Carson McCullers Die Ballade vom traurigen Café

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Inhaltsangabe zu „Die Ballade vom traurigen Café“ von Carson McCullers

Miss Amelias Café ist die einzige Vergnügungsstätte weit und breit. Dort verkauft die unabhängige und starke Frau ihren selbstgebrannten Schnaps, und dort lebt sie mit Vetter Lymon, einem kleinen buckligen Mann, der gar nicht ihr Vetter ist. Dann jedoch kehrt ihr ehemaliger Mann in die Stadt zurück. Eine tragische Dreiecksgeschichte aus den amerikanischen Südstaaten über die im Leben ewig zu kurz Kommenden, über Sehnsucht, Verrat, bittere Enttäuschung und kurzes Glück.

Ein wunderbares Kleinod über die Liebe und das Leben und wie beide miteinander zusammenhängen...

— Joachim_Tiele

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  • Miss Amelia und die zwölf Sterblichen

    Die Ballade vom traurigen Café

    The iron butterfly

    07. March 2017 um 20:56

    Zwischen Baumwollfeldern, Pfirsichbäumen, einer Schnapsbrennerei und den Hütten der Arbeiter lebt Miss Amelia Evans und betreibt nebenbei den kleinen Laden, den sie von ihrem Vater geerbt hat. Dünger, Lebensmittel und der weithin geschätzte Selbstgebrannte sind die Selbstläufer in der kleinen Südstaaten-Gemeinde. Alle schätzen die tüchtige Geschäftsfrau Miss Amelia und niemand will sich mit der streitlustigen Frau anlegen, denn sie liebt nichts mehr, als sich ihr Recht zu erstreiten. Nicht einmal Marvin Macy konnte mit seiner Liebe ihr Herz erobern, auch wenn Amelia in die Heirat mit ihm einwilligte. Nach zehn Tagen Ehe schafft es Amelia, Marvin wieder auf die Straße zu treiben, wo er letztendlich im Zuchthaus landet. Aber eines Abends, als Miss Amelia mit einigen Arbeitern auf der Treppe vor dem Laden den Feierabend und die untergehende Sonne genießt, kommt eine kleine, bucklige Gestalt die Straße entlang gelaufen. Lymon Willis, bucklig und verdreckt, behauptet er Amelias Vetter zu sein und schafft es in wenigen Augenblicken aus Amelia einen anderen Menschen zu machen. Niemand kennt die Tiefe des Verhältnisses der beiden, aber von nun an lebt Lymon mit Amelia im Haus und der Laden entwickelt sich zum beliebten Treffpunkt, zum Café, wo Mahlzeiten und der Selbstgebrannte zur Musik vom Pianola gereicht werden. Die Tage verstreichen, Amelia versorgt im Hinterzimmer Kranke, Lymon zettelt aus Spaß die eine oder andere Streiterei unter den Gästen an, Ehemänner trinken ihren Schnaps abseits von zuhause, wo die Trinkerei nicht gerne gesehen wird…da taucht in der Stadt der Zuchthäusler Marvin mit seiner Gitarre auf. Carson Mc Cullers verdichtet auf ganz feinsinnige Art in dieser kleinen Geschichte die Ereignisse unter der sengenden Sonne der amerikanischen Südstaaten. Ähnlich der Wirkung von Amelias Schnaps wandeln sich die Gefühle und Sehnsüchte der Protagonisten bei McCullers mit zunehmendem Konsum von hoffnungsvoller Erwartung zur bitteren Enttäuschung. McCullers verdeutlicht, dass die Liebe auf jeglichem Untergrund gedeiht, solange die Bedingung günstig erscheinen. Sie versinnbildlicht dieses „Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, denn sowohl Lymon, als auch Amelia selbst werden weder als schön noch begehrenswert dargestellt. Sie scheinen sich gefunden zu haben. Und doch schafft es der Dritte im Bunde, Marvin der verschmähte Ehemann, diese Liebe zu zermürben. Am Ende fragt man sich, wie das geschehen konnte, warum die Bande nicht standhielten und muss erkennen, dass McCullers auch hier keine Schwächen zeigt. Sie verwässert ihre „Ballade vom traurigen Café“ nicht durch schmachtende Sentimentalitäten, sondern verdichtet die Geschichte zur Essenz der Vergänglichkeit von Liebe, Sehnsucht und Glück.

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  • Eine "Ballade vom traurigen Leben", das dennoch gelingen kann

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Joachim_Tiele

    04. December 2016 um 20:31

    Lori Ostlunds Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist eine von drei ins Deutsche übersetzten Neuerscheinungen aus dem Jahr 2016, die ich wie eine Art Trilogie empfunden habe, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem aktuellen Zustand der modernen amerikanischen Familie beschäftigt. Justins Heimkehr von Bret Anthony Johnston war für mich das dystopisch düsterste dieser Bücher, das keine Chance für ein glückliches oder auch nur ansatzweise gelingendes Leben der Protagonisten in Aussicht stellt. Jonathan Saffran Foers Hier bin ich beschreibt das Ringen um ein gutes, reflektiertes und ethisch vertretbares Leben, das in zentralen Aspekten scheitert (die Ehe der Protagonisten zerbricht), stellt aber auch die philosophische Haltung heraus, zu der Rationalität, reflektiertes Handeln und eine insgesamt aufgeklärte Lebenseinstellung führen können. Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist das optimistischste dieser Bücher, ohne allerdings weder dem Protagonisten, noch dem Leser falsche Versprechungen zu machen; ein Trostbüchlein hätte man es vielleicht in früheren Zeiten genannt. Aaron, der Protagonist, trennt sich mit zweiundvierzig Jahren am Weihnachtsabend von seinem Lebensgefährten Walter, mit dem er zwanzig Jahre lang ein Paar war, fährt nach San Francisco, lebt dort zum ersten Mal allein, findet eine neue Arbeitsstelle und gegen Ende des Romans vielleicht einen neuen Freund. Doch so scheinbar stringent verläuft der Weg nicht. Entgegen der Verlagsankündigung ist Das Leben ist ein merkwürdiger Ort kein Roman über das Ankommen, vermeidet aber auch die platte Botschaft, der Weg sei das Ziel. Aarons Leben ist eine lebenszeitlange Suchbewegung, heraus aus den Festlegungen seiner Herkunftsfamilie, die ihn gleichzeitig zeitlebens nicht loslassen. Da ist der gewalttätige, überhebliche Vater, ein Polizist, dem es Spaß macht, sein Selbstwertgefühl durch die Erniedrigung seines Sohnes zu stärken. Da ist die Mutter, die ihn ohne Ankündigung verlässt. Da ist Walter, der ihn als Fünfzehnjährigen kennenlernt, lange bevor zwischen ihnen eine sexuelle Beziehung entsteht, und der für seine Ausbildungskosten aufkommt. Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist auf eine ungewöhnliche Weise ein psychologischer Roman. Eher an Freuds Technik der freien Assoziation orientiert als am fiktionalen Bewusstseinsstrom der literarischen Moderne, bezieht sich Ostlund ganz stark auf die existenzielle Psychologie und Psychotherapie (@Wikipedia). Dieser zufolge ist Psychotherapie nicht nur etwas für Kranke. Ihre Begründung liegt nicht im Leidensdruck, der normalerweise als conditio qua non für psychotherapeutische Inerventionen angesehen wird, sondern in der Neugierde das eigene Leben betreffend, seine Brüche ebenso wie seine Zusammenänge. Grundsätzlich fußt sie auf der Psychoanalyse, sieht sich aber stärker noch als diese als Kulturtechnik und bezieht Literatur, Philosophie und kulturelle Antropologie ein. Dabei verzichtet sie auf jede Art von Heilungsversprechen. Ein unglücklicher Mensch kann - und wird vermutlich - immer unglücklich bleiben; die Linderung des Leids besteht allein darin, dass er die Herkunft und die Gründe für dieses Leid besser verstehen kann. Daraus kann die Kraft entstehen, trotz widriger Voraussetzungen und Umstände ein selbstbetimmtes Leben zu führen, das die Bedürfnisse der Mitmenschen einschließt. Dazu gehört insbesondere die freie Wahl der Bezugsspersonen. Eltern sind in diesem Konzept eher Zufallsverwandte, die einen starken, in Einzelfällen auch verheerenden Einfluss auf ihre Kinder haben können. Man kann, auch wenn man darunter leidet und er das Lebensglück behindert, diesen prägenden Einfluss nie loswerden. Auch die Eltern selbst können einen zu einem späteren Zeitpunkt davon nicht freisprechen. Gleichfalls ist die Forderung des Verzeihens, in einigen psychotherapeutischen Konzepten die Vorbedingung einer Befreiung von den Eltern, häufig unrealistisch oder, wenn es denn stattfindet, wirkungslos. In Aarons Fall scheitert die Wiederbegegnung mit seiner Mutter als Erwachsener völlig. Der Privatdetektiv, der seine Mutter für ihn aufspürt, wird für einige kurze Momente für Aaron fast eine Art Götterbote, aber kurz darauf in einem völlig anderen Zusammenhang ermordet (möglicherweise sehr bewusst durch die Verfasserin, um auch den leisesten Anflug von Spannungsliteratur zu vermeiden). Der Privatdetektiv ist einer einer ganzen Reihe frei gewählter vorübergehender Gefährten Aarons, ebenso wie Walter oder dessen Schwester, die in beider gefühlter Seelenverwandtschaft ihm nahe steht wie eine eigene. Das Konzept dahinter ist ein Element dessen, was manche als das andere Amerika bezeichnen: eine Solidarität auf Zeit, die blutsverwandtschaftliche Bindungen in ihrer Verbindlichkeit weit übersteigen kann, im ländlich-konservativen Minnesota, aus dem Aaron stammt, ebenso wie im großstädtisch-progressiven San Francisco. Es geht darum, Außenseiter zu akzeptieren und bei Bedarf auch aufzufangen. Insbesondere San Francisco hat seit den frühen neunzehnhundertsechziger Jahren eine Tradition aus zivilgesellschaftlichem Protest ebenso wie Engagement. Legendär sind Ideen aus dem Summer of Love wie kostelose medizinische Versorgung in einem Land ohne Krankenversicherung und Geschäfte, in denen kostenlos eingekauft werden konnte (Free Food, Free Stores, Free Clinics) (1). Einige dieser Ideen, auch die der freien Liebe und der Toleranz für viele Formen sogenannter abweichender sexueller Orientierungen, prägen San Francisco bis heute. Aber diese Ideen müssen, sollen sie weiterbestehen, täglich nicht nur als Konzept sondern als Alltagspraxis fortgesetzt und verteidigt werden. Auch dafür steht dieses Buch, frei von Nostalgie und frei von falschen Versprechungen. Wer Bücher hauptsächlich liest, um in andere Welten entführt zu werden oder der Welt insgesamt zu entfliehen (Buch auf - Welt aus lautete die Statusmeldung einer Besucherin meines Profils hier bei LovelyBooks), ist bei Das Leben ist ein merkwürdiger Ort vermutlich verkehrt. Eher ist es eine Einladung, das Kennenlernen von Aarons Welt zum Anlass der Inspektion der eigenen zu nehmen, auch wenn für die meisten deutschen Leser vermutlich keine Eins-zu-eins-Entsprechungen zu erkennen sein werden. Abstraktionsvermögen, aber auch die Fähigkeit zur Übertragung (im psychologischen Sinne) sind erforderlich, die Bezüge von einem fremden Selbst zu seinem eigenen zu ziehen. Aber es kann gelingen, vielleicht dann, wenn einem selbst einmal etwas passiert, das man nur aus der Vergangenheit - ob aus seiner eigenen oder der anderer - verstehen oder erklären kann. Joachim Tiele - 04.12.2016 _______ (1) Der deutsche wie der englischsprachige Wikipediaartikel zum Summer of Love sind eher oberflächlich und reduziert auf Musik und Drogengebrauch. Der organisatorische Kern der Bewegung waren die Digger, auf deren Webseite man die ausführlichsten Informationen dazu finden kann: http://www.diggers.org/history.htm

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  • Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Café" von Carson McCullers

    Die Ballade vom traurigen Café

    Bri

    Ein kleines Kaff in Georgia, abgelegen und von Gott und der Welt vergessen. Ablenkung von der alltäglichen Arbeit in der Baumwollspinnerei und den Nöten des Lebens bietet nur Miss Amelias selbstgebrannter Whisky, der harte Männer dazu bringt, die Welt mit anderen Augen zu sehen und den Kern der die Welt im Inneren zusammenhält, zu erkennen. Miss Amelia ist die Frau, die in Carson McCullers Ballade vom traurigen Café im Mittelpunkt steht und die einzige in der ganzen Erzählung, die überhaupt einen Platz neben den Männern einnimmt. Sie ist unabhängig und stark und zweiteres sogar im wahrsten Sinn des Wortes. Anlass zu Spekulationen gibt immer noch die 10-Tage-Ehe zwischen Miss Amelia und Marvin Macy. Was nach der Trauung zwischen den beiden geschah und dazu führte, dass Macy schlussendlich verschwand, bleibt für immer im Dunkeln. Klar ist nur eines: er wird nie wieder die Schwelle ihres Ladens überschreiten. Das tut ein anderer: Miss Amelias buckliger Vetter Lymon, der eines Tages völlig unerwartet auftaucht und höchstwahrscheinlich gar nicht ihr Vetter ist, kommt und bleibt, wird gehegt und gepflegt und scheint die Liebe in Miss Amelia zu erwecken. Aus dem anfänglichen Laden, in dem Miss Amelia ihren exquisiten Selbstgebrannten und allerlei andere Waren verkauft, wird nach und nach ein Café. Das Café, das die einzige Attraktion in der Einöde Georgias darstellt und die Menschen anzieht, wie die Motten das Licht. Und auch Macy wird wieder angezogen ... Carson McCullers Erzählung ist ein außergewöhnliches Buch. An manchen Stellen fühlt man sich an Grüne Tomaten erinnert - aber nur deshalb, weil die Zeit dieselbe ist, der Ort genauso abgelegen und eigentlich trostlos und die Menschen mit denselben Sorgen, Ängsten und Nöten zu kämpfen haben. Aber abgesehen davon, ist die Ballade vom traurigen Café völlig einzigartig. Einzigartig ist der Stil, ist die Atmosphäre, sind die Personen und Geschehnisse.Hier werden ungeschönt und in einfacher Sprache die fundamentalen Themen des Lebens angesprochen: Liebe, Enttäuschung, Vertrauen und Verrat. Kompakte Lektüre für ein paar Stunden, die den Leser nachdenklich zurücklässt.

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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  • Die Ballade vom traurigen Café von Carson McCullers.

    Die Ballade vom traurigen Café

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. April 2013 um 03:02

    Wie schon bei Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll, maße ich mir nicht an über die Qualität von Carson McCullers Prosa zu diskutieren – der Fakt, dass sie Jahrzehnte nach Tod der Autorin noch immer gelesen und geliebt wird, spricht meines Erachtens für sich. Worüber ich statt dessen schreiben möchte ist mein Erlebnis mit dieser Novelle, das Kronjuwel einer Erzählungs-Sammlung gleichen Titels. Bis zuletzt hatte ich gewartet mit dieser Geschichte und mich so schon etwas mit Carson McCullers Stil bekannt gemacht. Sie schreibt ganz offen, ehrlich, unbeschönt über oft schwierige Charaktere oder Charaktere, die sich mit kuriosen Figuren herum schlagen müssen. Diesen Stil trägt sie natürlich auch in Die Ballade vom traurigen Café. Zunächst musste ich mich etwas hinein denken in Carson McCullers Welt der Gescheiterten, doch glücklichen Charaktere. Man trifft sie alle, so wie sie einander, nach einer Enttäuschung, einer Niederlage, einem Rückschlag und sie suchen Zuflucht, oft ganz wörtlich, bei einander, wie auch im Kopf des Lesers. So schaffen sie sich eine eigene Welt in der anders zu sein von Vorteil ist und man nur den nötigen Ehrgeiz braucht um etwas auf die Beine zu stellen. Doch diese Welt steht auf gläsernen Füßen, ist zu zerbrechlich um dem rauen Alltag der Charaktere stand zu halten. Manche von ihnen entpuppen sich als weit weniger harmlos, als zunächst angenommen, als ihre äußere Erscheinung es dem Leser suggeriert. Was das Café in dieser Ballade zu einem traurigen Ort macht, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten, die sich kurz zeigen und dann auf immer dahin schwinden, die Liebe welche bei McCullers in diesem Fall alles zerstören kann, da sie Charaktere schwach macht, für die Schwäche der Untergang sein wird. Dies und mehr macht die Erzählung so pointiert, wie sie bei McCullers seit jeher ist. Der Stich ins Herz sitzt und geht nicht mehr weg, da man das Ende gesehen hat, nicht verhindern konnte, so als wäre man einer der Gäste des traurigen Cafés, die sich den Konflikten der Hauptfiguren nicht verschließen, sie aber gleichzeitig nicht für sie lösen können. Mein erstes Buch von Carson McCullers als Einleitung zu ihrem viel zu spärlichen Werk. In Verbindung mit den Kurzgeschichten besonders gelungen, da sich Entwicklungen in der Prosa und damit verbundene Anerkennung beim Leser abzeichnen.  Ob nun alleine stehend oder als Teil einer Sammlung, schätze ich Die Ballade des traurigen Cafés als Teil von Carson McCullers Werk. Eine Erzählung, die genau die richtige Länge hat und bei so manchem Leser, bei mir auf jeden Fall, etwas zum Klingen gebracht hat, was so schnell nicht wieder verstummen wird.

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  • Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Café" von Carson McCullers

    Die Ballade vom traurigen Café

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    06. December 2012 um 05:40

    Wie schon bei Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll, maße ich mir nicht an über die Qualität von Carson McCullers Prosa zu diskutieren – der Fakt, dass sie Jahrzehnte nach Tod der Autorin noch immer gelesen und geliebt wird, spricht meines Erachtens für sich. Worüber ich statt dessen schreiben möchte ist mein Erlebnis mit dieser Novelle, das Kronjuwel einer Erzählungs-Sammlung gleichen Titels. Bis zuletzt hatte ich gewartet mit dieser Geschichte und mich so schon etwas mit Carson McCullers Stil bekannt gemacht. Sie schreibt ganz offen, ehrlich, unbeschönt über oft schwierige Charaktere oder Charaktere, die sich mit kuriosen Figuren herum schlagen müssen. Diesen Stil trägt sie natürlich auch in Die Ballade vom traurigen Café. Zunächst musste ich mich etwas hinein denken in Carson McCullers Welt der Gescheiterten, doch glücklichen Charaktere. Man trifft sie alle, so wie sie einander, nach einer Enttäuschung, einer Niederlage, einem Rückschlag und sie suchen Zuflucht, oft ganz wörtlich, bei einander, wie auch im Kopf des Lesers. So schaffen sie sich eine eigene Welt in der anders zu sein von Vorteil ist und man nur den nötigen Ehrgeiz braucht um etwas auf die Beine zu stellen. Doch diese Welt steht auf gläsernen Füßen, ist zu zerbrechlich um dem rauen Alltag der Charaktere stand zu halten. Manche von ihnen entpuppen sich als weit weniger harmlos, als zunächst angenommen, als ihre äußere Erscheinung es dem Leser suggeriert. Was das Café in dieser Ballade zu einem traurigen Ort macht, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten, die sich kurz zeigen und dann auf immer dahin schwinden, die Liebe welche bei McCullers in diesem Fall alles zerstören kann, da sie Charaktere schwach macht, für die Schwäche der Untergang sein wird. Dies und mehr macht die Erzählung so pointiert, wie sie bei McCullers seit jeher ist. Der Stich ins Herz sitzt und geht nicht mehr weg, da man das Ende gesehen hat, nicht verhindern konnte, so als wäre man einer der Gäste des traurigen Cafés, die sich den Konflikten der Hauptfiguren nicht verschließen, sie aber gleichzeitig nicht für sie lösen können. Mein erstes Buch von Carson McCullers als Einleitung zu ihrem viel zu spärlichen Werk. In Verbindung mit den Kurzgeschichten besonders gelungen, da sich Entwicklungen in der Prosa und damit verbundene Anerkennung beim Leser abzeichnen. Ob nun alleine stehend oder als Teil einer Sammlung, schätze ich Die Ballade des traurigen Cafés als Teil von Carson McCullers Werk. Eine Erzählung, die genau die richtige Länge hat und bei so manchem Leser, bei mir auf jeden Fall, etwas zum Klingen gebracht hat, was so schnell nicht wieder verstummen wird.

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  • Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Café" von Carson McCullers

    Die Ballade vom traurigen Café

    LEXI

    05. August 2012 um 22:42

    Obgleich es sich bei diesem Roman um ein kleines, wenig Seiten zählendes Büchlein im A6-Format handelt, schaffte es die Autorin mit ihrem ausdrucksstarken Stil, ein Bild einer amerikanischen Kleinstadt zu zeichnen. Durchschnittsbürger, durchschnittliches Städtchen, Alltagsprobleme und Sorgen und vieles mehr. Carson McCullers geht bei ihren Protagonisten tief ins Detail und vermittelt dem Leser das Gefühl, sich mitten im Geschehen zu befinden, ein Gast von Miss Amelias Cafe zu sein. Fazit: Überzeugende Ballade, anregende, empfehlenswerte Lektüre.

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  • Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Café" von Carson McCullers

    Die Ballade vom traurigen Café

    Duffy

    12. November 2011 um 15:59

    Die Geschichte von Miss Amalia, Vetter Lymon und dem Ex-Mann und Kriminellen Marvin Macy ist eingebettet in das traurige Café, das der Amalia gehört und den einzigen Ablenkungsort einer Kleinstadt bildet. Die verzweifelte Dreiecksgeschichte ist einzigartige Poesie, eine Novelle wie ein Gedicht, mit den stärksten und eindrücklichsten Bildern, die ein Autor in Worte fassen kann. Die einfache Botschaft der Liebe als Garant der menschlichen Existenz in all' ihrer Grausamkeit, Schönheit und vielleicht auch möglicher Logik wird hier erzählt von einer Autorin, deren außer- ordentliches Talent eine Bereicherung für die Literatur ist.

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  • Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Cafe" von Carson McCullers

    Die Ballade vom traurigen Café

    glowinggloom

    30. September 2008 um 21:44

    Die handgreifliche Geschäftsfrau, Schwarzbrennerin und Laien-Ärztin Miss Amelie, ihr buckliger Vetter Lymon und der Verbrecher Marvin Macy, sind die Hauptpersonen in diesem Roman, der in den 1920-1930er Jahren in einem abgelegenen Nest im Südosten der USA spielt, und der eine Theorie über das Verhältnis von Liebenden und Geliebten aufstellt.

  • Rezension zu "Die Ballade vom traurigen Cafe" von Carson McCullers

    Die Ballade vom traurigen Café

    leserin

    28. July 2008 um 12:55

    Diese Ballade ist einfach, aber mit sehr viel Gefühl geschrieben

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