Carson McCullers

 4 Sterne bei 356 Bewertungen
Autorenbild von Carson McCullers (© Carl Van Vechten / Public Domain)

Lebenslauf von Carson McCullers

Die US-amerikanische Autorin Carson McCullers wurde am 19.02.1917 in Columbus im US-Bundesstaat Georgia geboren und starb am 29.09.1967 in Nyack in New York, wo sie auch begraben ist. McCullers strebte zunächst an, Pianistin zu werden. Mit 500 Dollar in der Tasche machte sie sich mit 17 alleine auf den Weg nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld kam ihr unter mysteriösen Umständen abhanden, jedoch beschloss sie, in New York zu bleiben und war fortan als Sekretärin tätig. In den kommenden Jahren folgten berufliche Stationen als Kellnerin, Barpianistin, ehe sie beschloss, Schriftstellerin zu werden. Dank ihres Debüt-Romans Das Herz ist ein einsamer Jäger wurde die damals 23-Jährige über Nacht zum literarischen Wunderkind. Doch noch in demselben Jahr musste sie einen herben Rückschlag hinnehmen und erlitt den ersten von drei Schlaganfällen. Von nun an wurde ihr Leben durch die Krankheit bestimmt, der sie ihr Werk abrang. Hinzu kam nach dem Selbstmord ihres Mannes, mit dem sie zwei Mal verheiratet war, 1953 die Einsamkeit bis zu ihrem Tod 1967 infolge eines Schlaganfalles.

Alle Bücher von Carson McCullers

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Buchformat:
Cover des Buches Das Herz ist ein einsamer Jäger9783257242249

Das Herz ist ein einsamer Jäger

 (169)
Erschienen am 18.12.2012
Cover des Buches Die Ballade vom traurigen Café9783257261325

Die Ballade vom traurigen Café

 (58)
Erschienen am 14.12.2016
Cover des Buches Frankie9783257068023

Frankie

 (29)
Erschienen am 25.10.2011
Cover des Buches Spiegelbild im goldnen Auge9783257068030

Spiegelbild im goldnen Auge

 (18)
Erschienen am 25.10.2011
Cover des Buches Gesammelte Erzählungen9783257235029

Gesammelte Erzählungen

 (12)
Erschienen am 28.09.2005
Cover des Buches Uhr ohne Zeiger9783257201468

Uhr ohne Zeiger

 (10)
Erschienen am 01.01.2007
Cover des Buches Madame Zilensky und der König von Finnland9783257201413

Madame Zilensky und der König von Finnland

 (6)
Erschienen am 01.07.2003

Neue Rezensionen zu Carson McCullers

Neu

Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

Ein lesenswerter Klassiker
sydneysider47vor 8 Monaten

Wer sich mit der „großen Literatur“ der USA auseinandersetzt, muss unbedingt das Buch „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ der US-amerikanischen Schriftstellerin Carson McCullers lesen.

Als „große Literatur“ bezeichne ich nicht blutige Thriller oder Krimis oder Liebesromane, sondern Literatur, die von der Sprache und Handlung durchaus das Zeug hat oder gehabt hätte, einen oder mehrere Preise zu bekommen. Oder Literatur, deren Verfasser durchaus den „Nobelpreis für Literatur“ hätten erhalten können. Carson McCullers ist eine Autorin, die solche Literatur schuf – aber bei ihr hat es mit dem Literaturnobelpreis nicht geklappt.


Die Handlung: Die Geschichte des Taubstummen John Singer

Der Roman spielt in einer Stadt im US-Bundesstaat Georgia Ende der 1930er-Jahre. John Singer ist taubstumm, ein kluger Mann, der als Graveur in einem Juweliergeschäft arbeitet. Er lebt zusammen mit dem taubstummen Griechen Spiros Antonapoulos, der in einem Gemüseladen seinen Unterhalt verdient.

Als Antonapoulos verhaltensauffällig wird, wird er in eine Irrenanstalt eingeliefert. Das ist ein großer Schock für Singer, denn er denkt, dass nur Antonapoulos ihn versteht. Singer fühlt sich einsam und verlassen. Dabei bekommt er immer wieder Besuch von vier Menschen, die seine Gesellschaft schätzen und sich von ihm verstanden fühlen.

Einer der vier Personen ist Biff Brannon, der Wirt des Cafés „New York“, in dem Singer zu speisen pflegt.

Die zweite Person ist Jake Blount, ein Marxist, der sehr aufbrausend sein kann.

Weiterhin besucht Mick Kelly gerne Singer. Sie ist 13 Jahre alt und liebt Musik. Eines Tages schenkt ihr Singer ein Radiogerät.  Singer wohnt zur Untermiete bei der Familie Kelly. Er ist der einzige Untermieter, der seine Miete pünktlich bezahlt.

Schließlich kommt noch Doktor Copeland gerne zu Singer zu Besuch. Er ist ein farbiger Arzt, ein alter Mann, der an Schwindsucht leidet. Er kämpft für seine farbigen Mitmenschen, damit sie Gerechtigkeit und Liebe bekommen von der Welt, in der sie leben.

Der Roman erzählt das Leben von John Singer. Er ist ein Sonderling, genau wie die vier Personen, die ihn gerne besuchen. Auch auf ihr Leben und ihre beruflichen und privaten Umstände geht der Roman ein.


Meine Leseerfahrung

Als Elke Heidenreich in ihrer ZDF-Literatursendung „Lesen!“ das Buch vorstellte (man hatte es Anfang der 2000er-Jahre wieder neu entdeckt), kaufte ich es  und las es. Es gefiel mir gut, allerdings vergaß ich die Handlung und Personen, die darin vorkommen, schnell.

Da war es gut, dass ich das Buch im Rahmen eines Literaturkreises bei der Volkshochschule vor einigen Wochen nochmals lesen musste.

Das Buch ist aus der auktorialen Erzählperspektive (kein Ich-Erzähler) geschrieben und liest sich gut und flüssig, auch wenn es von der Handlung her nicht oft spannend ist. Aber interessant sind die Personen, ihre Verschiedenheit, ihre verzweifelten Situationen im Leben. Ja, trostlos ist es in dieser US-amerikanischen Stadt, aber so war es in den 1930er-Jahren in vielen Städten der USA. Die Leute ackerten, hatten oft viele Kinder und mussten irgendwie zusehen, wie sie überleben konnten. Wenn man über Personen in solchen Lebenslagen liest, will man als Leser einfach wissen, was aus ihnen wird. Deswegen habe auch ich das Buch gelesen.

John Singer ist mir sympathisch. Aber ich verstehe nicht, was er an dem Griechen Antonapoulos findet. Er besucht ihn immer wieder in der Irrenanstalt und macht ihm teure Geschenke, die der Grieche gar nicht richtig zu würdigen weiß. Singer ist jedoch wie ein Gefäß für seine Mitmenschen, er kann zuhören und zuhören und zuhören. Wer aber hört ihm zu? Seiner Meinung nach hört ihm nur Antonapoulos zu. Der dicke Grieche, der auch taubstumm ist, der Singer zu verstehen scheint. Und deswegen verehrt er ihn schon beinahe. Antonapoulos,  der einzige Mensch, dem er – seiner Meinung nach - seine Sorgen und Gedanken mitteilen kann.

Gerne las ich auch die Geschehnisse rund um Mick, eine Jugendliche, die während der Handlung des Buches einige schwerwiegende Entscheidungen treffen muss.

Unsympathisch finde ich Jake Blount, er ist mir zu aufmüpfig. Er kann sich nicht benehmen. Wahrscheinlich geht es mir da wie Dr. Copeland, der Jake auch nicht mag. Beide fühlen sich von Singer verstanden, dürfen sich aber nicht begegnen, weil sie sich dann gleich streiten.

Das Buch spielt in den 1930er-Jahren und zeigt auch den Konflikt zwischen der farbigen und der weißen Bevölkerung in den USA. Die Menschen, die in dem Buch vorkommen, sind nicht reich. In der Stadt, in der sie wohnen, gibt es Armenviertel, es ist oft heiß und trostlos. Die Lebenssituation vieler Menschen ist aussichtslos, sie können der Armut nicht entfliehen. Da war es auch normal, dass intelligente Jugendliche ihre Schulausbildung abbrachen und sich einen Job suchten, um ihre Eltern und Geschwister finanziell unterstützen zu können.

Der Schluss des Romans berührt und bringt zum Nachdenken. Ich habe nicht mit diesem Schluss gerechnet.



Parallelen gibt es zum Leben der Autorin Carson McCullers

Wenn man mit mehreren Personen über ein Buch spricht, so wie wir es im Literaturkreis machen, so erfährt man viel, was man sonst nicht erfahren würde. Beispielsweise wusste ich nicht, dass der Vater von Carson McCullers als Graveur in einem Juweliergeschäft arbeitete, so wie John Singer in diesem Buch.

Außerdem zeigt die Figur Mick Kelly starke Parallelen zu der Autorin Carson McCullers. Ein Mädchen, das Musik liebt und gerne beruflich etwas mit Musik machen würde – dann aber einen anderen Berufsweg einschlagen muss.



Mein Fazit

„Das Herz ist ein einsamer Jäger“ von Carson McCullers ist ein Roman, der das Leben in einer Stadt im Süden der USA in den 1930er-Jahren zeigt. Im Mittelpunkt des Romans stehen der Taubstumme John Singer sowie vier Personen, die ihn gerne besuchen, weil sie sich von ihm verstanden fühlen.

Der Roman lässt sich gut lesen, da die Personen interessant sind und das Milieu, in dem der Roman spielt, ebenfalls. Der Schluss ist nicht vorhersehbar und bringt den Leser zum Nachdenken. Ich hätte mir einen anderen Schluss gewünscht, aber das soll nicht zum Punktabzug führen. „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ ist ein großartiges Buch, das übrigens – laut Magazin „Time“ – zu den 100 besten englischsprachigen Romanen zählt.

Ich gebe diesem Buch fünf Sterne und empfehle es weiter.

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Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Café" von Carson McCullers

Nichts für dunkle Tage
ulrikerabevor einem Jahr

Es ist eine trostlose Stadt, irgendwo im Amerikanischen Süden. Dort gibt es nichts zu tun, nichts zu erleben, außer den Kettensträflingen an heißen Augusttagen zuzuhören. Früher, da gab es das Café von Miss Amelia. Heute ist das Haus verschlossen, die Fenster zugenagelt. Doch man erinnert sich noch gut daran.

Die Ballade vom traurigen Café von Carson McCullers (erstmals erschienen 1943) ist ein kleines Buch, gerade 116 Seiten lang. Das schmälert aber nicht die Brillanz und Hingabe zur Sprache. Man schlüpft in dieses Buch wie in einen alten Pullover, der einem schon so vertraut ist, dass es gar nicht stört, wenn er schon ein bisschen kratzt. Hoffnung, Träume, Liebe: Schlagworte, die schon so viel erleben mussten in der Literatur. Es ist keine erwärmende Geschichte, in der vorherrschenden Trostlosigkeit liegt kein bisschen Kitsch oder Romantik. Mit Miss Amelia hat die Autorin eine großartige starke Frauenfigur geschaffen, die auf den ersten Blick unzerstörbar wirkt und doch so verletzbar ist. Ungewöhnlich lebt Amelia für die damalige Zeit, allein, unabhängig, sie brennt Schnaps und behandelt diverse Leiden ihrer Mitbürger. In ihrer Erscheinung wirkt sie fast männlich. Als plötzlich der verwachsene Lymon in der Stadt auftaucht, sich als Amelias Vetter ausgibt und von ihr selbstlos aufgenommen wird, verwundert das alle. Es ist wohl die Zuneigung, die sie erwartet, ohne körperliche Nähe entgegen bringen zu müssen, wie bei einem Haustier, einem Welpen vielleicht.  Dann ist Lymon doch das Wesen, der die Hand beißt, die es füttert. Lymon ist aber nicht nur äußerlich verkrüppelt, er ist durchtrieben, gemein, hinterhältig. Als Marvin, Amelias gefährlicher Exmann zurückkehrt ist die Katastrophe unabwendbar. Carson McCullers schildert die Isolation ihrer Protagonisten, ihre Sprachlosigkeit und Einsamkeit so eindrücklich und schwermütig, dass es besser wäre, dieses Buch nicht an eigenen dunklen Tagen zu lesen.

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Rezension zu "Uhr ohne Zeiger" von Carson McCullers

Die größte Gefahr sein Ich zu verlieren...
The iron butterflyvor 3 Jahren

Der Apotheker J.T. Malone erfährt im Winter seines vierzigsten Lebensjahres, dass er an Leukämie leidet und nur noch wenige Monate Lebenszeit für ihn übrigbleiben. Die Diagnose trifft ihn hart, er sucht Rat und Beistand bei Bekannten, wie dem Richter Fox Clane oder Dr. Watson, der als volksnaher Prediger sonntags auch schon mal der Baptisten-Gemeinde Zuversicht zu spenden vermag. Alle Ratschläge helfen ihm jedoch nicht über die vielen Fragen hinweg, die ihn in dieser nach innengekehrten Zeit bestürmen. Er verliert an Lebensfreude und –kraft, jedoch nicht seinen Mut, als es in der Südstaaten Gemeinde Milan zu rassenfeindlichen Diskussionen kommt. Denn Richter Clanes‘ farbiger Sekretär Sherman Pew hat es gewagt ein Haus im Viertel, das für die weiße Bevölkerung reserviert ist anzumieten und die Abendluft mit Klavierklängen und seiner Stimme zu füllen.

Carson McCullers erzählt nicht nur Malones stille Leidensgeschichte, sondern auch die des kauzig, verbohrten Richters Fox Clane und dessen Enkelsohn Jester. Hinein mischt sich zudem die Geschichte um Sherman Pew, die nur zögerlich Konturen annimmt und doch ganz Unvermutetes entblößt. Sehr interessant und mutig empfand ich die homosexuellen Neigungen von Jester, die McCullers ganz sachte in die Geschichte einzupflechten vermochte.
Carson McCullers, die selbst im Alter von 23 Jahren ihren ersten Schlaganfall erlitt und ein Leben voll Krankheit und Schicksalsschlägen erleben musste, erzählt auf ihre stille, beinah zarte Weise von menschlichen Schicksalen und stupidem Fanatismus und berührt dabei ohne Botschaften senden zu wollen. Empfindsam, eindringlich.

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Gespräche aus der Community

Neu
Cover des Buches Das Herz ist ein einsamer Jägerundefined
Liebe Lesefreunde,

willkommen zur Juli-Leserunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur - Monat für Monat" (zugehöriges Plauder- und Infothema hier)

Im Juli lesen wir "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers.

Wir beginnen am 01. Juli 2014, aber späteres Einsteigen ist natürlich möglich.

Wikipedia sagt:
"Das Herz ist ein einsamer Jäger ist ein Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Carson McCullers. Das Buch erschien im Mai 1940 bei Houghton Mifflin in Boston unter dem Titel The Heart Is a Lonely Hunter. McCullers begann 1937 mit den Arbeiten an ihrem Debütroman und schloss ihn 1939 ab. Zunächst hieß das Buch The Mute (zu Deutsch: Der Stumme), bei der Veröffentlichung 1940 wurde es aber in The Heart Is a Lonely Hunter umbenannt. McCullers Werk genoss große Aufmerksamkeit und war lange Zeit auf den Bestsellerlisten des Jahres 1940 vertreten."

Wie immer meine üblichen Bitten:

1. Setzt bei Beiträge in Leseabschnitten immer den Spoiler-Haken, schließlich will keiner schon vorher wissen, wer der Mörder ist ;)

2. Bitte postet Beiträge in die bestehenden Kategorien, es macht Leserunden unübersichtlich, wenn Texte nur unter "Alle Beiträge" stehen. Man kann das auch nachträglich reineditieren, wenn man es vergessen hat ;)
163 Beiträge
E
Letzter Beitrag von  EineBuchliebhaberinvor 6 Jahren

Zusätzliche Informationen

Carson McCullers wurde am 19. Februar 1917 in Columbus, Georgia (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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