Die 13-jährigen Drillinge Vincent, Lawrence und William leben 1979 in einem Waisenhaus in der ländlichen Gegend von Hampshire, wo sie von drei Müttern betreut werden. Sie müssen von ihren Träumen erzählen, die im Buch der Träume festgehalten werden, lernen ihre Lektionen aus dem Buch des Wissens und ihre Schandtaten werden im Buch der Schuld vermerkt. Ihr einziger Kontakt zur Außenwelt ist ein Arzt, der sie regelmäßig besucht. Er behandelt sie medikamentös gegen den Käfer, an dem sie erkrankt sind.
Als die Regierung beschließt, dass die Sycamore-Heime aus Kostengründen geschlossen werden, werden Familien für die drei Jungen gesucht. Dafür setzt sich die Einsamkeitsministerin ein, während die britische Bevölkerung sich vor den Kindern fürchtet, die bisher gut aufgehoben waren.
Der dystopische Roman, der von einem alternativen Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt, das Auswirkungen auf die Wissenschaft und Forschung hatte, wird aus drei Perspektiven erzählt. Neben Vincent und der Einsamkeitsministerin handelt die Geschichte von der 13-jährigen Nancy, die ihre Eltern von der Gesellschaft fernhalten.
Es ist ein beängstigendes Szenario, das aufgebaut wird. Sowohl die Drillinge, bei denen es sich um die letzten Jungen des Waisenhauses handelt, als auch die gleichaltrige Nancy werden streng von ihren Müttern bzw. Eltern kontrolliert. Als sie älter werden, beginnen sie Fragen zu stellen und die Antworten, die sie erhalten, anzuzweifeln. Die Jungen gewinnen zudem durch die beabsichtigte Schließung des Sycamore-Heims und Sozialisierungstage mehr Freiheiten und können bald den tatsächlichen Grund ihres Aufenthaltes dort und warum so viele Jungen vor ihnen gestorben sind, erahnen.
Als Nancy entdeckt, welches Geheimnis ihre fürsorglichen Eltern verbergen, gerät ihre Identität und ihr ganzes Leben ins Wanken.
Mit der Verbindung von Nancy und den Drillingen steigert sich die bisher unterschwellige Spannung einer Geschichte über Missbrauch und Manipulation.
Obschon der Roman auf einer historisch alternativen Realität basiert, ist das Szenario nicht undenkbar. Es geht um die Vereinbarkeit des wissenschaftlichen Fortschritts mit dem Erhalt der Menschenwürde. Solche moralischen Fragen sind zeitlos und machen das Buch bedeutsam - und im weiteren Verlauf der Handlung so erschreckend. Wird die Geschichte zu Beginn sehr detailverliebt erzählt, wirkt das Ende etwas ideenlos kurz gefasst und wird weg von den Emotionen auf eine faktenbasierende Sachebene gehoben.
Catherine Chidgey
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Meine Meinung
Das "Buch der Schuld" von Catherine Chidgey hat mich sofort in seinen Bann gezogen und viele viele Seiten zu Beginn ratlos gelassen. Von Anfang an liegt eine dichte und unheimliche Stimmung über allem, die mich beim Lesen nicht mehr losgelassen hat. Mein Kopf war voller Fragen und ich war wirklich auf die "Aufklärung" gespannt. Vieles bleibt wirklich lange rätselhaft und ich musste mich darauf einlassen, nicht sofort alles verstehen zu wollen.
Die Drillinge, die in einer streng kontrollierten Umgebung aufwachsen, haben mich fasziniert und irritiert zugleich. Ihr Buch der Schuld gibt es wirklich, ebenso wie ein Buch der Träume. Die drei Mütter – Mutter Morgen, Mutter Mittag und Mutter Nacht – prägen das Leben der Drillinge mit strengen Ritualen und einer fast unheimlichen Fürsorge, die mehr Kontrolle als Geborgenheit vermittelt.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie Chidgey Realität und Unwirklichkeit miteinander verschmelzen lässt. Genau dieses Gefühl der Unsicherheit hat für mich den Reiz ausgemacht.
Die moralischen Fragen, die das Buch aufwirft, haben mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt.
Natürlich gibt es Momente, in denen die Handlung verwirrend wirkt, aber ich denke es passt in diese fiktive Konzept, ich denke diese Welt soll irritieren und den Leser aus der Komfortzone holen - das schafft es meiner Meinung nach aus.
Fazit: Eine verstörende und zugleich faszinierende Leseerfahrung. Wenn man den Klapptext liest, hat man noch keine Idee in welche Richtung die Story geht :)!
Klappentext
In einem alternativen England, 1979. Die Drillinge Vincent, Lawrence und William wachsen in einem Heim für Waisen auf. Das alte Herrenhaus ist abgelegen und weitläufig, die Jungen erhalten Privatunterricht und es fehlt ihnen scheinbar an nichts. Doch warum dürfen sie keinen Kontakt zu Kindern außerhalb des Heims haben? Warum müssen sie täglich eine besondere Pille schlucken? Und warum träumen alle drei regelmäßig von einem kleinen Mädchen in einem dunklen Wald? Erst als einer der Jungen eines Tages beschließt, die Pille nicht mehr zu schlucken, löst sich ein Geheimnis nach dem anderen auf – und die drei Brüder kommen der finsteren Geschichte auf die Spur, die ihrer Existenz zugrunde liegt.
Über die Autorin
Catherine Chidgey hat deutsche Literatur studiert und lange in Berlin gelebt. Ihre Romane wurden mehrfach preisgekrönt und in Bestenlisten aufgenommen. Sie lebt in Neuseeland und unterrichtet Creative Writing an der University of Waikato.
Quelle: Verlag / vlb
England, 1979. Drei Brüder, Drillinge, sind die letzten Kinder im Sycamore-Heim. Alle anderen Bewohner leben inzwischen in Margate, einem idyllischen Ort mit unbegrenztem Zugang zu einem Freizeitpark. Irgendwann sollen auch die drei Brüder dorthin ziehen. Bis es so weit ist, leben sie mit ihren drei Müttern zusammen. Mutter Morgen, Mutter Mittag und Mutter Nacht. Andere Eltern kennen sie nicht.
Sie wachsen in einer streng kontrollierten Umgebung auf, die von Ritualen, Regeln und medizinischen Eingriffen geprägt ist. Immer geht es um den `Käfer`, eine Krankheit, an der alle drei leiden und die es zu behandeln gilt.
Der Kontakt zu Einheimischen ist streng verboten, und bisher hat er ihnen auch nicht gefehlt. Doch plötzlich beschließt die Regierung, die Sycamore-Heime zu schließen. Für die Brüder bedeutet das neue Freiheiten, doch als sie erstmals ins Dorf dürfen, begegnen ihnen die Menschen mit Angst und Ablehnung.
Parallel dazu lernen wir die kleine Nancy kennen, die mit ihren Eltern isoliert lebt und ebenfalls keinen Kontakt zur Außenwelt haben darf. Auch die britische Einsamkeitsministerin steht vor schwierigen Entscheidungen, denn sie soll die Brüder in Pflegefamilien vermitteln.
Ich war lange verwirrt über das verdrehte Weltgeschehen im Buch und musste mehrmals zurückblättern, ob ich richtig gelesen habe. Doch ich hab mich drauf eingelassen und ein tolles spannendes Buch entdeckt. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, was hinter dieser düsteren, seltsamen Welt steckt. Besonders spannend wird es, als die Brüder beginnen, alles infrage zu stellen, was sie je gelernt haben und versuchen herauszufinden, was wirklich hinter dem `Käfer` steckt.
`Das Buch der Schuld` ist mal etwas völlig anderes als das, was ich sonst lese, und trotzdem hat es mich sofort begeistert.
Es ist kein Mainstream-Roman und genau das ist seine Stärke. Wer eine klare, durchsichtige Handlung erwartet, wird vielleicht irritiert sein. Wer jedoch Freude daran hat, sich auf eine ungewöhnliche, vielschichtige Welt einzulassen, wird sicher, genau wie ich, von einer intensiven, originellen Geschichte in ihren Bann gezogen.
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