Carsten Jensen Wir Ertrunkenen

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Inhaltsangabe zu „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen

Von Männern, die ihrer Sehnsucht folgen. Von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und Söhne raubt, den Krieg erklären Carsten Jensen erzählt von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist. Von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und die Söhne raubt, den Kampf ansagen. „Wir Ertrunkenen“ ist ein großes Buch über Liebe, Freundschaft, Verlust und Wahnsinn, voller Satanskerle, Glücksritter, Leichtmatrosen und starker Frauen.

Bewegendes Buch, großartig geschrieben. Unbedingte Leseempfehlung für Fans des magischen Realismus.

— papaverorosso
papaverorosso

Was für ein grandioses Buch über das Meer und die Menschen. Es hat viel Spaß gemacht und wurde nicht zum letztenmal gelesen.

— buchhase
buchhase

Ein gewaltiger Roman über den Sinn des Lebens, über Moral, Familie, Ziele, Menschen und das Meer, immer wieder das Meer.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Vier Sterne. Weil es einfach gut geschrieben ist. Aber trotzdem bin ich nicht über Seite 300 hinaus gekommen.

— KristinaKeppler
KristinaKeppler

Heftig, ein richtig schweres Buch, nicht nur die 800 Seiten, auch die Schilderungen der Schicksale der Männer aus den kleinen Seefahrer Ort.

— BadPageTurner
BadPageTurner

Ein zur Recht sehr gelobtes Buch, unterhaltsam und tiefsinnig. Mehr als Seemannsgarn.

— BeateKlepper
BeateKlepper

Eins meiner Lieblingsbücher. Wildschön, spannend, rau! Für alle, die als Kind Seefahrerromane gelesen haben, oder einfach das Meer vermissen

— Tree_Trunks
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  • Achthundertundneun Seiten, die ich nicht missen möchte

    Wir Ertrunkenen
    papaverorosso

    papaverorosso

    28. July 2017 um 21:52

    Achthundertundneun Seiten. Traue ich mich, traue ich mich nicht? Ich traue mich. Ich springe in das eiskalte Wasser des Atlantischen Ozean im Winter. Ich klettere auf den höchsten Mast eines Segelschiffes. Mein Heimathafen: Marstal, Dänemark. Mein Ziel: wer weiß? England, Island, Grönland, New York, Kairo, Shanghai? Es gibt kein Hafen an dieser Welt, den dänische Seefahrer nicht angesegelt haben. Denn Dänemark ist ein Land furchtloser Seeleute und Carsten Jensen erzählt uns ihre Geschichten in diesem Buch. Achthundertundneun Seiten. Sie enthüllen die Geheimnisse einer Stadt, die das Meer in ihrem Herzen trägt. Dessen Männer jeden Tag auf dem Wasser gegen den Tod durch Ertrinken kämpfen, lange weg sind, oft nie wieder zurück kommen und trotzdem keine Sekunde lang das Meer aus ihren Herzen verbannen. Angefangen mit Laurid Madsen, der 1848 im deutsch-dänischen Krieg in die Luft fliegt und wieder auf seine Stiefel landet. Zu seinem Sohn Albert Madsen, der seinen Vater durch die sieben Meere sucht und mit einem Schrumpfkopf zurückkehrt. Weiter zu Klara Friis, die dem Meer den Krieg erklärt, und zu ihrem Sohn Knud Erik, der ihr zeigt, dass das Meer unbesiegbar ist. Marstal wird durch Jensens Worte zur Macondo der Ostsee. In der kleinen Stadt auf der Insel Ærø leben und sterben gewöhnliche Menschen, die unglaubliche Abenteuer erleben, in denen das Fantastische sich nur genauso viel mit der Realität vermischt wie nötig, um unvergessliche Geschichten zu schaffen. Ja, achthundertundneun Seiten sind lang. Jedoch für mich hat sich jede Einzelne gelohnt.

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    • 3
  • What shall we do with a drunken sailor?

    Wir Ertrunkenen
    Kopf-Kino

    Kopf-Kino

    21. August 2016 um 21:26

    Es schien so unendlich groß, das Meer. Es konnte dich überallhin führen, und doch legte es dich in Eisen. 1848, Dänemark: Seit vielen Generationen herrscht in Marstal, einer kleinen Hafenstadt auf der dänischen Insel Ærø , die Tradition, dass die Söhne und Väter sowohl Heim als auch die Familie zurücklassen, um zur See zu fahren. Mal ist es ein Krieg, der die Männer aufs Meer treibt, mal die Abenteuerlust, die so manches Seemannsherz ruft - aber meistens bestimmt die Alternativlosigkeit über das Leben der dort Ansässigen. Nur wenige kehren nach Hause zurück. Er beobachtete die Schiffe, die auf dem Weg nach Hamburg waren oder von dort kamen. Seine Augen folgten ihnen, so lange er sie erkennen konnte, sein Herz noch länger. Mit 'Wir Ertrunkenen' gelang dem Autor Jensen der Inbegriff eines Schmökerromans, der 100 Jahre der dänischen Seefahrt umfasst und viel von Seemannsgarn, Einsamkeit, Krieg, Hoffnung, Betrug und Stolz erzählt. Angesichts der gewählten Zeitspanne (1848 – 1945) verfolgt der Leser viele Schicksale, ohne dass das Erzählte in Unübersichtlichkeit gerät. Der rote Faden konzentriert sich – trotz allerlei Nebenhandlung - auf vier Personen, die alle eine Gemeinsamkeit haben: die Vaterlosigkeit. Die Übergänge zu den einzelnen Geschichten der Generationen gehen hierbei nahtlos über, was nicht zuletzt am unbekannten Erzähler, der Wir-Form, liegt. Dies erzeugt gleichermaßen eine greifbare Nähe als auch eine gewisse Distanz zum Geschehenen. Den Leser nimmt diese ungewöhnliche Erzählperspektive gedanklich sogleich mit auf das raue Meer, lässt ihn teilhaben, wenn Väter, Söhne, Brüder und Freunde um das Überleben kämpfen, exotische Länder bereisen, die brutale Hierarchie an Bord kennenlernen und dem Kriegsgräuel ausgesetzt sind, während die Mütter, Ehefrauen und Schwestern mit Ungewissheit auf die Heimkehr warten. An Spannung und Geschichten mangelt es dem Roman keinesfalls. Zu den klassischen Abenteuerromanen hebt er sich in einem Punkt ab, da er die Perspektive ebenfalls auf die (meistens weiblich) Zurückgebliebenen, die warten, bangen und zunehmend das Meer verfluchen, richtet und ihnen somit eine Stimme verleiht. Warum verliebte sich eine Frau in einen Seemann? Weil ein Seemann verloren war, gebunden an etwas Fernes, auch für ihn selbst Unerreichbares, eigentlich Unbegreifliches? Weil er hinausfuhr? Weil er wieder nach Hause kam? In Marstal beantwortete sich die Frage von selbst. Es gab kaum andere, in die man sich verlieben konnte. Für die einfachen Leute stellte sich die Frage nicht, ob ein Sohn zur See gehen sollte oder nicht. Er gehörte vom ersten Tag an dem Meer. Es stellte sich lediglich die Frage nach dem Namen des Schiffs, auf dem er zum ersten Mal anmusterte. Das war die Wahl, die es gab. Der Schreibstil ist einfach und klar, aber auch sehr bildreich gehalten. So scheut sich der Autor bspw. nicht, entsetzliche Bilder des Krieges heraufzubeschwören, ohne jedoch emotional zu werden - das überlässt er dem Leser. Das Geschriebene erscheint mit fast allen Sinnen greifbar und steuert damit oftmals rasch auf eine Pointe zu. Nur die Taubheit, die sich längst als Folge des anhaltenden Kanonendonners eingestellt hatte, verhinderte, dass wir das Schreien der Verwundeten hörten. […] Wir Lebenden verschworen uns gegen die bereits vom Tod Gezeichneten. Inhaltlich greift der Roman manchmal vorweg, was aber dermaßen vage geschieht, sodass nicht viel verraten wird. Der Wortschatz orientiert sich souverän am Maritimen. Ein großer Pluspunkt ist - meiner Meinung nach -, dass weder die Seefahrt noch das harte Leben auf dem Festland romantisiert dargestellt werden. Als Leser musste ich oftmals schlucken. Hier und da stechen einzelne Sätze heraus, die – inmitten der schlichten Sprache – sehr gelungen sind und mich begeistern konnten, wie beispielsweise: Wir wollten überleben und sahen eine Welt, die sich am Ende eines schwarzen Tunnels aus Eisen befand. Wir hatten die begrenzte Sicht des Kanonenrohrs. Die bereits angesprochene und sehr interessante Wir-Perspektive verblasst manchmal leider etwas. Ab und an rutscht sie leider doch in die auktoriale Erzählweise. Hier hätte ich mir mehr Konsequent gewünscht. Im Mittelteil begegnet dem Leser (überraschenderweise) über ein paar Kapitel hinweg eine Ich-Perspektive, die aber ihren Sinn hat, ebenfalls Wiederholungen. Letztere dürften vielleicht nicht jedem gefallen, auch wenn sie - aus meiner Sicht - ihre Berechtigung haben. An einer Stelle war es für meinen Geschmack ein wenig zu viel des Guten, was die Zufälle anbelangt; ebenfalls sollte man mit kleinen Längen rechnen und unverblümter Gewalt (mir wurde an einer Stelle wahrhaftig übel) rechnen. Wer etwas Geistvolles sucht, sollte bestenfalls zu einem anderen Buch greifen. Derjenige jedoch, der sich auf eine unterhaltsam erzählte, 100 Jahre umfassende Geschichte, die nicht nur das menschliche Drama, sondern auch die Entwicklung der Seefahrt thematisiert und zwischen dem gut gesponnenen Seemannsgarn viel Historisches versteckt, einlassen möchte, ist mit diesem Roman gewiss gut bedient. Trotz der genannten Schwächen las ich den Roman gerne. Er wollte nicht unser Geld haben, sondern unser Kompass sein. Er wollte den Kurs abstecken - nicht nur für die Reederei, sondern für die ganze Stadt.

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    • 13
  • Schöner Stil aber wenig Handlung

    Wir Ertrunkenen
    KristinaKeppler

    KristinaKeppler

    12. March 2015 um 16:09

    Auch wenn Carsten Jensen wirklich einen schönen Schreibstil pflegt, und es ein Vergnügen ist, seine Worte zu lesen, die Geschichte kommt einfach nicht in Gang. Ich habe bis Seite 300 durchgehalten, immer in der Erwartung, dass es jetzt doch bald losgehen  muss, und langsam mal ein roter Faden sichtbar wird. Aber das wurde er nicht. Soweit ich das beurteilen kann, reiht Jensen Seefahrergeschichten aus mehrern Jahrhunderten aneinander. Aber im Zweifel für den Angeklagten, weil ich ja wie gesagt, noch nicht einmal die Hälfte gelesen habe. Und wegen des schönen Stils dann doch 4 Sterne.

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  • Keine Liebeserklärung, sondern ein gewaltiges Porträt

    Wir Ertrunkenen
    Phliege

    Phliege

    05. October 2014 um 17:16

    "Wenn wir Abschied nehmen, stechen sie ein Messer in unsere Herzen. Und wenn wir aufbrechen, stechen wir ein Messer in ihre Herzen. So sind wir verbunden. Mit den Wunden, die wir einander zufügen." "Wir Ertrunkenen" ist ein Buch über die Geschichte Marstals von 1848 bis 1945 und seinen Kindern. Ein kleiner dänischer Ort, der berühmt für seine tüchtigen Seemänner ist, die auf weite Reisen gehen und oftmals nicht zurückkehren. Das Meer wird ihr Grab. Es ist grausam und launisch und immer wieder wird klar: Es ist der pure Zufall, der über Leben und Tod entscheidet. Dieser Zufälligkeit, oder besser dem Meer, sagen die Seeleute den Kampf an. Sie lieben es nicht. Es ist ihr Feind. Und trotzdem kehren sie immer wieder zu ihm zurück. Sie sehnen sich nach ihrer Heimat und gleichzeitig nach dem Versprechen, dass ihnen das Meer gibt: Die Freiheit die Welt zu befahren. Die Geschichte der Zurückgelassenen wird in dieser Geschichte ebenfalls erzählt. Die Härte der Mütter, um ihre verbliebenen Kinder zu versorgen. Die Stadt ist die Stadt der Frauen. Nur sie bewohnen den Ort wirklich und leiden unter den Verlusten. Das Buch hat einen sehr wehmütigen Ton, der nicht das schöne Meer bewundert, sondern das Leben beschreibt, dass die Seeleute leben. Es trifft genau die zwiespältige Sehnsucht, die sie quält und immer wieder auf das Meer hinaus treibt. Nichts wird verherrlicht, nichts beschönigt. Die Grausamkeit eines Seemannslebens in dieser Zeit und die Brutalität und Sinnlosigkeit des Kriegs wird in aller Härte beschrieben. In dem Buch begleitet man die verschiedenen Generationen bei ihrem Kampf gegen die Naturgewalt und hört ihren Zwiespalt. Und dabei geht es einem genauso, wie den Charakteren. Man liest von Misshandlung und Schlägen auf dem Schiff, Hunger, Durst und Kälte. Halberfrorenen Händen und ständig nasser Kleidung. Und trotzdem habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als auf dem nächstbesten Schiff anzuheuern. Das Buch ist mit Geschichte, Schreibstil und Stimmung gewaltig und mitreißend und ein absolut empfehlenswerter Schatz im Bücherregal!

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  • Mehr als Seemannsgarn

    Wir Ertrunkenen
    BeateKlepper

    BeateKlepper

    05. July 2014 um 15:51

    Lange lag das Buch bei mir und ich wusste, es will gelesen werden. Die ersten Seiten hatten es mir angetan, aber 800 Seiten liest man nicht so mal weg. Keine Neuerscheinung also, und nebenbei finde ich es erfreulich, dass hier noch jemand erst kürzlich dieses fabelhaft erzählte Buch gelesen hat. Ich mag keine Schwäche für Seemannsgeschichten und skandinavische Welten haben, doch gewiss für eine wunderbare Erzählweise, einen so geradlinig daherkommenden Plauderton, der teilweise mit unterschwelligem Schalk im Nacken von den schlimmsten Dingen berichtet, die die Kinder in Marstal und die Seeleute erleben. Jede Zeile fürchtet man, dass dies alles wahr gewesen sein muss, und will nicht aufhören zu lesen, von den Verletzten, den Geplagten, den Wütenden und den zurückgelassenen Frauen. Wir lesen hier von der Südsee, von New York und anderen Orten, von einem verschwunden Vater, vom Hader der Kinder, die an keinem Grab stehen können, da die See die Väter zudeckt, und von der Mole, die die Menschen Zuhause vor ihr schützen soll. Und alles gehört zusammen, wird verbunden in Erzählungen um immer neu hinzukommende Personen. Mit sehr stimmiger Sprache wird ohne Überlastung ein wahres Bilderband, ein Reigen von Geschichten aneinandergefügt. Ein nicht umsonst sehr gelobtes Buch.

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  • Mein Lieblingsbuch

    Wir Ertrunkenen
    Tree_Trunks

    Tree_Trunks

    23. February 2014 um 19:26

    Es ist zwar keine Neuerscheinung, aber über Lieblingsbücher rede ich am liebsten. Ich habe es gelesen als das Taschenbuch auf den Markt kam und war begeistert. Carsten Jensen liefert hier ein umfassendes Portät vom Leben am und auf dem Wasser. Auf der einen Seite sind es die Söhne und Männer, die ein hartes Leben an Bord auf den Meeren und im Krieg führen. Auf der anderen Seite sind es die Frauen, die die Familie allein durchbringen müssen und das Leben in der Heimat am Laufen halten. Beim Lesen werden Erinnerungen an die Seefahrer-Romane wach, die ich als Kind gelesen habe. "Wir Ertrunkenen" ist allerdings weit weg davon, ein verzerrtes und verklärtes Bild zu zeichnen. Stattdessen werden hier viele Themen angesprochen, ohne melodramatisch zu sein: Kinder die viel zu schnell erwachsen werden müssen, Jungs die durch Misshandlung und harte Arbeit zu Männern "gemacht" werden und alles in allem starke Frauen, die trotz aller Kraft und Verschlagenheit den Lauf der Welt nicht aufhalten und die tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft nicht umkehren können. Lange nach dem Lesen kreisen noch viele Fragen im Kopf. Was treibt uns an, ständig in Bewegung zu bleiben? Was ist eigentlich Heimat? Wenn man die meiste Zeit seines Lebens an anderen Orten verbringt, warum klammert man sich an das kleine Fleckchen Erde, an dem man seine Kindheit verbracht hat? Und die wichtigste: Geschichte wiederholt sich. Wann lernen wir daraus? Schenkt es euren Opas, euren Vätern oder einfach jedem, der gern geschichtliche oder biografische Bücher liest. Oder lest es selbst und lasst euch den Wind um die Ohren pusten. :D

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  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    Babscha

    Babscha

    05. May 2012 um 00:54

    Mit den Kriegsbegebenheiten zwischen Deutschland und Dänemark 1848 startet dieses ganz spezielle Epos, und es endet 1945 mit dem Ende des zweiten Weltkriegs und einer großen Feier, zu der die ganzen Protagonisten aus den vergangenen hundert Jahren noch mal Revue passieren dürfen. Und das sind einige. Locker angelehnt an tatsächliche historische Begebenheiten, ansonsten aber rein fiktiv erzählt der Autor die Geschichte der Stadt Marstal auf der dänischen Insel AEro und seiner Bewohner. Stilistisch geschickt stellt der Autor in dem erzählten Zeitraum von etwa drei Generationen nacheinander einige Hauptprotagonisten in den Mittelpunkt, um deren Schicksal sich das Geschehen rankt, das zumeist aus der zwar unpersönlichen Wir-Perspektive irgendwelcher zeitgenössischer Erzähler berichtet wird, aber trotzdem einen engen persönlichen Bezug des Lesers zur story ermöglicht. Basis der ganzen Geschehnisse des Buches ist immer der enge Bezug, die Hassliebe und die Abhängigkeit der Inselbewohner von Meer und Seefahrt, bei der sich die Männer von klein auf nichts anderes vorstellen können, als genau wie ihre Väter und Vorväter zur See zu fahren und monate-, manchmal jahrelang von ihren Familien getrennt zu werden, während ihre Frauen zuhause das Überleben der Familie sicherstellen müssen und jederzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen müssen, als Witwe zu enden, was beim damaligen Stand der Segelschifffahrt sehr einleuchtend ist. Mal schön und idyllisch, dann wieder rauh und brutal handeln die Episoden von kleinen und großen Entwicklungen, von der Blüte und dem Niedergang einer Stadt am Meer, von lebenslang andauernden Jugendfreundschaften, Familiendramen, weltpolitischen Verwicklungen, die auch die kleine Ostseeinsel nicht verschonen, von Verrat und Rache, von starken Frauen, die sich mit aller Macht gegen ihr aufgezwungenes Schicksal stemmen, und immer, immer von der allgewaltigen See, die vor nichts und niemandem Respekt hat und sich die „Ertrunkenen“ nach eigenem Ermessen aussucht. Ein außergewöhnliches, epochales und intensives Werk mit einigen sehr fein und liebevoll gezeichneten Figuren, welches dem Leser die harte und entbehrungsreiche Welt der Seefahrt sehr intensiv nahe bringt und dessen gelegentlich etwas langatmige Passagen durch den Zauber großer Erzählkunst an anderer Stelle mehr als wettgemacht werden.

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  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    30. December 2011 um 16:37

    Insgesamt fünf Jahre hat der bekannte dänische Kritiker und Essayist Carsten Jensen an diesem monumentalen Roman gearbeitet, mit der er seiner Heimatstadt Marstal und seinen Bewohnern ein literarisches Denkmal setzt. Der grandiose Roman umfasst einen Zeitraum von 1848 bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und erzählt die Geschichte des Aufstiegs und des Niedergangs der Hafenstadt Marstal und dokumentiert die Geschichte der Seefahrt in diesem Zeitraum. Die Geschichte beginnt 1848, als der Seemann Laurids Madsen bei einem Schiffsunglück in den Himmel fliegt und ohne Schaden lebend wieder zur Erde zurückkommt. Später wird er immer wieder erzählen, es seien seine Stiefel gewesen, die für das Leben da oben zu schwer waren. Die Stiefel des Laurids Madsen werden später von seinem Sohn Albert getragen, der sich irgendwann in die Südsee aufmacht um seinen Vater zu suchen, der nicht mehr nach Marstal zurückgekehrt ist. Das Vaterthema ist einer der Schwerpunkte eines bewegenden Romans, der einen trotz seiner Länge einfach nicht loslässt. Jensen erzählt von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist; Männer und jungen Burschen, die jahrelang von zu Hause weg sind und oft nicht mehr wiederkehren: "die Ertrunkenen." Er nutzt ein kollektives Wir" als Erzählerstimme, mit der er dem Roman einen ganz persönlichen Charakter gibt. "Das 'Wir' weiß immer alles, denn so ist es in einer kleinen Stadt, und was man nicht weiß, dichtet man dazu. Das nennt man Klatsch. Durch das 'Wir' habe ich auch das Problem mit dem Tod gelöst, er spielt nun keine Rolle mehr. Individuen sterben, aber die Bevölkerung einer Stadt nicht. Die Personen sind gleichzeitig eindeutige Individuen, mit ganz individuellen Lebensläufen und dennoch Teil eines kollektiven 'Wir'", sagt der Autor in einem Interview. Die Sprache und der Sprachstil des erzählenden Wir verändert sich mit der Zeit, passt sich sozusagen der fortschreitenden Zeit und den sich verändernden Schiffen und dem wachsenden Marstal an. Es ist ein bewegendes Buch von Männern und Jungen, der Seefahrt und von Schiffen und von starken Frauen, die zu Hause bleiben und dort sehen müssen, wie sie zurecht kommen. Als Albert Madsen eines Tages Klara und ihren Sohn Knud Erik kennen lernt, nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung. Klara will verhindern, dass ihr Sohn zur See fährt und so wie ihr Mann dort sein Leben lässt, "zu den Ertrunkenen" geht. In diesem Bestreben ist sie als Erbin von Alberts Vermögen unerbittlich. Die Geschichte dieser Frau und ihrer verzweifelten Anstrengungen ist ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt eines Buches, das sich gut einfügt in dien Tradition des Knaus-Verlags, hervorragende und doch quer zum Trend liegende Literatur zu veröffentlichen. Gratulation zu diesem wunderbaren Werk, dem man mehr Beachtung wünschen würde. Ich jedenfalls machte die Nacht zum Tag, um es zu Ende zu lesen.

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  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    LeGrandGris

    LeGrandGris

    28. October 2011 um 14:57

    Ein überwältigender, großartiger Schmöker - nicht nur für Segler und Abenteurer. was für ein Buch! Toller Stoff - bewegend, abenteuerlich, wunderbar.

  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    Ruth_liest

    Ruth_liest

    07. July 2011 um 11:15

    Das Buch beinhaltet viele Bücher. Es erzählt die Geschichte eines Seemanns und seines Sohnes, der im wahrsten Sinne des Wortes in seine Fußstapfen tritt, in dem er die Stiefel des Vaters erbt und ihn auf den Weltmeeren folgt. Der Roman begleitet die Familie bis zum 2. Weltkrieg. Es ist ein Geschichtsbuch, ein Familienroman und ein Buch über die Seefahrt, das einen trotz der vielen Seiten nicht aufhören lasst, zu lesen.

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  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    Hillawitchen

    Hillawitchen

    23. January 2011 um 14:27

    Der Roman beginnt im Jahr 1848 und erzählt die Geschichte des Seemans Laurids Madsen. Er verschwindet irgendwann auf den Weltmeeren, doch seine Stiefel bleiben zurück. Sein Sohn zieht sie an und macht sich auf in die Südsee. Der Roman endet zu Ende des 2ten Weltkrieges. Eine wunderbar zu lesende Geschichte breitet sich vor einem aus. Über die Mühen des Seeman seins, über die Leiden der Daheim gebliebenen. Auch die Frauen spielen eine entscheidende Rolle. Der Roman ist einfach wunderbar erzählt auch wenn man nicht viel mit der Seefahrt zu tun hat.

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  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    Gruenente

    Gruenente

    24. October 2010 um 16:45

    Taurig, lustig, exotisch, realistisch, märchenhaft und unglaubwürdig. Grossartig.

  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    07. August 2010 um 22:08

    Ich leihe oft Neuerscheinungen aus der Bücherei aus. Bei manchen Büchern bedauere ich hinterher, dass ich es nicht gekauft habe und warte auf die Taschenbuchausgabe, um es noch einmal zu lesen. „Wir Ertrunkenen“ ist solch ein Buch. Und es ist jetzt endlich als – leider etwas unhandliches – Taschenbuch erschienen, mit einem sehr lesenswerten Anhang, in dem der Autor beschreibt, wie das Buch zustande gekommen ist und wie viele wahre Geschichten darin enthalten sind. Wir befinden uns in der dänischen Stadt Marstal. Die Geschichte beginnt im Jahr 1848 und fängt gleich mit dem Krieg zwischen Dänemark und Deutschland 1849 an. Die unerfahrenen Jungen, die mit 12 oder 13 Jahren das erste Mal eine solche Situation erleben, stürzen sich im Branntweinrausch enthusiastisch in die Schlacht. Aber schnell erleben sie die Realität des Krieges: Taub vom Kanonendonner (was sich als Segen erweist, weil sie so die Schreie der Verwundeten nicht hören müssen) und mit vollgeschissenen Hosen geraten sie in Gefangenschaft. Auch nach dem Krieg haben die Kinder viel auszuhalten: In der Schule werden sie mehr verprügelt, als dass ihnen etwas beigebracht wird. Nach der Konfirmation gehen sie auf See und werden wieder geprügelt, diesmal vom Steuermann. Daneben droht jetzt auch noch der Tod durch Ertrinken. Gewalt und Willkür bestimmen das Leben. Die Realität der Seefahrt ist alles andere als romantisch. Zurück an Land blieben die Frauen, mit der ständigen Ungewissheit, ob ihre Männer oder Söhne wiederkehren, mit der Aufgabe, alles an Land Nötige allein zu erledigen, allein die Kinder erziehend. Aber eine andere Möglichkeit als die Seefahrt gibt es für die Männer Marstals nicht. Es ist selbstverständlich, dass sie auf See gehen, und sie wollen es auch. Denn das Meer bedeutet auch, andere Kulturen kennenzulernen, unbekannte Dinge zu sehen. Wie Albert, der in der Südsee seinen verschwundenen Vater sucht und mit dem Schrumpfkopf des Kapitäns Cook zurückkehrt, sich dabei aber damit abfinden muss, gegen seine Überzeugung ein Sklavenschiff führen zu müssen. „Es schien so unendlich groß, das Meer. Es konnte dich überallhin führen, und doch legte es dich in Eisen.“ Eine Frau will diese Selbstverständlichkeit, dass Männer zur See gehen und oft auch auf See bleiben, durchbrechen. Durch ein traumatisches Kindheitserlebnis während einer Sturmflut hasst sie das Meer, das den Frauen die Männer nimmt. Als sie finanzielle Macht erreicht, bekämpft sie heimlich die Seefahrt des Ortes. In dieser Zeit finden tiefgreifende Veränderungen in der Seefahrt statt. Die Segelschiffe werden von Dampfern und später von Motorschiffen abgelöst, und es ist leicht durchführbar, die Stadt Marstal von dieser Entwicklung abzukoppeln. Ihr gewünschtes Ziel erreicht die Frau trotzdem nicht, ganz im Gegenteil. Das Buch endet mit dem Zweiten Weltkrieg. Wieder sind die Marstaler Seeleute mittendrin. Und wieder kommen nicht alle nach Hause. Nach dem zweiten Lesen ist mir klar, dass dieses Buch definitiv zu einem meiner Lieblingsbücher geworden ist! Denn es ist einfach großartig geschrieben. Es zeigt das wahre, also das harte, unromantische, Gesicht der Seefahrt. Und es enthält eine derartige Vielzahl von kleinen und großen Geschichten und Personen, dass es nie langweilig wird.

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  • Rezension zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    HannaFunk

    HannaFunk

    05. August 2010 um 22:53

    Sowas wie eine Familiengeschichte, ein Buch für das Meer und die Seefahrt, ein sehr sehr dickes Buch. Aber irgendwie auch drei Bücher in einem. Erst wird Laurids Geschichte erzählt, wie er in den Krieg musste, dort seine Stiefel zu schwer waren für den Himmel und er wieder auf der Erde landete. Danach ist er seltsam und eines Tages ist er weg. Sein Sohn Albert wird in Marstal groß und macht sich, sobald er groß genug ist, auf, um ihn zu suchen. Dabei umsegelt er die ganze Welt und trifft auf viele Menschen und gelangt in den Besitz des Schrumpfkopfes von James Cook. Wieder zurück in Marstal wird Albert Reeder und reich. Er kümmert sich um Knud Erik, einen kleinen Jungen dessen Vater auf See geblieben ist. Dessen Mutter erbt nach Alberts Tod und überwirft sich mit ihrem Sohn, der gegen ihren Willen auf See ist und im Krieg auf Seiten der Engländer gegen die Nazis kämpft… Aber eigentlich ist hier nicht wichtig, was passiert, sondern wie die Personen damit umgehen, wie toll Jensen erzählen kann, wie sehr man sich auf einmal in die Welt der Seefahrer einfindet und wie man in einer rauen Welt darum kämpft, anständig zu bleiben. Ich gebe zu, es gab Längen, aber je mehr Abstand ich bekomme, desto besser gefällt mir das Buch. Eine imposante Geschichte.

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  • Frage zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

    Wir Ertrunkenen
    Rippchen

    Rippchen

    Ich fand das Buch toll und würde gerne wissen, welche Romane der Autor in seinem Nachwort meint, mit ein Buch über stark behaarte Frauen in Norwegen
    ein Buch über Absurditäten des öster-ungar. Rechtssystem,
    ein Buch über jugendliche Verbrecher im zar. Russland
    ein Buch über die Waljagd im Stillen Ozean
    ein Buch über masturbierende Collegestudenten.
    Vielleicht kann mir jemand weiter helfen.

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