Caroline Criado-Perez

 4,6 Sterne bei 59 Bewertungen

Lebenslauf von Caroline Criado-Perez

Caroline Criado Perez, 1984 geboren, ist Autorin und Rundfunkjournalistin. Sie publiziert u.a. im New Statesman und im Guardian und hält regelmäßig Vorträge. Ihr erstes Buch »Do it Like a Woman« wurde von den Medien als »ein eindringlicher journalistischer Text« und zu einem der »Bücher des Jahres« des Guardian gekürt, »alle jungen Mädchen und Frauen sollten ein Exemplar besitzen«. Als eine der international bedeutendsten feministischen Aktivistinnen ihrer Zeit wurde Criado Perez mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Zu ihren bekanntesten Kampagnen-Erfolgen gehören die Mitfinanzierung der Website Women’s Room, der Abdruck einer Frau auf britischen Banknoten, die Verpflichtung von Twitter, seinen Umgang mit dem Thema Missbrauch zu ändern, und die Aufstellung einer Statue der Frauenrechtlerin Millicent Fawcett auf dem Parliament Square. 2013 wurde Caroline Criado Perez zum Human Rights Campaigner of the Year ernannt. Seit 2015 ist sie Officer of the Order of the British Empire (OBE). Sie lebt in London.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Caroline Criado-Perez

Cover des Buches Unsichtbare Frauen (ISBN: 9783442718870)

Unsichtbare Frauen

 (59)
Erschienen am 10.02.2020
Cover des Buches Do It Like a Woman (ISBN: 9781846275791)

Do It Like a Woman

 (0)
Erschienen am 07.05.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Caroline Criado-Perez

Cover des Buches Unsichtbare Frauen (ISBN: 9783442718870)Brombeeres avatar

Rezension zu "Unsichtbare Frauen" von Caroline Criado-Perez

Thema top, Umsetzung mäßig
Brombeerevor 25 Tagen

Worum geht es?
Frauen finden in Datenauswertungen kaum Anteil, viele Bereiche sehen den Mann als Norm und die Frau als Abweichung von dieser. Mit fatalen Folgen.

Worum geht es wirklich?
Missstände, Ungerechtigkeiten und viele aufwühlende Fakten


Lesenswert?

Ja, auch wenn meine Bewertung verschiedener Aspekte sehr unterschiedlich ausfällt. Positiv ist definitiv das Thema:  In sechs großen Bereichen zeigt die Autorin auf, welche Rolle die Daten von Männern spielen und ob Frauen überhaupt erfasst und ausgewertet werden. Das Urteil ist immer vernichtend: Sie werden es meist nicht: Bei Gehalt, bei Naturkatastrophen, bei ÖPNV, bei Autos, bei Sicherheit und in der Medizin. Und das sind nur einige Beispiele. Anhand von über 1000 Quellen (alle mit Fußnote und am Ende des Buches aufgelistet) analysiert die Autorin diese Ungleichheit und die teilweise fatalen, denn auch tödlichen Folgen, wenn 50% der Menschen als Norm und die anderen 50% als Abweichung vom System gesehen werden. Sie erläutert zudem, warum dies selbstverständlich kein Zustand ist und gibt auch einige Beispiele für gelungene Lösungen. Das Thema an sich ist so so wichtig und es ist erschreckend. Der Inhalt macht wütend, macht fassungslos und möglicherweise emotional. Zu einigen Themen hat man vielleicht schon einmal etwas gelesen, aber diese geballte Ladung, diese Ungerechtigkeit in lebensnotwendigen Bereichen und die damit einhergehende systematische Ignoranz gegenüber so vielen Menschen, ist wirklich beeindruckend und schwer zu ertragen. Wie erwähnt gibt es viele viele Quellen, die eine gute Grundlage für Diskussionen bieten, wenn diese Fakten ignoriert werden. Ich bewerte die Wichtigkeit dieses Themas eindeutig mit 5 Sternen. Es ist notwendig! Diesen Inhalt sollten alle kennen!

Die Sprache an sich ist gut verständlich, angenehm lesbar, die Quellenangaben fand ich persönlich nicht störend. Es ist jedoch ein sehr zahlenlastiger Text, der überwiegend Fakten demonstriert und belegt. Könnte also vielleicht nicht für jede*n angenehm zu lesen sein. Hier zumindest auch kein negativer Eindruck.

Nun jedoch zwei Punkte, die mich massiv stören. Zum einen vertritt die Autorin ein binäres Geschlechterkonzept, sodass kein Raum für weiteres übrig bleibt. Natürlich hätte man nicht alle Zahlen noch detaillierter darstellen müssen, aber zumindest im Vorwort oder an entscheidenen Punkten wäre mir das wichtig gewesen. Zudem muss man immer interpretieren, ob bei Frauen nun alle Frauen oder eventuell alle Menschen mit Uterus gemeint sind. Ob das nun von der Autorin so beabsichtigt ist, kann ich nicht beurteilen. Würde aber anhand des Geschlechterkonzepts davon ausgehen, dass sie trans oder nicht-binäre Menschen ganz bewusst unerwähnt lässt.

Der zweite unglaublich störende Punkt: Warum wird hier nicht gegendert? Was ist da schief gelaufen bei der Übersetzung? Zumal es auch nicht einheitlich ist. Im Vorwort werden „Leser*innen“ angesprochen, ab dann wird zum Beispiel „männliche Schüler“ oder „Schülerinnen“ verwendet. Aber eben nicht durchgängig. Im nächsten Satz geht es um etwas, was „Forscher“ herausgefunden haben. Männliche Forscher? Forscher*innen? Man weiß es nicht, und das verärgert mich einfach sehr und ist ein Grund für einen deutlichen Punktabzug. Ich kann verstehen, dass das nicht in allen Sachbüchern gemacht wird. Aber bei DIESEM Thema weiterhin ab und zu das generische Maskulinum zu verwenden und somit Frauen vielleicht mitzudenken, aber eben nicht mit zu nennen: Das finde ich wirklich beschämend. Es wird berichtet, dass Kinder bei „Forscher“ tendenziell eher männlich gelesene Personen assoziieren. Wesentlich besser sei dies bei „Forscher/in“. Ja, liebe Übersetzerin, das hätte man besser machen müssen und verärgert mich!

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Cover des Buches Unsichtbare Frauen (ISBN: 9783442718870)Y

Rezension zu "Unsichtbare Frauen" von Caroline Criado-Perez

Buch mit Wut-Faktor
Yvonne_Powellvor einem Monat

Das Buch „Unsichtbare Frauen - wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“ von Caroline Criado-Peres ist 2020 im btb Verlag erschienen. Die Originalversion wurde 2019 auf Englisch veröffentlicht. Das Buch ist inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt.

Übersetzung ins Deutsche von Stefanie Singh. 

 In diesem Buch geht es um Fakten. Um einen unglaublich großen Berg von Fakten. Und diese Fakten, vorgetragen in sachlich ruhiger Sprache mit ein paar wenigen ironischen Spitzen, tragen atombombenstarken Sprengstoff in sich. Im Grunde ist jeder einzelne Satz ein Skandal, und als Leser in springt man 419 Seiten lang im Viereck. Worum geht es? Criado-Perez zeigt, wie das Fehlen oder das systematische Ignorieren von Daten ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung - die Frauen - ignoriert, was in allen möglichen Lebensbereichen zu folgenschweren Problemen führt.

Frauen reagieren anders oder gar nicht auf Medikamente, sie haben andere Krankheitssymptome, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt, und werden deshalb oft falsch oder gar nicht behandelt. Sie kommen bei Autounfällen häufiger ums Leben, weil Crashtest Dummys einen normierten männlichen Körper nachstellen, weibliche Dummys nur auf den Beifahrersitzen getestet werden. Schutzkleidung bei Militär und Polizei passt nicht (Frau hat einen Busen!) und gefährdet so das Leben der Trägerinnen. Bei Naturkatastrophen und Pandemien kommen Frauen häufiger ums Leben. Sogar wie das Schnee räumen in einer Gemeinde organisiert ist, kann Frauen und deren Gesundheit beeinflussen. 

Criado-Perez ist es gelungen zu zeigen, dass wir von einer Gleichberechtigung viel weiter entfernt sind, als wir gerne annehmen. Es ist eben nicht damit getan, dass Männer und Frauen gleich viel verdienen oder Väter auch mal in Elternzeit gehen. Das Problem steckt viel tiefer und ist viel systematischer angelegt. Durch die Gender Data Gap (geschlechterspezifische Datenlücke), die sich durch alle Lebensbereiche zieht, werden Frauen benachteiligt oder gefährdet. Kurz gesagt, dass männliche ist die Norm, das weibliche die Abweichung oder, wie Criado-Perez es nennt, die Randerscheinung. Oft werden die notwendigen Daten gar nicht erst erhoben oder die Daten sind nicht nach Geschlechtern getrennt aufgeführt, Frauen werden - weil zu kompliziert - aus Studien ausgeschlossen. Das Resultat ist eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist.

Mich hat das Buch fassungslos und in einem Status von ohnmächtiger Wut zurückgelassen. Mir war immer klar, dass das Problem einer wirklichen Gleichberechtigung nicht gelöst ist. Dass es aber so schlimm ist, das hätte ich nicht gedacht. „Unsichtbare Frauen“ gibt mir tausend gute Gründe, warum Feminismus heute nicht tot ist, ganz im Gegenteil.

Wenn wir nicht aufpassen und schnell ein Umdenken einsetzt, landen wir in einer noch viel diskriminierenderen Welt, in der Algorithmen, die mit auf männlichen Studien basierten Daten gefüttert sind, lebenswichtige Bereiche unseres Lebens mitbestimmen. 

„Unsichtbare Frauen“ gehört in die Hand (und ins Hirn) eines/einer jeden Entscheidungsträger*in. Ich wünsche mir, dass dieses Buch der erste Dominostein ist, der uns alle zum Umdenken zwingt und es möglich macht, eine wirklich gleichberechtigte Welt zu formen. 

Liebe Frauen, bleibt verdammt nochmal schwierig!, wie Criado-Perez sagt.  

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Cover des Buches Unsichtbare Frauen (ISBN: 9783442718870)Tiziana_Olbrichs avatar

Rezension zu "Unsichtbare Frauen" von Caroline Criado-Perez

Women‘s Rights are Human Rights •
Tiziana_Olbrichvor 2 Monaten

“Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado Perez zeigt anhand zahlreicher Studien auf, dass das Fehlen der weiblichen Perspektive eine unabsichtliche Verzerrung unserer Lebensweise zugunsten der Männer befördert, die sich selbst als »geschlechterneutral« begreift.

Das Buch ist ein absolutes Must-Read (5+/5 ⭐️), wobei ich auch sagen muss, dass es keine leichte Kost ist. Ich habe es über mehrere Monate gelesen, da mich die gesammelte Bandbreite dermaßen frustriert hat, dass ich immer wieder pausieren musste. Es hat zu zahlreiche Diskussionen mit Mitmenschen angeregt. Auch wenn einem als Frau die eigene Benachteiligung allgemein bewusst ist, so haben mich manche Beispiele doch schockiert.

„Alltägliche Folgen können relativ gering ausfallen, etwa wenn Frauen frieren, weil die Temperaturnormen in Büros an den Bedürfnissen von Männern ausgerichtet sind, oder wenn sie ein Regal nicht erreichen können, das gemäß der Norm nach männlicher Körpergröße gebaut wurde. Gewiss, solche Dinge nerven. Und sind zweifellos ungerecht.
Aber sie sind nicht lebensbedrohlich – anders als bei einem Unfall mit einem Auto, dessen Sicherheitsvorrichtungen weibliche Körpermaße nicht berücksichtigen. Anders als bei einem unerkannten Herzinfarkt einer Frau, dessen Symptome als »untypisch« gelten. Für Frauen in diesen Situationen kann das Leben in einer Welt, die auf männerbezogenen Daten basiert, tödliche Folgen haben.
Eine der wichtigsten Feststellungen über die Gender Data Gap ist, dass sie keine bösen Absichten verfolgt oder auch nur bewusst erzeugt wurde. Im Gegenteil. Sie ist schlicht und einfach Ergebnis eines Denkens, das seit Jahrtausenden vorherrscht. Männer sind die unausgesprochene Selbstverständlichkeit, über Frauen wird nicht geredet. Wenn wir »Mensch« sagen, meinen wir meistens den Mann.“

„Die Folge dieser zutiefst männlich dominierten Kultur ist, dass männliche Erfahrungen und Perspektiven als universell angesehen werden, während weibliche Erfahrungen – also die Erfahrungen der Hälfte der Weltbevölkerung – als Randerscheinung wahrgenommen werden.“

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