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-Leselust-

vor 6 Monaten

(74)

Kurzmeinung:
Ein gewaltiges Buch über Krieg, Tod, Verrat und Fanatismus, aber auch über Menschlichkeit, Familie und Freundschaft. Carsten Jensen schafft es, die Komplexität des Krieges darzustellen – und das auch noch unglaublich spannend.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. Ich habe so einiges über den Afghanistan- Krieg, stellvertretend für viele Kriege, lernen können. Über die Schwierigkeiten eines Einsatzes und die Gefahren für die Soldaten. Aber auch über die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn man in eine vollkommen fremde Kultur eindringt und versucht, westliche Maßstäbe anzusetzen.

Am Anfang der Geschichte lernen wir die Soldaten und Soldatinnen des 3. Zuges der dänischen Einheit in Afghanistan kenne. Die Vorstellung der einzelnen Charaktere hat sich am Anfang etwas gezogen, aber Durchhalten lohnt sich, denn was sich daran anschließt ist zunächst eine beeindruckende und bewegende Schilderung des Krieges und des Vorgehens beim Einsatz. Nach und nach entwickelt sich die anfangs recht sachliche Beschreibung dann immer mehr zu einem spannungsgeladenen Abenteuer, das in seiner Sogkraft mit jedem guten Thriller mithalten kann.
Darunter mischen sich auch immer wieder tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Was geschieht mit einem Menschen, wenn er solchen extremen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Was passiert mit einem, wenn man tatsächlich einen anderen Menschen töten.

"Zum Dank vergewaltigte er ihr Herz und ihr Vertrauen in die Welt, dieses Vertrauen, das aufzubauen sie so viel gekostet hat." (aus "Der erste Stein" von Carsten Jensen, S. 324)

Warnen sollte man wahrscheinlich vor der wirklich plastischen Sprache des Autors, der auch die Verletzungen und Verstümmelungen der Soldaten sehr detailliert beschreibt. Das war wirklich nicht einfach zu lesen und ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Allerdings ist es eben auch authentisch, da ich mir vorstellen kann, das es eben tatsächlich genau so abläuft. Die Bombeneinschläge und Minenexplosionen sind so anschaulich beschrieben, dass ich zusammengezuckt bin und einfach mitleiden musste. Ich muss aber zugeben, dass ich einige der wirklich zahlreichen blutigen Szenen irgendwann nur noch überflogen habe, wenn es mir zu viel wurde.

Der Roman ist sehr gut recherchiert. Durch den flüssigen und oft eher nüchternen Schreibstil lässt sich die Geschichte gut lesen. Dennoch habe ich recht lange für das Buch gebrauchte, da ich immer wieder Pausen einlegen musste, um über das Gelesene nachzudenken.

"Das Mahnmal ehrt die Toten, nicht den Krieg." "Ja schon, aber es erzählt nichts über die Gefallen. Nur, dass sie tot sind." (aus "Der erste Stein" von Carsten Jensen, S. 68)

Fazit:
Carsten Jensen schafft es in diesem Epos, die Komplexität des Krieges darzustellen. Er macht es dem Leser dabei nicht leicht, ein Urteil zu fällen, da die Geschehnisse immer aus verschiedenen Perspektiven und von allen Seiten betrachtet werden. 

Autor: Carsten Jensen
Buch: Der erste Stein
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