Ungarn verhaftet, ein anderer bekannter Autor beschrieb dies auch in einem eigenen Buch.
Mir wird auch nach diesem eindringlichen Buch fremd bleiben, warum das Verlassen der DDR für doch so viele Menschen Ziel und Antrieb für ein anderes Leben war. Liest man allerdings von den Haftbedingungen, den Verhören, den Gerichtsverhandlungen und vor allem Schloss Hoheneck, dann fängt man an zu verstehen. Eine Klassenkameradin, in der Grundschule Bestschülerin, war nicht zu bewegen, auch nur ein wenig aus ihrer Zeit in einem Jugendwerkhof zu berichten. So stark mochte sie nicht daran erinnert werden. Nur, das Wissen darum kam ja erst mit der Verhaftung. Was trieb Carmen Rohrbach an?
Der Blick auf den den Büchertisch deutete es an, SOLANGE ICH ATME macht es zur Gewissheit: Zweiundzwanzig Bücher listet Büchertreff.de auf (Copilot hat gesagt, schau fort nach).“Solange ich atme“ ist auch als graphic novel erschienen.
Die reisefreudige Naturforscherin hat von klein auf dies gewollt, der Fluchtversuch und die Haftbedingungen, der Freikauf in die Bundesrepublik sind sicherlich gewaltige Push-Faktoren, die dazu kommen.
Ich danke Carmen Rohrbach für das Rezensionsexemplar. Sie gab es einem, der ihr Patagonienbuch mit auf eine lange Reise nach Südamerika nehmen wird.
Auf Litterae-Artesque folgt die etwas mehr bebilderte Rezension.
‚Es ist mir [...] ein Vergnügen, fast schon eine Sucht, mein Dasein ganz der Wahrmachung von Träumen zu widmen.‘ (Seite 11)
Ich weiß es noch, als sei es gestern gewesen, dass ich mir dieses Buch im Frühjahr 2001 direkt nach meiner eigenen Jemen-Reise gekauft habe. Den Jemen zu bereisen, war seit jeher mein großer Traum, ich hatte mich lange darauf vorbereitet, z.B. im Vorfeld Arabisch gelernt, war während und nach der Reise glücklich, beseelt, voller Eindrücke, voller Liebe für dieses wunderschöne Land und seine Bewohner.
Als ich das Buch von Carmen Rohrbach nach meiner Reise gelesen habe, habe ich mich wieder im Jemen gewähnt, denn Rohrbach erzählt so lebendig und detailliert, dass ich sämtliche Orte vor Augen hatte. Unsere Reiseroute hat sich teilweise überschnitten (obgleich ich in entgegengesetzter Richtung unterwegs war und die Strecke durchweg in einem Geländewagen absolviert habe, nicht stellenweise auf einem Kamel), so dass ich viele der von ihr besuchten Orte selbst gesehen und erlebt habe.
Die Sehnsucht nach dem Jemen treibt mich seit meiner Reise noch mehr an als vorher schon, und so habe ich dieses Buch fast 23 Jahre nach meiner eigenen Reise nochmals gelesen und war wieder mit vor Ort.
Bereits die ersten Seiten des Buches haben mich damals und auch heute wieder in den Jemen versetzt und eigene Erinnerungen lebendig werden lassen: meine Ankunft im nächtlichen Sana’a, mein frühes Erwachen mit Hundegebell und Gebetsrufen, der Schwindel durch die Höhenlage der Stadt, mein erstes Laufen durch die Straßen und Gassen der Altstadt. Und auch das Ende von Rohrbachs Reise weckte wunderschöne Erinnerungen: der Blick auf die Wüstenstadt Shibam im Hadramaut.
Rohrbach reist von Sana’a, meiner Meinung nach die schönste Stadt der Welt, über den Yislah-Pass nach Dhamar, dann weiter nach Al Bayda. Von Al Bayda aus entdeckt sie den Jemen auf dem Rücken ihres Kamels Al Wasim, mit dem sie über Ataq und Bir Ali bis ins Wadi Hadramaut reist.
Neben ihrer eigenen Geschichte erzählt Rohrbach zudem von den frühen und wenigen Reisen von Europäern im Jemen, von ihrer eigenen Jemen-Sehnsucht und den Anstrengungen, die sie für die Erfüllung ihres großen Traums unternommen hat.
Das Buch berichtet von einem großen Traum, von einem (einstmals) wunderschönen Land, von liebenswerten Menschen, von der Schönheit der arabischen Sprache, von einem echten Abenteuer und von einer beeindruckenden Toleranz und Offenheit, welche Rohrbach ausmachen.
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Steffi wird durch eine schwere Krankheit aus ihrem Leben gerissen. Plötzlich stellen sich Fragen, denen sie nie Raum gegeben hat. Was bleibt, im Angesicht der eigenen Endlichkeit? Der autofiktionale Roman erzählt bewegend und ehrlich von Wandlung und innerer Kraft - und davon, dass Liebe dort entstehen kann, wo man sie am wenigsten vermutet.
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