Charlène telefoniert mit ihrer Tochter.
Sie lässt sie an ihrem Alltag teilhaben, ohne jedoch wirklich um ein echtes Gespräch, einen Austausch bemüht zu sein.
In dem rein monologischen Text, der gespickt mit direkten Vorwürfen und anklagenden Phrasen ist, stellt Carole Fives die Misskommunikation zwischen Mutter und Tochter dar.
🖍️ Mir gefällt die Idee, nur die Seite der Mutter zu hören/lesen. Dennoch finde ich einige Passagen nicht sehr authentisch. Ich kann mir manchmal schwer vorstellen, dass eine Unterhaltung so stattfinden könnte. Ich denke, dass viele der direkt geäußerten Beschwerden der Mutter in der Realität eher impliziert und durch Vorwürfe vermittelt werden (was es auch nicht besser macht...)
🖍️ Die Kommunikation als Einbahnstraße im Verhältnis zwischen Mutter und Tochter und das Wehklagen der Mutter gefällt mir als Thema sehr gut.
"Ich habe das Kommando, und du gehorchst, verstanden? Aus! Du ge-horchst. Du kennst die Regeln!"
(S. 48)
"Du bist nervös, weil du im Radio kommst? [...] Du machst ein Drama daraus, wo doch sowieso kein Mensch zuhören wird. (S. 57)
"Ich stricke für den Kleinen, einen Schal aus einem Knäuel , das ich noch herumliegen hatte, ich wollte es schon immer aufbrauchen, aber die Wolle ist zu dick für mich, und eine hässliche Farbe hat sie auch ... (S. 127)
⭐Eine tolle Idee, ein Einblick in Kommunikation, wie sie besser nicht stattfinden sollte. Für mich 3 von 5 Sternen.
Carole Fives
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Carole Fives
Kleine Fluchten
Eine Frau am Telefon
Kleine Fluchten: Roman
Neue Rezensionen zu Carole Fives
Das Buch gibt Einblick in den Alltag einer überlasteten alleinerziehenden Mutter, die anfängt nachts die Wohnung zu verlassen und ihr Kleinkindzu sich selbst zu überlassen.
Ich kann verstehen, dass die Frau überfordert ist und sich alleingelassen fühlt. Trotzdem hätte sie beim Jugendamt um Hilfe bitten können oder eine Annonce aufgegeben können, da sie ihr eigenes Verhalten reflektieren konnte. Sie macht mich wütend, dennoch ist es dem Buch gelungen, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und zu veranschaulichen, wie Frauen von der Gesellschaft stigmatisiert werden.
"Es war ein ständiges Aufpassen, rund um die Uhr, ohne Atempause." (S. 79)
Eine richtig gute Story, die ich schon lange lesen wollte.
Die gesamte Grundlage der Geschichte, die Sichtweise und das Verhalten der alleinerziehenden Mutter, die innere Zerrissenheit und Hilflosigkeit, fand ich grandios beschrieben und sehr aufrüttelnd und zum Nachdenken anregend.
Auf wenigen Seiten, denn das Buch ist wirklich sehr schmal, gewinnt man als Leser/in Einblick in den Alltag der Mutter, deren Lebenssituation ohne Hilfe nur schwierig zu bewältigen ist.
Einziger Kritikpunkt meinerseits:
Die Altersangabe des Kindes (noch keine 2), im Hinblick auf das Verhalten, die Ausdrucksweise und die Ereignisse, habe ich persönlich - selber Mutter eines Sohnes - leider als falsch und somit störend empfunden.
Für das Buch selber, spreche ich dennoch eine unbedingte Empfehlung aus, regt es doch dazu an Sichtweisen zu Hinterfragen und über den Tellerand zu blicken.







