Eine Frau bucht ein Ticket, setzt sich eine Frist. Im Sommer ist Schluss, schreibt sie in ihr Tagebuch. In der neuen Stadt am Meer, unter gleißender Sonne, will sie den Erwartungen entkommen, so beginnt Carolin Würfels Debütroman, und schon in diesen ersten Sätzen spürt man: Hier geht es um mehr als nur eine spontane Flucht ans Meer.
Die Protagonistin will raus aus den Mustern, die ihr Leben bestimmt haben – sie will keine Kinder, sie will Sex, will kompromisslose Freiheit. Doch Würfel macht es sich und ihren Leser:innen nicht einfach. Denn wie kann man sich von Prägungen befreien, die tiefer reichen als die eigene Biografie?
Was weiß sie von den widerständigen, duldenden, hadernden Frauen ihrer Familie, deren Leben sich ihrem eingeschrieben haben, von Anna und Rosa, Ella und Viola, von ihrer Mutter Romy? Diese Frage durchzieht den Roman wie ein roter Faden und macht aus dem vermeintlichen Befreiungsversuch ein vielschichtiges Generationenporträt.
Leider ist die Protagonistin so gar nicht sympathisch. Während die anderen Frauen ihrer Familie an ihrer Lebenssituation leiden, leidet sie scheinbar grundlos an sich selbst, ihrem Anspruch an sich und andere. Ohne die anderen Figuren hätte ich das Buch abgebrochen, so bleibe ich dran, lese die vielen tragischen Geschichten, googele zwischendurch die genannten prominenten Frauen, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind. Alles hat mehr Reiz als der Protagonistin zu folgen.
Was bleibt? Ist es ein gutes Buch oder ein schlechtes? Eher etwas dazwischen. Sprachlich ist es wundervoll, auch die Idee dahinter ist groß. Und wer sich mit der Protagonistin identifizieren kann, wer sie mag, der wird das Buch vielleicht sogar etwas mehr schätzen können als ich. Mir blieb am Ende ein sehr gemischtes Gefühl – und das Ende des Buches war mir sogar, so hart muss ich sein, relativ egal.









