Um nicht, wie seine Schwester Auguste, eine von Napoleon aufgezwungene Ehe eingehen zu müssen, hat Kronprinz Ludwig von Bayern 1810 die blutjunge Therese von Sachsen-Hildburghausen geheiratet. Therese hat in Napoleons eigenen Heiratsplänen kurz eine Rolle gespielt, bevor er sich für Erzherzogin Marie-Louise von Österreich entschieden hat. Ob dann ihr Schicksal ein besseres gewesen wäre als an der Seite von Ludwig? Man kann es nicht wissen.
Wer ist sie nun, die Therese von Sachsen-Hildburghausen, die durch die zahlreichen Affären ihres Mannes öffentlich bloßgestellt worden ist? Immerhin ist sie Namensgeberin der Theresienwiese, auf der das jährliche Oktoberfest stattfindet.
War sie wirklich so naiv und duldsam, wie man es behauptet? Loyal war sie jedenfalls. In späteren Jahren tritt sie recht selbstbewusst auf, muss sie doch immer wieder ihren Mann vertreten, der sich häufig auf amourösen Reisen befindet Doch als Lola Montez in Ludwigs Leben tritt und der sechzigjährige König der Tänzerin und Schauspielerin mit Haut und Haar verfällt, ist Schluss mit lustig. Die Jahre 1846 bis 1848 sind vom passiven Widerstand der Königin gezeichnet. Die Affäre Montez löst eine Staatskrise aus, weil die Minister ihre Ämter niederlegen. Als Ludwig Lola Montez in den Adelsstand erheben lässt, ist dies nicht nur ein Affront seiner Gemahlin, sondern auch den anderen Adelshäusern und der verarmten Bevölkerung gegenüber, denn die Montez verprasst staatliche wie auch private Zuwendungen des Königs.
Während in ganz Europa die Revolutionen wegen Hungersnöten, schlechter Verwaltung oder Zensur aufflammen und niedergeschlagen werden, erheben sich die Bayern vorrangig wegen des Liebeslebens ihres Monarchen, der seine untadelige Ehefrau damit düpiert hat. Am 20. März 1848 dankt König Ludwig von Bayern zu Gunsten seines Sohnes Maximilian ab. Ludwig verlor nicht durch die Revolution seine Krone, wie er sich einbildet, sondern durch die unheilvolle Affäre mit Lola Montez, die er weiterführt und eine Erpressung um ein Enthüllungsbuch inklusive.
Mit der Abdankung ihres Ehemann ist auch Therese keine Königin mehr. Sie zieht sich ins Privatleben zurück und stirbt am 26. Oktober 1854 an Cholera. An ihrer Beerdigung nimmt Ludwig nicht teil. Ludwig wird seine Ehefrau um 18 Jahre überleben.
„Heute vor vierzig Jahren heiratete ich Therese, hatte ein großes Los gezogen, nicht sie.“
Ludwigs Erkenntnis, seine Ehefrau, die ihm immer loyal zur Seite gestanden ist, verletzt zu haben, kommt 1850 viel zu spät.
Meine Meinung:
Die Hamburger Autorin Carolin Philipps beschreibt im Prolog dieser Biografie, dass diese beinahe nicht geschrieben werden konnte, weil Archivalien und der Nachlass Thereses auf abenteuerliche Weise in die DDR verbracht worden sind. Da ist von zunächst wenig Material die Rede und der Erlaubnis Herzogs Franz von Bayern, dem aktuellen Chef der Wittelsbacher, Einsicht in das Archiv in München zu nehmen. Der Schrecken ist groß, als im Karteikasten mit dem Buchstaben T nichts über Therese zu finden ist. In guter alter patriarchalischer Art ist Thereses Nachlass unter dem Namen ihres Mannes Ludwig einsortiert. Heureka! Doch die nächste Schwierigkeit taucht postwendend auf: Die Tausenden Briefe sind (eh klar) in alter deutscher Handschrift verfasst, die die Autorin nicht wirklich lesen kann. Nach drei Monaten, einem Schnellkursus mit Übungsbuch und ein paar Kopien von Thereses Briefen ist es endlich soweit: Thereses Leben kann auferstehen.
Die Autorin berichtet immer wieder in Einschüben über Details ihrer Recherchearbeit - spannende und interessante Informationen, die man sonst nicht so häufig erhält.
Die Lebensgeschichte der beiden Eheleute wird nun flüssig aus jeweils unterschiedlicher Sicht erzählt. So erfährt man über die traumatischen Kindheitserlebnisse Ludwigs während der Napoleonischen Kriege. Die werden zu einem lebenslangen Hass auf alles Französische führen. Dennoch wird Bayern ein Königreich von Napoleons Gnaden, was Ludwig sichtlich später vergessen haben mag.
Wie es sich für einen Biografie einer Königin gehört, kommen zahlreiche bekannte und weniger bekannte verwandte Familienmitglieder vor. Das kann manchmal verwirrend sein und bedarf eines genauen Lesens. Da hätte ich mir ein Personenverzeichnis und einen Stammbaum gewünscht. Möglicherweise hätte beides den Rahmen gesprengt.
Die Autorin zitiert ausgiebig aus den Tausenden Briefen, die zwischen Therese und Ludwig sowie ihren Familienangehörigen hin und her gehen. Zusätzlich dürfen wir die oft holprigen Verse des Königs lesen, der glaubt ein grandioser Dichter zu sein.
Im Anhang ab S. 413 findet man auf 40 Seiten die genauen Quellenangaben und zahlreichen Abbildungen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser interessanten und ausführlichen Biografie 5 Sterne.





















