Das Herz ist ein einsamer Jäger

von Carson McCullers 
4,1 Sterne bei156 Bewertungen
Das Herz ist ein einsamer Jäger
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Neue Kurzmeinungen

Poesiesosos avatar

Ein Buch, das sich mit solch optimistischer Traurigkeit den Außenseitern verschreibt. Einfach wunderbar.

Corsicanas avatar

Melancholisch - schön. Über die Außenseiter der Gesellschaft in den Südstaaten der USA in den 30ern.

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Inhaltsangabe zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger"

Der Roman spielt im Staat Georgia, in einer hässlichen heißen Innenstadt. Es ist die Geschichte eines begabten Mädchens, Mick Kelly, und ihres gewaltsamen Kampfes gegen eine unnachgiebige und harte Umgebung. Carson McCullers' mitleidiges Engagement gilt den einsamen Sonderlingen und Außenseitern, die sich um den taubstummen John Singer scharen, um ihm ihr Herz auszuschütten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257242249
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:600 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:18.12.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 06.07.2004 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Amerikanischer Klassiker über eine Kleinstadt in Georgia am Ende der 1930er-Jahre, großartig erzählt, aber sehr düster und depressiv.
    Ein hoffnungsloses Elendsbild

    Schon lange wollte ich diesen Klassiker der amerikanischen Literatur lesen, den das Time Magazine zu den besten 100 englischsprachigen Romanen und Elke Heidenreich zu ihren Lieblingsbüchern zählt. Dass es nun bei mir doch nicht für fünf Sterne gereicht hat, obwohl Carson McCullers (1917 -1967) die Atmosphäre in einer namenlosen heißen, schmutzigen Kleinstadt in Georgia am Ende der 1930er-Jahre mit großem erzählerischen Talent einfängt, liegt an der fast absoluten Hoffnungslosigkeit der Geschichte und der durchweg düster-depressiven Stimmung, die mich den Roman fast nicht hätte zu Ende lesen lassen.

    Im Mittelpunkt dieses Debütromans, den sie im Alter von nur 23 Jahren 1940 veröffentlichte und der sofort auf der amerikanischen Bestsellerliste stand, stehen der taubstumme John Singer und seine vier Besucher Jake Blount, Biff Brannon, Mick Kelly und Doktor Benedict Copeland. Singer, der Mann mit dem friedlichen Ausdruck im Gesicht, hat das verloren, was ihm das Liebste war: seinen ebenfalls taubstummen Freund Spiros Antonapoulos, der in eine Irrenanstalt eingewiesen wurde und später stirbt. Über Singer wird gesagt, dass man seinen Gesichtsausdruck als weise oder bekümmert bezeichnen könnte, vermutlich ist es letzteres, aber seine Mitmenschen deuten ihn als Weisheit. Über Singer wird viel erzählt, jeder sieht in ihm das, was er sehen möchte, jeder schildert ihn so, wie er ihn sich wünscht, und vor allem seine vier Besucher machen ihn fast zu einer Art Gott und sind davon überzeugt, dass nur er sie versteht. Mit ihren Besuchen bei ihm überdecken sie ihre Einsamkeit.

    Jake Blount, Mechaniker auf dem Rummelplatz, Alkoholiker, Choleriker, träumt von Freiheit, Gleichheit und der Ausrottung des Kapitalismus ohne Mitglied in der kommunistischen Partei zu sein. Mick Kelly, dreizehnjährige Tochter einer armen, kinderreichen Familie, könnte dem Elend vielleicht durch Bildung entrinnen, muss aber früh die Schule verlassen, um zum Familieneinkommen beizutragen. Ihre Träume gehören der Musik und einem eigenen Klavier. Biff Brannon ist der Besitzer des Café New York, das die ganze Nacht geöffnet ist, und lebt nach dem Tod seiner Frau und einer nicht glücklichen Ehe allein. Doktor Benedict Copeland, schwarzer Arzt, leidet an der Schwindsucht, opfert sich beruflich völlig auf und möchte die Farbigen aus der Unwissenheit und der Unterdrückung führen.

    Der Roman, der die Spanne eines guten Jahres umfasst, ist ein Stück amerikanische Zeitgeschichte. Er erzählt von Armut, Verelendung, Rassismus, Hoffnungslosigkeit und vor allem von der Einsamkeit, der Isolation und der fehlenden Kommunikation der Menschen und hat mich damit an die Theaterstücke ihres Zeitgenossen Tennessee Williams erinnert.

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    YvonneLaross avatar
    YvonneLarosvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Wie ein Karussel, das die Zeit beschleunigt ...
    Wie ein Karussel, das die Zeit beschleunigt ...

    Die Fahrt kostet dich deine Vorurteile. Die gegenüber einem Klassiker, auch wenn er modern ist ... Vor Allem aber: die gegenüber dem Fremden ...

     

    Du hast verschiedene Figuren zur Verfügung, auf die du dich setzen kannst - in die du dich hineinversetzen kannst. Einen Taubstummen ... Ein dreizehnjähriges Mädchen voller Träume ... Einen Alkoholiker, der vom Kommunismus träumt ... Ein afro-amerikanischer Arzt, dem es da ganz ähnlich geht ... Oder ein Wirt, der seine Frau verliert ... Jede einzelne Perspektive ist eine Runde wert!

     

    Der Betreiber dieses Zeilen-Geräts versteht sein Handwerk perfekt - niemals wirst du "Halt!" rufen wollen, niemals wird dir schlecht werden. Die Bewegung fließt und dein Herz fließt mit.

     

    ABER: das Spiel mit Licht ist so durchdrungen von Glaube und Hoffnung - vielleicht wird dir wie mir etwas schwindelig werden, denn vielleicht wirst du wie ich zu viel religiöses erahnen ... Und vielleicht wirst du am Ende am Anfang stehen so wie ich und dich fragen: wozu jetzt das Ganze? Eindrucksvolle Geschichte - aber wozu???

     

    Versuch' es - vielleicht spricht zu dir ja deutlicher. Denn zu sagen hat sie ganz sicher etwas!

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    Penelope1s avatar
    Penelope1vor 4 Jahren
    Bewegender und beeindruckender Klassiker !

    1930er: In einer Kleinstadt im amerikanischen Südstaat Georgia  leben die unterschiedlichsten Menschen. Hauptfigur dieses Romans ist der taubstumme und gleichzeitig mysteriös anmutende  John  Singer, der für vier Protagonisten der Verbindungspunkt ist. Mr. Singer, der ruhige, geheimnisvolle und so verständnisvolle Herr, der trotz seiner Gehörlosigkeit für jeden ein offenes Ohr hat. Dabei ist es gar nicht nötig, dass er seinen Gästen - die ihn regelmäßig besuchen und ihm dabei ihr Herz ausschütten- antwortet . Es reicht, dass er „zuhört“ und für alle einfach da ist. Wer weiß, vielleicht liegt ja auch gerade darin sein Geheimnis – immerhin  läuft man nicht Gefahr, dass er alles weitertratscht wie so viele andere…

    Egal, ob das 13-jährige Mädchen mit dem großen Musiktalent, der Cafe-Besitzer, der schwarze Doktor oder der rebellische Kommunist- sie alle suchen bei dem Taubstummen Trost und Hilfe. Ihre Lebensgeschichten sind es, die in diesem Roman beschrieben werden, ihre Schicksale, ihre Träume und Hoffnungen im Amerika der 1930er, in dem Schwarze und Weiße ums Überleben kämpfen – und um ihre Rechte…

    Doch wo bleibt Mr. Singer – wer kümmert sich um seine Belange, seine Nöte? Immerhin leidet er sehr unter dem Verlust seines engsten Freundes, ist wahrscheinlich sogar der Einsamste von allen…

    Meine Meinung:

    Ein Roman, dessen Stimmung sehr nachhaltig wirkt. Die junge Autorin,, die mit „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ ein gewaltiges Debüt geschrieben hat, hat es meisterhaft verstanden, dem Taubstummen Mr. Singer eine Stimme zu geben. Gleich einem Beichtvater kommen seine vier Gäste mit ihren Sorgen zu ihm, mit ihren Wünschen, Nöten…  Und Mr. Singer hört zu, ist für alle da und hilft den Ratsuchenden dadurch, gibt ihnen Trost, Rat, stellt seine Belange meist hinten an.

    Aber auch er hat ein eigenes Leben, in dem Liebe und Verlust eng einhergehen…  

    Es ist regelrecht faszinierend, nach und nach mehr über das Leben und die Probleme der einzelnen Personen zu erfahren, in denen Überleben, Armut, Gerechtigkeit, Rassismus und Kommunismus eine große Rolle spielen. Der Schreibstil passt sich den Lebensumständen an,  die Gehör- und Sprachlosigkeit von Mr. Singer ist regelrecht nachzuempfinden, es scheint oft, als ob man das Gelesene zwar aufnimmt, aber keine Antwort darauf findet.  Beeindruckend, stilecht, facettenreich und fesselnd. Auch oder vielleicht gerade weil die Handlung insgesamt vor sich hin zu plätschern scheint,  kann sich der Leser gut in die die Lebenssituationen hineinversetzen, er wird nicht unnötig abgelenkt, und spürt immer mehr, was und wie ihre Schicksale verbunden sind und erhält ein sehr lebendiges Bild darüber, was das Leben ib Amerika vor dem zweiten Weltkrieg ausmachte…

     Fazit:

    Ein ergreifender, ruhiger und melancholischer Roman, der nicht umsonst zu DEN Klassikern der Weltgeschichte gehört und der zu den Büchern gehört, das den Leser  auch bei mehrmaligem Lesen immer wieder neue Seiten entdecken und erfahren lässt…

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 5 Jahren
    Endstation Sehnsucht

    Carson McCullers erzählt. Das Leben in einer unansehnlichen Kleinstadt im Staat Georgia ist in den Dreißigern von Armut, Rassismus und Eintönigkeit geprägt. Fünf Protagonisten bilden den zentralen Erzählstrang. John Singer, Taubstummer und Goldschmied, lebt in einer Wohngemeinschaft mit Spiro Antonapoulos. Ein ungewöhnliches Paar, das durch die Erkrankung des esssüchtigen Antonapoulos getrennt wird. Singer treibt einzig die Sehnsucht wieder mit Antonapoulos zusammen sein zu können.
    Benedict Mady Copeland, Farbiger und Arzt, kämpft auf den Straßen nicht nur gegen Lungenentzündungen und Wundbrand, sondern auch immer wieder gegen seinen aufkeimenden Zorn. Die Ungerechtigkeiten gegenüber seinem Volk sitzen wie tiefe Stachel im Fleisch, qäulen ihn und lassen seine Beziehungen zu Familie und seinen Kindern an kleinsten Streitereien kranken. Für ihn scheint es keine Heilung zu geben.
    Barthelemew Brannon, kurz Biff, Besitzer des Café New York und verkannter Feingeist, treibt durch die Öffnungszeiten seines Cafés, wie ein Blatt auf dem Wasser. Als seine Frau stirbt entdeckt er, dass er unglaublicherweise befreit seiner Vorliebe für feine Stoffe und Blumenarrangements frönen kann. Seine Gefühle teilt er nur mit sich selbst.
    Jake Blount, Trinker und vertrakter Gewerkschafter, der wenig erfolgreich versucht in der Stadt weitere Wissende um sich zu scharen. Hoffnungslos dem Kampfgeist ergeben, kämpft er gegen der Starre der Ärmsten und Unterdrückten.
    Mick Kelly, Jugendliche in einer Großfamilie und Musikliebende, gefangen zwischen Armut und Sehnsucht wächst sie ohne echte Zukunft auf und kämpft doch tagtäglich um ihren Platz am Esstisch und im Leben.
    Carson McCullers erzählt. Sie erzählt vom einfachen Leben, einfacher Menschen und doch sind es Persönlichkeiten, die aus der Menge herausstechen. Außenseiter, Andersdenkende, Sonderlinge. Jean Genet sagte einmal..."am interessantesten ist die Innenseite der Außenseiter" und Carson McCullers kehrt die Innenseiten wahrlich nach außen. Nicht alle sind deswegen liebenswert, aber McCullers gelingt es anhand ihrer Protagonisten vom echten Leben zu berichten ohne nach Applaus zu heischen oder falsche Hoffnungen auf Happyendings zu erzeugen.
    Für mich herausragend die Charakteristika von Mick und Biff. Mit beiden fühlte ich am stärksten und beide strahlten am meisten Hoffnung aus. Was bleibt ist die Sehnsucht, denn das Herz bleibt ein einsamer Jäger.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

    Der Klassiker von Carson McCullers wird zu Recht als Meisterwerk bezeichnet. Das Sammelsurium von Menschen, die sich um den taubstummen Mr. Singer scharen, sind alle so liebenswert und differenziert gezeichnet, dass man in ihren Geschichten versinkt.

    Diese Außenseiter sind alle auf der Suche nach Glück und dem richtigen Weg in ihrem Leben.

    Mick zum Beispiel ist auf dem Weg zum Erwachsenwerden, hat viele Träume und noch mehr Verantwortungsbewußtsein und stößt deshalb dann doch an ihre Grenzen.

    Mr. Copeland dagegen ist schwer krank und will bis zum Schluss seine schwarzen Mitbürger den rechten Weg aus ihrer rassistisch bedingten Unfreiheit zeigen. Er begegnet Jake Blount, einem aus dem Nichts aufgetauchten Marxisten, der ebenfalls mit politischer Mission unterwegs ist. Soviel sie im Denken doch gemeinsam haben, so trennt sie die Hautfarbe und letztendlich gehen sie im Streit auseinander.

    Und noch mehr Schicksale tummeln sich in diesem wunderbaren Buch. Und jeder sieht in Mr. Singer den einzig wahren Freund, dem sie sich anvertrauen, von dem sie sich verstanden fühlen, da er selbst immer schweigt, immer zuhört und nur hin und wieder zustimmend mit dem Kopf nickt.

    So weiß auch keiner von dessen Nöten. Einst lebte er mit seinem Freund Antonapoulus zusammen, der jedoch dem Wahnsinn verfällt und fortan in einem geschlossenen Heim lebt. Einsam flüchtet Mr. Singer aus der gemeinsamen Wohnung und sucht sich ein Zimmer in einer Pension. Ab und zu fährt er seinen engen Freund besuchen, doch irgendwann trifft er ihn nicht mehr lebend an und zerbricht daran.

    Unausgesprochen ist diese Liebe, ein Tabuthema in der Zeit der Entstehung des Romans. Und doch ist diese Art der Männerliebe offensichtlich für den heutigen Leser.

    Ein großartiges Buch, welches mich öfter an James Baldwins "Eine andere Welt" erinnerte, welches zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Also: lesen, eintauchen und mitleben!

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    Beaglevor 7 Jahren
    Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

    Leben, Leid und Armut in den USA des Jahres 1939. Eine weiter unbenannte Stadt im Staate Georgia, drückende Hitze im Sommer, klirrende Kälte im Winter. Dazwischen die Menschen der Stadt. Aber, es sind austauschbare Hüllen, von denen berichtet wird, auch, wenn in abwechselnden Kapiteln 5 von ihnen näher und durchaus brillant beschrieben sind. Aber dennoch, es liegt nichts allzu persönliches an ihnen, niemand würde es merken, wenn man sie vertauschte. Genau das ist allerdings die Meisterleistung in Carson McCullers Werk „Das Herz ist ein einsamer Jäger“.

    1. Mr. Singer: Der taubstumme Singer führte ein glückliches Leben mit seinem ebenfalls taubstummen, griechischen Freund Antonapoulos. Sie lebten gemeinsam in einer Wohnung und begaben sich, außer ins Kino, nicht viel unter Leute. Doch eines Tages wurde Antonapoulos von seinem Vetter in ein Heim „abgeschoben“, woran Singer fast zerbrach. Er konnte nicht mehr länger in der gemeinsamen Wohnung bleiben und mietete sich im Hause der Familie Kelly ein. Plötzlich wurde er aber von jedermann als eine Art Heiliger verehrt, denn, obwohl Singer nichts sprach und auch schreibend nie viel Antwortete, so schien er seine Gegenüber stets zu verstehen.

    2. Mr. Blount: Ein verwegener Geselle, der erst seit Kurzem in der Stadt ist. Zu Anfang hat er sich eine Woche lang beim Wirt Biff Brannon eingenistet, nur gesoffen und nichts getan. Doch dann, eines Abends, als er im wirren Rausch seinen Kopf mehrfach gegen eine Hauswand geknallt hatte, nahm ihn Singer mit zu sich. Schon am nächsten Tag suchte er sich Arbeit und bezahlte seine Schulden. Aber, immerfort wurde er von dem Gedanken getragen, ein „Wissender“ zu sein, der die Welt verbessern möchte. Auch in Singer sah er einen Gleichgesinnten, den Einzigen, der ihn verstehen konnte.

    3. Mick Kelly: Das Mädchen hat im Grunde ein sorgloses Leben. Zusammen mit ihren 5 Geschwistern wohnt sie behütet in der Pension ihrer Eltern, besucht die höhere Schule und träumt davon, Musik machen zu können. Nichts liebt sie mehr, als die klassische Musik. Doch, als ihr Bruder George versehentlich das Nachbarskind anschießt, gerät die Familie in finanzielle Bedrängnis. Nun werden die Sorgen größer und auch das Erwachsenwerden schließt sich langsam in ihr Leben. Von der Musik allerdings erzählt sie nur dem Taubstummen.

    4. Dr. Copeland: Er ist der einzige schwarze Arzt der Stadt und immerfort im Einsatz. Tag und Nacht wird er zu seinen schwarzen Patienten gerufen, die ihre Kinder aus lauter Dankbarkeit nach ihm benennen. Aber, sein wahres Streben liegt darin, die „Negerrasse“ in Amerika zu etablieren, sie frei zu machen von Angst, Schrecken und vor allem Unterdrückung. Das hat ihn sogar seine Familie gekostet, denn seine Frau Daisy zog mit den 4 Kindern zurück zu ihren Eltern. Nun, Mitte Fünfzig, lebt er allein. Nur seine Tochter Portia besucht ihn ab und an und erzählt ihm von den Brüdern. Sie waren nicht für das elitäre Leben geschaffen, das er sich für sie ausgemalt hatte. In Mr. Singer findet er den einzigen Weißen, der die Frage für mehr Rechte seiner Rasse zu verstehen scheint.

    5. Biff Brannon: Der Wirt, dem nach dem Tod seiner Frau nur die Leere zurückbleibt, ist ein herzensguter Mensch. Immer, wenn ein verkrüppelter in sein Lokal kommt, gibt er ihm einen Wiskey aus. So ist er auch von Mr. Singer fasziniert, als dieser ihn das erste Mal besucht und ihm eine Karte schreibt, dass er von nun an immer zum Essen kommen würde und was er zu speisen wünsche.

    Wünsche, Träume, Hoffnungen – Armut, Elend und Mutlosigkeit. Carson McCullers stellt dies immer wieder strickt gegenüber und erzählt von Menschen, die den Alltag meistern müssen, egal was kommt.

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    sk_bookwormvor 7 Jahren
    Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

    Das Buch spielt in einer kleinen Stadt in Georgia/USA. Es erzählt die Geschichte von sehr verschiedenen Menschen, die doch etwas gemeinsam haben - das doch eher trostlose Leben. Jack, ein Alkoholiker der nicht oder kaum über die Runden kommt, der schwerkranke schwarze Arzt Copeland, die kleine Mick Kelly und der Wirt Biff Brannon. Alle scheinen viele Probleme zu haben und treffen sich ausgerechnet bei einem Taubstummen namens Singer. Ihm erzählen sie seine Geschichten, ausgerechnet einem Taubstummen, der wahrscheinlich nicht einmal alles versteht. Das Leben nimmt seinen Lauf, es wird ums Überleben gekämpft, sich für Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weissen eingesetzt und von einem besseren Leben geträumt.
    Die Themen in diesem Buch hätten Potenzial zu einer guten Geschichte. So, wie sie McCullers geschrieben hat, ist davon leider nicht viel spürbar. Das Buch wirkt sehr deprimierend, lange am Stück zu lesen, schaffte ich fast nicht, weil dermassen viele schlechte Gefühle hochkamen, dass es kein Genuss war. Die einzige Person, die etwas Hoffnung verströmt hat, war die kleine Mick. Ihr Traum war Musikerin zu werden, sie hat mit ihrer kindlichen Naivitiät ein wenig für Erheiterung gesorgt (wenn man es denn so nennen kann) und bei ihr sah ich am Ende des Buches auch als einzige ein kleines Stückchen Hoffnung für ein besseres Leben. Ansonsten bleibt einiges ungeklärt, was mich als Leser geärgert hat.
    Ich habe nicht bereut das Buch gelesen zu haben, sonderlich gefallen hat es mir aber nicht!

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    Ferrantevor 7 Jahren
    Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

    Wahnsinn, was für ein Buch, das ich fast in einem Rutsch gelesen habe! Gefunden habe ich es zufällig in einer Wühlkiste und der Titel sprach mich an - und die Autorin war mir als amerikanischer Klassiker bekannt.

    Der Roman verströmt unverhohlen Tennesse-Willams-Flair. In einer anonymen Kleinstadt im Süden erleben die Figuren ihr persönliches, kleinbürgerliches Drama unter der sengenden Sommersonne. Da ist Mick, ein Mädchen, das aus einer armen Familie kommt, und in sich die Anlagen zur Komponistin trägt. Verwundert erlebt sie erste Erfahrungen mit der Welt der klassischen Musik und erste Erfahrungen in der Liebe. Dann ist da noch Jack Blount, ein alkoholkranker Tunichtgut, der von einer Stadt zur anderen driftet und seine Umwelt vom Kommunismus überzeugen will. Dann gibt es noch einen alten, schwarzen Arzt, der die Afroamerikaner zur Revolte bringen möchte, aber eigentlich verbittert ist, und einen Cafébesitzer, der heimlich in Mick verliebt ist und dem die Frau wegstirbt. Alle treffen sich bei John Singer, einem Taubstummen, der von allen als geheimnisvoll und allwissend verehrt wird. Dessen Freund, der einzige, dem er wiederum alle seine Gedanken mitteilen kann, liegt im Krankenhaus. Alle kommen zu John Singer und erzählen ihm von ihren privaten Dramen; ironischerweise versteht dieser sie oft gar nicht, aber alle stellen die Gespräche mit ihm immer zufrieden. Als Singers Freund stirbt, begeht auch er Selbstmord, und Mick, Jack, der Arzt und der Cafébesitzer sind mit ihren Gedanken wieder allein.

    Aber es gibt leise Hoffnung am Ende: Mick geht arbeiten und beschließt, sich ein Klavier zu kaufen und mit der Musik weiterzumachen, um ihrem Leben einen Sinn zu geben. Jack zieht weiter in eine neue Stadt und wagt einen Neuanfang. Der Arzt zieht zu seiner Familie und der Cafébesitzer erlebt am stillen Ende des Romans einen kurzen Epiphanie-Moment, nach dem er sein Leben wieder fortsetzen kann.

    Mit schlichter, aber dennoch sehr eindringlicher, pointierter und reicher Sprache erzählt Carson McCullers in ihrem ersten Roman, geschrieben mit 23 (!), von den kleinen, verborgenen Dramen im Kleinbürgertum des amerikanischen Südens. Ein Buch, das süchtig macht und leise melancholisch, aber nicht düster ist.

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    Babschas avatar
    Babschavor 7 Jahren
    Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

    Zurück ins Jahr 1939, in die Sommerhitze einer namenlosen Stadt im Süden Georgias, führt uns die Geschichte, mitten hinein ins tägliche Leben einer kleinen, bunt zusammen gewürfelten Gemeinschaft dort lebender Menschen, denen eins gemein ist: der tägliche Kampf ums eigene Überleben in einer Gesellschaft voller Vorurteile, Hass und Rassendiskriminierung, die sowohl den unterdrückten Schwarzen wie auch der breiten Masse der ebenfalls am Existenzminimum dahin vegetierenden, chancenlosen Weißen im Wesentlichen nur die Wahl lässt zwischen dem Rückzug in die Welt des Glaubens mit der festen Hoffnung an den späteren Übergang in eine bessere jenseitige Welt oder der konsequenten Betäubung der eigenen elenden Lebensumstände durch Alkohol.
    Da ist die kleine Mick Kelly mit ihren fünf Geschwistern, ein toughes, furchtloses Mädchen von dreizehn Jahren, wach und intelligent in ihrer Liebe zur Musik, dann der geheimnisvolle Mister Singer, ein taubstummer Mann mittleren Alters, der im Haus der Kellys lebt und im Laufe der Zeit durch seine charismatische Ausstrahlung zum Bezugspunkt diverser anderer Menschen wird, weiter Biff, der traurige, unglückliche Denker, der Tag und Nacht hinter dem Tresen seines Restaurants über die Zusammenhänge und den tieferen Sinn des Lebens sinniert, auch Doktor Copeland, ein schwarzer Arzt, unermüdlich im Einsatz für seine Mitbrüder und –schwestern, deren Schicksal ihn innerlich zerreißt und der hierüber den Kontakt zu seiner eigenen Familie verloren hat. Und viele mehr. Und keinem von Ihnen wird auch nur ein wenig Glück vergönnt sein…

    Carson McCullers´ im gleichen Jahr geschriebener Roman ist ein eindrucksvolles Zeugnis amerikanischer Zeitgeschichte, in dem die klassenkämpferischen Ambitionen und das Aufbegehren einiger der Protagonisten als sinnloses und von vornherein zum Scheitern verurteiltes Agieren erscheinen in einer von tiefer Hoffnungslosigkeit und Angst geprägten Gesellschaft , in der nur die Stimme des Besitzenden mit weißer Hautfarbe etwas zählt. Und trotzdem schafft es die Autorin meisterhaft, in ihrem Werk zwischen den Zeilen große, intensiv spürbare Menschlichkeit zu verankern, im Zusammenhalt der Besitzlosen in den kleinen täglichen Dingen, allen voran in der intensiven Schilderung des Lebens und der Gedankenwelt der jungen Mick, die bis zum Ende unermüdlich an ein besseres Leben irgendwo auf dieser Welt glaubt.
    Ein intensives, ein großes, ein lesenswertes Buch.

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    olgicas avatar
    olgicavor 9 Jahren
    Rezension zu "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers

    In einem ärmeren Viertel, einer nicht näher genannten Stadt des Bundesstaates Georgia im Amerika der 30er finden sich einige Außenseiter zusammen. Die 13jährige Mick hat ein großes Musiktalent, was in ihrer großen, armen Familie nicht gefördert werden kann, der Cafébesitzer Biff Brannon und der etwas verrückter Kommunist Jake Blount sind mit ihrem Leben nicht zufrieden und der schwarze Arzt Benedict Copeland hat sich von seiner Familie entzweit - so unterschiedlich sie auch sind, sie alle freunden sich mit dem Taubstummen John Singer an und erzählen ihm von ihren Problemen. Irgendwie fühlen sich alle bei Singer geborgen und verstanden. Leider merkt niemand, dass der Taubstumme Mann selbst auch Probleme hat und Hilfe bräuchte.

    Mir gefiel sowohl die Idee des Romans, als auch die Umsetzung sehr. Das Buch ließ sich angenehm lesen und hat eine schöne Sprache. Carson McCullers Roman ist so einfühlsam geschrieben, die Ängste und die Verlorenheit der Protagonisten so anschaulich dargestellt. Wenngleich auch der Taubstumme die Hauptperson ist, so befasst sich die Autorin zu einem großen Teil mit der Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Rassen. Die schwarzen Protagonisten erleiden allesamt Nachteile aufgrund ihrer Hautfarbe, sei es geringerer Arbeitslohn, härtere Strafen oder dass sie im Alltag schlechter behandelt werden als weiße. McCullers bedient sich dabei immer wieder diskriminierender Ausdrücke wie "Negergeruch" oder "Negerviertel", die sie sehr provokant einsetzt. Denn ihre Intention ist es, auf die Misstände der Rassendiskriminierung aufmerksam zu machen. Als das Buch 1940 erschien, wurden Afroamerikaner noch sehr viel schlechter als weiße behandelt. Besonders fasziniert hat mich, dass die Autorin das Buch bereits mit 23 geschrieben hat. Denn es ist einfach großartig und ich hätte es eher jemand reiferem zugeschrieben.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Hallorins avatar
    Liebe Lesefreunde,

    willkommen zur Juli-Leserunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur - Monat für Monat" (zugehöriges Plauder- und Infothema hier)

    Im Juli lesen wir "Das Herz ist ein einsamer Jäger" von Carson McCullers.

    Wir beginnen am 01. Juli 2014, aber späteres Einsteigen ist natürlich möglich.

    Wikipedia sagt:
    "Das Herz ist ein einsamer Jäger ist ein Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Carson McCullers. Das Buch erschien im Mai 1940 bei Houghton Mifflin in Boston unter dem Titel The Heart Is a Lonely Hunter. McCullers begann 1937 mit den Arbeiten an ihrem Debütroman und schloss ihn 1939 ab. Zunächst hieß das Buch The Mute (zu Deutsch: Der Stumme), bei der Veröffentlichung 1940 wurde es aber in The Heart Is a Lonely Hunter umbenannt. McCullers Werk genoss große Aufmerksamkeit und war lange Zeit auf den Bestsellerlisten des Jahres 1940 vertreten."

    Wie immer meine üblichen Bitten:

    1. Setzt bei Beiträge in Leseabschnitten immer den Spoiler-Haken, schließlich will keiner schon vorher wissen, wer der Mörder ist ;)

    2. Bitte postet Beiträge in die bestehenden Kategorien, es macht Leserunden unübersichtlich, wenn Texte nur unter "Alle Beiträge" stehen. Man kann das auch nachträglich reineditieren, wenn man es vergessen hat ;)
    EineBuchliebhaberins avatar
    Letzter Beitrag von  EineBuchliebhaberinvor 4 Jahren
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