Cees Nooteboom Briefe an Poseidon

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Inhaltsangabe zu „Briefe an Poseidon“ von Cees Nooteboom

Ist Poseidon überhaupt am menschlichen Treiben interessiert, verfolgt der Herrscher der Meere noch unser Tun? Cees Nooteboom lässt es darauf ankommen: Er schreibt Briefe an den Gott mit dem Dreizack, den er jeden Herbst, wenn er seine Sommerinsel verlässt, um Erlaubnis bittet, im nächsten Jahr zurückkehren zu dürfen. Darin erzählt er von seinen täglichen Beobachtungen, von seinen Gedanken über Götter und Gott, vom neuen Blick auf alte Mythen. So führt etwa eine zufällige Strandbegegnung zur Frage, ob ein kleiner Junge der Spiegel sein kann, in dem das eigene Alter verfliegt. Die Pflanzen im mediterranen Garten des Autors wiederum kümmert das wenig, sie führen ihr eigenes Leben: Hibiskus und Kakteen setzen sich geduckt zur Wehr, wenn das Radio die wuchtigen Klänge Bayreuths durch die Luft wehen lässt. Und die Agave, die vermutlich mit mexikanischem Akzent spricht, verfolgt ohnehin eine nur ihr bekannte Mission.

Meisterhaft beherrscht Cees Nooteboom die Kunst, hinter den kleinen Dingen die großen Weltfragen aufblitzen zu lassen. Seine Korrespondenz mit dem Meeresgott bezaubert: Verspielt und tiefernst, lakonisch und poetisch, lässt sie das Erzählte in einem klaren, warmen Licht erscheinen.

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  • 23 Texte an den Meeresgott

    Briefe an Poseidon

    Wolkenatlas

    21. October 2013 um 09:13

    2008, an einem Februartag in München, kauft Cees Nooteboom am Marienplatz "Die vier Jahreszeiten" von Sándor Márai. Kurze Texte, kein Roman, eine Aufmachung, die auf ihn einen traurigen Eindruck macht. Er erinnert sich an das letzte Tagebuch des ungarischen Autors, das dieser knapp vor seinem Selbstmord mit 88 Jahren in San Diego sparsam, verbissen und bitter verfasst hat. Nachdem der niederländische Autor endlich ein Leseplätzchen im Freien, in einem Fischrestaurant, gefunden hat, bemerkt er die Serviette, auf die der Name "Poseidon" in Blau aufgedruckt ist, in der Farbe des Meeres, an dem er im Sommer lebt. Obwohl er gerade mitten in der Arbeit an einem Buch ist, weiß er, dass er dem Meeresgott Briefe schreiben wird, kleine Texte, die ihm von seinem Leben berichten sollen, von seinen Gedanken. Wortsammlungen, inspiriert durch die unterschiedlichsten Ereignisse. "Es wird Abend auf der Insel, auf der ich im Sommer lebe, das Meer ist nahe, das Meer des Poseidon, die Felsen, bei denen ich immer schwimme. Ich blicke auf die weite, leicht wogende Fläche, die Bewegung im letzten Aufglänzen des Sonnenlichts. Mit Ausnahme des Wassers an den Felsen ist kein Laut zu hören. Ich muss einfach anfangen." Zwischen philosophischen Befragungen des Gottes sind kleine Texte eingestreut, die am ehesten als Momentaufnahmen, Gedankenspiele und kostbare literarische Fundstücke zu bezeichnen sind. Es beginnt mit den Gedanken zu einem in Südfrankreich lebenden Mann, der seine bereits tote Frau, vertreten durch ihren Hut, heiraten durfte und geht weiter zur Belagerung eines Gemäldes von Pieter Snayers im Prado, dann zur jährlichen Blech- und Paukenorgie in Bayreuth, sodann in den mediterranen Garten des niederländischen Autors, bevor er Poseidon die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Existenz der Götter stellt, nämlich was denn geheimnisvoller sei, "jemand, der sterben kann, oder jemand, der nie sterben darf?" Eine Begegnung mit einem Jungen löst in ihm das Gefühl aus, sich selbst begegnet zu sein, bevor er sich der Stille auf einem Foto widmet, auf dem zehn Särge von französischen Soldaten zu sehen sind. Der Frage nach dem Krieg, der diese Toten gefordert hat und dem Gefühl der Trauer in theatralischer Reinheit. Eine Erzählung von Kafka mit dem Titel "Poseidon" dient als Ausgangspunkt für einen weiteren Brief, bevor sich der Autor mit dem "Challenger"-Absturz beschäftigt. Weitere Briefe an Poseidon wechseln ab mit Gedanken über die Zeit per se, eine französische Adelige und den im vierzehnten Jahrhundert schaffenden Japaner Kenko. Ein Foto in "The Times" zwingt den Autor, sich Gedanken über die Wahrnehmung zu machen. Ein Foto, das auf den ersten Blick harmlos erscheint, das jedoch ein Foto des Schauplatzes eines brutalen Mordes ist. Ein Foto, das bei aller Genauigkeit keinen Aufschluss über das Geschehene gibt. "Ich betrachte das Foto noch einmal. Von dem Lastwagen, der aussieht wie ein Lastwagen, geht jetzt eine so intensive Ausstrahlung aus, dass es kaum zu ertragen ist." Cees Nooteboom beschreibt die Vorstellung eines Leichenschmauses eines über hundert Tonnen wiegenden Wales auf dem Meeresgrund, nach den unzähligen Meerestieren, die sich zu dieser Monate oder gar Jahre dauernden Fressorgie einfinden, und lässt sich durch eine Postkarte inspirieren, die ihn als Gast eines rauschenden diplomatischen Festes ins Buenos Aires von 1938 zurückversetzt. Während er die zukünftigen Feinde im Tanz vereint sieht, sieht er, wissend, bereits die auf fünf Kontinenten verteilten Leichen der Anwesenden. Das sind nur einige Beispiele für die unzähligen interessanten, präzise geformten und herrlich gedachten Gedanken des großen holländischen Autors,  der in diesem Band die Wissenschaften und Mythen, die Realität und die Literatur auf wundersame Weise in Verbindung bringt und so ganz Großes schafft. Jeder der hier versammelten Texte regt zum Nachdenken an und verführt den Leser unweigerlich in die jedem Text eigene Welt, den jedem Text eigenen Mikrokosmos. Der Rezensent empfiehlt, jeweils nur ein paar Texte am Stück zu lesen, da sich diese so besser genießen lassen, als direkt hintereinander. Im Anhang finden sich Erklärungen zu den jeweiligen Texten: biografische Notizen, Fotos oder Erklärungen, die dem Leser helfen, manche Hintergründe besser zu verstehen. Absolute Empfehlung. (Roland Freisitzer; 02/2013)

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