Carolyn Crane Mind Games

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  • Verbrechensbekämpfung dank Neurosen

    Mind Games

    Wortmagie

    14. August 2014 um 11:55

    Kennt ihr das Gefühl, in der Urban Fantasy schon alles gelesen zu haben? Vampire, Werwölfe, Magier, Dämonen – ich kenne sie alle. Trotzdem lese ich dieses Genre noch immer gern. Obwohl ich mit den Grundzutaten bestens vertraut bin, bin ich stets gespannt, wie der Autor oder die Autorin versucht, sie in eine neue, innovative Geschichte einzubauen. Umso überraschter bin ich dann allerdings, wenn mir ein UF – Roman über den Weg läuft, der völlig anders ist und ohne die bekannten Supras auskommt. „Mind Games“ von Carolyn Crane ist so ein Fall. Hier geht es mal nicht um Gestaltwandler oder fiese Blutsauger, sondern um – Trommelwirbel – Psychologie. Justine Jones ist seit Jahren eine Gefangene ihrer eigenen Angst: sie ist eine pathologische Hypochonderin. Während ihrer extremen Panikattacken ist sie überzeugt, an einem geplatzten Hirnaneurysma zu leiden. Sie weiß, dass ihre Angst irgendwann ihr Leben zerstören wird. Doch eines Tages erhält Justine ein Angebot, das zu verlockend ist, um es abzulehnen: sie soll sich einem Team zur Verbrechensbekämpfung anschließen. Ausgerechnet die Hypochondrie ist es, die sie dafür prädestiniert. Der höllisch attraktive Packard bringt ihr bei, wie sie ihre Angst kanalisieren kann, um Kriminelle gemeinsam mit ihren KollegInnen zu desillusionieren und dadurch dauerhaft zu besseren Menschen zu machen. Zum ersten Mal ist Justine mit Menschen zusammen, die genauso neurotisch sind wie sie und kann völlig sie selbst sein. Allerdings scheint hinter den Desillusionisten und ihrem Chef Packard mehr zu stecken, als anfangs angenommen. Gibt es einen Zusammenhang mit der Verbrechenswelle, die die Stadt seit Jahren zu überschwemmen droht? „Mind Games“ hat bei mir leider weniger Eindruck hinterlassen, als ich vor dem Lesen dachte. Die Idee dahinter ist so großartig, so frisch und neu und einfach atemberaubend – aber die Geschichte selbst ist unglücklicherweise eher flach. Carolyn Crane hat sich viel Mühe bei der Konstruktion ihrer Protagonistin gegeben. Justine ist eine sehr überzeugende Figur, bei deren psychischer Problematik Crane unglaublich tief ins Detail gegangen ist. Ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie sehr ihre Krankheit sie einengt und bremst; ihre Verzweiflung war absolut greifbar. Aus dem Käfig ihrer Ängste dank Packard befreit, zeigt sich Justines wahres Wesen. Denn eigentlich ist sie eine mutige und starke junge Frau mit einem ausgeprägten Sinn für Recht und Unrecht. Mich hat diese Verwandlung völlig fasziniert, weil sie glaubhaft ist. Angst lähmt und schwächt, sie nimmt Menschen ihre Persönlichkeit und ersetzt sie mit Dunkelheit. Die negative Seite an dieser ausführlichen Ausarbeitung von Justine ist, dass sie dadurch eine so dominante Rolle in der Geschichte einnimmt, dass die Nebencharaktere zu kurz kamen. Sie bei der Arbeit als Desillusionistin zu erleben fand ich überaus spannend; es hätte mich daher brennend interessiert, wie ihre ebenso neurotischen KollegInnen die Aufträge ausführen. All diese potentialreichen Figuren verschwinden jedoch völlig hinter der Protagonistin. Vielleicht war die Entscheidung für Justine als Ich-Erzählerin nicht die beste; ein auktorialer Erzähler hätte möglicherweise für etwas mehr Ausgewogenheit sorgen können. Außerdem glaube ich, dass die Geschichte der Autorin nach der Hälfte entwischt ist; als hätte sie sich in eine Richtung entwickelt, die Carolyn Crane nicht geplant hatte. An diesem Punkt hatte ich den Eindruck, als wüsste sie nicht mehr, wie das Buch enden soll. Nachdem die Story dadurch einige Seiten irgendwie in einer Sackgasse steckt, scheint ihr dann plötzlich die zündende Idee gekommen zu sein – dann geht es nämlich rasend schnell. Kaum verwunderlich, dass mich das Ende dementsprechend nicht richtig überzeugte. Zwischen den Zeilen konnte ich regelrecht die Erleichterung der Autorin spüren, nun doch noch eine mögliche Auflösung entdeckt zu haben. Ich fand diese ein wenig an den Haaren herbei gezogen, etwas zu gewollt und zu unnatürlich. Darüber hinaus steht – ohne hier zu viel verraten zu wollen – Justine wieder so sehr im Fokus. Wie konnten all die Nebencharaktere nur jahrelang ohne sie überleben? „Mind Games“ lebt und atmet nur durch Justine. Es ist vollständig ihre Geschichte, sie steht und fällt mit ihr. Glücklicherweise mochte ich Justine wirklich gern, sonst wäre meine Bewertung des Buches sicher wesentlich negativer ausgefallen. Ich werde Carolyn Crane und der „The Disillusionists“ – Reihe auf jeden Fall noch eine Chance geben und den zweiten Band „Double Cross“ lesen. Ich komme von dieser großartigen Idee einfach nicht los. Ernsthafte Neurosen in andere Menschen leiten und sie damit in bessere Versionen ihrer selbst verwandeln? Wie cool ist das bitte? Wenn ihr es mit „Mind Games“ versuchen möchtet, solltet ihr euch auf einen sehr erwachsenen Urban Fantasy Roman einstellen, der Übernatürliches und Psychologie in besonderem Maße verbindet. Ihr solltet euch aber auch darüber im Klaren sein, dass ihr ihn nur mögen werdet, wenn ihr auch der Protagonistin Justine Sympathie entgegen bringen könnt. Vor diesem Hintergrund möchte ich „Mind Games“ an LeserInnen empfehlen, die des altbekannten UF Stoffes müde sind und etwas Neues ausprobieren möchten.

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  • Neurotiker als Superhelden - Urban Fantasy mit einem Twist

    Mind Games

    Rebekka_NP

    28. June 2013 um 12:16

    Worum geht es? Justine ist Hypochonderin. Ständig denkt sie, dass ihr ein Gefäß im Kopf platzt. Entsprechend schwingt sie Abschiedsreden und bekommt Panikattacken. Freund und Job werden das wohl nicht mehr lange mitmachen. In einem mongolischen Restaurant trifft sie einen dunklen attraktiven Fremden, der ihr eine Möglichkeit zeigt, ihre Angst loszuwerden. Was ist daran besonders? Mich hat die Idee, eine Bande von Neurotikern als psychologische Eingreiftruppe zu Schwerkriminellen zu schicken, wirklich begeistert. So wird aus dieser Urban-Fantasy nicht noch eine Variante des leidigen Vampir/Werwolf/Engel-Gepamps, sondern etwas ganz eigenes. Wie wurde die Geschichte präsentiert? Die Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Hörbuchversion des Romans. Die Lesung war ungekürzt, weshalb es keine Logiklücken gibt. Die Vorleserin, Rebecca Wisocky, macht ihren Job wirklich gut: Sowohl den panisch-überdrehten Ton Justines als auch die samtigen oder grummeligen Stimmen der männlichen Protagonisten interpretiert sie glaubwürdig, aber auch nicht übertrieben. Mein Fazit? Das Hörbuch hat mich von vorn bis hinten gefesselt und amüsiert. Eigentlich ist es "nur" die klassische urbane Frauenfantasy, aber eben mit diesem Twist. Ich habe noch in der Minute, als ich es zuende gehört habe, Teil 2 und 3 bestellt.

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