Carsten Jensen Der erste Stein

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Inhaltsangabe zu „Der erste Stein“ von Carsten Jensen

Im Herz der Finsternis – Der große Antikriegsroman von einem der schärfsten Gegner des militärischen Engagements des Westens in Afghanistan. In einem Militärcamp in Afghanistan trifft ein Zug dänischer Soldaten ein, 24 Männer und die Soldatin Hannah unter Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Alle sind hochmotiviert, hervorragend ausgebildet und abenteuerhungrig. Doch die Tage fließen monoton dahin, bis durch eine Landmine zwei Männer sterben und eine sich immer schneller drehende Spirale der Gewalt in Gang setzt. Als schließlich Schrøder die Truppe verrät, gerät alles außer Kontrolle.

Ein Epos,der die Komplexität des Krieges darstellt. Ein Buch über Gewalt, Tod, Fanatismus & Verrat, aber auch über Menschlichkeit & Hoffnung

— -Leselust-

Jensen zeigt die Komplexität dieses Krieges - stellvertretend für alle Kriege – mit all seinen Grausamkeiten.

— jaylinn

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  • Ein großer Anti- Kriegsroman

    Der erste Stein

    -Leselust-

    01. August 2017 um 14:10

    Kurzmeinung:Ein gewaltiges Buch über Krieg, Tod, Verrat und Fanatismus, aber auch über Menschlichkeit, Familie und Freundschaft. Carsten Jensen schafft es, die Komplexität des Krieges darzustellen – und das auch noch unglaublich spannend.Meine Meinung: Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. Ich habe so einiges über den Afghanistan- Krieg, stellvertretend für viele Kriege, lernen können. Über die Schwierigkeiten eines Einsatzes und die Gefahren für die Soldaten. Aber auch über die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn man in eine vollkommen fremde Kultur eindringt und versucht, westliche Maßstäbe anzusetzen. Am Anfang der Geschichte lernen wir die Soldaten und Soldatinnen des 3. Zuges der dänischen Einheit in Afghanistan kenne. Die Vorstellung der einzelnen Charaktere hat sich am Anfang etwas gezogen, aber Durchhalten lohnt sich, denn was sich daran anschließt ist zunächst eine beeindruckende und bewegende Schilderung des Krieges und des Vorgehens beim Einsatz. Nach und nach entwickelt sich die anfangs recht sachliche Beschreibung dann immer mehr zu einem spannungsgeladenen Abenteuer, das in seiner Sogkraft mit jedem guten Thriller mithalten kann. Darunter mischen sich auch immer wieder tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Was geschieht mit einem Menschen, wenn er solchen extremen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Was passiert mit einem, wenn man tatsächlich einen anderen Menschen töten. "Zum Dank vergewaltigte er ihr Herz und ihr Vertrauen in die Welt, dieses Vertrauen, das aufzubauen sie so viel gekostet hat." (aus "Der erste Stein" von Carsten Jensen, S. 324)Warnen sollte man wahrscheinlich vor der wirklich plastischen Sprache des Autors, der auch die Verletzungen und Verstümmelungen der Soldaten sehr detailliert beschreibt. Das war wirklich nicht einfach zu lesen und ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Allerdings ist es eben auch authentisch, da ich mir vorstellen kann, das es eben tatsächlich genau so abläuft. Die Bombeneinschläge und Minenexplosionen sind so anschaulich beschrieben, dass ich zusammengezuckt bin und einfach mitleiden musste. Ich muss aber zugeben, dass ich einige der wirklich zahlreichen blutigen Szenen irgendwann nur noch überflogen habe, wenn es mir zu viel wurde. Der Roman ist sehr gut recherchiert. Durch den flüssigen und oft eher nüchternen Schreibstil lässt sich die Geschichte gut lesen. Dennoch habe ich recht lange für das Buch gebrauchte, da ich immer wieder Pausen einlegen musste, um über das Gelesene nachzudenken. "Das Mahnmal ehrt die Toten, nicht den Krieg." "Ja schon, aber es erzählt nichts über die Gefallen. Nur, dass sie tot sind." (aus "Der erste Stein" von Carsten Jensen, S. 68)Fazit: Carsten Jensen schafft es in diesem Epos, die Komplexität des Krieges darzustellen. Er macht es dem Leser dabei nicht leicht, ein Urteil zu fällen, da die Geschehnisse immer aus verschiedenen Perspektiven und von allen Seiten betrachtet werden. 

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  • Hochaktueller, epischer Anti-Kriegsroman

    Der erste Stein

    michael_lehmann-pape

    27. April 2017 um 15:24

    Hochaktueller, epischer Anti-Kriegsroman „Ratlos sehen sie sich an. Sara geht zwischen den Toten umher, tritt sie. Ein Ausdruck wilden Triumphes in ihrem Blick…..Wird sie ebenfalls so herumlaufen, wenn sie selbst eines Tages ausgestreckt auf der Erde liegen sollte?“.Was schneller passieren kann, als man denkt, betrachtet man diese eintönigen, langweiligen Tage, die fast mehr noch an den Nerven zehren, als wenn sie doch handeln könnten. Kämpfen, planen, strategisch vorgehen.Doch in diesem Afghanistan des Untergrundkrieges, bei dem nicht offene Kämpfe, sondern heimtückische Anschläge, Landminen und die ständige Ungewissheit, wann „der Feind“ zuschlägt und wer das genau ist, dieser Feind, die Nerven beanspruchen, kommt jede strukturierte Soldaten-Ausbildung an ihre Grenzen.Denn das zähe vergehen der Stunden und Tage ist trügerisch, wie die dänische Einheit unter Führung eines kernigen, charismatischen, allseits geschätzten Offiziers bitter erleben wird. Als erste Tote zu beklagen sind, heimtückisch durch eine Mine getötet.„Der Adrenalinrausch ist vorbei. Noch immer halten behalten sie die entwaffneten Männer im Auge…..Es ist ein gefährlicher Augenblick. Denn jetzt fangen sie an zu zweifeln“.Und das (innerlich, denn die Befehlskette steht natürlich, auch wenn der Anführer nicht da ist) leicht orientierungslos, denn Schröder, der Befehlshaber der Gruppe, ist nicht da. Nicht zu finden. Noch nicht. Doch Spuren hat er hinterlassen. Harte Spuren,Von allen Seiten von möglichen Feinden umgeben, ein Land im Ausnahmezustand, Taliban und rivalisierende Gruppen, alle gegen jeden und der Rest gegen die westlichen „Schutzkräfte“, einmal angestoßen, macht die Gewalt sich in diesem Roman mehr und mehr selbstständig, steigert sich, kulminiert, so dass die Personen im Buch mehr und mehr nicht mehr Akteure des Geschehens sein werden, sondern reagierende und getriebene.„Erschießt erst einmal mehr als ein Dutzend Menschen, inklusiver Frauen und Kinder. Und fragt hinterher. Andere Menschen räuspern sich, bevor sie sprechen. Ihr schießt“.Aber die Ruhe zu bewahren, erst mal zu fragen und dann zu handeln, dass fällt bei diesen Szenen etwa in der Mitte des umfassenden Romans eben nicht mehr leicht, zu viel ist bereits geschehen, als das eine innere Ruhe noch zu finden wäre.Und da dieser sich ständig steigernden inneren Unruhe, diesem „Flattern der Nerven“ und abtauchen in tatsächlich oft sinnlose „Kleinkriege“ der sehr ruhige, unaufgeregte Tonfall Jensens kontrastreich entgegensteht, bleibt dem Leser viel Freiheit, mit eigenen, inneren Bildern der Eskalation der Gewalt und dem Verlieren der Fassung der zu Anfang kühl und professionell wirkenden Soldantetruppe zu folgen. Was nachhaltige Wirkung erzeugt.Denn geht so Frieden? Kann so Eintracht, zumindest eine Balance der Kräfte im Land entstehen? Oder stimmt die alte Formel doch, dass sich die Ziele in den Mitteln wiederfinden müssen? Denn jene Ansätze, in denen eher Empathie als Gewehre und Ausrüstung in den Vordergrund treten, könnten Hoffnung machen. Wenn nicht die verschiedenen Interessen und inneren Überzeugungen einander so diametral gegenüberstehen würden, dass im Roman wenig Aussicht und wenig Hoffnung auf überhaupt irgendeine, vor weniger konstruktive Lösung verbleibt.So versteht es Jensen glänzend, auf beiden Ebenen des Romans, einen intensiven Eindruck und wichtige, offene Fragen zu hinterlassen, Sei es im „Mikrokosmos“ der Gruppe von Soldaten, sei es im Makrokosmos der großen Fragen nach Krieg und Frieden und dem Aufeinanderprallen wesensfremder Kulturen, beispielhaft hier in Afghanistan, einem der Brennpunkte der Gegenwart.Eine rundweg empfehlenswerte, hervorragende Lektüre über die Tatsache, dass es irgendwann völlig egal wird, wer vermeintlich den ersten Stein geworfen hat, weil die Spirale der Gewalt kein Ende findet und irgendwann auch keinen Anfang mehr kennt.

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  • Unbeabsichtigte Kollateralschäden?

    Der erste Stein

    Doryzz

    12. April 2017 um 19:58

    In einem Militärcamp in der afghanischen Provinz Helmand trifft eine Gruppe dänischer Soldaten ein, unter ihnen Hannah, die einzige Frau. Der Alltag im Lager verläuft eintönig. Die Routine lässt Langeweile aufkommen. Bis zu dem Tag, an dem die Gruppe während einer routinemäßigen Patrouille aus dem Hinterhalt beschossen wird. Bei dem Versuch, Deckung zu finden, werden zwei Männer von Minen zerrissen. Die anderen können sich retten, doch dieser Vorfall setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die sich immer weiter hochschaukeln und schließlich im tödlichen Chaos enden. Es sind ganz unterschiedliche Gründe, die die Soldaten dazu bewogen haben, sich für einen Einsatz in Afghanistan zu melden. Eigentlich sind sie gut ausgebildet und optimistisch, gute Arbeit zu leisten, doch keiner von ihnen hat die volle Tragweite ermessen, was ihnen hier geschehen kann. Krieg mit Waffeneinsatz bedeutet in Afghanistan nicht, dass man sich nur verteidigt. Das Land befindet sich seit Jahrzehnten in der Hand fremder Machthaber und die Bevölkerung ist daran gewöhnt, unterdrückt zu werden. Es gibt jedoch auch Aufständische, die sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen. Dabei geht es nicht nur um die Befreiung des Landes, sondern nicht selten in erster Linie um den eigenen persönlichen Vorteil. Die dänischen Soldaten erfahren auf schmerzhafte Weise, dass sie nicht von allen als rettende Truppen aus der westlichen Welt angesehen werden. Sie kämpfen nicht nur gegen die Taliban, sondern auch gegen korrupte Warlords, die ihre eigenen Gesetze haben. Was anfangs wie ein kleines Kompetenzgerangel aussieht, entpuppt sich als eine Spirale der Gewalt, die eine ganz eigene Dynamik entwickelt und sich immer weiter hochschraubt bis zur absoluten Eskalation. Selbst die beste Ausbildung kann Soldaten nicht darauf vorbereiten, wie sie unter äußerstem psychischem und mentalem Druck reagieren werden. Der Anblick von Leichen, egal ob Frauen, Kinder oder vorsätzlich verstümmelte Kameraden, lässt sich nicht realistisch zu Übungszecken simulieren. Ebenso wenig bereitet man Soldaten auf Verrat aus den eigenen Reihen vor. Diese Erlebnisse setzen bei den Dänen Reaktionen in Gang, die sie selbst nie für möglich gehalten hätten. Irgendwann geht es nicht mehr darum, andere zu retten; dann steht nur noch der eigene Überlebensinstinkt im Mittelpunkt. Carsten Jensen hat nach eigenen Angaben viele Reisen nach Afghanistan unternommen und scheint das Land zu kennen. Als Leserin fragt man sich, wie viel von seinen Schilderungen realistisch ist und vielleicht auch, wie man selbst in mancher Situation reagieren würde. Die Skala der menschlichen Gefühle wird im Buch nahezu komplett abgedeckt. Am intensivsten – nicht zuletzt wegen der äußerst detaillierten Schilderungen - bleibt aber der Eindruck des sinnlosen Gemetzels nur um des momentanen Sieges willen. Sind die Kollateralschäden immer unbeabsichtigt? Kann man mit Waffengewalt erzwungenen Frieden als Erfolg bezeichnen? Sollte man sich mit einer europäischen, lebensbejahenden Mentalität in einen Krieg einmischen, dessen Angreifer aus Überzeugung für ihre Sache die Aussicht auf den Tod in Kauf nehmen? Diese Fragen bleiben offen. Man kann darüber streiten, ob Krieg eine Sinnlosigkeit oder eine Notwendigkeit ist. „Der erste Stein“ ist kein Buch, das man nebenbei zur Unterhaltung liest. Carsten Jensen schreibt sachlich und ohne zu beschönigen. Der Ton unter den Soldaten klingt sehr authentisch, auch die Atmosphäre an den diversen Schauplätzen ist gut getroffen. Trotz aller Kampfhandlungen spielen auch Kameradschaft und Solidarität eine große Rolle. Abstriche gibt es für die inhaltliche Vollbremsung am Ende des ersten Teils, einige zu deutliche Schilderungen von Gewalt sowie manche Ereignisse, die mir zu unwahrscheinlich vorkamen.

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  • Ein großartiges Buch. Der Leser muss viel aushalten – und das ist gut so.

    Der erste Stein

    jaylinn

    12. April 2017 um 10:12

    Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com.Allgemeines:Der erste Stein ist am 13.03.2017 bei Knaus als gebundenes Buch mit 640 Seiten erschienen. Carsten Jensen, gebürtiger Däne, ist ein in seinem Heimatland überaus anerkannter Autor. Bevor er das Buch Der erste Stein schrieb, war er mehrfach in Afghanistan.Optisch spricht dieses Buch nicht jede Zielgruppe an, aber das will es auch gar nicht. Es ist auf der Suche nach Lesern, die sich bewusst mit der gewählten Thematik auseinander setzen wollen.Inhalt:„In einem Militärcamp in Afghanistan trifft ein Zug dänischer Soldaten ein, 24 Männer und die Soldatin Hannah unter Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Alle sind hochmotiviert, hervorragend ausgebildet und abenteuerhungrig. Doch die Tage fließen monoton dahin, bis durch eine Landmine zwei Männer sterben und eine sich immer schneller drehende Spirale der Gewalt in Gang setzt. Als schließlich Schrøder die Truppe verrät, gerät alles außer Kontrolle.“ (Quelle: Knaus)Der Verlag schreibt: „Der große Antikriegsroman von einem der schärfsten Gegner des militärischen Engagements des Westens in Afghanistan.“ (Presseinformationen Knaus Verlag)Meine Meinung:Ich habe bereits sehr viele Bücher über  Kriege in Afghanistan gelesen, alle gingen tief unter die Haut. Das Buch von Carsten Jensen geht noch einen Schritt weiter. Vermutlich liegt es an der derzeitigen politischen Weltlage, den seit Jahren andauernden Kriegen um uns herum und an der ständigen Präsenz von Gräueltaten in allen Medien. Jensen schafft es, ohne Pathos, Schuldzuweisungen oder moralische Wertung, die Situation in Afghanistan bis ins Herz des Lesers dringen zu lassen. Das schafft er durch diese Art des Erzählens, die ich auch schon in Wir Ertrunkenen so bewundert habe.Im Prolog heißt es:„Ich gehe zwischen belegten und leeren Gräbern umher. Wer kontrolliert den Inhalt der Särge? Wer überprüft die Inschriften der Grabsteine? Wer waren sie, als sie lebten? Wer sind sie, wenn sie sterben?“Dieser Prolog richtet sich aus meiner Sicht sowohl an Täter wie Opfer, an Schuldige, wie Unschuldige und ist gerade deshalb so wahr! Man kann aus diesem Buch unendlich viele Textstellen zitieren. Alle beschreiben die Realität und sind deshalb so beängstigend.Zum Inhalt: Der 3. Zug der dänischen Armee erreicht Afghanistan. Im Camp befinden sich auch  Soldaten der britischen und amerikanischen Armee. Zunächst scheint alles ganz friedlich und fast harmonisch zu laufen. Man scherzt, geht seinen Interessen nach, die Verhandlungen mit den afghanischen Beamten verlaufen zufriedenstellend. Aber dann kippt alles unmerklich und nichts ist mehr wie es war. Jensen gibt einen Einblick in die Denkweisen und Handlungen der Soldaten, der Warlords, der kleinen afghanischen Politiker, der dänischen Öffentlichkeit, der ganz normalen Menschen in Afghanistan und Dänemark. Daraus entsteht für den Leser ein Bild mit vielen Facetten: Wer ist böse, wer gut? Man weiß es bald nicht mehr und ist fassungslos und verstörtZu Beginn wird an die Soldaten folgende Ansage gemacht:„Ihr seid Soldaten. Ihr gehört zur Gelben Zone, in der eure Herzen einhundert Mal pro Minute schlagen. Die Zone der Wachsamkeit. In der Roten Zone kämpft ihr um euer Leben. In der Grauen Zone habt ihr eine Mauer im Rücken. (…) In der Schwarzen Zone wartet die Panik.“ (S. 16)Diese Zonen strukturieren das Buch und bilden gleichermaßen die Entwicklung der Handlung ab.Die Zahl der Protagonisten ist groß, es ist schwierig zu entscheiden, welcher Charakter  bedeutsam ist, ständig ergeben sich neue Konstellationen – auch das ein Sinnbild für die Schrecken des Krieges.Stellvertretend für die Protagonisten sei hier Ove Steffensen erwähnt, Oberkommandierender des 3. Zuges. Er versucht, sich in die Denkweise der Afghanen hineinzuversetzen. Mit viel Geschick und Geduld nimmt er Verhandlungen auf, überschreitet aber auch moralische und gesetzliche Grenzen – alles mit dem Ziel, ein bisschen mehr für Frieden zu sorgen. Er merkt aber mehr und mehr, dass ihm die Situationen entgleiten und er viele Dinge mitansehen und akzeptieren muss, auch wenn ihm das zutiefst widerstrebt. Er ekelt sich vor sich selbst, der Leser hingegen versteht seine Handlungsweisen sehr gut.Fazit:Jensen zeigt die Komplexität dieses Krieges - stellvertretend für alle Kriege – mit all seinen Grausamkeiten. Er zeigt, was Kriege mit Menschen machen. Ein großartiges Buch. Der Leser muss viel aushalten – und das ist gut so. 

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  • Wer ohne Sünde ist oder Leben und Sterben in Helmand

    Der erste Stein

    Havers

    10. April 2017 um 19:27

    Im Januar 2002 beschliesst das Dänische Parlament die Beteiligung an der Operation Enduring Freedom in Afghanistan. Erster Einsatzort der Soldaten ist Kabul, später kommt eine weitere Einheit im Nordosten des Landes dazu, und ab 2006 sind dänische Streitkräfte auch in der Unruheprovinz Helmand an der Grenze zu Pakistan stationiert. Offiziell beendet wird der Einsatz der Dänen Mitte 2013. Carsten Jensen, Autor, politischer Journalist und Professor für Kulturanalyse, steht diesem militärischen Engagement des Westens von Beginn an sehr kritisch gegenüber, hat er sich doch bei zahlreichen Reisen nach Afghanistan vor Ort von dessen Sinnlosigkeit überzeugen können. In seinem mehrfach ausgezeichneten neuen Roman „Der erste Stein“ packt er seine Eindrücke sowie die Reflexionen dazu in 638 Seiten, in denen er das Leben einer 26-köpfigen Gruppe von Soldaten, 25 Männer und eine Frau, während ihres Einsatzes im Süden Afghanistans beschreibt. Jede/r hat nicht nur ihre/seine eigene Geschichte mit ins Camp gebracht, sondern auch ihre/seine Vorstellung von Krieg. Für die eine/n ist es ein „Ballerspiel“ wie es Rasmus Schrøder, der charismatische Leader, in seinem früheren Leben entwickelt hat. Für andere wiederum ist das Soldat sein ein Job wie jeder andere, und wenn die Mission erfüllt oder die Zeit abgeleistet ist, ziehen sie die Uniform aus und kehren zurück in die Heimat. Illusorisch zu glauben, sie könnten ihr altes Leben wieder aufnehmen als ob nichts geschehen wäre. Die Tage schleichen dahin, Monotonie bestimmt den Alltag, Spannung liegt in der Luft. Warten auf den Krieg, der in seiner Unbarmherzigkeit schneller zuschlägt als gedacht. Zwei Kameraden sterben, und von da an scheint es, als ob ein Schalter umgelegt worden wäre. Gewalt greift um sich, die Moral bleibt auf der Strecke, die Beziehungen untereinander verändern sich. Empathie und Nähe scheinen Fremdwörter zu sein. Das Beste und/oder das Schlechteste von jedem einzelnen kommt zum Vorschein. Niemand ist frei von Schuld und jeder nimmt Schaden an seiner Seele. Der Autor richtet den Blick weniger auf die äußeren Ereignisse als vielmehr auf die Auswirkungen, die diese auf das Verhalten des Einzelnen haben. Wobei natürlich sowohl Jensen als auch dem Leser bewusst ist, dass heutige Kriege nicht mehr Mann gegen Mann sondern durch den Einsatz von Drohnen eher in Computerspielmanier geführt werden. Mit „Der erste Stein“ ist Carsten Jensen ein beeindruckender Antikriegsroman gelungen, in dem Helden keinen Platz haben. Vergleichbar mit Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“, für mich noch immer das Maß aller Dinge, was dieses Genre angeht. Nachdrückliche Leseempfehlung!

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    29. December 2016 um 13:40

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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