Carolin Emcke Weil es sagbar ist

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 4 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(2)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Weil es sagbar ist“ von Carolin Emcke

Wie lässt sich von Krieg und Gewalt erzählen? Warum lässt Gewalt die Betroffenen oft verstummen? Was bedeutet das für uns, die Verschonten? Carolin Emcke bereist seit Jahren von Krieg und Gewalt versehrte Länder. Immer wieder wird sie gebeten, die schrecklichen Erlebnisse der Menschen aufzuschreiben. Gibt es dabei Grenzen des Verstehens? Schwellen des Sagbaren? Welche Bedingungen muss eine Gesellschaft schaffen, damit die Opfer von Gewalt über das Erlittene sprechen können? Diesen Fragen stellt sich Carolin Emcke mit ihren Essays in der Überzeugung, dass es nicht nur möglich, sondern nötig ist, vom Leid anderer zu erzählen -- für die Opfer von Gewalt ebenso wie für die Gemeinschaft, in der wir leben wollen. Sie argumentiert gegen das „Unbeschreibliche“ und für das Ethos der Empathie und des Erzählens.»Carolin Emcke (…) arbeitet mit einer gedanklichen und sprachlichen Präzision, die ihresgleichen sucht, und einem intellektuellen Mut, der bewundernswert ist.« Heribert PrantlDer Band enthält außer dem eigens für diesen Band verfassten Essay "Weil es sagbar ist: Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit" auch folgende schon einmal veröffentlichten Texte:"Anatomie der Folter", erschienen in: Le Monde Diplomatique 12. August 2005 "Das Leid der Anderen", erschienen in: DIE ZEIT, 17. Dezember 2008"Liberaler Rassismus", erschienen in: DIE ZEIT, 25. Februar 2010"Der verdoppelte Hass der modernen Islamfeindlichkeit", erschienen in: "Deutsche Zustände - Bd.9", hrsg. von Wilhelm Heitmeyer, Berlin 2011"Heimat - das Heimatland der Phantasie", Vortrag auf einer Tagung von Bündnis 90/Die Grünen am 22. Juni 2009"Über das Reisen 1 - 3", drei Essays für das Nachtstudio des Bayerischen Rundfunk

Carolin Emcke nimmt sich wieder eines Themas an, dass einen zweiten und dritten Blick verdient. Auch Deinen.

— alma
alma

Stöbern in Biografie

Am Ende der Welt ist immer ein Anfang

Ein schönes Buch mit Schwächen

Amber144

Gegen alle Regeln

Tragisches, aber nie kitschiges Leseerlebnis

RobinBook

Dichterhäuser

Ein großartiges Geschenk an alle, die Literatur & ihre Dichter lieben/besser kennenlernen wollen. Diese Fotos! Ein wahres Fest fürs Auge!

Wedma

Penguin Bloom

Inspiriert einfach...

WriteReadPassion

Und was machst Du so?

Eine interessante Lektüre, die dazu führt, die eigene Biografie und Berufswahl zu hinterfragen.

seschat

Von Beruf Schriftsteller

Ein sehr lesenswerter Einblick in das Leben des berühmten Schriftstellers Haruki Murakami - nicht nur für Bibliophile!

DieBuchkolumnistin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein beeindruckendes Zeugnis eines kritischen Journalismus

    Weil es sagbar ist
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    24. February 2014 um 11:42

        Seit über einem Jahrzehnt kenne ich Carolin Emcke als eine engagierte und unerschrockene, kritische Journalistin, die unter anderem für die ZEIT aus den Krisen- und Katastrophengebieten dieser Welt berichtet. Aus ihren oft verzweifelten Artikeln, die nicht selten unglaubliche Menschenschicksale dokumentieren, spricht immer wieder die Überzeugung, dass es nicht nur möglich, sondern auch nötig ist, das Leid anderer Menschen zu erzählen, ihr Leid öffentlich zu machen. Es gibt nichts Unbeschreibliches.   Dennoch ist es oft schwer, Menschen, die schwer traumatisiert wurden aus ihrem Schweigen herauszuhelfen: "Verzweiflung und Schmerz legen sich wie eine Schale um die betroffenen Personen und schließen sie ein. So vergrößert sich der Radius der Gewalt, weitet sich aus und beschädigt. Erlittene Gewalt nistet sich ein, sie lagert sich ab, lässt ‚erstarren’, artikuliert sich in Gesten, Bewegungen, Wortfetzen oder im Schweigen."    Dieses Schweigen der Opfer, aus welchen Gründen auch immer, wird, so betont Carolin Emcke immer wieder, zu einem Teil des Verbrechens, das an ihnen begangen wurde. Die Täter kalkulieren es sozusagen ein. "Darin aber, in dem Schweigen der Opfer von extremem Unrecht und Gewalt, liegt die perfideste Kunst solcher Verbrechen: seine eigenen Spuren zu verwischen. Denn wenn sich strukturelle und physische Gewalt einschreibt in ihre Opfer, wenn sie die physische und psychische Integrität einer Person verletzt, wenn extremes Unrecht und Gewalt die erzählerische Kompetenz angreift, dann bleibt sie unbemerkt und wirkt fort."   In ihrem Essay, in dem sie sich immer wieder auf eine Notiz von Anna Achmatowa aus dem Jahr 1957 bezieht, denkt Carolin Emcke nach über Zeugenschaft und Gerechtigkeit, denn „es ist sagbar“. Zeugenschaft, recht begriffen, will den Opfern ihre Menschlichkeit zurückgeben, indem sie sie von ihrem Schicksal erzählen lässt, wie gebrochen auch immer. Es ist so etwas wie ein „Erzählen trotz allem“, das aber nicht allein die Würde der Opfer im Blick hat: "Es ist auch unsere Identität, die der Ungeprügelten, der Verschonten, der nächsten Generation, der Kinder und Enkel, die wir die Geschichten der Täter und Opfer, auch die unerzählten, geerbt haben, die sich in einem solchen Gespräch erst beweisen muss. Wer wir individuell und als Gesellschaft sein wollen, wer wir sein können, zeigt sich auch darin, ob wir eine solche vielstimmige, unfertige und zeitoffene Erzählung ermöglichen."   Ein beeindruckendes Zeugnis eines kritischen Journalismus, wie wir ihn heute oft so schmerzlich vermissen.

    Mehr