Carolin Emcke

 4,3 Sterne bei 129 Bewertungen
Autorin von Gegen den Hass, Wie wir begehren und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Carolin Emcke wuchs in Nordrhein-Westfalen auf, studierte in Frankfurt, London und an der Harvard-Universität Philosophie, Politik und Geschichte und war von 1998-2006 als Auslandsreporterin des Spiegels in den Krisenregionen der Welt unterwegs. Seit 2007 ist sie freie Publizistin für bekannte Zeitungen wie ZEIT und Süddeutsche Zeitung und lebt in Berlin. In ihrer Autobiographie von 2013 "Wie wir begehren" schreibt sie über ihre Homosexualität und die Probleme eines Coming-Outs in unserer Gesellschaft. 2016 wurde sie auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Neue Bücher

Cover des Buches Was zählt ein Mensch? (ISBN: 9783103976984)

Was zählt ein Mensch?

Erscheint am 23.09.2026 als Gebundenes Buch bei S. FISCHER.

Alle Bücher von Carolin Emcke

Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)

Gegen den Hass

(53)
Erschienen am 23.01.2019
Cover des Buches Wie wir begehren (ISBN: 9783596187195)

Wie wir begehren

(29)
Erschienen am 16.05.2013
Cover des Buches Ja heißt ja und ... (ISBN: 9783596700707)

Ja heißt ja und ...

(13)
Erschienen am 23.04.2025
Cover des Buches Weil es sagbar ist (ISBN: 9783596196852)

Weil es sagbar ist

(9)
Erschienen am 21.05.2015
Cover des Buches Von den Kriegen (ISBN: 9783596162482)

Von den Kriegen

(6)
Erschienen am 01.02.2006
Cover des Buches Stumme Gewalt (ISBN: 9783596180332)

Stumme Gewalt

(7)
Erschienen am 01.02.2010
Cover des Buches Journal (ISBN: 9783103970944)

Journal

(4)
Erschienen am 10.03.2021
Cover des Buches Denk mal! 2015 (ISBN: 9783596030804)

Denk mal! 2015

(2)
Erschienen am 24.07.2014

Neue Rezensionen zu Carolin Emcke

Cover des Buches Ja heißt ja und ... (ISBN: 9783596700707)
L

Rezension zu "Ja heißt ja und ..." von Carolin Emcke

Lesetrullerinchen
Warum "Nein heißt nein" nicht reicht

Seit 2016 gilt in Deutschland "Nein heißt nein". Ein Richter sagte letztes Jahr zu mir, dass mit diesem Gesetz den Frauen ein Bärendienst erwiesen wurde. Ein "Ja heißt ja" bringe uns eher weiter. 


Diesen Gedanken hat Carolin Emcke hier bereits 2019 aufgegriffen. Es geht aber nicht nur um seggsualisierte Gewalt sondern generell um die Benachteiligung marginalisierter Gruppen, zu denen auch Frauen gehören. 


Bei allem geht es vor allem um Macht. "Es ist diese Macht, die auch darüber entscheidet, wem geglaubt wird und wem nicht, wessen Misshandlung als lustig und akzeptabel, wessen Nötigung als selbstverschuldet und harmlos, als Teil des Geschäftsmodells, als Teil der Arbeitskultur gilt, es ist diese Macht, die auch darüber entscheidet, wer sich zu sprechen traut, wer die Scham ablehnt oder die zugeschriebene Mitschuld an der Demütigung, es ist diese Machr, die auch darüber entscheidet, wem geholfen wird, wem zugehört, wer beschützt wird, für wen Schweigezirkel durchbrochen werden, welche Hautfarbe, welche Kleidung, welcher Status, welche Weiblichkeit als schützenswerter gelten als andere." (S. 28)


Carolin Emcke, selbst lesbisch, gelingt hie ein Rundumschlag gegen unsere heteronormative männlich geprägte Cis-Welt aus lauter "Biodeutschen". Ich wage die These, dass jede Frau in ihrem Leben bereits mindestens unangemessenes Verhalten eines Mannes ertragen musste, jede zweite Frau hat seggsuelle Gewalt erlebt. Sämtliche Angehörige der LGBTQA+ Community müssen sich immer wieder erklären, Menschen mit Migrationsgeschichte müssen unabhängig davon, wie lange sie und ihre Familie in Deutschland leben immer wieder beweisen, dass sie "wirklich" deutsch sind. 


"Es ist unangenehm, wieder und wieder erklären zu müssen, warum die Würde des Menschen unantastbar sein soll, wieder und wieder ausbuchstabieren zu müssen, was die Würde sein könnte und wer alles als Mensch zählt, es erscheint peinlich banal,  erklären zu müssen, warum Menschen rechtsstaatliche Garantien verdienen, warum sie nicht benachteiligt werden dürfen, nur weil sie anders glauben, anders lieben oder einen anderen Körper haben, als es mehrheitlich erwartet wird, wieder und wieder zu erläutern, warum jede Person selbst bestimmen darf, was ihr Lust bereitet oder warum jede Person fromm oder trans oder ungläubig sein darf." (S. 90)


Nach dem Lesen dieses Buches war mir wieder bewusst, wie privilegiert ich bin. Ich bin weiß, cis, hetero, lebe in Mitteleuropa (noch) in Frieden und Freiheit, konnte Bildungschancen nutzen und bin das, was man einen "sozialen Aufsteiger" nennt.


Ich bin aber auch eine Frau, die selbst erlebt hat, dass für Männer und Frauen nicht dieselben Regeln gelten. Solange ich kann, werde ich mich dafür einsetzen, dass sich das endlich ändert. 


Um es mit den Worten der mutige Giselle Pelicot zu sagen: Die Scham muss die Seiten wechseln.

Cover des Buches Respekt ist zumutbar (ISBN: 9783103977400)
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Rezension zu "Respekt ist zumutbar" von Carolin Emcke

downey_jr
Es gibt keine Hierarchie von Menschen: Texte gegen Hass

Ich kann es nicht ändern: Eine Rezension von Carolin Emckes Büchern ist bei mir gleichzusetzen mit einer Liebeserklärung an die Autorin. Für mich ist sie einfach eine der klügsten, reflektiertesten, authentischsten und sympathischsten Menschen, die ich mir vorstellen kann. 


Ich liebe alle ihre Texte und Veröffentlichungen, ich kann nicht genug bekommen von ihren klugen Worten und Gedanken. Daher habe ich mich sehr auf ihre neue Veröffentlichung "Respekt ist zumutbar" gefreut. Hier versammelt sie Texte aus den Jahren 2014 bis 2024, die sie für eine Kolumne der Süddeutschen Zeitung geschrieben hat. Auch wenn manche Texte schon älter sind, haben sie nichts von ihrer Aktualität und Treffsicherheit verloren.


 


In ihren Essays beschäftigt sich Carolin Emcke mit (zu der Zeit der Veröffentlichung jeweils) aktuellen gesellschaftlichen und politischen Konflikten; es geht um Gewalt, Menschenfeindlichkeit, um Hass, um Angriffe auf die Demokratie und die Freiheit, es geht um Respekt, um Menschenrechte und deren Verteidigung.


 


„Für Frauen gelten mühsam erlangte Rechte nie als untastbar. Sie bleiben ewig prekär. Sie können nicht nur einmal errungen werden, sondern sie müssen weiter verteidigt werden gegen die Angriffe derer, die immer noch und immer wieder Freiheits- und Gleichheitsgrundsätze in Frage stellen und Hierarchien einziehen wollen, die nur bestimmten Frauen, nur bestimmten Familien, nur bestimmten Körpern menschliche Würde und unveräußerliche Rechte zustehen wollen, die priorisieren wollen, welchen Lebensformen, welchem Glaube, welcher S·xualität echter Schutz zusteht.“


 


Gleichzeitig sind Carolin Emckes Worte ein Aufruf für Respekt, Empathie und ein friedliches Miteinander. Nicht umsonst erhielt die Autorin schon 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden – wenn es nach mir ginge, hätte sie diesen Preis auch 2025 wieder bekommen sollen; allein schon für ihre beeindruckende Rede (lest diese unbedingt mal komplett nach!) auf der Demonstration am Brandenburger Tor am 25. Januar 2025, die so beginnt:


 


„Wir müssen uns die Worte zurückholen. 


Wir müssen es verteidigen, 


das Vokabular der Würde. 


 


Wir müssen uns die Worte zurückholen 


und damit die Prinzipien von 


Menschenrechten und Demokratie.“


 


Anhand der Texte erleben wir, wie sich im Laufe der letzten 10 Jahre unsere Gesellschaft und die Welt verändert haben. Dies nochmal vor Augen zu haben, ist erschreckend, besonders im Hinblick auf den Verfall unserer Demokratie. In sofern ist dieses Buch hoffentlich für viele ein Augenöffner, um dem Rechtsruck und dem Hass entgegenzuwirken.


 


„Vielleicht muss man wieder beginnen, die Worte auf ihre Bedeutung hinzubefragen, weil sie sonst sinnlos werden. [...] Vielleicht braucht es ein Wörterbuch der Demokratie, in dem das Vokabular beschrieben wird, das eine demokratische Gemeinschaft braucht, wenn sie demokratisch und gemeinschaftlich bleiben will.“


 


„Vielleicht braucht es eine Re-Formulierung des demokratischen Vokabulars. Vielleicht braucht es auch nur eine Beschreibung, wie die soziale Wirklichkeit aussähe, wenn es keine gesetzlichen Vorgaben gäbe. Gesetze und Verbote in einem Rechtsstaat verhindern nicht subjektive Freiheitsrechte, wie da permanent suggeriert wird, sondern sie setzen den Rahmen, innerhalb dessen die Autonomie des Einzelnen überhaupt erst ausgeübt und gelebt werden kann. Eine Freiheit ohne die Grenze der Freiheit und Würde anderer ist keine.“


 


 „Respekt ist zumutbar“ ist ein wirklich kluges, wichtiges und vielschichtiges Buch, das mir auch Hoffnung gibt:


 


„Es ist möglich. Die Hoffnung auf ein freieres, gerechteres, nachhaltigeres Leben will geübt sein. Auch die Demokratie braucht die Lust und den Mut, sich zu verändern und zu vertiefen.“


 


Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung mit 5⭐️ für dieses Buch sowie für alle anderen Veröffentlichungen von Carolin Emcke - und die Hoffnung, dass möglichst viele Menschen Carolin Emckes Texte lesen.


 

Cover des Buches Stumme Gewalt (ISBN: 9783596180332)
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Rezension zu "Stumme Gewalt" von Carolin Emcke

downey_jr
Sehr kluges Buch mit intelligenter Fragestellung & viel Stoff zum Nachdenken

"Stumme Gewalt - Nachdenken über die RAF" ist ein weiteres überaus beachtenswertes Buch der Journalistin und Autorin Carolin Emcke.

Ich muss zugeben, dass ich eine riesige Bewunderin von ihr bin - ich schätze und liebe Ihre unfassbar kluge und empathische Art zu denken und zu schreiben.

Besonders gut fand ich ihre Veröffentlichungen "Über den Hass", "Wie wir begehren", "Ja heißt ja und ..." sowie "Weil es sagbar ist", aber alle ihre Bücher sind mehr als lesenswert und klug!

Hier in dem sehr persönlichen Buch "Stumme Gewalt" verarbeitet Carolin Emcke nach 18 Jahren die Ermordung ihres Patenonkels, dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen.

Er wurde bei einem der letzten RAF-Morde in Bad Homburg mit einer Sprengladung getötet.

Das Buch ist ebenso eine persönliche Aufarbeitung wie auch ein politischer Text.

"Freiheit gegen Aufklärung", nur so könnte es Carolin Emcke zufolge helfen, diese Epoche des Terrors in Deutschland wirklich zu begreifen und aufzuarbeiten.

Ich fand auch dieses Buch wirklich sehr gut und klug geschrieben; es regt zum Nachdenken an und ist gleichzeitig unfassbar berührend.

Ganz klare Leseempfehlung von mir!

 

„Das hatte ich mir geschworen. In der ersten Woche. Da war Alfred Herrhausen noch nicht einmal beerdigt. Dass ist denn Mördern niemals gelingen sollte, mich zu einer anderen Person zu machen. Dass es ihnen nicht gelingen sollte, mich zu manipulieren. Dass ich ihnen nicht den Triumph gönnen würde, mich politisch zu verbittern, dass ich intellektuell offen bleiben müsse - aus Hass gegenüber den schweigenden Tätern.“

 

 

„Wie immens muss die Motivation zu töten sein, dass sie sich durch alle logistischen und technischen Details der Vorbereitung hindurch erhalten kann?

...

Und hat es einen einzigen Moment gegeben, in dem Fragenden Nachdenklichkeit statt haben durfte Fragezeichen sind jemandem Zweifel gekommen? An dem Objekt des Hasses? An dem Hass selbst? Hat es einen Moment gegeben, in dem sich die Täter fragten, wie Smaie bis hierher gekommen sind? Wie sie jemand geworden sind, der dabei ist, einen Mord zu begehen? Haben sie sich das gefragt? 

Hat es einen einzigen Moment gegeben an dem jemand unsicher wurde?“

 

„Getrieben vom Zorn jedenfalls werden wir die Gewalt von heute und die Gewalt von gestern nicht überwinden. Je zorniger wie reagieren, je mehr wir uns hineinsteigern in diese aufgewühlte Wut gegen die anderen, umso mehr deuten wir auf das was am Grund dieses Zorns liegt: die eigene Schwäche.“

 

„Ich weiß, wie einladend diese Reaktion ist. 

Wie nahe liegend dieser Rückzug in die eigene Verwundung. Ich weiß, warum wir immer wieder und immer noch in dieses Verhaltensmuster verfallen. 

Wir wollen erst, dass diese Versehrungen anerkannt werden, wir wollen bestätigt bekommen, dass es Unrecht war, dass es Leid verursacht und dass es uns geprägt hat. Und solange uns das Unwissen noch quält, solange das schützende Schweigen andauert, solange scheint es unmöglich, das Loslassen.“

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Zusätzliche Informationen

Carolin Emcke wurde am 18. August 1967 in Mülheim an der Ruhr (Deutschland) geboren.

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