Cathi Unsworth Opfer

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Inhaltsangabe zu „Opfer“ von Cathi Unsworth

Die verschlafene Idylle eines Küstenstädtchens im Norden Englands wird von einem grausamen Ritualmord erschüttert. Am Tatort wird die blutüberströmte Corrine Woodrow aufgegriffen. Von ihren Mitschülern wurde sie schon immer für einen Freak gehalten. Die Boulevardpresse erklärt sie zur Hohepriesterin eines Satanskults. Zwanzig Jahre nach ihrer Verurteilung rollt ein junger Privatdetektiv die Ermittlung wieder auf, denn er hat Beweise dafür, dass sich alles auch ganz anders abgespielt haben könnte …

Die Achtzigerjahre im Nordosten Englands. Die Jugend von Ernemouth begegnet dem Einerlei der kleinen Küstenstadt mit unheilschwangerer Musik, düsteren Outfits und einer Faszination für Schwarze Magie. Eine von ihnen scheint das Spiel mit den dunklen Mächten zu weit getrieben zu haben – viel zu weit. Ernemouth wird zum Schauplatz eines Ritualmords, der allem Anschein nach von einer jungen Frau begangen wurde: Corrine Woodrow.

Zwanzig Jahre nach Corrines Verurteilung tauchen Beweise dafür auf, dass sie nicht allein gehandelt hat. Der Privatermittler Sean Ward reist nach Ernemouth, um herauszufinden, was in jenem Sommer 1984 wirklich passiert ist. Doch nicht jedem dort behagt es, dass der alte Fall wieder aufgerollt wird. Und Sean Ward muss feststellen, dass ihm von ganz unerwarteter Stelle Steine in den Weg gelegt werden …

Eindimensionale Figuren werden durch unerträgliche Spannung bis in die letzte Seite ausgemerzt.

— marcelloD

Ruhiger aber überzeugende Kriminalroman, der einen mit der Handlung auf zwei Zeitebenen in seinen Bann zieht

— EmilyE

Ungeheuer atmosphärisch: man taucht in eine kleine englische Küstenstadt in den Jahren 1984 und 2003 ein und meint, man wäre tatsächlich da!

— TochterAlice

raffinierte Technik mit zwei Erzählsträngen, die gleichermassen zu einem dramatischen Ende führen!

— Bücherwurm

Fazit: Ungewöhnlich, berührend, tiefgründig, atmosphärisch dicht und äußerst fesselnd.

— Bellexr

Ein toller Schreibstil. Diese Autorin werde ich im Auge behalten

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  • Opfer und Weirdos

    Opfer

    Greedyreader

    21. February 2016 um 09:14

    In Cathi Unsworths Roman “Opfer” versucht Privatdetektiv Sean Ward Licht in einen 20 Jahre alten abgeschlossenen Fall zu bringen. Damals wurde ein Jugendlicher bestialisch ermordet. Die Anwältin der Verurteilten will mit Hilfe neuer Beweise ein Wiederaufnahmeverfahren beantragen. Die inzwischen möglichen DNA-Analysen beweisen, dass Corrine Woodrow nicht allein am Tatort war. Seit 20 Jahren ist Corrine in der Psychiatrie eingesperrt. Vielleicht war alles ganz anders, als die Polizei damals die Öffentlichkeit glauben machen wollte. Sean Ward, der nach schweren Schussverletzungen schon in jungen Jahren aus dem aktiven Polizeidienst ausscheiden musste, stößt bei seinen Ermittlungen im fiktiven Badeort Ernemouth in Norfolk auf einen Sumpf von Korruption und Verbrechen. Die Polizisten haben seinerzeit auf Befehlt des damaligen Polizeichefs Len Rivett nicht ermittelt, sondern vertuscht. Auch nach seiner Pensionierung ist Ernemouth noch immer seine Stadt, und Rivett zieht alle Fäden. Seine scheinbare Kooperation erweist sich als umfassende Manipulation, und die Zeugen, die damals zur Entlastung von Corrine Woodrow nicht aussagen durften, geraten genauso in Lebensgefahr wie die Journalistin Francesca, die Sean Ward bei den Ermittlungen unterstützt. Niemand in der Stadt will, dass die alte Geschichte wieder aufgerollt wird. Rivett hat in all den Jahren seine Macht und seinen Reichtum vermehrt, indem er die Schwachstellen seiner Mitbürger für sich ausgenutzt hat. Er hat alle in der Hand und sich selbst nach allen Seiten abgesichert. Die Autorin erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen: 1983/84 und 2003. Sehr eingehend und authentisch schildert sie die Ereignisse, die in dem trostlosen Nest zu der furchtbaren Tat führten. Sie schreibt spannend und überzeugt durch sorgfältige Zeichnung der Charaktere. Für die Jugendlichen gab es damals kaum Alternativen zum Rummelplatz. Sie waren Mitglieder der Postpunk-Grufti-Szene, kleideten sich düster und beschäftigten sich mit Schwarzer Magie. Ihr Musikgeschmack wurde zum Ausdruck einer rebellischen Haltung. Das ist sehr gelungen in einen raffinierten Plot eingebaut. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, wobei der deutsche Titel “Opfer” es nicht so ganz trifft. Der Originaltitel “Weirdo” (“verrückter Typ” ) lenkt das Augenmerk eher auf die Täterin als auf das oder die Opfer.

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  • Ein lange zurückliegendes Ereignis

    Opfer

    TochterAlice

    28. January 2016 um 09:01

    nämlich eines, das sich 1984 in einem kleinen englischen Küstenstädtchen ereignete, steht im Mittelpunkt dieses Krimis - was eigentlich? Nun, das werde ich Ihnen bestimmt nicht verraten, erfährt es der gespannte Leser schließlich auch erst (fast) am Ende des Buches. Aber es lohnt sich, bis dahin im Ungewissen zu sein, hat man es hier doch mit einer ausgesprochen atmosphärischen Darstellung der Jugend in einer englischen Kleinstadt der Thatcher-Zeit zu tun. Es hat jedenfalls was mit Ritualmorden und der anschließenden Verurteilung einer jungen Frau, Corrine Woodrow, zu tun. Fast kann man es selbst spüren, was die Protagonistinnen Debbie, Samantha und Corrine damals in den 1980ern fühlten, was sie bewegte und antrieb - für mich jedenfalls ist diese Zeit noch ausgesprochen gegenwärtig, auch wenn ich damals zwar noch jung, aber immerhin bereits erwachsen war. Hier gab es Freundschaften, Lieben, Animositäten und noch vieles mehr, was nicht auf den ersten Blick wahrzunehmen war - langsam hangelt sich der Leser hier vor, zusammen dem jungen Privatdetektiv Sean Ward, der 2003, also fast 20 Jahre später, die Sache wieder aufnimmt. Er agiert im Auftrag von Corrines Anwältin, die an ihre Unschuld glaubt und den Fall neu aufrollen will und trifft auf die seltsamsten Zusammenhänge und Verbindungen - schnell wird deutlich, dass dies eine weitreichende Angelegenheit ist, die in der - übrigens fiktiven - Kleinstadt Ernemouth und darüber hinaus weite Kreise zieht bis hin zur Polizei und zur Kommunalverwaltung. Offenbar gibt es eine Menge Leute, denen Seans Ermittlungen gegen den Strich gehen - warum eigentlich? Die Auflösung zeichnet sich zwar teilweise ab, beinhaltet aber auch noch genügend Überraschendes, um dieses so mitreißenden Spannungsroman lesenswert zu machen - von mir gibt es hier eine unbedingte Leseempfehlung!

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  • Opfer

    Opfer

    Claudia-Marina

    09. January 2016 um 13:22

    Wer ist Opfer, wer ist Täter? Seit 20 Jahren sitzt Corrine Woodrow in der Psychiatrie. Seit jenem Tag, als man sie blutüberströmt neben einer brutal zugerichteten Leiche gefunden hat. Ein Ritualmord, das ist schnell klar, und Corrine, die Außenseiterin, die mit der drogensüchtigen, herumhurenden Mutter scheint die perfekte Täterin zu sein. Immerhin hat sie doch einen Hang zur schwarzen Magie, einen seltsamen Altar in ihrem Zimmer und Bücher über dunkle Riten bei sich. Wer also sonst sollte der Täter sein? Dem voraus geht jedoch eine ganz andere Geschichte. Eine, die der Privatdetektiv Sean Ward aufdecken soll. Er wird in den kleinen Ort Ernemouth geschickt, denn es gibt Hinweise, dass sich noch eine weitere Person am Tatort aufgehalten hat. Damals, im Sommer 1984. Sean Ward bemerkt schnell, dass ihm von unerwarteter Stelle Steine in den Weg gelegt werden. Weil jemand den wahren Tätet decken will? Weil jemand tiefer in die Sache verwickelt ist, als gut für ihn wäre? Oder einfach nur, weil Corrine Woodrow die perfekte Täterin, das perfekte Opfer ist? Es dauert lange, bis Cathi Unsworth zum eigentlichen Mord gelangt – und das Besondere an ihrem Roman ist, dass sogar die Identität des Mordopfers lange im Dunkeln bleibt. Ist das dann überhaupt noch ein Krimi, wenn man zwar weiß, dass jemand ermordet wurde, aber nicht wer? Ja, in diesem Fall ist es nämlich ein wichtiger Teil des Spannungsbogens. Cathi Unsworth spielt so geschickt mit den Lesererwartungen, mit den Bildern in meinem Kopf. Mit doppeldeutigen Anspielungen überlässt sie es meiner Phantasie, mir einen Reim darauf zu machen, was tatsächlich geschehen ist, was heute noch geschieht. Abwechselnd erzählt sie aus der Vergangenheits- und der Gegenwartsperspektive; beginnend mit dem Sommer 1983 nähern wir uns einerseits immer näher der Katastrophe an, andererseits aber auch immer weiter der Aufklärung in der Gegenwart. Beide Perspektiven sind wichtig, um letztendlich ein ganzes Bild der Ereignisse zu bekommen. Eines, das so ungeheuerlich ist ,wie die gesamte Geschichte vorher. Ein Bild voller Boshaftigkeit und menschlichen Abgründen. Über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens; vom Abnabeln von den Eltern und dem Finden der eigenen Persönlichkeit. Von dunkler Musik und dunklen Gedanken, gewagten bis bizarren Frisuren, Subkulturen und Leben der 80er. Und letztendlich über die Macht von Vorurteilen und Vorverurteilungen. Sie können ein ganzes Leben zerstören. Mindestens.

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  • Verschlafene Idylle eines Kleinstädtchens

    Opfer

    Trucks

    19. August 2015 um 09:46

    Wenn ein Klappentext das Wort „verschlafen“ beinhaltet, weiß der geneigte Leser, dass sich das Verschlafene bald legen und etwas Schreckliches passieren wird... In diesem Fall rollt ein privater Ermittler einen 20 Jahre zurückliegenden, mysteriösen Mord auf. Die Täterin war schnell gefasst, doch es verdichten sich Hinweise, dass sie damals nicht allein gemordet hat. Nun macht sich Sean Ward auf den Weg, der Sache auf den Grund zu gehen - was auch für ihn noch sehr gefährlich werden soll... Die Komponente des privaten Ermittlers finde ich gut - auch dass er sich erst 20 Jahre später mit dem Fall befasst, als diese mit Sicherheit schon zu den "Cold Cases" in die Katakomben des Reviers gepackt worden ist. Ob er da noch etwas findet, neue Beweise hin oder her..?? Interessante Frage - der sich es lohnt, auf den Grund zu gehen..! Die Täterin scheint ein wenig ZU perfekt zu passen... Sicherlich waren bei der Verurteilung Vorurteile mit am Werk. Ritualmord = muss ja von einem "Grufti" begangen worden sein... Cathi Unsworth schreibt nicht rasend spannend, teilweise gestaltet sich die Spannung sogar eher verhalten (jedenfalls habe ich das so empfunden; lese aber auch oft „Härteres“ wie Richard Laymon z. Bsp. und nach dem kommt einem fast alles harmlos vor...), aber das möchte ich gar nicht als Minuspunkt werten. Das passt einfach zu ihren Charakteren und hat mir sogar ganz gut gefallen hier. Mir gefällt auch die Herangehensweise an die Geschichte sehr gut. Halb Justizroman, halb Thriller, alles mit dabei. Die wechselnden Erzähler geben der Geschichte noch mehr Fortgang und runden das Bild ab. So wird das Buch eine große Leserschaft ansprechen. Clever gemacht, sehr gut geschrieben, absolut interessant und lesenswert !

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  • Spannung bis in die letzte Seite

    Opfer

    marcelloD

    23. July 2015 um 13:47

    „Opfer“ handelt von einem Mord, der 1984 begangen wurde und fast 20 Jahre später wieder neu aufgerollt wird. Eine Staatsanwältin hat am Tatort eine DNA-Spur gefunden, die die Täterin, die damals verhaftet wurde, entlasten könnte. Diese Täterin war die damals 15-jährige Corrine Woodrow, die von der Presse als Hohenpriesterin eines Santankultus bezeichnet wurde. 2003 nun beauftragt die Staatsanwältin Mathes den jungen Privatdetektiv Sean Ward. Der ehemalige Polizist musste seinen Job wegen einer schwerwiegenden Schussverletzung aufgeben und hat sich deswegen als Privatdetektiv selbstständig gemacht. In dieser Tätigkeit hat er es jedoch eher mit kleineren Delikten zu tun, weswegen er den Jobauftrag von Seiten der Staatsanwältin gerne annimmt. Schnell stellt sich heraus, dass in dem kleinen Ort niemand reden will und schnell realisiert Ward, dass er in große Gefahr geraten ist. Die Leseprobe hatte es mir vor allem angetan, weil dort die Kapitel abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit spielen. Dies sah ich als interessante Methode sich der Thematik von zwei Seiten her zu nähern. Rückblickend kann ich nun sagen, dass dieser Erzählstil wirklich die Besonderheit dieses Kriminalromans ausgemacht hat. Zunächst war ich nur etwas enttäuscht, weil die Geschichte in der Gegenwart, wie Sean Ward in dem kleinen Ort ankommt, um dort der Spur der Staatsanwältin nachzugehen, nicht so recht in Gang kommen wollte. In der Vergangenheit war das kein Problem, weil man alle Charaktere vorgestellt bekam, von denen jeder einzelne noch eine wichtige Rolle im weiteren Geschehen spielen sollte. Sean Ward war für mich dagegen nicht wirklich zu packen. Insgesamt ist er die ganze Handlung eher blass geblieben, aber das sind die meisten Charaktere. Neben den verschiedenen Perspektiven, war nämlich auch ein Erzählstil gewählt, der die Gedanken und Handlungen der einzelnen Figuren so knapp wie möglich wieder gab. Dieser Aspekt war natürlich auch der Grund, warum die Handlung bis zur letzten Seite hochspannend blieb, andererseits blieb da das Gefühlsleben der Figuren ziemlich auf der Strecke. Dies war auch nicht bei jedem Charakter möglich, aber gerade bei Sean Ward, der doch die größte Rolle in „Opfer“ spielt, war das schade. Spätestens aber als Ward dann richtig in die Recherche einstieg, war ich komplett gefesselt. Die einzelnen Aspekte der Handlung waren sehr interessant, so ging es um Prostitution, Machenschaften, schwarze Magie, die Pubertät und Kinderpornographie. Also eine ganze Bandbreite an Themen, deren Gesamtheit einen schaudern ließ, denn alleine der Gedanke, dass dies auch in meiner Stadt vorgehen könnte, ist richtig erschreckend und so bleibt ein etwas beklemmendes Gefühl zurück. Der Handlungsverlauf an sich war nachvollziehbar und lebte davon, dass man auf der letzten Seite mit dem letzten Satz noch eine entscheidende Information erhielt. Mir haben sich auch keine Widersprüche ergeben, was sicherlich einige Arbeit war, denn es gibt so viele Erzählstränge, dass man locker mal hätte durcheinander kommen können. Der einzige Handlungsaspekt, dem ich skeptisch gegenüber stehe, ist der der schwarzen Magie. War dieser nur vorhanden, um den Jugendlichen eine Möglichkeit zu bieten sich mit ihren Problemen in der Pubertät an einen anderen Glauben richten zu können oder sollte der jetzt als Aspekt wahrgenommen werden, der den Verlauf der Handlung wirklich enorm beeinflusst hat. Zwischendurch tendierte ich eher zum ersten, am Ende eher zum letzteren und das sehe ich dann eher als negativen Aspekt. Was auch etwas verwirrend war, waren die Kapitelüberschriften. Manchmal haben diese sich mir erschlossen, überwiegend aber nicht. Dadurch ergab sich mir die Frage, ob das eventuell Songtitel der Punkmusik waren, da diese Musikrichtung ja auch eine große Rolle spielte. Da hätte mich dann noch eventuell eine Erklärung der Autorin gewünscht. Ist dies aber nicht der Fall, muss ich sagen, dass man wohl zur logischen Erklärung noch phantasievoller an die Sache herangehen muss. Insgesamt ist „Opfer“ ein richtig guter Kriminalroman. Der Spannungsbogen setzt zwar nicht unbedingt schon am Anfang ein, dafür zieht er sich wirklich bis ins letzte Wort. Die Handlung ist interessant und vor allem vielschichtig. Die Charaktere sind dagegen eher eindimensional dargestellt, aber da es auch so viele gab, kann man da noch am ehesten drüber wegsehen. Ich gebe „Opfer“ gute vier Punkte und kann nur sagen, dass man mit diesem Kriminalroman sicher nicht daneben greift!

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  • Ruhiger, aber überzeugender Kriminalroman

    Opfer

    EmilyE

    12. April 2015 um 16:48

    „Opfer“ ist in vier Teile gegliedert, welche in insgesamt 40 Kapitel unterteilt sind. Jeder Teil und jedes Kapitel trägt einen Titel und ist nicht einfach nur durchnummeriert. Die Handlung verläuft auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Zum einen begleitet man den Privatermittler Sean Ward im Jahr 2003 auf der Suche nach der Wahrheit - er versucht herauszufinden, was damals wirklich passiert ist. Zum anderen spielt die Handlung im „damals“, im Jahr 1983/1984. Man erlebt die Geschehnisse zu dieser Zeit hautnah mit und lernt Corinne sowie ihr Leben und Umfeld in Ernemouth kennen. Und das ist meistens alles andere als schön - was dort geschieht, lässt einen mitunter traurig, aufgewühlt und wütend zurück. Die Zeitebene wechselt von Kapitel zu Kapitel, was ich beim Lesen als sehr spannend empfunden habe. Die Kapitel enden oft mit einer neuen Enthüllung, einem neuen Puzzleteil im Fall Corinne. Dies bringt einen dazu immer weiterzulesen, weil man ja wissen möchte wie es weitergeht. Allgemein ist der Erzählstil allerdings recht ruhig, was meiner Meinung nach der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Die Handlung im Jahr 1983/1984 ähnelt eher einer Milieustudie von einer kleinen Stadt im England der 80er Jahr. Und trotz des Ritualmordes, um den sich alles dreht, ist der Krimi sehr unblutig geschrieben.  Auf Grund von sehr vielen verschiedenen beteiligten Personen und den zwei Zeitebenen, muss man beim Lesen jedoch auch sehr aufpassen, da einem sonst Zusammenhänge entgehen können oder man nicht mehr genau weiß, wie und wo eine Person von 2003 in der Vergangenheit eine Rolle gespielt hat. Ich persönlich finde auch den deutschen Titel gut gewählt, obwohl ich es normalerweise nicht mag, wenn der englische Titel („Weirdo“) nicht übernommen wird. „Opfer“ trifft es in diesem Fall aber sehr gut – in diesem Buch gibt es nicht nur ein Opfer. Ganz im Gegenteil, mit jeder gelesenen Seite offenbart sich ein neues Opfer und irgendwie ist fast jeder, der im Buch auftaucht auch auf die eine oder andere Weise ein Opfer.  Fazit  Ein guter Kriminalroman, der einen mit der Handlung auf zwei Zeitebenen (damals und heute) in seinen Bann zieht, aber teilweise auch sehr bedrückend ist und einen traurig und wütend macht – 4 Sterne.

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  • ein Blick hinter die Kulissen

    Opfer

    coffee2go

    08. July 2014 um 15:10

    Kurze Inhaltszusammenfassung: Corinne wurde vor 20 Jahren zu lebenslangem Aufenthalt in einer Haftanstalt verurteilt, nachdem sie blutüberströmt an einem Tatort aufgefunden wurde. Sean Ward, ein Privatdetektiv, der den Fall nach 20 Jahren aufgrund neuer Indizien und DNA-Auswertungen wieder aufrollt, lässt sich nicht zu vorschnellen Urteilen hinreißen und hinterfragt noch einmal genau, warum Corinne, die damals noch ein Teenager war, so schnell und eindeutig als Satanistin und Mörderin verurteilt wurde. Sein Engagement und die Aufrollung des für die Bewohner des Dorfes abgeschlossenen Falles werden nicht von allen gutgeheißen. Meine Meinung zum Buch: Interessant fand ich, dass sich die Geschehnisse einerseits im Jahr 2003 (jetzt) abspielen und andererseits in das Jahr 1983 zurückgeblickt wird, so kann die Spannung gut aufrecht erhalten werden und man bekommt ein mehrschichtiges Bild von den AkteurInnen, einerseits als Teenager und jetzt als Erwachsene. Etwa in der Mitte des Buches konnte ich einige Längen spüren, hier hätte man vielleicht noch ein paar Überraschungsmomente einbauen können, aber zum Ende hin bekam der Krimi wieder Schwung und Spannung zurück. Die Themen, die in diesem Buch angesprochen werden, sind auch sehr umfassend: Es geht von den Problemen in der Teenagerzeit, über Drogenhandel und Prostitution, soziale Milieus, schwarze Magie, Satanismus, Korruptionen und Nachlässigkeiten innerhalb des Polizeiapparates bis hin zu voreiligen Verurteilungen. Gut gefallen hat mir auch, dass man zu Beginn einen sehr guten Überblick über die Jugendclique und deren Alltag bekommen hat und auch die Beschreibung des Dorfes, das sich auch nach 20 Jahren kaum verändert hat mitsamt seinen eingefahrenen Strukturen fand ich sehr authentisch. Man spürt auch beim Lesen, dass das Dorf Fremden gegenüber sehr feindselig eingestellt ist, auch wenn dies nach außen hin nicht immer so gezeigt wird, wird kaum etwas preisgegeben und detaillierte Fragen werden oberflächlich abgehandelt. Trotzdem sind wieder alle neugierig geworden und in Alarmbereitschaft. Es gab für mich in diesem Buch keine wirklich sympathischen HauptakteurInnen, trotzdem konnte ich mich gut in die Problem und schwierigen Lebenssituationen der hineinversetzen. Titel und Cover: Der Titel des Buches hätte meiner Meinung nach ruhig aussagekräftiger sein können, denn „Opfer“ ist ein großer, offener Begriff, unter dem man sich nicht etwas Konkretes vorstellen kann und auch die Richtung des Buches nicht so gut einschätzen kann. Das Cover finde ich modern, ansprechend, schlicht, aber trotzdem auffällig – gefällt mir sehr gut. Mein Fazit: „Opfer“ ist ein Krimi, der mehrere Altersgruppen anspricht und schon ab dem Teenageralter interessant sein könnte. Durch die vielen unterschiedlichen Facetten und Charaktere habe ich das Buch interessant gefunden, es hätte aber in der Mitte etwas mehr Spannung bieten können.

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  • Hält nicht, was die Leseprobe versprochen hatte

    Opfer

    MissStrawberry

    25. July 2013 um 21:44

    1983 geschieht ein Ritualmord. Verantwortlich dafür wird Corrine Woodrow gemacht. 2003 rollt der jung Privatermittler Sean Ward den Vorgang wieder auf, weil er Zweifel an Corrines Schuld hat. Mehr ist zur Rahmenhandlung tatsächlich nicht zu sagen. Catie Unsworth macht Zeitsprünge von 1983 zu 2003 und wieder zurück und erzählt so die damaligen Ereignisse parallel zu den späteren Schritten und Erkenntnissen von Ward. Spannung ist nur minimal vorhanden, wenn auch die Geschichte gegen Ende (wen überrascht es?) doch etwas anzieht. Die Idee für den Plot war sehr gut. Aber mir persönlich sagt es überhaupt nicht zu, dass das komplette Buch nur sehr langsam erzählt, wie es zu diesem Ritualmord gekommen ist. Das Ende ist quasi, als würden zwei Züge auf dem selben Gleis aufeinander zufahren. So richtig meins ist das nicht. Auch sind viel zu viele (großteils völlig überflüssige) Handlungsstränge ineinander verwoben. So sehr mir die Leseprobe gefallen hatte, so lasch finde ich den Krimi im Verlauf. Die einzelnen Protagonisten - und zwar ALLE - bleiben für mich völlig blass und uninteressant. Das hat natürlich zur Folge, dass ich immer wieder nachlesen musste, weil ich die Zusammenhänge nicht mehr parat hatte. Das mag ich nicht, das macht ein Buch langweilig und nervig. Um die Hälfte gekürzt und mit ein paar Spritzern mehr Spannung wäre das ein richtig gutes Buch. Aber leider habe ich mich so, wie es ist, nicht lange so gut unterhalten gefühlt, wie bei der Leseprobe. Schade! Ich hatte mir so viel von diesem Buch versprochen. Das tockene englische Element ist wohl einfach nicht so ganz mein Fall, zumindest nicht bei Kriminalromanen. Fazit: es gibt schlechtere Krimis, aber auch bessere. Leicht zu lesen ist dieser Krimi nicht, besonders nicht bei den aktuellen Temperaturen. Deshalb das Mittelmaß: drei Sterne.

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  • Hinters Licht geführt.

    Opfer

    Jetztkochtsie

    13. July 2013 um 18:17

    Ich bin routinierte Krimileserin. So schnell macht mir kein Autor was vor, ich weiß wo der Hase lang läuft und der Frosch die Locken hat. Hier wurde ich aber so gekonnt und über so lange Zeit hinters Licht geführt und hatte tatsächlich nicht die leiseste Vermutung, was da denn nun genau passiert sein könnte, daß ich vor dieser Leistung ganz klar meinen Hut ziehen muß. Allein das hat mich begeistert. Gut fand ich auch die sehr dicht beschriebene Atmosphäre dieser Kleinstadt und der dortigen Machenschaften und die wirklich gute Zeichnung der Charaktere, die auch alle passend agierten und niemand war dabei, der plötzlich aus der Rolle fiel oder bei dessen Verhalten ich die Stirn hätte runzeln können. Weniger gut fand ich die teilweise zu detaillierten Beschreibungen der Landschaft oder auch der Personen und ihrer Bekleidung und hin und wieder merkte man leider, daß die Autorin ihr eigenes Denken zu stark auf die Charaktere übertrug, ein 16jähriger Junge, der sich in seinen italienischen Slippern wohlfühlt? Nein, das glaub ich nicht, ein 16jähriger macht sich über seine Slipper nicht die geringsten Gedanken. Oder auch ein offenbar leitender Polizist, der sich gedanklich mit seiner Kleidung beschäftigt, während um ihn herum wichtige Dinge passieren, das paßte für mich nicht ganz und war mir zu weiblich. Letztlich wurde ich aber doch sehr gut unterhalten und das ist es auch, warum ich das etwas chaotische und für mich auch recht unwahrscheinliche Ende verzeihe. Es ist zwar ein durchaus mögliches Szenario, aber doch eines, daß sehr viele verschlossene Augen in der ganzen Stadt benötigt hätte. Ein wenig unglaubwürdig erschien mir dann noch, daß der ja privat ermittelnde Detektiv durch die örtlichen Behörden überhaupt Unterstützung erfahren hat. Dazu zwingt sie niemand und das ist es, was mir die Geschichte etwas kaputt macht. Die ganzen Vertuschungsaktionen wären nicht nötig gewesen, hätte man den Privatdetektiv geschlossen gegen eine Mauer aus schweigen rennen lassen und verdächtig macht man sich damit auch nicht. Denn keine Behörde wäre verpflichtet diese Ermittlungen zu unterstützen. Aber gut, wie gesagt, ich hatte Spaß beim Lesen und habe mit rätseln und raten können und das will man doch bei einem Krimi.

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  • 'Keiner soll wissen, wenn man Angst hat.'

    Opfer

    sabatayn76

    11. July 2013 um 22:55

    Inhalt: 1984 im Küstenstädtchen Ernemouth: nach einem Ritualmord wird Corrine Woodrow festgenommen. Sie scheint eine Affinität für schwarze Magie zu haben, liest Aleister Crowley, ist fasziniert von dunklen Outfits und düsterer Musik. Zwanzig Jahre später tauchen Zweifel an Corrines Schuld auf. Man geht davon aus, dass Corrine zumindest einen Komplizen hatte. Sean Ward, der die Londoner Metropolitan Police verlassen hat und nun als Privatdetektiv arbeitet, macht sich auf die Suche nach dem mysteriösen Komplizen. Mein Eindruck: Mir hat 'Opfer' trotz des spannenden Themas nicht so gut gefallen. Ich empfand den Roman als unstrukturiert und konnte mich nur schwer auf die Geschichte konzentrieren, obwohl mir die Zeitsprünge zwischen 1983/1984 und 2003 gut gefallen haben. Im gesamten Verlauf des Buches sind mir die Protagonisten sehr fremd geblieben, für keinen habe ich ein Gefühl bekommen, sie blieben allesamt austauschbar. Zudem weist 'Opfer' meiner Meinung nach sehr viele Längen auf. Erst am Ende wird die Geschichte richtig spannend und konnte mich überraschen. Mein Resümee: Ich fand den Roman nur mittelmäßig und kann ihn leider nicht empfehlen.

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  • Ein lange zurückliegendes Ereignis...

    Opfer

    TochterAlice

    29. June 2013 um 13:50

    nämlich eines, das sich 1984 in einem kleinen englischen Küstenstädtchen ereignete, steht im Mittelpunkt dieses Krimis - was eigentlich? Nun, das werde ich Ihnen bestimmt nicht verraten, erfährt es der gespannte Leser schließlich auch erst (fast) am Ende des Buches. Aber es lohnt sich, bis dahin im Ungewissen zu sein, hat man es hier doch mit einer ausgesprochen atmosphärischen Darstellung der Jugend in einer englischen Kleinstadt der Thatcher-Zeit zu tun. Es hat jedenfalls was mit Ritualmorden und der anschließenden Verurteilung einer jungen Frau, Corrine Woodrow, zu tun. Fast kann man es selbst spüren, was die Protagonistinnen Debbie, Samantha und Corrine damals in den 1980ern fühlten, was sie bewegte und antrieb - für mich jedenfalls ist diese Zeit noch ausgesprochen gegenwärtig, auch wenn ich damals zwar noch jung, aber immerhin bereits erwachsen war. Hier gab es Freundschaften, Lieben, Animositäten und noch vieles mehr, was nicht auf den ersten Blick wahrzunehmen war - langsam hangelt sich der Leser hier vor, zusammen dem jungen Privatdetektiv Sean Ward, der 2003, also fast 20 Jahre später, die Sache wieder aufnimmt. Er agiert im Auftrag von Corrines Anwältin, die an ihre Unschuld glaubt und den Fall neu aufrollen will und trifft auf die seltsamsten Zusammenhänge und Verbindungen - schnell wird deutlich, dass dies eine weitreichende Angelegenheit ist, die in der - übrigens fiktiven - Kleinstadt Ernemouth und darüber hinaus weite Kreise zieht bis hin zur Polizei und zur Kommunalverwaltung. Offenbar gibt es eine Menge Leute, denen Seans Ermittlungen gegen den Strich gehen - warum eigentlich? Die Auflösung zeichnet sich zwar teilweise ab, beinhaltet aber auch noch genügend Überraschendes, um dieses so mitreißenden Spannungsroman lesenswert zu machen - von mir gibt es hier eine unbedingte Leseempfehlung!

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  • raffinierter und unheimlicher Thriller

    Opfer

    Bücherwurm

    11. June 2013 um 13:49

    "Opfer" von Cathi Unsworth ist ein unfassbar raffiniert gestrickter Thriller aus dem sehr düsteren Nordengland. Mich hat die Erzähltechnik der Autorin unglaublich beeindruckt. Vom Inhalt ist es eine Art "Cold Case", ein ehemaliger Polizist, der durch einen Unfall behindert ist und aus dem Polizeidienst ausscheiden musste, wird als Privatermittler engagiert: Sean Ward soll einen 20 Jahre alten, eigentlich abgeschlossenen Fall neu aufrollen, da heute Ermittlungs- und Labortechniken existieren, die es eben 1984 noch nicht gab. Die verurteilte Täterin sitzt 1984 in einer geschlossenen Psychiatrie. Die Autorin führt den Leser Kapitelweise abwechselnd ins ehemalige Geschehen 1984 und dann wieder ins "heutige" 2004, wobei wir immer nur so viele Informationen aus der Vergangenheit erhalten, um den Lauf der erneuten Ermittlungen zu verstehen. Mit dieser Technik schafft Cathi Unsworth eine ganz eigenartige Spannung, mir fiel beispielsweise wenige Kapitel vor Ende des Buches auf, dass ich immer noch nicht weiss, wer ermordet wurde, dafür aber sehr wohl früh erkannt, dass Sean Ward in eine tödliche Falle läuft. Die Autorin hält den Leser zwischen Hoffnung auf Gerechtigkeit, Angst um den Ermittler, Mitgefühl mit der Verurteilten und der Düsternis der Umgebung, der Macht einiger weniger Bewohner eines Ortes, der vielleicht durch seine isolierte Lage eine ganz eigene Gesetzgebung entwickelte. Man sieht als Leser hilflos zu, wie sowohl 1984, als auch 2004 das Drama einem Höhepunkt zuläuft, sozusagen parallel zu einem finalen Ende, bei dem man nicht unbedingt mit einem Happy End rechnen kann. Man fragt sich mehr und mehr, wer eigentlich das wirkliche Opfer der Geschichte ist! Teils musste ich tief durchatmen, ab und zu das Buch auch aus der Hand legen, weil mir sämtliche Haare zu Berge standen, und ich das Gefühl hatte, ich würde durch eine eisige Hand ins Buch gezogen. Selten habe ich etwas so mystisch-dramatisches, etwas so Böses und gleichzeitig raffiniertes gelesen! Cathi Unsworth lebt in London, dieser Roman ist ihr vierter Roman.

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  • Schuldig oder Nichtschuldig

    Opfer

    cybergirll

    22. May 2013 um 16:45

    Vor 20 Jahren passierte in Ernemouth ein Mord unter Jugendlichen. Verhaftet und zu lebenslanger Haft Verurteilt wurde Corrine Woodrow. Vor 20 Jahren war ein DNA Test noch nicht möglich, jetzt hat man  noch weitere DNA Spuren festgestellt. Daraufhin lässt die Rechtsanwältin von Corrine, die immer noch an deren Unschuld glaubt den Detektive Sean Ward neue Untersuchungen anstellen. Sean, früher selbst bei der Polizei begibt sich nach Ernemouth und merkt schnell, dass hier nicht jeder die Wahrheit sagt.Das Buch führt den Leser abwechselnd in die Zeit von Früher und Heute. Cathi Unsworth lässt den Leser praktisch die Geschehnisse vor dem Mord und den Mord miterleben. Gleichzeitig nimmt man an den Ermittlungen von Sean Wards teil. Am Anfang haben mich die vielen Personen und der Wechsel der Zeiten etwas verwirrt was sich aber schnell gegeben hat. Ein spannendes und lesenswertes Buch.

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  • Opfer

    Opfer

    mona_lisas_laecheln

    20. May 2013 um 19:01

    1984 in einer englischen Kleinstadt namens Ernemouth erschüttert ein Ritualmord die gesamte Bevölkerung. 20 Jahre später kommt der Londoner Detektiv Sean Ward dort an, mit dem Auftrag, anhand eines neu gewonnenen Beweises die Wahrheit über die Geschehnisse damals herauszufinden. Doch seine Aufgabe ist nicht leicht, da die ganze Stadt in Lügen und Intrigen verwickelt zu sein scheint und ihm nicht klar ist, wem er wirklich vertrauen kann. Da gibt es zum Beispiel die Polizisten, die damals auf den Fall angesetzt waren, allem voran der ehemalige Polizeidienstchef Rivett. Oder die charmante Zeitungsredakteurin Francesca, deren Hintergründe er auch nicht von Anfang an nachvollziehen kann. Zeitgleich werden die Ereignisse vor dem Mord in einer Art Zeitsprünge geschildert, allem voran das Leben der später für den Mord verurteilten Corinne Woodrow. In schlechten Verhältnissen aufgewachsen, wird dem Mädchen bereits vor der Tat mit öffentlichen Vorurteilen begegnet. Doch, wer das Mädchen kennt, dem wird schnell klar, dass eine so nette und naive junge Frau, mag ihr äußeres Umfeld noch so schlecht sein, nur schwer vorstellbar einen Mord begehen kann. So stellt sich die Frage: was ist damals wirklich passiert? Nur stückchenweise werden Details zur Tat offenbart, während die Tatsache, dass etwas passiert ist von Anfang an klar war. Vielmehr wird durch den ständigen Zeit- , Szenen- und Erzähler- wechsel eine wahnsinnige Spannung aufgebaut, dank der man das Buch regelrecht verschlingen möchte. Von Anfang an war klar, dass Corinne vermutlich unschuldig verurteilt wurde und Opfer einer Intrige war.  Die Frage, die mich persönlich jedoch am meisten beschäftigte, war: Wer wird denn überhaupt ermordet? Oder habe ich diese klitzekleine Sache die ganze Zeit überlesen? Gegen Ende jedenfalls werden alle Fragen aufgedeckt, und vor allem die Zusammenführung, welche Rolle die Personen damals und 20 Jahre später dann geführt haben, bilden einen gelungenen Abschluss für das Buch.

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  • Opfer

    Opfer

    rallus

    Weirdo, bezeichnet den verrückten Typ, den Freak, den/die Psychopathen. Übersetzt wurde dies mit dem etwas reißerisch wirkenden Wort "Opfer", was in roten Lettern abgehoben vorne auf dem Buch prangt und viel aber auch gar nichts bedeutet. Aber in der Flut der Neuerscheinungen gilt es aufzufallen, auch wenn das Wort recht indifferent ist. Ein Opfer gibt es in einem Krimi meistens. Wer das Opfer ist, verrät uns Cathi Unsworth erst einmal nicht, bzw. lässt uns im Unklaren. Wir befinden uns im Jahre 2003, Sean Ward, ein wegen einer Schießerei aus der Polizei entlassener Ex-Polizist, bekommt den Auftrag, ein 20 Jahre altes Verbrechen neu zu untersuchen. Er reist in das Städtchen Ernemouth (Grafschaft Norfolk, stellvertretend für eine kleine, verschlafene, englische, Kleinstadt) und befragt die Bewohner. Doch so eine Kleinstadt hat ihre Geheimnisse hinter die man als Außenstehender nicht so einfach schauen kann. Geschickt webt Cathi Unsworth die Ereignisse des Jahres 1983 vor der Tat, mit der Recherche des Anfang 30 jährigen Privatdetektivs. Teilweise werden Ereignisse mit in die Zukunft genommen und so entsteht ein sehr flüssig zu lesender Roman. Hauptbestandteil der Untersuchungen ist eine Clique von jungen Schülern um die 15-18, die in der gemütlichen Kleinstadt heranwachsen, mit all ihren Problemen, Ausbrüchen und Hormonanwandlungen. In diese Clique kommt Samantha, die Enkelin des Besitzers des Freizeitparks vor Ort. Sie findet relativ schnell Anschluss, doch hat sie dunkle Anwandlungen und eine gefährliche Art die Menschen in ihren Bann zu ziehen. Bald eskaliert die Situation.... Cathi Unsworth hat ihr Buch in vier gleichgroße Kapitel unterteilt, in denen sie zwischen den Jahren und Ereignissen springt. Grob sind das die Klassischen Krimiutensilien, Einführung, Verwirrung, falsche Fährte, Auflösung. Ihre Charaktere bleiben leider auch bis zum Ende des Buches blass, einzig Rivett, als absoluter Böser, der die Stadt beherrscht, ist ihr mit seinen dunklen Gedanken und Taten gut gelungen. Die Absichten und Ziele der anderen bleiben einem meist verborgen. Da ist Noj der/die Frau-Mann mit mystischem Einschlag. Oder Corrine, die in eine Irrenanstalt gesteckte Täterin, die mit ihrer drogenabhängigen Mutter und ihren Rockerfreunden zusammenlebt. Allesamt Personen aus denen man hätte mehr machen können. Ganz blass bleibt Sean Ward, der recht hilflos durch die Geschichte taumelt und mehr recht und schlecht die Lösung findet. Das Aufwachsen der Jugendlichen wirkt auch recht klischeehaft, die Musik der 80er wird etwas einfach mit "wummernden Bässen" "treibenden Beat" und "kreischenden Gitarren" beschrieben, eine Differenzierung findet leider nicht statt. Die Probleme der Aufwachsenden sind bekannt und kommen einem wie aus einer Liste abgeschrieben vor. Atmosphärisch ist hier leider zu wenig herausgeholt. Die Lösung erzählt uns Cathi Unsworth am Ende einfach herunter. Da gibt es keine Kniffe oder vesteckten Tricks, auch wenn die Geschichte einige unerwartete Wendungen hat, aber etwas mehr Freiheit, dem Leser seine eigenen Gedanken zu entwickeln, hätten dem Ganzen gut getan. Ein insgesamt durchschnittlicher, gut zu lesender, zum Glück nicht allzu blutiger Krimi mit blassen Figuren.

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