Carmen Stephan

 4.4 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor von Mal Aria, It's all true und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Carmen Stephan

Mal Aria

Mal Aria

 (16)
Erschienen am 26.09.2013
It's all true

It's all true

 (3)
Erschienen am 27.07.2017
Brasilia Stories

Brasilia Stories

 (0)
Erschienen am 01.09.2005

Neue Rezensionen zu Carmen Stephan

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Rezension zu "Mal Aria" von Carmen Stephan

Der ewige Kreislauf...
pardenvor 18 Tagen

DER EWIGE KREISLAUF...

Am Abend lief Carmen noch um die Wette am Strand – in der Nacht weckt sie ein kalter Schmerz. Kein Arzt in Brasilien weiß i zu helfen. Nur einer weiß alles: der Moskito, der Carmen gestochen hat ... Immer tiefer verbindet er sich mit seinem Opfer, immer tiefer zieht er den Leser in diese Geschichte, die zugleich eine Parabel über die Unkontrollierbarkeit des Lebens ist.

Ich habe ja schon die verrücktesten Perspektiven in Büchern erlebt - aber aus der Sicht einer Mücke, genauer: einer Anopheles, habe ich noch nie etwas gelesen. Als Überträgerin der Malaria hat sie Carmen durch einen einzigen Stich die gefährlichen Plasmodien in ihren Organismus geschleust. Nun übermannt die Mücke aber das schlechte Gewissen, so dass sie Carmen fortan begleitet und beobachtet, was geschieht. Die Mücke sieht sich selbst als Opfer der winzigen Einzeller und Carmen ebenso - dieses Schicksal verbindet.

Rein sachlich gesagt, präsentiert Carmen Stephan hier in ungewöhnlicher Perspektive viel Hintergrundwissen zu der gefährlichen Erkrankung, über die inzwischen zwar viel bekannt ist, die aber immer noch nicht wirklich bekämpft werden kann.

Der Moskito berichtet von dem dramatischen Krankheitsverlauf Carmens, die es mit immer neuen Ärzten versucht, die jedoch nur nach Wahrscheinlichkeiten urteilen. In Brasilien grassiert das Dengue-Fieber, also geht man davon aus, dass sich Carmen damit angesteckt hat. Auf die unwahrscheinlichere Variante Malaria kommt zunächst niemand, so dass die Plasmodien ihr Unheil anrichten können.

Der Moskito ist historisch bewandert, durch das Teilen des Blutes auch mit Carmens Gedanken- und Gefühlswelt eng verbunden und zudem philosophisch veranlagt. So bekommt der Leser hier nicht nur den Verlauf der Krankheit präsentiert, sofern sie nicht rechtzeitig behandelt wird, und erfährt auch einiges über die medizinische Forschungsgeschichte zu Malaria (italienisch: mala aria = schlechte Luft, Böses aus der Luft), sondern bekommt auch einen mitunter recht unangenehmen Spiegel vorgehalten. Die Mücke stellt einige Aspekte des Verhaltens der Menschen sehr in Frage.

Der ewige Kreislauf der Malaria - fast schon muss man die Raffinesse der einzelligen Plasmodien bewundern, die sich nicht nur etliche Male in ihrer Gestalt verändert, sondern die sich auch so gut anpassen, dass sich alle bisherigen Mittel letztlich gegen die richten, die es schützen sollte: die Menschen. Die Einzeller schaffen es beispielsweise auch, dass sich der Körpergeruch des Menschen derart verändert, dass die Mücken sich unfehlbar auf ihn stürzen, um das vom Erreger befallene Blut aufzunehmen und den Kreislauf der Malaria von neuem beginnen zu lassen.

Der Schreibstil ist gehoben, zuweilen fast schon poetisch, manchmal erscheinen die Sätze unzusammenhängend, passend jedoch zu den wirren Fieberträumen der Kranken. Alles in allem eine geschickte Wahl der Erzählperspektive, die gleichzeitig distanziert und doch emotional nah scheint.

Wahrlich ein besonderes Buch!


© Parden

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Rezension zu "Mal Aria" von Carmen Stephan

Mal Aria
Vespasiavor 2 Jahren

Die Urlauberin Carmen wird unterwegs von einem Moskito gestochen, der sie mit der lebensgefährlichen Krankheit Malaria infiziert. Besagter Moskito folgt ihr und erzählt ihre Geschichte. Der Leser erfährt von der Unfähigkeit der Ärzte, der Machtlosigkeit gegenüber einer gefährlichen Krankheit und von Insekten, die eigentlich auch nur überleben wollen. Im Laufe der Geschichte konnte ich mich - obwohl ich kein großer Insektenfreund bin - mit dem Moskito identifizieren, aber auch mit Carmen, deren Urlaub fatal endet.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, über den Tod, über Natur und über die Menschen. Es berührt und beeindruckt, ganz nebenbei erfährt man auch einiges über die Krankheit selbst. Ein wunderbares Buch, dass es definitiv wert ist, gelesen zu werden!

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Rezension zu "It's all true" von Carmen Stephan

Carmen Stephan | IT’S ALL TRUE
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

INHALT: Erzählt wird die Geschichte von Jacaré, einem armen Fischer, der im von der Regierung vernachlässigten Nordosten Brasiliens mehr schlecht als recht für seine Familie sorgt. Wie die meisten seiner Freunde muss er die Hälfte seines Fangs an die Obrigkeit abgeben und hat auch sonst kaum Rechte. Die Lösung wäre eine Audienz beim Präsident, der aber thront tausende Kilometer weiter südlich in Rio de Janeiro. Also macht sich Jacaré mit drei Freunden auf die beschwerliche Reise dorthin – auf einer Jangada, einem selbst gebauten Floß. Die Überfahrt dauert zwei Monate, eine Zeit voller Gefahr, Verzicht und Todesnähe, ist aber von Erfolg gekrönt. Der Präsident hört die Bittsteller an und erlässt sofort entsprechende Gesetze, um deren Lebensqualität zu verbessern. Jacaré und seine Freunde werden als Helden in ihre Heimat zurückgeflogen.

In Hollywood bekommt der aufstrebende Regisseur Orson Welles Wind von der Geschichte und beschließt, sie unter dem Titel IT’S ALL TRUE zu verfilmen. Er fliegt nach Brasilien, um den mutigen Fischer zu treffen und gewinnt ihn und seine Gefährten für die Dreharbeiten. »Ich will, dass Ihr es genau so macht, wie es war«, doch eine solche Reise ist nicht zu wiederholen. Jacaré verunglückt und das Meer wird sein Grab.

FORM: Carmen Stephan (*1974) schreibt die traurige, aber wahre Geschichte in knappen Sätzen mit großer poetischer Kunstfertigkeit. Stilistisch wie auch inhaltlich erinnert das ein wenig an John Steinbecks DIE PERLE (armer Fischer sehnt sich nach einem besseren Leben), was in der heutigen Literatur auf den ersten Blick etwas angestaubt wirken mag, aber doch sehr gut in die Zeit passt, in der die Geschichte spielt.

Sehr gelungen ist die zweite Ebene. Orson Welles, der mit CITIZEN KANE Anfang der 1940er Jahre weltweite Erfolge feiert, wird als Dandy und Freigeist glaubwürdig beschrieben. Da sich Welles für das Verschwinden des Fischers verantwortlich fühlt – bis zu seinem Tod 1985 kommt er finanziell für Jacarés Familie auf –, ist auch er eine tragische Figur. Das Filmprojekt IT’S ALL TRUE (ein Episodenfilm über Brasilien) blieb aufgrund der Tragödie, der politischen Situation und Budgetkürzungen unvollendet. Erst Jahrzehnte später lief der Film in den Kinos Brasiliens an. Die Fischer-Episode FOUR MEN ON A RAFT kann man sich hier bei Youtube ansehen.

FAZIT: Teils Gesellschaftsdrama, teils Filmgeschichte – Carmen Stephan ist mit IT’S ALL TRUE ein kleines Schmuckstück gelungen. Mit knapp über hundert Seiten das perfekte Buch fürs Wochenende. Fünf Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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