Carys Davies

 4 Sterne bei 90 Bewertungen
Autorin von WEST, Ein klarer Tag und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Die hohe Kunst des Schreibens: Die walisische Autorin Carys Davies ist für ihre Kurzgeschichten und Romane bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Beispielsweise erhielt ihre Anthologie „The Redemption of Galen Pike“ 2015 den Frank O’Connor International Short Story Award und ihr Roman „West“ wird 2019 unter anderem in Wales zum Buch des Jahres ernannt.

Auch in Deutschland erscheint eine gleichnamige Übersetzung des Romans „West“, anhand derer sich auch deutsche Leser vom Talent der britischen Schriftstellerin überzeugen können.

Carys Davies ist in Wales geboren, dort und in den Midlands aufgewachsen und lebte zwölf Jahre lang arbeitsbedingt in New York und Chicago. Heute ist sie in Edinburgh, Schottland, ansässig.

Alle Bücher von Carys Davies

Cover des Buches WEST (ISBN: 9783630876061)

WEST

(56)
Erschienen am 10.06.2019
Cover des Buches Ein klarer Tag (ISBN: 9783442776207)

Ein klarer Tag

(21)
Erschienen am 16.04.2026
Cover des Buches Das Pfarrhaus (ISBN: 9783630876757)

Das Pfarrhaus

(7)
Erschienen am 10.06.2026
Cover des Buches Ein klarer Tag (ISBN: B0DBL469X8)

Ein klarer Tag

(0)
Erschienen am 14.08.2024
Cover des Buches Clear: Carys Davies (ISBN: 9781803510408)

Clear: Carys Davies

(2)
Erschienen am 07.03.2024
Cover des Buches Davies, C: West (ISBN: 9781783784226)

Davies, C: West

(1)
Erschienen am 03.05.2018
Cover des Buches Clear (ISBN: 9781803510422)

Clear

(1)
Erschienen am 13.03.2025

Neue Rezensionen zu Carys Davies

Cover des Buches Das Pfarrhaus (ISBN: 9783630876757)
Sigismunds avatar

Rezension zu "Das Pfarrhaus" von Carys Davies

Sigismund
Ungewöhnlich und stilistisch interessant

REZENSION
– Anfangs verlangt der bereits 2020 im Original erschienene und nun im Juni beim Luchterhand Literaturverlag auf Deutsch veröffentlichte Roman „Das Pfarrhaus“ der britischen Schriftstellerin Carys Davies etwas Geduld. Was als scheinbar harmlos-seicht erzählte Geschichte über die Ankunft des über 50-jährigen Engländers Hilary Bird in einem einst von britischen Kolonialbeamten aufgebauten südindischen Bergdorf beginnt, entwickelt sich erst allmählich und fast unmerklich zu einer Tragödie.

Der konservative und lebensuntüchtige Bibliothekar Hilary Bird ist an den Neuerungen und Herausforderungen der modernen Zeit gescheitert. Nach einem psychischen Zusammenbruch sucht er in Indien die nötige Erholung. In kühler Bergluft findet er Aufnahme im Pfarrhaus eines englischen Missionars und fühlt sich schon bald heimisch, da Klima und britisch geprägtes Ambiente ihm zusagen. Außer zum Pfarrer baut er langsam eine gewisse Nähe zu dessen Haushälterin Priscilla auf, einer körperlich behinderten jungen Frau aus der christlichen Minderheit des Ortes, sowie zum Rikschafahrer Jamshed. Trotz des scheinbar friedlichen Alltags gibt es hin und wieder irritierende Anzeichen unterschwelliger Probleme im Land, für die Hilary Bird allerdings kein Gespür hat. Ihn charakterisiert die Autorin eindrucksvoll als lebensfremden, verletztlichen und autistisch wirkenden, menschenscheuen Mann, der selbst in der Fremde des indischen Bergdorfes seinen geregelten Tagesablauf braucht.

Der fremdartigen Kultur Indiens und seinen Bewohnern vermag er sich nicht zu öffnen. Während ihn die Hitze und Hektik in der Landesebene und die für ihn ungewohnte Lebensart der Einheimischen in den Tagen zuvor abgeschreckt hatte, fühlt er sich in der heimatlich-britisch geprägten Atmosphäre des abgelegenen Bergdorfs wohl. Für die Menschen – wie seinen Rikschafahrer Jashmed, in dem Bird nur den untergeordneten Dienstleister sieht – ist er unempfänglich. Während der täglichen Fahrten erzählt er ausschließlich von sich selbst und seinen Nöten, ohne sich für Jamsheds Leben oder dessen Sorgen und Probleme zu interessieren: „Seit Wochen fuhr er [Jamshed] den Mann durch die Stadt, und immer hatte er das Gefühl, dass es Mr Bird kaum interessierte, ob er da war oder nicht, dass Mr Bird es gar nicht bemerken würde, wenn auf dem Vordersitz plötzlich kein Mensch säße, sondern ein Holzklotz oder ein Kartoffelsack. Er würde einfach weiterreden …, und ob Jamshed mit in der Rikscha saß oder nicht, war egal.“

Auch in ihrer Beziehung zur Haushälterin Priscilla glauben der Pfarrer und Bird in europäischer Überheblichkeit und missionarischem Übereifer zu wissen, was gut für die junge Frau ist, und meinen – wenn auch gewiss in bester Absicht – rücksichtslos über ihr Leben bestimmen zu können. Niemals fragen sie Priscilla nach deren eigenen Wünschen und Träumen.

Der Roman „Das Pfarrhaus“ lässt sich als Gleichnis für die politische Überheblichkeit westeuropäischer Länder und früherer Kolonialmächte gegenüber Entwicklungs- und Schwellenländern lesen. Wie Hilary Bird seinen Rikschafahrer „übersieht“, beurteilen viele Europäer diese Länder nach europäischem Maß und missachten die dort seit Jahrhunderten gewachsenen landestypischen Kulturen und Traditionen, die unterschiedlichen Ansprüche verschiedenartiger Ethnien und deren Religionen. Stattdessen verfolgen europäische „Missionare“ – heute ebenso wie damals zur Kolonialzeit – nur eigene machtpolitische und wirtschaftliche Interessen und schüren dadurch Hass und Feindschaft mit unabsehbaren Folgen – wie es auch Hilary Bird erfahren muss.

Clarys Davies hat ihre ganz eigenwillige, zurückhaltende Erzählweise. Sie verzichtet auf Dramatik, wovon man sich bei Beginn der Lektüre nicht täuschen lassen darf. Denn ihre stilistische Stärke liegt in der eindrucksvollen Beschreibung kleiner zwischenmenschlicher Begegnungen, menschlicher Einsamkeit und kultureller Missverständnisse sowie vor allem in der ungewöhnlichen Atmosphäre einer unmerklich unter der Oberfläche brodelnden Gefahr. „Das Pfarrhaus“ ist ein ungewöhnlicher, stilistisch interessanter Roman, in den man sich erst hineinlesen muss, der nach Ende der Lektüre aber umso länger nachwirkt.

Cover des Buches Das Pfarrhaus (ISBN: 9783630876757)
Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Das Pfarrhaus" von Carys Davies

Thomas_Lawall
Geregelte Abläufe

Wenn man in Indien im Zug unterwegs ist, und im gleichen Abteil ein Pfarrer sitzt, mit dem man ins Gespräch kommt, freut man sich über die ebenso gelungene wie nicht erwartete Abwechslung nach der langen Reise.

Wenn man dann auch noch von jenem Geistlichen eingeladen wird und noch zu allem Überfluss einen kleinen Bungalow samt Garten, wenn auch leicht verwildert, überaus günstig (zum "Missionarstarif") zur Verfügung gestellt bekommt, kann das Glück kaum größer sein.

Der englische Bibliothekar Hilary Byrd befindet sich, aus vielen und nicht zuletzt gesundheitlichen Gründen, auf einer Reise nach Indien, die auch eine Flucht ist.

Die Temperaturen in jener Stadt, in den Nilgiribergen im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, sind kaum erträglich, doch nach dem Rückzug in die Berge, in unmittelbarer Nähe zum Haus des Pfarrers, wähnt sich Hilary Byrd am Ziel seiner Träume.

Der Pfarrer lebt nicht allein. Nach dem Tod seiner Frau kümmert sich die junge Priscilla um seinen Haushalt und sämtliche damit verbundenen Arbeiten in und um das Pfarrhaus.

Auf seinen Streifzügen durch die Stadt lernt Hilary Byrd den alten Rikschafahrer Jamshed kennen, der ihn erst tage-, dann monatelang durch die nähere Umgebung fährt.

Die sehr nüchtern gestaltete und zu Beginn nahezu ereignislose Geschichte fasziniert durch die Präzision, mit der sie erzählt wird. Es scheint, dass sich hinter dieser Nüchternheit etwas verbirgt. Was, bleibt zunächst im Verborgenen, doch Leserinnen und Leser spüren es trotzdem.

"Es folgten kühle, neblige Tage, grau und mild, einer nach dem anderen."

Die bald sehr geregelten Abläufe der Geschichte lockern eine ganze Reihe bemerkenswerter Nebendarsteller auf. Da wären beispielsweise "Ravi", Jamsheds Neffe, der Countrysänger werden möchte, "Miss Moreland", eine australische Organistin, die beim Gottesdienst stets zwei Takte hinter der singenden Gemeinde zurückbleibt, oder "Gerald Cameron", der einen seltsamen Stil, seine Kleidung betreffend, pflegt.

Carys Davies beschreibt Stimmungen, Menschen und Schauplätze einfach, unkompliziert, auf den Punkt und so, als ob man sie durch eine Art Vergrößerungsglas beobachtet. Sie beherrscht es zudem, Dinge auszudrücken, die sie noch gar nicht formuliert hat!

Die Illusion, die Leserinnen und Lesern Glauben schenkt, ihr immer einen Schritt voraus zu sein, darf man sicher als seltene Kunst bezeichnen. Und ihre Schilderungen am Ende und selbiges überhaupt, erst recht.

Cover des Buches Das Pfarrhaus (ISBN: 9783630876757)
Anne_empfiehlts avatar

Rezension zu "Das Pfarrhaus" von Carys Davies

Anne_empfiehlt
Ein literarisches Kleinod

Wissen Sie, was „dagwälj“ bedeutet? Das Wort stammt aus dem ausgestorbenen Norn, der Sprache der Orkney- und Shetlandinseln. Es beschreibt jemanden, der „dauerhaft schlechte Ergebnisse hervorbringt“. Hilary Byrd, der Held in Carys Davies' neuem Roman, glaubt, genau das zu sein. Er ist Anfang 50, Bibliothekar in London und nach einem Zusammenbruch nach Indien geflohen. Im kühlen Bergland, zwischen sattgrünen Teeplantagen, fühlt er sich zugleich fremd und seltsam vertraut. Er wohnt bei einem alten Pfarrer, hat einen eigenen Rikschafahrer für Ausflüge in die Umgebung und entwickelt zaghafte Freundschaften. Doch wer Carys Davies kennt – ich schätze ihre Romane Ein klarer Tag West sehr – ahnt schnell, dass dies kein spätkolonial-sentimentaler Wohlfühlroman werden wird.Von Beginn an liegt über der Geschichte eine düstere Ahnung, dass nicht alle Hoffnungen erfüllt werden …
Identität, Fremdsein, Liebe – Carys Davies erzählt davon mit leiser Präzision und großer Kennerschaft. Ihre Romane leben von dem, was ungesagt bleibt, von feinen Beobachtungen und der Kunst, mit wenigen Worten ganze Welten zu eröffnen. Das Pfarrhaus ist ein literarisches Kleinod einer wunderbaren Autorin.

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