Cecille Ravencraft Im Zentrum der Spirale

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Inhaltsangabe zu „Im Zentrum der Spirale“ von Cecille Ravencraft

Thomas, ein junger Mann auf der Flucht, findet unverhofft Unterschlupf bei einem sympathischen Pärchen: Den Moerfields. Wie Hänsel ohne Gretel lässt er sich in ein Pfefferkuchenhaus der besonderen Art locken und wie Hänsel wird er nach Strich und Faden mit dem besten Essen verwöhnt. Die einsamen Moersfields sehnen sich nach einem Sohn und setzen ihre Hoffnungen auf Thomas - und sie lassen sich nur ungern enttäuschen.

„Im Zentrum der Spirale“ ist ein genialer Horror-Thriller – unbarmherzig, unvorhersehbar, unbedingt lesen!

— DaRoSo

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    Im Zentrum der Spirale

    DaRoSo

    16. September 2017 um 19:41

    Mit der Annahme im Hinterkopf es würde sich hier um eine Art Horror-Adaption von Hänsel und Gretel handeln, hab‘ ich mich an „Im Zentrum der Spirale“ gemacht. Die ersten Seiten spiegelten erstmal den Klappentext wieder:Thomas, ein junger Mann, der versucht seiner wenig rühmlichen Vergangenheit zu entkommen, trifft auf ein Rentnerpärchen, das ihn auf der Straße als Anhalter einsammelt. Auf dass sich Thomas ein wenig erholen soll, haben die Moerfields ihn mit nachhause genommen – insbesondere Ms. Moerfield ummuttert Thomas regelrecht.Schon bald merkt Thomas aber, dass hier etwas nicht zu stimmen scheint: die Moerfields verhalten sich merkwürdig, scheinen ihn nicht wirklich gehen lassen zu wollen und auch etwas vor ihm zu verbergen. Soweit so gut – was mich nun allerdings gewundert hat war, dass ich noch mehr als zweidrittel des Buchs vor mir hatte! Wie will Cecille Ravencraft es schaffen, die Geschichte (ich gab mich noch immer der irrigen Annahme hin, es handele sich um eine Adaption des grimmschen Märchens) noch so lange zu ziehen?Es sei soviel verraten: das Buch ist in drei Teile aufgegliedert; der erste Teil dient hier lediglich der Einleitung für den eigentlichen Roman! Was dann folgt ist… heftig! Zu guter Letzt nur noch soviel: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – ach, und drittens wird’s dann ohnehin wieder ganz anders!Ein wenig fühlte ich mich an Laugier’s genialen Film „Martyrs“ erinnert: in dem Moment, in man denkt das Ende erreicht zu haben, beginnt es erst wirklich!   „Im Zentrum der Spirale“ ist ein klassischer Horror-Roman, ein zermarternder (Psycho-)Thriller, ein unbarmherziges Drama.Ravencraft hat es geschafft den Leser binnen kurzer Zeit in eben dieses Zentrum der Spirale zu ziehen und hält ihn dort bis zur letzten Seite!Interessant sind vor allem die Beziehungen, die Ravencraft zu ihren Protagonisten aufzubauen weiß – sie schafft hier einen Antihelden, dem es immer wieder gelingt, dass man die eigenen Grundsätze in Frage stellt. So ist „Im Zentrum der Spirale“ eines der Bücher, die ich förmlich verschlungen habe! Ein Page-Turner, der nicht auf das gewohnte Hollywood-Niveau absinkt, sondern stetig vorantreibt, überrascht, fesselt und schlichtweg überzeugt.Der Sinn, dass sich die Autorin in ihrem Buch selbst (bzw. ihrem Akronym) eine Rolle geschenkt hat, sei einfach einmal dahin gestellt…   Ich muss mich jetzt auch erstmal dran machen rauszukriegen, ob denn nun Thymian oder doch Majoran das Geheimnis ist…   Torsten Low hat hier wieder sein Händchen für außergewöhnliche Autoren bewiesen! Es sind eben genau diese Geschichten, die so typisch Low sind! Ja, manchmal dachte ich ernsthaft ich hätte hier eine Novelle aus dem extremeren Bereich in den Händen, da Ravencraft nicht gerade zimperlich mit Gewaltexzessen umgeht, doch verliert sie sich hier nicht im Blutdurst.„Im Zentrum der Spirale“ ist ein genialer Horror-Thriller, der sich nicht hinter „den Großen“ zu verstecken braucht – unbarmherzig, unvorhersehbar, unbedingt lesen!

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  • Rezension zu "Im Zentrum der Spirale" von Cecille Ravencraft

    Im Zentrum der Spirale

    lord-byron

    01. January 2012 um 16:12

    Thomas, der sein ganzes Leben von einer Pflegefamilie zur nächsten geschickt wird, hat etwas schreckliches getan und ist auf der Flucht. Bei strömenden Regen läuft er morgens um 2 Uhr die Straße entlang und hat es schon längst aufgegeben auf eine Mitfahrgelegenheit zu hoffen, als ein alter Mustang neben ihm hält. Darin sitzt ein nettes älteres Ehepaar, das ihn sehr gerne mitnehmen möchte. Sie bieten ihm sogar an, eine Weile bei ihnen zu wohnen und da Thomas nicht weiß wo er sonst hin soll, nimmt er ihr Angebot an. Doch etwas stimmt nicht mit dem Ehepaar Moerfield, das er zuerst Mr. und Mrs. M nennen soll und später Ma und Pa. Als er herausfindet, was die Beiden so treiben, ist es auch schon zu spät. Schwer enttäuscht, macht sich das Ehepaar wieder auf die Suche nach einem neuen Sohn, der ihre Leidenschaft und ihren Glauben teilt. Dieses Buch ist echt nichts für zart besaitete, denn es geht ganz schön zur Sache. Andererseits ist es sehr spannend und hat mich ständig animiert mit dem Lesen fortzufahren. Eigentlich mag ich so blutige Bücher nicht, aber dieses hat mir sehr gut gefallen. Ich weiß nicht, ob es an dem distanzierten Schreibstil lag oder an dem verrückten Thema. Jedenfalls hatte ich es innerhalb ein paar Stunden verschlungen. Ich würde es in dem Genre "Realistischer Horror" ansiedeln. Allen die es etwas blutiger mögen, kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Es wird für schlaflose Nächte sorgen, denn man legt es erst wieder aus der Hand, wenn die letzte Seite gelesen ist.

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  • Rezension zu "Im Zentrum der Spirale" von Cecille Ravencraft

    Im Zentrum der Spirale

    Elmar Huber

    14. March 2011 um 09:00

    - Thomas war mit gespreizten Armen und Beinen eng an den Boden gekettet worden. Ledergürtel waren lose um seine Oberschenkel und Oberarme gezurrt. Er sah zur Seite und bemerkte, dass einige weite Kreise um ihn herum in den Beton gemeißelt worden waren. - INHALT: An der nächtlichen Landstraße wird der Anhalter Thomas von einem netten, älteren Pärchen, den Moerfields, mitgenommen. Die beiden laden ihn ein, Gast in ihrem abgelegene Haus zu sein, was dem Anhalter gar nicht unrecht ist, denn Thomas wird wegen Mordes von der Polizei gesucht. Zwar haben die Moerfields in einigen Dingen ganz eigene Ansichten und Regeln, doch Thomas ist bereits, diesen Preis für seine Freiheit zu zahlen. Schließlich geht es ihm nicht schlecht hier. Mrs. Moerfield ist eine ausgezeichnete Köchin und seit seiner Ankunft hat Thomas bereits ordentlich zugelegt. - Die auserwähle Familie wurde im Zentrum der Spirale ausgelegt, drei Ehepaare mit ihren insgesamt acht Kindern, im Alter von neunzehn, bis hinunter zu einem vier Monate alten Säugling (...). - MEINUNG: Ein altes Pärchen in der Rolle der bösen Hexe und ein Junge, den niemand vermissen wird, als einsamer Hänsel. Es dürfte keine Überraschung sein, dass Thomas bei den Moerfields ein unschönes Schicksal widerfährt. Soviel kann sich der Leser bereits aus Klappentext und Covermotiv zusammenreimen. Doch als Thomas in Einzelteilen in die Gefriertruhe der Moerfilds wandert hat man gerade mal ein Viertel von Cecille Ravencrafts Roman hinter sich gebracht. Thomas Schicksal war also nur ein ausführlicher Prolog zur eigentlichen Handlung. Die Autorin überrascht mit dem Tod der Identifikationsfigur, doch nur, um den Leser in der Folge auf eine emotionale Achterbahnfahrt zu schicken. Der zweite Teil des Romans spielt einige Jahre später. Ein neuer „Sohn“ – Chris - ist ins Leben der Moerfields getreten und dieser wird sich als würdig erweisen, die Ehre der Familie innerhalb der Gemeinde wieder herzustellen. Doch die strengen Regeln, nach denen Chris leben muss, machen ihn zum gefürchteten Außenseiter und die Entwicklung vom Jungen zum Mann weckt ein Verlangen in ihm, dass er im Verborgenen stillen muss. Cecille Ravencraft bietet ihre Lesern hier eine Bezugsperson, mit der man einerseits leidet und von der man andererseits, ob ihrer Taten, abgestoßen ist. Nach einer solchen Story inkl. aller unvorhersehbaren Wendungen und Überraschungen würde sich so manch namhafter Autor die Finger lecken. In geschliffener Form hätte IM ZENTRUM DER SPIRALE durchaus Chancen gehabt, in einem großen Publikumsverlag (z.B. bei Heyne Hardcore) zu erscheinen. Doch gerade die einfache Sprache, in der der Roman verfasst ist, verleiht ihm eine gewisse Rohheit, die hervorragend zum kompromisslosen Inhalt passt und den Leser förmlich in die kranke Welt der Moerfields und ihres perversen Kults hinein zieht. Trotz der sprachlichen Einfachheit ist IM ZENTRUM DER SPIRALE offensichtlich gewissenhaft durchgeplant und steckt voller Details und Zwischentöne. Im Zusammenspiel mit dem gleichbleibend ruhigen Erzähltempo und der durchgehend gehaltenen Spannung, entfaltet IM ZENTRUM DER SPIRALE einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Außergewöhnlich für einen Debütroman. Möglicherweise wurden in der deutschsprachigen Version auch einige Patzer korrigiert, denn THE CENTER OF THE SPIRAL erschien 2007 zunächst in englischer Sprache bei über den Print-on-Demand-Anbieter Lulu-Books. Ein ungewöhnlicher Umstand, über den sich die Autorin selbst in ihrem Roman lustig macht. Das umlaufende Umschlagmotiv von Chris(tine) Schlicht wirkt zwar auf dem ersten Blick grob, offenbart beim zweiten Hinsehen jedoch jede Menge Details und Feinarbeit und passt so hervorragend zum Inhalt. Ihr deutschsprachiges Debüt brachte Cecille Ravencraft gleich auf die Nominierungsliste für den Vincent Preis 2010 in der Kategorie „Bester Roman national“. FAZIT: Ein clever konstruiertes, kompromissloses Menschenfresser-Drama, das mit einer ambivalenten Hauptfigur überrascht und den Leser mit ungewöhnlichen Wendungen in seinen Bann zieht.

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  • Rezension zu "Im Zentrum der Spirale" von Cecille Ravencraft

    Im Zentrum der Spirale

    Warin

    05. March 2011 um 18:16

    Klappentext: Thomas, ein junger Mann auf der Flucht, findet unverhofft Unterschlupf bei einem sympathischen Pärchen: Den Moerfields. Wie ein Hänsel ohne Gretel lässt er sich in ein Pfefferkuchenhaus der besonderen Art locken und wie Hänsel wird er nach Strich und Faden mit dem besten Essen verwöhnt. Die einsamen Moersfields sehnen sich nach einem Sohn, den sie nie hatten, denn als Anhänger eines Kults ist ihnen eine geschlechtliche Beziehung für immer untersagt. Sie setzen ihre Hoffnungen in Thomas und sie lassen sich nur ungern enttäuschen... ~~ Thomas ist ein jugendlicher Ausreißer und nach einem bös missglückten Raubüberfall auf der Flucht vor der Polizei. Da kommt es ihm ganz recht, dass ihn die Moerfields in regennasser Nacht von der Straße auflesen und in ihr Haus aufnehmen. Mrs. M.(oerfield), eine ältere Dame mit dem niedlichen Lächeln einer kleinen Eule, päppelt Thomas auf und leistet ihm Gesellschaft, als ihn eine schwere Grippe ans Bett fesselt. Doch das Verhalten der Moerfields ist nicht selbstlos. Thomas ist weder der erste, noch der letzte Junge, der in den Wänden ihres Hauses gemästet wird. Aber bei Thomas scheint alles anders zu sein. Mehr und mehr wächst er den M.'s ans Herz und langsam keimt in ihnen die Hoffnung, aus ihm könne mehr werden, als Fleisch für ihre Kochtöpfe: Ein "Erhabener", ein Mitglied ihrer obskuren Sekte, deren Mitglieder Menschenfleisch essen und Sex für verachtenswert erachten. Der Sohn, den sie sich immer erhofft hatten. Doch dann enttäuscht Thomas ihre Erwartungen... Zunächst eine Warnung: Die Praktiken der "Erhabenen" sind abstoßend und ekelerregend. Und obgleich die "Erhabenen" Sex ablehnen, ist er doch immer wieder Thema. Cecille Ravencraft hält sich dabei in ihren Beschreibungen nicht zurück, weshalb ich das Buch in die Kategorie "ab 18" einstufen möchte. Sprachlich wusste Cecille Ravencraft mich zu überzeugen. Sie schafft es, Atmosphäre zu schaffen und mir sind beim Lesen nahezu keine Fehler aufgefallen. Der ein oder andere Vergleich wurde mir vielleicht ein klein wenig zu oft bemüht (wie der von Mrs. M mit einer kleinen Eule) und der Roman ist auch nicht frei von Plattitüden, doch letztendlich hat mich das nicht gestört, da der Spannungsaufbau bei mir gelang und ich gerne weiter gelesen habe. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich die häufigen Wechsel der Erzählperspektive. Z.B. hätte ich auf den kurzen Einblick in die Gedankenwelt Kevins, der ohnehin nur da ist, um geschlachtet zu werden, verzichten können. Dass die Autorin sich als Nebenfigur selbst in die Handlung eingewoben hat, war wohl witzig gedacht, ist bei mir aber nicht angekommen. Ich empfand diese Szenen als unpassend und als Fremdkörper in einem ansonsten gelungenen Buch. Das Ende war für mich nicht vorhersehbar und obgleich der Roman damit abgeschlossen ist, böte sich sogar noch Potential für eine Fortsetzung. Fazit: Empfehlenswert, aber nichts für empfindliche Gemüter. Vier Sterne.

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  • Rezension zu "Im Zentrum der Spirale" von Cecille Ravencraft

    Im Zentrum der Spirale

    Feuerfee

    04. December 2010 um 18:55

    Es war tief in der Nacht als Thomas seinen letzten verzweifelten Versuch unternahm per Anhalter von der Landstrasse aufgelesen zu werden. Nach etlichen Fehlschlägen, hatte sich jedoch ein älteres Ehepaar ein Herz gefasst und liess den durchnässten Mann einsteigen. Müde, hungrig und klitschnass liess sich Thomas von der freundlichen alten Frau, die mit ihrer runden Brille, die an eine kleine Eule erinnerte, und ihrem mürrischen Mann durch die dunkle Landschaft kutschieren. Als Thomas von einem kleinen Nickerchen auf der Rückbank erwachte, fand er sich jedoch nicht an irgendeiner Strassenecke in der Stadt wieder, sondern vor dem kleinen, gemütlich wirkenden Häuschen der Moersfields und ahnte nicht im entferntesten, das ihn ein kannibalistischer Kult zu Tisch bittet… Mrs Moersfield umsorgt Thomas, wie dies nur eine liebenden Mutter vermag. Eigentlich wollte Thomas die Einladung des Ehepaars gar nicht annehmen, eigentlich wollte er nicht im Bett ihres verstorbenen Sohnes schlafen und eigentlich wollte er sich auch nicht so verwöhnen lassen. Aber er liess es geschehen und genoss die Tage bei den Moersfields. Die Ereignisse vor ein paar Nächten, hatten es nötig gemacht einen Unterschlupf zu suchen und für eine Weile von der Bildfläche zu verschwinden und so stellte sich das heimelige Haus des alten Ehepaars und ihre wohlwollende Pflege nicht nur als praktisch, sondern auch als überaus behaglich heraus. Thomas schlief seit langem mal wieder in einem weichen Bett, trug gewaschene Kleidung und bekam von Morgens bis Abends die köstlichsten Leckereien serviert, besonders die Braten, Würste und Steaks seiner Gastgeberin schmeckten schlichtweg göttlich. Solch ein Fleisch hatte Thomas noch nie geniessen dürfen… Einem Betrachter von aussen wäre aufgefallen das Thomas in den Tagen bei den Moersfields erheblich zugenommen hatte, er hätte gar den sonderbaren Gedanken fassen können, das der junge Mann von der liebreizenden alten Frau gemestete wurde. Aber es gab keinen aussenstehenden Betrachter. Das Haus der Moersfields lag ein bisschen abseits und die Fenster waren rund um die Uhr verschlossen. Die Nachbarfamilie mit ihren junge Kindern hatte es aufgegeben mit den Moersfields Kontakt aufzunehmen, nachdem die sanftmütige Mrs Moersfield der Schlampe von nebenan klar gemacht hatte, das sie sich gefälligst verpissen solle. Ja, so waren sie, die Moersfields, ein Herz und eine Seele und das Flittchen aus dem Nachbarhaus mit ihren Rotzlöffeln würde irgendwann auch daran glauben müssen. War das alte Ehepaar lediglich ein wenig kauzig und schrullig auf ihren alten Tagen geworden? Thomas war sich da nicht mehr so sicher. In das behagliche Leben als Ziehsohn, mit den überproportionierten Mahlzeiten, hatte sich eine merkwürdige Note geschlichen. In seinem Zimmer gab es einen Stapel Videos, die er gucken durfte, jedoch waren sämtliche Liebes- und Erotikszenen herausgeschnitten. In der Küche hingen kuriose Spruchbänder wie „Ohne Agonie erhöhst du Dich nie“, das Haus durfte er nicht verlassen, kein Fenster öffnen und den Keller nicht betreten. Zudem besassen die Moersfields einen unglaublich grossen Kühl- und Gefrierschrank und horteten Kühltaschen, als würde deren Produktion morgen eingestellt werden. Genau so ungewöhnlich waren die Kisten mit Klamotten. Zahllose Kartons mit Kleidungsstücken, ausschliesslich für Männer und Jungs, aus den unterschiedlichsten Jahren. So fand sich halbwegs moderne Garderobe neben Schlaghosen und anderen Kuriositäten aus vergangenen Jahrzehnten. Mädchensachen gab es keine. Das mit den kleinen Mädchen war damals auch etwas völlig anderes, Mr. Moersfield hatte ihre Kleidung nie gesammelt und nahm auch schon lange keinen „Kontakt“ mehr zu den jungen Dingern auf. Er war stark geworden und ihre widerlichen Reize prallten an ihm ab, wie Regentropfen an einem Glasfenster. Für Thomas gab es Hoffnung, da war sich Mrs Moersfield sicher, sie hatte sogar mit ihrem Lebenspartner gewettet. Er konnte ein Erhabener sein, wenn er dem Weg der Spirale folgte und rein war. So viele hatten sich als unwürdige Schwächlinge erwiesen, die bereits den abstossenden Verlockungen des weiblichen Schosses gefolgt waren und sich wie hirnlose Idioten befleckt hatten. Für Thomas würde es kein leichter Weg sein, er nahm an Gewicht zu, was gut war, zeigte sich gehorsam und formbar. Er konnte ein Erhabener werden und eines Tages die Freuden in Sharpurbie mit ihnen teilen, unter all den anderen und zum Stolz des Hohepriesters. Sollte er sich jedoch als untauglich erweisen, als ein Verabscheuter herausstellen, müssten sie mit ihm in die alte Halle fahren und das Werkzeug mitnehmen. Dann würde die Suche nach einem geeigneten Sohn von vorn beginnen… Mit Im Zentrum der Spirale erscheint im Verlag Torsten Low nicht nur dessen erste Roman einer Fremdautorin, sondern auch der erste englischsprachige Import. 2007 kam The center of the Spirale beim Selfpublisher Lulu Press erstmals heraus und seitdem ranken sich so einige Gerüchte um die Schriftstellerin. So bekam die Bielefelder Autorin ihr Pseudonym Cecille Ravencraft von dem Schockrocker Alice Cooper verliehen und soll gar auf Ebay ein Exemplar ihres Buch versteigert haben, welches mit ihrem eigenen Blut signiert war. Wer einen Blick in den Roman und den Auftakt der blutigen Reihe um den Kult der Spirale wagt, stellt recht schnell fest, das hier in der Tat eine aussergewöhnliche und überaus talentierte Autorin am Werk ist. Die Geschichte entwickelt sich zunächst als liebliche Erzählung, die Erinnerungen an Knusperhäuschen weckt und eine Assoziation zu großelterlicher Fürsorge mit selbstgebackenen Plätzchen und heissem Kakao herstellt. Cecille Ravencraft lädt den Leser ein sich in das kuschelige Nest ihrer Erzählung zu begeben, um dann die Kettensäge anzuwerfen. Hier wird ein Horror zelebriert der äusserst durchdacht, sorgsam aufgebaut und einfühlsam entfaltet wird. Gerade durch das diametrale Verhältnis des Kannibalentums und der Bilderbuchoma in ihrem kleinen Häuschen, schafft die Autorin ein verstörendes Element, welches einfach zu begeistern weiss und den Leser fesseln wird, wie liebevoll umschlungener Stacheldraht. Cecille Ravencraft begeht erfreulicherweise nicht den Fehler sich im Verlauf der Handlung auf ein plattes Massaker zu beschränken. Obwohl natürlich mit Blut und Innereien nicht gespart wird, weiss sie diese stets passend einzubringen bzw. herauszuholen und zwar in einer konkreten Beschreibung, aber ohne sich an diesen Momenten seitenlang zu weiden. Hier hat die Autorin ein sehr gutes Mass gefunden Brutalität und abstossende Grausamkeit einfliessen zu lassen, dieses jedoch nicht überzustrapazieren, sondern zu einem absolut harmonischen Teil des Gesamtwerkes zu machen. Was wohl als das stärkste Moment des Buches angesehen werden kann, neben den beeindruckenden Figuren und ihren ganz unterschiedlichen Schicksalen, ist der Facettenreichtum des Romans. Hier sind nicht nur einfach Verrückte mit Kettensägen am Werk, Im Zentrum der Spirale hält eine eigenständige Parallelwelt bereit, mit bizarren Ritualen und uralten Göttern und Dämonen. Cecille Ravencraft entblösst einen kannibalistischen Kult, der weltweit vernetzt ist und das Gefühl vermittelt in die verschrobene Realität einer isolierten Sekte zu tauchen, deren ganze Bizarrerie sich scheibchenweise offenbart. Das Romandebüt der Autorin ist eine hochspannende Angelegenheit, ein Page Turner, der durch seine schaurig-schöne Atmosphäre zu fesseln weiss und ein faszinierendes Grauen ausstrahlt. Ein Buch, das mehrere verschlungene Geschichten erzählt, von junger Liebe und entstellten Fratzen, dunkler Folter und Familienglück, und somit einen ungewöhnlichen Lesegenuss darstellt. Mit seiner 18+ Altersbeschränkung ist Im Zentrum der Spirale ein Roman, der so wohl Horrorfans begeistern dürfte, als auch für Genreeinsteiger und Neugierige die ideale Kostprobe ist. Cecille Ravencrafts „Im Zentrum der Spirale“ – Ein Knusperhauskettensägenkannibalen-Abenteuer mit märchenhafter Note und einer beeindruckenden Geschichte, der man sich nicht mehr entziehen kann, hat man sie einmal probiert. Ein durchgehend spannendes Werk, das durch seine genial geformten Figuren und die mystische Magie des Spiralenkultes, zu bannen weiss. Ein Lesetipp für alle, die einen Ausflug in das Dunkle wagen, denn enttäuscht werden sie nicht.

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