Der Mann, der das Glück bringt

von Catalin Dorian Florescu 
4,2 Sterne bei45 Bewertungen
Der Mann, der das Glück bringt
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Neue Kurzmeinungen

franzzis avatar

Ein spannend gespanntes Panorama über die Flucht&Heimatlose vom NYC Ende des 19.Jahrhunderts, über das rumänische Nirgendwo bis ins Jetzt.

LostHope2000s avatar

Ein anstrengendes Buch was viel Konzentration benötigt aber es lohnt sich

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Inhaltsangabe zu "Der Mann, der das Glück bringt"

Zwei Familien, zwei Kontinente, ein Jahrhundert

Ray und Elena lernen sich unter dramatischen Umständen in New York kennen: Sie, eine Fischerstochter aus dem Donaudelta, muss die Asche ihrer Mutter nach Amerika bringen; er, ein bislang erfolgloser Künstler, will endlich den Durchbruch schaffen, der seinem Großvater verwehrt blieb. Ihre Lebensfäden verknüpfen sich unauflöslich, während sie einander die Geschichten ihrer Familien anvertrauen. Florescu entführt den Leser in das turbulente New York der Jahrhundertwende und in das magische Universum des Donaudeltas. Eine literarische Reverenz an die Fähigkeit des Menschen, sein Glück zu suchen, zu überleben und allen Widrigkeiten zum Trotz zu lieben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423146210
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:09.02.2018

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Rezensionen und Bewertungen

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    tina317852s avatar
    tina317852vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Bewegende Vereinigung von Generationen und Ländern!
    Bewegende Geschichte!

    Ray und Elena lernen sich in einer tragischen Nacht in New York kennen. Ihre Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen aufeinander und vereinen sich zu einer gemeinsamen Geschichte. Sie, Elena, kommt aus Rumänien, ist in kleinen Dörfern nahe der Donau aufgewachsen und er, Ray, in der lebendigen Großstadt New York. Ihre Geschichte nähert sich über das Leben ihrer Großeltern an, die schon ein Jahrhundert zuvor den Wunsch verspürten ihr Glück und ihren Platz im Leben zu finden.

    Sehr gut gefällt mir die Annäherung und die wechselnden Perspektiven der Erzählung. Dadurch taucht man tief in die Geschichte und die Zeit ein und fragt sich doch immer wieder wo das eigentlich hin führen soll. Der Autor lässt dadurch einen Spannungsrahmen entstehen, der einen mit Ray und Elena mitfühlen lässt.  

    Elena wächst in verschiedenen Pflegefamilien am Rande der Donau auf, und weiß lange nicht genau wer ihre Familie ist. Sie ist eine starke Protagonistin, die sich aber genau wie Ray von ihrer Vergangenheit leiten lässt.

    Ray versucht in New York die Träume seines Großvaters zu erfüllen, was ihm nur mühsam gelingt und erst, als er auf Elena trifft, und ihr in ihre Heimat folgt, wirklich glückt.

    Das Buch wird überwiegend von der Geschichte des Lebens von Rays Großvater bestimmt, wodurch sich immer wieder parallelen zu den Leben von Ray und Elena finden.

    Ich kann das Buch nur weiter empfehlen, es ist eine bewegende Geschichte, die es schafft Generationen und Länder zu vereinen.

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    Marie1971s avatar
    Marie1971vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein tief bewegendes Buch
    Ein tief bewegendes Buch

    Der Mann, der das Glück bringt. Was stellt man sich bei diesem Titel vor. Alles nur nicht das, was man in diesem Buch findet. Das Cover ist wunderschön gestaltet. Diskret, und aussagekräftig. Die Geschichte ist im Erzählstil gehalten und verzaubert dadurch noch mehr. Sie spielt in zwei Zeitabschnitten, die ineinanderfliessen ohne dass es stört. Ray, der die Geschichte seines Grossvaters erzählt und Elena kennenlernt. Dabei hat auch sie eine tragische Familiengeschichte. Es ist dieses was die beiden verbindet und noch viel mehr. Der Charakter niemals aufzugeben auch wenn das Leben einem manch schwere Prüfungen auferlegt. Kann man die Vergangenheit, die schwierige Familiengeschichte ablegen? Der Erzählstil erlaubt eine gewisse Distanz zu den tragischen Ereignissen die sich auf beiden Seiten der grosselterlichen Lebensgeschichten abgespielt haben. Einmal der tragische Überlebenskampf in einem New York, wo arm auf reich trifft. Krankheit und Tod auf Lebenslust. Houdini im selben Atemzug wie Caruso und Zwerge genannt wird. Auf der anderen Seite das Donaudelta in dem Lepra einhergeht mit Verbannung und einem Leben geprägt von Verstümmelung und Verzicht. Dieses Erbe lastet auf den Schultern von Ray und Elena, die, jeder auf seine Art, charakterlich dadurch stark geprägt sind. Als Enkelkinder in unserer Zeit nun ihren Frieden mit dem Ganzen finden müssen und ihren eigenen Überlebenskampf führen müssen. Florescu erzählt, ohne zu urteilen. Verbindet die alte Welt mit der Neuen. Traut sich Themen aufzugreifen, die unmenschliche Verhältnisse hervorbringen und doch, früher wie heute, allgegenwärtig sind. Und dann vor allem dem Leser diese vorbehaltlos, realitätsnah, authentisch mit auf den Weg zu geben. Gerade weil immer noch Überlebenskämpfe tagtäglich stattfinden, ist dieses Buch ein Wegweiser. Nicht verurteilen sondern zuhören. Nicht weglaufen sondern helfen. Und vor allem eines tun, nie aufgeben!

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    haberland86s avatar
    haberland86vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Bisher das beste Buch des Jahres
    Das beste Buch des Jahres

    Mit wenigen Worten eine ganze Welt erschaffen, in die der Leser eintauchen kann, das können nicht viele Autoren. Florescu ist einer derer denen das gelingt. Und so war ich bereits nach wenigen Seiten – von einem grandiosen Schreibstil verzaubert – komplett in der Geschichte versunken. Stets hatte ich das Gefühl komplett in die Protagonisten hineinzuschlüpfen, durch deren Augen zu sehen und die Umgebung mit ihren Sinnen wahrzunehmen.

    Die Abenteuer, der Hauptfiguren waren mal spannend, mal lustig, dann wieder dramatisch oder tottraurig aber jedes Mal überraschend und unvorhersehbar.

    Nebenbei erfuhr ich geschichtliche Hintergründe, die mir bislang gänzlich unbekannt waren.

    Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog.

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    Buecherwurm1973s avatar
    Buecherwurm1973vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein berührender und nachdenklicher Roman. Sprachgewaltig und inspirierend.
    Ein sprachgewaltiger und berührender Roman

    Ray erzählt aus dem Leben seines Grossvaters beginnend im Dezember 1899 in New York. Der Jahrtausendwechsel steht bevor. Der Junge, der sein Name ständig wechselt, verdient sein Geld mit Zeitungen verkaufen und anderen Jobs. Doch er hat einen Traum. Er möchte die Menschen mit seinem Gesang glücklich machen. Ray wird die Geschichte seiner Familie erzählen, bis er bei seiner eigenen Lebensgeschichte ankommt.

    Im zweiten Kapitel setzt der zweite Handlungsstrang ein. Der Leser wird ins wilde Donaudelta zur selben Zeit geschickt. Dort begegnet er Leni. Sie ist nach vier Fehlgeburten wieder schwanger. Diesmal geht alles gut und sie schenkt einer Tochter das Leben. Das Kind wird Elena getauft. Bei ihrem Vater steckt sie sich mit Lepra an. Nachdem sie in eine Leprastation verfrachtet wurde, muss sie alle ihre Träume von Amerika verwerfen. In der Station wird sie eine Tochter gebären und sie ebenfalls Elena taufen. Sie erzählt diesen Erzählstrang.

    Am Schluss kommen die beiden Handlungen in New York zusammen. Leider ist dies dem Autor nur bedingt gelungen. Bis zu diesem Zeitpunkt gleitet der Leser mit den Geschichten durch das Zeitgeschehen. Doch das Zusammentreffen der dritten Generation – Ray und Elena – gestaltet sich etwas mühsam zum Lesen. Plötzlich steht alles still. Nach einigem Nachdenken nach dem Lesen bin ich zum Entschluss gekommen, dass es vielleicht vom Autor so gewollt war. Denn es ist der 11. September 2001. Da stand die Welt still.

     

    Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil gewählt. Auf der einen Seite lässt er den Leser das harte Leben spüren. Man spürt die Kraft der Bilder, welche beim Lesen entstehen. Zum anderen lässt er die Poesie einfliessen. Oft denkt man „was für ein schöner Satz“ oder „Boah, das hat er schön geschrieben“.

     Neben den Familiengeschichten lässt er auf eine pfiffige Art das Zeitgeschehen einfliessen. So zum Beispiel wird die Zeitung gelesen und aufgezählt, was gerade in der Welt geschah. Das hilft dem Leser die Zeit einzuschätzen.

     Das Buch lässt einen über Moralvorstellungen der damaligen Zeit nachdenken. Einiges kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Doch niemals darf man die damaligen Moralvorstellung und den Zeitgeist mit der jetzigen Zeit vergleichen. Wir können uns kaum vorstellen ohne Elternhaus und hungrig aufzuwachsen.


    Was für ein sprachgewaltiger und berührender Roman!

    Kommentare: 1
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    bearelics avatar
    bearelicvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: bildgewaltiger, emotionaler Roman über das Schicksal zweier Menschen und ihren Schatten aus der Vergangenheit
    Über die Vergangenheit, die die Zukunft zweier Menschen formt….

    Meine Meinung:

    Nachdem ich erst ein anderes Buch zuvor beendet hatte, dessen Schreibstil in eine komplett andere Richtung ging, war ich froh über diese feinfühlige, detailreiche und leicht melancholische Geschichte von Ray und Elena.

    Die Art der Erzählweise zu den verschiedenen Perspektiven und das die Kapitel sich je nach Protagonist abwechseln, sowie die Art, wie der Autor es später löst, wenn Ray und Elena zusammen ihren Weg beschreiten, hat mir gut gefallen.

    Auch wenn ich eingestehen muss, dass mir zu Beginn der erste Abschnitt über die detailreichen Beschreibungen über das harte Leben in London besser gefielen, als das langatmige Leben im Donaudelta, so hat sich meine Meinung hierzu später korrigiert, als ich immer mehr in das sagenumwobene Rumänien eintauchte und mich auf das Abenteuer mit den verschiedenen Elenas einlassen konnte. Dennoch erschien mir die Erzählerstimme hier oft etwas anstrengend und manche Sätze musste ich mehrmals lesen, um sie im Ganzen zu begreifen...so tiefgründig und intensiv schienen sie mir.

    Alles in allem war ich bereits nach kurzer Zeit von der melancholischen Stimmung der beiden ineinander versponnenen Geschichten gefesselt und konnte es kaum erwarten, die nächsten Seiten zu lesen, um zu erfahren wann die beiden Schicksale zusammengeführt werden. Leider fand ich es dann fast ein wenig zu konstruiert, dass Elena ausgerechnet an diesem schicksalhaften Septembertag in New York unterwegs war und eher zufällig auf Ray trifft. Das ist mein einziger wirklicher Kritikpunkt in der ganzen Geschichte, aber für mich verzeihbar bei dem sonst so wunderbaren Werk und dem für mich gelungenen Abschluss.

    Catalin Dorian Florescu schafft es über drei Generationen hinweg einen Faden zwischen den Kontinenten zu spannen und Schicksale zu verbinden. Kulturelle Details, wie die jüdischen Feiertage oder den rumänischen Aberglauben, greift er auf wie einzelne Teile einer Melodie, um sie zu einer Symphonie zu vereinen. Die Einzelschicksale haben mich berührt und auch die Menschen, die nur ein kurzes Gastspiel in der Geschichte hatten, haben mich emotional mitgenommen.

     

    Fazit:

    Mit „Der Mann, der das Glück bringt“ habe ich einen unglaublich sensiblen Erzähler für mich entdeckt, der es dennoch schafft, uns die Realität schonungslos vor die Füße zu legen. Catalin Dorian Florescu beherrscht die Kunst, in deutscher Sprache zu erzählen, obwohl  er als Jugendlicher über Amerika in die Schweiz immigrierte. Seine osteuropäische, melancholische Stimme kommt in seinem Roman über Verlust, Verzicht und schicksalhaften Begegnungen, dennoch wunderbar zur Geltung und hat mich durchweg bezaubert.

    Auch wenn dies das erste Buch des Autors war, wird es ganz sicher nicht mein Letztes sein und kann nur jedem ans Herz gelegt werden, dessen Seele nach ein bisschen Poesie verlangt…

     

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 3 Jahren
    Um zu wissen, wohin wir gehen, müssen wir wissen, woher wir kommen!

    Um zu wissen, wohin wir gehen, müssen wir wissen, woher wir kommen!

    Der am 27. August 1967 in Timişoara, Rumänien geborene Autor floh im Sommer 1982 mit seinen Eltern in den Westen und wohnt seitdem in Zürich; mittlerweile ist er Schweizer Bürger. Florescu studierte Psychologie und Psychopathologie an der Universität Zürich und arbeitete anschließend als Psychotherapeut in einem Rehabilitionszentrum für Drogenabhängige. Seit 2001 ist er freier Schriftsteller und veröffentlichte sein Debüt „Wunderzeit“. Im Jahr 2012 wurde er mit dem Josef von Eichendorff- Literaturpreis für sein Gesamtwerk geehrt.

    Zum Inhalt: Als ein tragisches Ereignis den erfolglosen Künstler Ray mit der Fischerstochter aus dem Donaudelta, Elena, die gerade die Asche ihrer Mutter in die USA gebracht hat, in New York zusammenführt, erzählen sich die beiden gegenseitig ihre Lebensgeschichten: Ray berichtet von seinem Großvater, der sich 1899 in NY als 15-jährige Waise durchschlagen musste und Elena erzählt von ihrer Mutter, die in Rumänien Armut, Krankheit und Leid ertragen musste. Dieses Wissen über den anderen schafft sowohl Vertrauen als auch Nähe und ebenso eine immer größer werdende Hoffnung auf ein besseres Leben.

    Meine Meinung: Der Aufbau des Romans ist meines Erachtens sehr innovativ, denn er bestreitet neue Wege: der Autor bringt seine Helden über den Weg ihrer Lebensgeschichten zusammen. In einem Interview, das ich mir auf youtube angeschaut habe, sagt er, dass er Menschen nie losgelöst von ihrer Umgebung sieht, d.h. wenn ein Paar eine Beziehung zueinander eingeht, dann interessiert ihn hauptsächlich auch das „Drumherum“ und dazu gehört v.a. die Familie, die deren Werte bestimmt und ihre Sicht auf die Welt beeinflusst.

    Zitat aus dem youtube-Interview: "Ich integriere die Multidimensionalität des Menschen und zeige wie er dauernd ein Gewordener ist und dauernd im Werden ist, denn auch er hinterlässt Spuren in der nächsten und übernächsten Generation."

    Und gerade dieser Ansatz, den ich als positiv sehe, ist gleichzeitig auch ein wenig mein Kritikpunkt, denn am Ende drängt sich das Gefühl auf, dass der Autor sich ein wenig zu weit von seinen Helden entfernt hat, sodass beim tatsächlichen Aufeinandertreffen der Protagonisten die Geschichte nicht ganz stimmig abgeschlossen wird. Man bleibt als Leser mit dem eigentümlichen Gefühl eines Mangels zurück, und v.a. fragte ich mich etwas verwirrt, was der Autor mir mit dieser Geschichte eigentlich erzählen wollte, d.h. für meinen Geschmack fehlt etwas der Kern, die Prämisse, der Aha-Effekt.

    Normalerweise würde ich solche inhaltlichen Mängel strenger bewerten, wenn da diese poetische Sprache nicht wäre. Sprachlich und stilistisch hat mich also der Autor auf ganzer Linie überzeugt. Und zu wissen, dass der gebürtige Rumäne in Deutsch schreibt, einer Sprache, mit der er nicht aufgewachsen ist, sondern die er später gelernt hat, beeindruckt mich umso mehr.

    "Wie ich den Himmel voller Wolkenkratzer gesehen habe. Sie wachsen dort wie mächtige, kalte Eiszapfen in prähistorischen Höhlen. Die Menschen liegen darin übereinandergestapelt und üben für den Tod. Sie sind auf halber Strecke nach oben, aber genauso weit ist es bis nach unten. Sie sind effizient, sie wollen keine Zeit verlieren. Von dort aus kann man gleich schnell emporsteigen oder zur Hölle fahren." (S. 302)

    Fazit: Zwar ein 1-Stern-Abzug für ein nicht ganz stimmiges Ende, aber ein handwerklich und sprachlich überzeugender Roman, den ich jedem Leser bedenkenlos empfehlen kann. Ich wäre durchaus geneigt, noch weitere Werke dieses Autors zu lesen und behalte ihn daher auf meiner Watch List.

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    Magenas avatar
    Magenavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein intensiver, sprachgewaltiger Roman der fesselt und entführt - ein sprachliches Meisterwerk, was gegen Ende jedoch leider schwächelt.
    Ein intensives Jahrhundert

    Ein ganzes Jahrhundert in einem Roman. Catalin Dorian Florescu zeigt uns das New York zur Jahrhundertwende. Das New York der armen Menschen, das New York von Rays Großvater. Ein Junge ohne Eltern, ohne ein zu Hause. Einfühlsam, poetisch und doch mit aller Härte lernen wir das Leben im Ghetto von New York kennen. In einem zweiten Erzählstrang erzählt uns Elena vom ebenfalls entbehrungsreichen Leben ihrer Mutter im Donaudelta Rumäniens in einer Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Europa. Doch von den politischen Dramen ist im magischen, verträumten und langsamen Donaudelta nichts zu spüren. Ganz allein auf sich gestellt leben hier die Menschen im Einklang mit dem Fluss. Nur die Schlagzeilen in den Zeitungen bieten ein Fenster hinaus zur Welt. Fast wie ein roter Faden ziehen sich die in den Erzählungen genannten Zeitungs-Schlagzeilen sowohl in New York, als auch im Donaudelta und bieten nicht nur den Protagonisten ein Fenster in die Welt, sondern auch dem Leser eine zeitliche Orientierungshilfe im 20. Jahrhundert.

    Der Roman ist sprachgewaltig, poetisch und intensiv. Ein sprachliches Meisterwerk! Auch die Handlung ist geschickt gestrickt und fesselt den Leser. Anfangs stiften die zwei verschiedenen Erzählstränge kurzzeitig Verwirrung, und auch die Betitlung der Protagonisten als Großvater und Mutter ist anfangs erst etwas gewöhnungsbedürftig. Doch durch Florescus kunstvolle Sprache ist man schnell im Roman gefangen und mag es nicht mehr beiseite lesen. Gleichsam ist es eine ruhige, langsame Erzählung.

    Die Charakterzeichnung des Großvaters ist sehr gut gelungen und gebannt hing ich an seinen Fersen, blasser dagegen erscheint Elenas Mutter im Donaudelta. Und auch mit Elena selber, die wir im letzten Teil der Geschichte noch kennenlernen werde ich nicht warm.

    Auf den letzten 100 Seiten sind wir in der Gegenwart und die bisherige Magie des Buches geht verloren. Intensiv und detailreich lernen wir hier nun das New York nach der Jahrtausendwende kennen, doch es will nicht die gleiche Magie wie zum Beginn entstehen. Und so kann ich diesem sonst so starken, intensiven Roman leider nur 4 Sterne geben.

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    buchfeemelanies avatar
    buchfeemelanievor 3 Jahren
    Viele Schicksale

    Besonders gut haben mir das Leben und die Beschreibungen im Donaudelta gefallen. Diese Welt war doch ein bisschen anders als die unsrige.
    Aber auch das Leben auf den harten Straßen von New York war wirklich spannend zu lesen. Ich finde, hier war ganz gut die Atmosphäre der Umgebung zu spüren.
    Obwohl er, für uns heute gesehen, des öfteren nicht den einfachen Weg nimmt, fand ich Streichholz als Person gut gelungen. Viele seine Handlungen konnte ich verstehen, aber ich war auch amüsiert/angeekelt von ihm. Verschlagen, aber klug bringt er sich durch die harten Winter.
    Was ich verwirrend fand, war das nicht immer klar war, von welchem Protagonisten, die Elenas,  die Rede ist.
    Jedoch wirkte das Buch auf mich so, dass der Autor angestrengt möglichst viele Schicksale in einem Buch fassen möchte.

    Allgemein gesagt fand ich die erste Hälfte des Buches deutlich stärker, dem entsprechend waren bei der zweiten Hälfte für mich einige Längen darin. Gerade die Beschreibungen von Ray als Komiker waren für mich fast schon langweilig.

    Fazit: Das Buch hat sicherlich viele Interessante Aspekte: Das Leben in Rumänien, die Totenschiffe, das Leben auf der Straße..., die jedoch in ihrer Gesamtheit zu viel sind.
    Auch wenn ich dem Buch nur 3 Sterne gebe, bin ich mir sicher, dass es viele begeistern wird!

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    Jessy1189s avatar
    Jessy1189vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderbar feinfühlige und detaillierte Erzählungen über zwei Schicksale, zwei Kontinente und ein ganzes Jahrhundert hinweg.
    Zwei Schicksale, zwei Kontinente, ein ganzes Jahrhundert

    Catalin Dorian Florescu eröffnet seinen Roman „Der Mann, der das Glück bringt“ mit dem Tod. Während man als Leser durch die Zeilen schwebt, bleibt er ein stetiger Begleiter. Manchmal ist er greifbar, manchmal wird er nur angedeutet und trotzdem ist er immer präsent.
    „Der Fluss nahm die Toten sanft auf, als ob er wusste, dass es besondere Tote waren. Der East River, so ungestüm er sein konnte, lag in der Morgendämmerung wie ein breiter, bleierner Streifen. Er war geduldig, er wollte dem Menschen nicht ins Handwerk pfuschen. Er würde die Toten des Ghettos an diesem Tag nicht mehr kriegen, dafür aber andere. Das war so gut wie sicher.“
    Er begleitet den kleinen Straßenjungen ohne Namen und ohne Herkunft durch die kalten, einsamen Straßen von New York des frühen 20. Jahrhunderts und er begleitet Elena aus dem Donaudelta durch ihr junges Leben, das so jäh zerbricht.

    Florescu schildert die Schicksale seiner Protagonisten sehr bildgewaltig und detailliert. Er hat mich durch diese Lebensgeschichten gerührt, weil sie ergreifend und aufwühlend beschrieben wurden.
    Obwohl ich sehr aufmerksam und konzentriert lesen musste, um alle Details und Zusammenhänge zu verstehen, hat er mich durch seinen Schreibstil überzeugt.

    Die sorgfältigen Recherchen des Autors machen den Roman zu einem glaubhaften und interessanten Lesestoff. Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen habe ich bei diesem oft nachrecherchiert, weil mich bestimmte Zusammenhänge interessiert haben. Dabei ist mir aufgefallen, wie nah Florescu an der Realität blieb. Man spürt die Leidenschaft, die er in diese Erzählungen steckte, indem er immer wieder seine Perspektiven und Erzählweisen veränderte. Das macht den thematisch hartherzigen Roman auch sehr spannend. Unterstrichen wird dies vor allem durch die Vorgriffe, die der Autor immer wieder geschickt einbaut.

    Während der Leser die Großeltern der erzählenden Figuren bis ins junge Erwachsenenleben begleitet, leitet der Autor mit einem plötzlichen Bruch die Gegenwart ein. Diese Wendung ging mir persönlich zu schnell, ich hätte mir gewünscht mehr über die Umstände zu erfahren. Im letzten Drittel des Romans lernen sich die beiden kennen und stehen von da an im Mittelpunkt. Leider wird diese „Liebesgeschichte“ viel zu schnell abgehandelt. Mir blieb als Leser keine Gelegenheit mehr mich in die Figuren hineinzuversetzen, sie blieben mir fremd.

    Fazit
    Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit durch detailliert beschriebene Geschichten und Figuren mit hervorragend ausgearbeiteten Profilen. Sehr schade, dass diese Erzählweise gegen Ende an Kraft verloren hat. Durch den Verlust an Konsens wirkt der Roman gepresst und kann leider nicht abgerundet werden.

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    lisibookss avatar
    lisibooksvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Das Buch bei mir einen durchwachsenen Eindruck hinterlassen, insgesamt hat es mich nicht überzeugt.
    Rezension zu "Der Mann, der das Glück bringt"

    1899: Rays Großvater, ein namenloser Waise ohne ihm bekannte Herkunft, schlägt sich als Zeitungsjunge in New York irgendwie durchs Leben, stets auf der Suche nach Geld, Essen und Unterhaltung. Begleitet wird er von der Angst, das Schicksal unzähliger armer Leute – vornehmlich Migranten, die im gelobten Amerika Fuß fassen wollten – zu erleiden, deren leblose Körper am Ufer des Hudson Rivers angeschwemmt werden.

    1919: Elenas Mutter wird in Rumänien, im abgelegenen Donaudelta, geboren und wächst ohne Vater, dafür mit einer Mutter, die sie nicht liebt, auf. Sie träumt von einem neuen Leben in Amerika und hofft auf eine bessere Zukunft. Die Menschen im Donaudelta leben weitestgehend unberührt von den Ereignissen, die das Weltgeschehen für immer verändern.

    “Sie wussten, dass man in Amerika Häuser bis in die Wolken baute und Brücken aus Stahl; dass mittlerweile Flugzeuge dorthin flogen und riesige Passagierschiffe dahin fuhren. Manch einer träumte sich dorthin, doch er wurde ausgelacht. (…) Nach dem Lachen kam immer das große Schweigen, denn jeder hoffte. Jeder befand sich unterwegs zu irgendeinem Amerika.” S. 166

    Ray und Elena begegnen sich in New York im Jahr 2001 und erzählen sich gegenseitig die Geschichten ihrer jeweiligen Vorfahren. Diese Art, zwei Erzählstränge von unterschiedlichen Personen erzählt zu bekommen, die sich gegenseitig zwischendurch auch mal direkt mit Namen oder “Du” ansprechen, ist mir bisher in noch keinem Roman begegnet. Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, überhaupt zu verstehen, wer erzählt und dass “Großvater” kein Spitzname ist, sondern eben Rays Großvater, von dem aber in jungen Jahren erzählt wird. Ich fand diese ganze Art, wie im Roman erzählt wird, unnötig kompliziert und für mich hat sie eher den Lesefluss gehemmt.

    Ein ganzes Jahrhundert in einem Roman geschichtlich zusammenzufassen, ist ein kühnes Vorhaben. Der Autor hat dies geschickt umgesetzt, indem er die “großen” Ereignisse, wie die Weltkriege, durch Zeitungsschlagzeilen kurz anreißt, die elegant ins Geschehen eingefügt sind. Im Roman spielen eher die “kleinen” Leute eine große Rolle und die Ereignisse, die uns aus Geschichtsbüchern so wichtig erscheinen, verblassen für die Menschen, die im Elend ums Überleben kämpfen. Diesen Blickwinkel habe ich sehr gemocht und er stellte für mich eine Bereicherung zu dem dar, was ich schon über das Leben im frühen 20. Jahrhundert zu wissen glaubte.

    Catalin Dorian Florescu schreckt jedoch auch nicht davor zurück, von Begebenheiten zu erzählen, die sehr grausam sind. In meinen Augen dienten diese Ebenen der Geschichte dazu, Emotionen beim Leser hervorzurufen, die durch die Charaktergestaltung leider ausgeblieben sind. Die beiden Erzähler Ray und Elena treten nur am Ende handelnd ins Geschehen ein und die Geschichte der beiden hat mich vollkommen kalt gelassen. Für mich hätte es die beiden überhaupt nicht gebraucht, vielmehr hätte ich es besser gefunden, wenn man sich auf ihre Vorfahren beschränkt hätte. Insgesamt blieben mir die Charaktere leider sehr fremd und ich konnte ihre Entscheidungen oft nicht nachvollziehen.

    Sicherlich wird es die vielen schlimmen Schicksale und Gegebenheiten in irgendeiner Form so gegeben haben und ich finde es gut, dass der Autor auch mal diese Seiten des 20. Jahrhunderts thematisiert. In meinen Augen war es aber in dieser Form und Fülle zu viel des Guten und dadurch zog sich die Geschichte in die Länge, war das ein oder andere Mal einfach unlogisch, unglaubwürdig und zu konstruiert.

    Fazit: “Der Mann, der das Glück bringt” hat bei mir einen durchwachsenen Eindruck hinterlassen. Es gab sicherlich sehr gute Szenen, doch insgesamt bin ich von der Geschichte nicht überzeugt.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Manche fahren in den Urlaub, wir haben den LovelyBooks Lesesommer!

    10 Wochen gibt es beim LovelyBooks Lesesommer literarische Überraschungen, Buchtipps und nebenbei dürft ihr euch natürlich auch auf tolle Buchverlosungen freuen!
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    "Unser Leben, unsere Welt werden durch unsere Erinnerungen zusammengehalten"
    In "Memory Wall" verliert die
    74-jährigen Alma ihr Gedächtnis. Damit verschwinden die Erinnerungen an wunderbaren Orten, in denen sie im Laufe ihres Lebens gewesen ist.
    Welchen Ort auf diesem Planeten werdet ihr für immer in Erinnerung behalten? Was habt ihr da erlebt, was macht diesen Ort so besonders für euch? Erzählt uns darüber!


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    * Bitte beachtet, dass wir Gewinne nur innerhalb Europas und nur einmal pro Haushalt verschicken.

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    Eine Reise zwischen dem Donaudelta und New York

    Mit seinem neuesten Roman "Der Mann, der das Glück bringt" ist dem preisgekrönten Schriftsteller Catalin Dorian Florescu eine zugleich bewegende und spannende Geschichte um Auswanderung und Neuanfang in einer fremden Welt gelungen. Mit den beiden Erzählern Ray und Elena reist der Leser vom Donaudelta bis nach New York und lässt das 20. Jahrhundert Revue passieren. "Der Mann, der das Glück bringt" ist ein wahrhaft literarisches Abenteuer!

    Zum Inhalt
    Ray und Elena lernen sich in einer dramatischen Nacht in New York kennen. Sie ist eine Fischerstochter aus dem Donaudelta, er ein erfolgloser Künstler, der noch an den Durchbruch glaubt. Sie muss die Asche ihrer Mutter nach Amerika bringen, er will erreichen, was sein Großvater für sich erhoffte. Ihre geheimnisvollen Lebenswege finden in jenem Augenblick zusammen, als sie sich entscheiden können, einander erzählend zu vertrauen. Ihre Familiengeschichten führen den Leser in die Welt New Yorks vor hundert Jahren und in das magische Universum des Donaudeltas.
    In seinem spannenden, an Fabulierlust und Überraschungen reichen Roman, der von 1899 bis in die Gegenwart reicht, lässt Catalin Dorian Florescu zwei Erzählstimmen abwechselnd zu Wort kommen. So entsteht das Bild eines fantastischen und harten Jahrhunderts zwischen dem Schwarzen Meer und der amerikanischen Metropole. Ein Roman voller Tragik und Komik, der gleichzeitig eine literarische Reverenz an die Fähigkeit des Menschen ist, sein Glück zu suchen, zu überleben und allen Widrigkeiten zum Trotz zu lieben.


    Leseprobe

    Zum Autor
    Catalin Dorian Florescu, geboren 1967 in Timisoara in Rumänien, lebt als freier Schriftsteller in Zürich. Er veröffentlichte die Romane "Wunderzeit" (2001), "Der kurze Weg nach Hause" (2002) und "Der blinde Masseur" (2006). Er erhielt zahlreiche Preise – u. a. den Anna Seghers-Preis und 2011 den Schweizer Buchpreis. Im Jahr 2012 wurde er mit dem Josef von Eichendorff- Literaturpreis für sein Gesamtwerk geehrt. Für das Manuskript des neuen Romans erhielt er das Werkjahr der Stadt Zürich.

    Wenn ihr mehr über die Hintergründe zum Roman erfahren möchtet, dürft ihr dieses schöne Interview mit Catalin Dorian Florescu nicht verpassen!

    Möchtet ihr zusammen mit Ray und Elena dieses literarische Abenteuer erleben? Wenn ihr durch das 20. Jahrhundert reisen, und euch darüber im Rahmen einer Leserunde austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchtet, dann bewerbt euch über den blauen "Jetzt bewerben"-Button* bis zum 17.02. für eins der 25 Exemplare von "Der Mann, der das Glück bringt", die wir zusammen mit C.H.Beck verlosen. Ihr müsst nur auf folgende Frage antworten:

    "Der Mann, der das Glück bringt" ist auch eine Geschichte des 20. Jahrhunderts.
    Welches ist aus eurer Sicht das größte Ereignis des 20. Jahrhunderts? Und warum?


    Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten!

    Viel Glück!

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    * Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Buches sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Bitte beachtet, dass wir Gewinne nur innerhalb Europas und nur einmal pro Haushalt verschicken.
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