Carsten Germis

 4.1 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Sayonara, Bulle.

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Sayonara, Bulle

Sayonara, Bulle

 (9)
Erschienen am 30.01.2015

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Eggi1972s avatar

Rezension zu "Sayonara, Bulle" von Carsten Germis

Toller Krimi
Eggi1972vor 3 Monaten

Am Anfang des Krimis dachte ich, O Gott ein trotteliger Provinzpolizist, der sein Leben in einer Kneipe an der Ecke lebt. Er wird mehr oder weniger strafversetzt nach Tokio und stolpert am Anfang in jedes noch so kleines Fettnäpfchen, welches sich in seinem Weg befindet.

Man muss einfach ab und zu schmunzeln über Bernie, der sich aber trotzdem sehr schnell mit Yoko zu einem Team formt. Er lebt sich recht schnell in Tokio ein und findet dort doch rasch Freunde in dem er seinem Wesen trotz allem treu bleibt.

Durch seine Menschenkenntnis, die er ohne Zweifel besitzt, und seine Unbestechlichkeit macht er sich schnell einen Ruf bei der Yakuza in Tokio.

Alles in allem ein Krimi, der wirklich zu fesseln weiß. Am Anfang durch die plumpe Art wie Bernie durch die Stadt geht, und er sich nicht verbiegen will, aber gerade dies macht Ihn auch so sympathisch. Er sieht dadurch Dinge, die seine Kollegen, die sich mehr auf Computer und Daten verlassen, einfach nicht sehen wollen.

Alles in allem ein intelligent geschriebener Krimi, der ohne großes Tempo auskommt, aber trotzdem nie langatmig wirkt. Da man entweder etwas zum Schmunzeln bekommt oder einfach man etwas über Japan lernt, ohne dass das Buch schulmeisterlich wirkt.

Man erfährt, dass in Japan die Vergangenheit anders bewertet wird, aber das man vielleicht einfach beide Welten ein wenig miteinander verknüpfen sollte.

Ich persönlich würde mich freuen, Bernie weiter in Japan sehen zu können, zumal mir bestimmte Personen sehr schnell ans Herz gewachsen sind, und es mir aufgezeigt hat, dass man sich immer mal ein wenig verändern kann. Man muss sich einfach nur ein wenig auf fremde Menschen und Kulturen einlassen.

Alles in allem also ein Lesevergnügen für jeden der kurzweilige aber auch intelligent geschriebenen Krimis mag.

Literaturlounge.eu

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JoJansens avatar

Rezension zu "Sayonara, Bulle" von Carsten Germis

Amüsanter Krimi
JoJansenvor 3 Jahren


Wenn man als Kriminalkommissar in Peine 30 Jahre lang Raufereien und Fahrraddiebstähle aufgeklärt und plötzlich nach Tokio zur dortigen Mordkommission "weggelobt" wird, stimmt etwas nicht. Bernie Ahlweg ist anfangs entsetzt, dann sieht er das Jahr in Japan als Chance, seine Weltsicht über den Tellerrand Niedersachsens hinweg zu erweitern. Und los geht’s mit dem Super-Bullen. Innerhalb der sieben Wochen bis zu seiner Abreise lernt er so gut Japanisch, dass er Katakana (das japanische Lautalphabet) lesen und sich mündlich verständlich machen kann. In Tokio wird er von seinem neuen Vorgesetzten mit der gleichen" Begeisterung" empfangen, mit der er in Peine weggelobt wurde. Die ihm zur Seite gestellte Polizeikommissarin Yoko Fukuda will Karriere machen. Genau wie Bernie ist sie gern auf eigenen Faust unterwegs. Aus einem natürlich aussehenden Tod einer 92-jährigen alten Dame wird dank Bernies kriminalistischem Scharfsinn ein Mordkomplott, das die beiden wichtigsten Gruppen der Yakuza, die Spitze der japanischen Polizei und Politik erschüttert. 

Sehr gut gefallen hat mit an der Geschichte, wie immer wieder europäische und japanische Lebensart aufeinanderprallen. Das verleiht der Story von Superbullen einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Bernie lässt fast kein Fettnäpfchen aus, hat aber als Ausländer so etwas wie Narrenfreiheit, wodurch er Dinge sagen darf, die ein Japaner nie zu fragen wagen würde. Tokio blieb mir etwas zu blass. Das Tor des Kaiserpalastes, die Jogger dort, die übervollen Bahnen zur Rushhour und die Gassen mit den bunten Lampions der Kneipen ... das war’s fast schon. Ansonsten hätte es auch Peine gewesen sein können. Vom Riesenmoloch der 13 Millionen-Stadt war wenig zu spüren. Der Autor legt besonderen Wert auf das Zwischenmenschliche, auf all die kleinen Alltäglichkeiten, bei denen die Japaner anders ticken als wir Europäer. Und das kommt wirklich gut rüber. Zum Beispiel, dass gewisse Worte wie "Prostitution" oder "Yakuza" von den Japanern gar nicht ausgesprochen werden, sondern umschrieben oder mit blumigen Begriffen ersetzt werden. Wassergewerbe ... Auch der Einfluss der Yakuza auf den japanischen Arbeitsmarkt oder die Regeln der "freien Presse" in Japan werden verständlich und wie nebenbei erklärt. 

Bernie ist einerseits eine sympathische Figur, eher so der typische Loser-Typ, der mit dem Leben schon abgeschlossen, es sich in seiner Beamtenrolle bequem gemacht hatte und dessen Höhepunkte in Peine die Skatrunden in seiner Stammkneipe "Härle-Ecke" waren. Anderseits startet er in Tokio so durch, dass es wenig glaubwürdig wirkt, so wie viele der Konstruktionen dieser Geschichte. Das Hotel, in dem Bernie untergebracht ist, Polizeigebäude, die neue Lieblingskneipe (eine Art japanisches "Härle-Eck") und der Tatort liegen in der Riesenstadt Tokio fußläufig nur wenig hundert Meter auseinander. Bernie erreicht auf seine europäisch tapsige Art, was der gesamten japanischen Polizei nicht gelingt. Er findet Leute, nach denen gefandet wird, im Alleingang, gewinnt das Vertrauen der eines hohen Yakuzza usw. ... Irgendwie hat Bernie etwas Lausbubenhaftes. Niemand kann ihm wirklich böse sein und mit seinen kleinen Tricks löst er den Fall dermaßen, dass die "Guten" ihr Gesicht nicht verlieren. 

Alles in allem hat mich dieser Krimi sehr gut unterhalten, spielt die Geschichte in einem Rahmen, der im Gedächtnis bleibt und bietet Raum für eine Fortsetzung. 

Fazit: 4**** und Empfehlung für alle Japan-Freunde.

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tweedledees avatar

Rezension zu "Sayonara, Bulle" von Carsten Germis

ein Provinzbulle in Japan
tweedledeevor 3 Jahren

In Carsten Germis Krimi "Sayonara Bulle" steht der gestandene 52jährige Kriminalkommissar Bernie Ahlweg im Mittelpunkt der Geschichte. Sein Leben hat er Niedersachsen verbracht, er blickt auf eine dreißigjährige Polizeierfahrung zurück. Ob Fahrraddiebstahl, Einbruch oder Mord, alles hat Bernie Ahlweg, der Kommissar mit "gut einhundert Kilo Nervenkostüm" schon erlebt. So dümpelt er durch die  Alltagsroutine, also was kann da noch kommen? Na ja, zum Beispiel eine Reise nach Japan, wo er sich innerhalb eines Jahres mit der modernen Polizeiarbeit vertraut machen soll. So will es zumindest sein Chef Bender. 
Auf nach Tokio, auch wenn es Bernie so gar nicht behagt. War er in Deutschland ein Polizist mit einem reichen Erfahrungsschatz, so findet er sich in Tokio plötzlich in einer anderen Rolle wieder. In der eines Praktikanten. Nicht nur das, hier soll  er auch noch die Rolle eines Teamplayers lernen, was für Bernie, der am liebsten alleine arbeitet nur schwer vorstellbar ist.

"Sayonara Bulle" ist ein locker geschriebener Krimi in der Ich-Perspektive, der sich flott weglesen lässt. Ich war schnell in der Geschichte um Bernie drin,  durch  Bernie-Sans Augen erlebt man als Leser die Polizeiarbeit im fernen Japan. Nicht nur die Ermittlungen, auch kulturelle Unterschiede weiß der Autor geschickt zu vermitteln. Hier wird auch klar dass sich der Autor Vorort bestens auskennt, ist er doch Ostasien-Korrespondent für die Frankfurter Allgemeine und lebt in Tokio.

Für Bernie ist die Kultur und das Leben in Tokio ein ganz neues Erlebnis, die Ermittlungen an dem Mord an zwei Frauen führt ihn ins Milieu zweier herrschender und natürlich verfeindetet Clans. Hier wartet der Autor immer wieder mit überraschenden Wendungen auf, mit denen ich so nicht gerechnet habe.

 Es macht Spaß Bernies Ermittlungen in Tokio zu verfolgen, durch den plastischen Schreibstil konnte ich mir  die Umgebungen und Menschen gut vorstellen. Der Krimi überzeugt durch einen sympathsichen Protagonisten, Bernies eher altmodische Ermittlungsmethoden und den Einblick in die japanische Kultur. Die Handlung wird immer wieder mit Witz und Humor aufgelockert, ist eher unblutig, aber trotzdem spannend.

Fazit: Gut gelungenes Debüt, auf eine Fortsetzung wäre ich gespannt.

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