Carole Fives

 3,5 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Kleine Fluchten, Eine Frau am Telefon und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Carole Fives

Carole Fives, geboren 1971, ist bildende Künstlerin und Autorin. Für ihre Romane und Erzählungen wurde sie in Frankreich bereits mehrfach ausgezeichnet. Mit Eine Frau am Telefon ist 2018 ihr erster Roman auf Deutsch erschienen.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Kleine Fluchten (ISBN: 9783552072268)

Kleine Fluchten

 (5)
Neu erschienen am 15.03.2021 als Hardcover bei Zsolnay, Paul.

Alle Bücher von Carole Fives

Cover des Buches Kleine Fluchten (ISBN: 9783552072268)

Kleine Fluchten

 (5)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Eine Frau am Telefon (ISBN: 9783552063624)

Eine Frau am Telefon

 (5)
Erschienen am 19.02.2018
Cover des Buches Eine Frau am Telefon (ISBN: 9783785756935)

Eine Frau am Telefon

 (0)
Erschienen am 23.02.2018

Neue Rezensionen zu Carole Fives

Cover des Buches Kleine Fluchten (ISBN: 9783552072268)RenaMs avatar

Rezension zu "Kleine Fluchten" von Carole Fives

Carole Fives – Kleine Fluchten
RenaMvor einem Monat

Es sind tatsächlich kleine, anfangs winzige Fluchten, die sich die Protagonistin des kurzen Romans der französischen Autorin gönnt. Diese junge Frau ist eine alleinerziehende Mutter, ihr Sohn ist gerade einmal zwei Jahre alt. Noch hat sie keinen Krippenplatz für ihn gefunden, sie muss von zu Hause arbeiten, sie ist Graphikerin. Immer wieder verliert sie Aufträge, weil sie des Kindes wegen Termine nicht einhalten kann. Der Kleine ist anstrengend, er verlangt Aufmerksamkeit, Zuwendung. Ständig ruft er nach der Mutter, ruft „Zu mir, zu mir.“

Die Mutter hat keine anderen Bezugspersonen, ist in die kleine Wohnung wie eingesperrt, dazu kommen Geldsorgen, Zukunftsängste. So erlaubt sie sich kleine Fluchten, verlässt abends, sobald das Kind schläft, die Wohnung. Sie streift durch die Straßen, schaut in Fenster, beobachtet Menschen. Erst kurz, nur wenige Minuten, doch nach und nach werden diese Ausflüge, die nächtlichen Fluchten länger.

Neben den wenigen Kontakten, die sie hat, sucht sie Anschluss in Internetforen, sucht Mütter in der gleichen Situation, mit denselben Problemen. Doch wenn sie, unter einem Nickname, ehrlich von ihren Gefühlen erzählt, ergießt sich schnell ein Shitstorm über sie. Die anderen Mütter, obwohl selbst ähnlich gestresst, wollen gleichzeitig perfekt erscheinen, lassen Versagen nicht gelten. Immer wieder versucht die Protagonistin, über diese Plattformen Bestätigung, Hilfe zu erhalten, doch vergebens.

Schließlich dehnt sie ihre Flucht über eine ganze Nacht aus.

Als Leserin fällt man ja gerne mal ein Urteil über die, immerhin fiktiven, Hauptfiguren eines Romans. Man maßt sich an, beurteilen und bewerten zu können, wie die Protagonisten handeln. Ist es gut, ist es böse? Aber genau das fällt hier schwer. Die Handlungen der jungen Mutter mögen hart, gefährlich, vielleicht egoistisch sein. Aber sind sie deswegen weniger verständlich?

Der Autorin gelingt es, diese Ausweglosigkeit, die Einsamkeit und das Gefangensein einer alleinerziehenden Mutter prägnant zu beschreiben. Die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Krippenplatz, die Probleme für Beruf und Karriere, die mit der Mutterschaft unweigerlich entstehen, das ist so hart und deutlich erzählt, wie es auch in der Realität ist. Gerade Leserinnen, die diese Situation am eigenen Leib erfahren haben, können das Verhalten, können die Fluchten der Protagonistin dieses Romans zumindest nachvollziehen. Beängstigend und erschütternd bleibt es dennoch.

Carole Fives – Kleine Fluchten
aus dem Französischen von Anne Braun
Zsolnay, März 2021
 Gebundene Ausgabe, 140 Seiten, 19,00 €

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Cover des Buches Kleine Fluchten (ISBN: 9783552072268)miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Kleine Fluchten" von Carole Fives

Carole Fives - Kleine Fluchten
miss_mesmerizedvor 2 Monaten

Wenn man sie sieht, mit ihrem kleinen Sohn, kann man nur neidisch werden, so hübsch das Kind, sicherlich ein Wunschkind, das die Eltern glücklich macht. Doch hinter der verschlossenen Wohnungstür ist gar nichts glücklich. Der Kindsvater schon seit über einem Jahr spurlos verschwunden und die Mutter am Ende ihrer Kräfte. Alles muss sie alleine managen, keine freie Minute bleibt ihr, der Junge tyrannisiert sie rund um die Uhr. Ihren Job als freiberufliche Grafikerin kann sie schon lange nicht mehr ausüben, keine Zeit, denn immer will das Kind etwas, fordert ihre Aufmerksamkeit ein. Das Geld wird knapp, die Sorgen größer, noch nicht einmal in der Anonymität des Internets kann sie Trost finden. Einzig kleine Fluchten, die sie sich zunehmend erlaubt, schenken ihr die Illusion von einer anderen Möglichkeit, einem anderen Leben als dem ihren.

 

„Kleine Fluchten“ ist Carole Fives vierter Roman, der zweite, der in deutscher Übersetzung erschienen ist. Die Autorin thematisiert in diesem ein gesellschaftliches Tabu, mit dem ihre Protagonistin allein gelassen wird und das sie an den Rand ihrer Kräfte bringt. Die alleinerziehende Mutter, die sich ausgelaugt und erschöpft fühlt und keineswegs mehr die große Freude über die Mutterschaft empfinden kann, die man von ihr erwartet. Tapfer bemüht sie sich die Rolle der aufopferungsvollen Versorgerin zu spielen, die sich nicht beklagt. Dass sie selbst dabei auf der Strecke bleibt, schein irrelevant.

 

Die namenlose Protagonistin, die erst am Ende als Madame Leroy einmal identifiziert wird, ist unsichtbar für die Außenwelt. Sie wird über ihre Funktion als Mutter wahrgenommen und hat irgendwann selbst schon den Eindruck, dass der Buggy fast zu ihrem Körper gehört. Sie beugt sich dem gesellschaftlichen Druck, will die Erwartungen erfüllen, um nicht als Problemfall zu gelten, obwohl sie im Hausflur deutlich zu spüren bekommt, dass man mit ihr nichts zu tun haben möchte. Die ausstehenden Mieten, das unerzogene Kind – wer sonst hat dies zu verantworten als die Mutter?

 

Nachts, wenn der Junge endlich schläft, schleicht sie sich aus der Wohnung, geht zum Fluss, um sich wieder als Mensch zu fühlen, der sie einmal war. Nur wenige Minuten erlaubt sie sich. Dann etwas mehr, es kann ja eigentlich nichts geschehen, wenn der Junge schlafend im Bett liegt. Doch immer schmerzlicher wird ihr dabei auch bewusst, was sie alles nicht mehr ist. Sie hat keine Freunde, keine Kollegen, denn in ihrem Beruf kann man keine Rücksicht auf ihr Muttersein nehmen, warum kann sie sich aber auch nicht besser organisieren?

 

Nach dem Vater fragt niemand. Auch in den anonymen Foren, die sie immer wieder aufsucht, erleben Frauen, die von ihren Sorgen berichten, Ablehnung und Hass. Statt Solidarität treffen sie auf jene Supermütter, denen scheinbar alles locker gelingt und die sie noch tiefer in den Abgrund stürzen, in den sie eh schon fallen. Immer müssen sie sich rechtfertigen, im Job, auf den Ämtern, man schreibt ihnen allein die Schuld für ihre prekäre Situation zu und für jede Trotzreaktion des Kindes in der Öffentlichkeit ernten sie missbilligende Blicke.

 

Man spürt, wie sich die Protagonistin einem kritischen Punkt nähert. Bang antizipiert man, wozu sie bereit sein könnte, um diesem Leben, das sie zu erdrücken droht, ein Ende zu setzen. Carole Fives schildert die unschönen Seiten der Elternschaft, schonungslos legt sie offen, wie es zunehmend schwerer wird, den tagtäglichen Kampf zu gewinnen und zu überleben. Die Verzweiflung und Erschöpfung springen einem aus jeder Zeile an und machen den Roman zu einem emotional intensiven Leseerlebnis. Zwei ganz essentielle Fragen resultieren aus der Geschichte: wo sind die Väter? Und warum sind wir nicht ehrlich und reden darüber, dass Kinder und deren Erziehung nicht immer nur eitler Sonnenschein sind.

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Cover des Buches Eine Frau am Telefon (ISBN: 9783552063624)YukBooks avatar

Rezension zu "Eine Frau am Telefon" von Carole Fives

Sorgen und Freuden einer alternden Mutter
YukBookvor 2 Jahren

Ein nicht enden-wollender Monolog einer jammernden Mutter möchte sich vermutlich keiner freiwillig antun. Es sei denn, es handelt sich um Charlène, Protagonistin dieses Romans. Die 62-Jährige ruft mehrmals am Tag ihre erwachsene Tochter an und hinterlässt auf dem Anrufbeantworter Nachrichten aus ihrem Leben in aller Ausführlichkeit. Das Repertoire reicht von Vorwürfen darüber, dass Tochter und Sohn sie nur an Weihnachten besuchen, über ihre Erfahrungen als Chinchilla_417 in diversen Partnerbörsen bis hin zu ihren Ängsten vor Krankheiten und dem Tod, besonders als Blutkrebs bei ihr festgestellt wird.

Nicht alles, was sie so von sich gibt, ist wohl ernst zu nehmen, zumal Charlène ziemlich wankelmütig ist. Erst schwärmt sie von paradiesischen Zuständen im Krankenhaus, in der nächsten Minute schimpft sie über die fiesen Leute dort und schließlich badet sie in Selbstmitleid. Nach und nach erfahren wir mehr über das vergangene Leben der Mutter, die mit 30 von ihrem Ehemann verlassen wurde. Lebenslustig wie sie ist, gibt sie die Partnersuche trotz mehrerer Fehlschläge nicht auf. Man fühlt sich durchweg bestens unterhalten, was vor allem an Charlènes rabenschwarzem Humor und bissigem Ton liegt. Ich wette, jeder Leser wird sich an der einen oder anderen Stelle an Telefonate mit der eigenen Mutter erinnern und vor sich hin schmunzeln.

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