Carolin Emcke

 4,2 Sterne bei 122 Bewertungen
Autorin von Gegen den Hass, Wie wir begehren und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Carolin Emcke wuchs in Nordrhein-Westfalen auf, studierte in Frankfurt, London und an der Harvard-Universität Philosophie, Politik und Geschichte und war von 1998-2006 als Auslandsreporterin des Spiegels in den Krisenregionen der Welt unterwegs. Seit 2007 ist sie freie Publizistin für bekannte Zeitungen wie ZEIT und Süddeutsche Zeitung und lebt in Berlin. In ihrer Autobiographie von 2013 "Wie wir begehren" schreibt sie über ihre Homosexualität und die Probleme eines Coming-Outs in unserer Gesellschaft. 2016 wurde sie auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Alle Bücher von Carolin Emcke

Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)

Gegen den Hass

 (52)
Erschienen am 23.01.2019
Cover des Buches Wie wir begehren (ISBN: 9783596187195)

Wie wir begehren

 (28)
Erschienen am 16.05.2013
Cover des Buches Ja heißt ja und ... (ISBN: 9783103974621)

Ja heißt ja und ...

 (11)
Erschienen am 22.05.2019
Cover des Buches Weil es sagbar ist (ISBN: 9783596196852)

Weil es sagbar ist

 (9)
Erschienen am 21.05.2015
Cover des Buches Von den Kriegen (ISBN: 9783596162482)

Von den Kriegen

 (6)
Erschienen am 01.02.2006
Cover des Buches Stumme Gewalt (ISBN: 9783596180332)

Stumme Gewalt

 (5)
Erschienen am 31.01.2010
Cover des Buches Journal (ISBN: 9783103970944)

Journal

 (4)
Erschienen am 10.03.2021
Cover des Buches Denk mal! 2015 (ISBN: 9783596030804)

Denk mal! 2015

 (2)
Erschienen am 24.07.2014

Neue Rezensionen zu Carolin Emcke

Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)

Rezension zu "Gegen den Hass" von Carolin Emcke

Es ist dringend an der Zeit die offene Gesellschaft zu verteidigen und sich klar und deutlich als Mehrheitsgesellschaft gegen den Hass zu positionieren.
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

Wer sich auch nur ein wenig im Internet bewegt, weiß es schon lange: die Menschenfeinde versuchen lautstark, organisiert und hemmungslos ihren Hass als die wahre Meinung des Volkes, die aufrichtige Mehrheitsmeinung zu verkaufen. Dass es diesen rechten bis rechtsextremen Rand in jeder Gesellschaft gibt, ist nichts Neues. Dass diese fanatische Minderheit bis zu 20 Prozent der deutschen Gesellschaft ausmacht, könnte man auch seit Jahren wissen, wenn man die entsprechenden Studien verfolgt hätte. Hier haben die bürgerliche Mitte und die Verteidiger der offenen Gesellschaft schlichtweg zu lange weggeguckt. Die autoritären Charaktere mit ihrer Radfahrermentalität (Erich Fromm), nach oben buckeln und nach unten treten, die preußischen Untertanen, versuchen den Diskurs zu okkupieren und ihre Meinung als mehrheitsfähig in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.

„Die Sorge erlebt zur Zeit eine erstaunliche Aufwertung. In der Sorge, so die rhetorische Suggestion, artikuliere sich ein berechtigtes Unbehagen, ein Affekt, der politisch ernst genommen und keinesfalls kritisiert werden sollte. Als seien ungefilterte Gefühle per se berechtigt. Als käme unreflektierten Gefühlen eine ganz eigene Legitimität zu.“

Obsessiver Hass

Erst mit dem Erstarken von Pegida und AfD wacht die im Konsum erstarrte offene Gesellschaft langsam auf. Erst mit dem Rückfall zahlreicher Deutscher in den völkischen Hass-Habitus schrecken Intellektuelle wie Carolin Emcke oder Harald Welzer auf. Es ist dringend an der Zeit die offene Gesellschaft zu verteidigen und sich klar und deutlich als Mehrheitsgesellschaft gegen den Hass zu positionieren. Emckes Plädoyer trifft den Kern der Debatte, was die Reaktionen der besorgten Bürger (u.a. in Amazon Rezensionen und Kommentaren) eindringlich bestätigen. Der Hass ist obsessiv geworden. Und seit geraumer Zeit werden aus den Worten auch Taten. Was Sarrazin, Pirinçci, Don Alphonso (Rainer Meyer), Höcke und sonstige Protagonisten der Neurechten sprachlich und gedanklich vorbereiten, führen die Hohlköpfe der neuen SA, die Hooligans, Kameradschaften, Freundeskreise und wie sich die rechtsextremen Gewaltaffinen auch nennen mögen, auf den Straßen aus.

„Den Hass und die Angst schüren nicht zuletzt die, die sich von ihm Gewinn versprechen. Ob die Profiteure der Angst in der Währung der Einschaltquoten denken oder in Wählerstimmen, ob sie mit einschlägigen Titeln Bestseller produzieren oder sich mit griffigen Schlagzeilen Aufmerksamkeit verschaffen – sie alle mögen sich distanzieren von dem sogenannten »Mob« auf der Straße, aber sie wissen ihn ökonomisch für sich zu nutzen.“

Mehr noch, muss man hinzufügen, sie sind sich in der Sache einig, lediglich die Methoden halten sie für falsch. Es ist diese Allianz der Hetzer mit dem Mob, die das gesellschaftliche Gefüge gefährden und der Menschenfeindlichkeit den Nährboden bieten. Carolin Emcke beginnt „Gegen den Hass“ mit genau solch einer Melange aus Worten und Taten. Clausnitz, wiedermal ein deutscher Ort, nach den überwunden geglaubten 90er Jahren, der zu einem Symbol des Hasses geworden ist.

„Clausnitz ist nur ein Beispiel für den Hass und die Raster der Wahrnehmung, die ihn vorbereiten und formen, die Menschen unsichtbar und monströs zugleich machen. In Clausnitz traf es einen Bus mit Geflüchteten. In anderen Städten, in anderen Regionen trifft es Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Sexualität, einem anderen Glauben, einem uneindeutigen Körper, es trifft junge oder alte Frauen, Menschen mit einer Kippa oder einem Kopftuch, Menschen ohne Obdach oder ohne Pass, was immer gerade als Objekt des Hasses zugerichtet wird. Sie werden eingeschüchtert, wie in diesem Fall, oder kriminalisiert, sie werden pathologisiert oder ausgewiesen, angegriffen oder verletzt.“

Als zweites Beispiel für „Hass und Missachtung“ führt Emcke den institutionellen Rassismus in den USA an. Es ist ein Beispiel, exemplarisch und nicht der Fingerzeig auf andere. Der institutionelle Rassismus ist kein Problem der USA, dort hat er lediglich eine spezifische Geschichte mit einer spezifischen und nicht einfach übertragbaren Ausprägung. Aber die Strukturen des Rassismus, die Missachtung des Lebens, die Menschenfeindlichkeit sind sehr wohl auch bei uns auszumachen.

Der Mord an Eric Garner und sein Ausruf „This stops today“ ist Warnung, Mahnung und Aufforderung an alle Demokraten sich den Hass entgegenzustellen. Wie Harald Welzer es in „Wir sind die Mehrheit“ schrieb: Die Weimarer Republik scheiterte nicht, weil sie zu viele Feinde hatte, sie scheiterte, weil sie zu wenig Freunde hatte. Ebenso wie Welzer ruft Emcke dem Leser zu: Werdet Freunde der offenen Gesellschaft! Stellt euch gegen den Hass! Wir sind die Mehrheit!

Der zweite Teil des Buches ist der Versuch den Kern der völkischen Ideologie, wie sie im Rassismus, bei Pegida, AfD und Neurechten gepflegt wird, aufzudecken: Homogen, Natürlich, Rein. Die Dreifaltigkeit der Einfältigkeit. Die Nähe von Neurechten, besorgten Bürgern und Islamisten wird hier besonders deutlich. Die Fundamentalisten sind immer gegen das vermeintlich Unnatürliche, das Unreine, die Biologisierung der eigenen Ideologie, der eigenen Ressentiments. Menschenfeinde sind Menschenfeinde – auch wenn sie es, geblendet von ihrem Hass, nicht erkennen werden.

Emcke schließt das Buch mit dem dritten Teil, einem Plädoyer für den Pluralismus, die offene Gesellschaft. Hinter allem steht die Mahnung Eric Garners: Es muss heute aufhören! Der Hass muss aufhören.

Während der erste Teil des Buches im journalistischen Stil geschrieben ist, dominiert im zweiten und dritten Teil ein philosophisch-akademischer Ton. Hierdurch wird meines Erachtens Potenzial verschenkt. Solche Bücher bedürfen einer großen Reichweite. Dass die besorgten Bürger das Buch nicht lesen werden, versteht sich von selbst. Aber die Mehrheitsgesellschaft besteht nicht nur aus Akademikern und Intellektuellen. Das ändert aber natürlich nichts an der Wichtigkeit des Buches und der trefflichen Analyse und Argumentation.

Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)
Glitzerstars avatar

Rezension zu "Gegen den Hass" von Carolin Emcke

Was ist Hass?
Glitzerstarvor einem Jahr

„Wie sie sich so sicher sein können. Denn das müssen die Hassenden sein: sicher. Sonst würden sie nicht so sprechen, so verletzen, so morden. Sonst könnten sie andere nicht so herabwürdigend, demütigen, angreifen. Sie müssen sich sicher sein. ohne jeden Zweifel. Am Hass zweifelnd lässt sich nicht hassen.“

Mit einem ähnlichen Ansatz und gelassenem Ton wie in ihrem Buch „Wie wir Begehren“ schreibt Carolin Emcke in „Gegen den Hass“ über verschiedene Diskriminierungsformen in unserer Gesellschaft. Das gleiche Prinzip, das sie anwendet, ist, sich zu einfachen Fragen versuchen eine einfache Antwort zu geben. Schnell merkt sie, dass die Wurzeln der Antworten tiefer sind. Mit cleveren Denkanstößen lässt sie die Lesenden sich selbst positionieren und vielleicht die eigenen Handlungen hinterfragen. Was heute ‚sichtbarer ‘und ‚logischer‘ erscheint bezüglich des strukturellen Rassismus, Queerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, usw. legt Emcke schon 2016 die eigentlichen Grundlagen zu Papier und beschreibt es wahnsinnig pointiert und klug. 


Auch wenn ich ab und zu einige Passagen nicht verstanden habe, und Google verwenden musste, um wirklich nicht das Wichtigste zu verpassen, ist dieser Essay ein Muss!
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass manche Themen mehr behandelt wurden als andere. Aber würden alle Themen genau so viele Seiten brauchen, wäre es so dick, wie die Bibel gewesen. Ich denke, dass Emcke sich bewusst ihrer Schwerpunkte gesetzt hat, bei denen sie auch gezielt eingehen konnte. Wobei ich denke, dass sie doch fast alles kann. (vielleicht eine superpower?)
Vermutlich landet dieses Buch nur bei Menschen, die schon ein grundlegendes und ethisches Menschenverständnis besitzen bzw.  sich deren Privilegien durch das Buch nochmal bewusster wird. Aber vielleicht hilft das Buch sich selbst zu bestärken und weiterhin gegen den Hass anzukämpfen.

Absolute Leseempfehlung!

„(…), schreibt Hannah Arendt in Vita Activa, „Macht besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, wenn sie sich zerstreuen.“ Das wäre auch die zutreffendste und schönste Beschreibung von einem Wir in einer offenen demokratischen Gesellschaft: Dieses Wir ist immer ein Potenzial und nicht etwas Unveränderliches, Messbares, Verlässliches. Das Wir definiert niemand allein. Es entsteht, wenn Menschen zusammen handeln, und es verschwindet, wenn sie sich aufspalten.“

Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)
Sandra1975s avatar

Rezension zu "Gegen den Hass" von Carolin Emcke

Gegen die Romantisierung von Krisen
Sandra1975vor 2 Jahren

Ich habe das Buch als Plädoyer gegen die Romantisierung von Krisen gelesen und mochte sowohl den Schreibstil als auch die Gedankenführung. Es ist schon ein Weilchen her, seitdem ich das Buch gelesen habe, daher habe ich nicht alle Details präsent. 

Krisenzeiten können eine Chance zur Veränderung sein, es gibt aber auch Menschen, die sich aus Angst in umso starrere Denkmuster zurückziehen. Daraus speist sich dann der Hass auf alle und alles, was diese Starrheit infrage stellt. Diese These (die meiner Meinung nach dem Buch zugrunde liegt) ähnelt der Begrifflichkeit, mit der Karl Jaspers seinerzeit den Marxismus beschrieb: Man habe eine bestimmte Notwendigkeit vor Augen, nach der sich die Geschichte entwickeln MUSS und lehne alles ab, was von dieser imaginierten Notwendigkeit abweiche. 

Die Antwort gegen den Hass ist insofern Emckes Buch selbst. Es liefert keine fertigen Lösungen oder plakative Thesen. Es ist ein nachdenkliches, geradezu meditatives und ruhiges Buch. Ein diskursiver Gegenpol zu den grölenden, besserwisserischen Stimmen des postmodernen Populismus.


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Zusätzliche Informationen

Carolin Emcke wurde am 18. August 1967 in Mülheim an der Ruhr (Deutschland) geboren.

Carolin Emcke im Netz:

Community-Statistik

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auf 53 Merkzettel

von 9 Leser*innen aktuell gelesen

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