Cees Noteboom Rituale.

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Inhaltsangabe zu „Rituale.“ von Cees Noteboom

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    Rituale.
    fcbfrosch

    fcbfrosch

    Inhalt Das Amsterdam der fünziger, sechziger und siebziger Jahre ist Schauplatz dieses Romans. Inni Wintrop will auf seiner Toilette Selbstmord begehen, "weil er in seinem Horoskop für 'Het Parool' prophezeit hatte, seine Frau werde mit einem anderen durchbrennen und er, der ja ein Löwe war, würde dann Selbstmord begehen. Es war eine treffende Prophezeiung." Doch wie der Tod so spielt, der Strick reißt. Mit neuer Aufmerksamkeit beobachtet Inni die Menschen in seiner Stadt. Er beobachtet die Rituale, die Hilfskonstruktionen, mit denen sie versuchen, der verrinnenden Zeit, dem Gaukelspiel der Erinnerungen, der persönlichen Geschichte den Anschein des Sinnvollen zu geben. Meine Bewertung: Da ich noch nie etwas von Cees Nooteboom gelesen hatte, ging ich völlig unbefleckt an die Lektüre dieses Werkes. Mit dem Umblättern der letzten Seite war für mich klar, dass meine Erwartungen gar nicht erfüllt worden waren - ich hatte ein ganz anderes Buch vor mir, als ich beim Kauf dachte und auch, worauf der Klappentext schließen lässt. Das ist im Nachhinein betrachtet auch gut so: ich mag Überraschungen und dieses Buch hier ist auf jeden Falls lesenswert. Die Hintergründe des Selbstmordes werden, wie die restliche Handlung auch, in einem sehr nüchternen, logischen Gedankengang erzählt. Schon auf der ersten Seite fand ich einen Satz, der mich sehr begeistert hat: "Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will." (S.9) Dieser Satz ist sinnbildlich für den Schreibstil des niederländischen Autors. Auf eine unaufdringliche Art und Weise doch ausgeschmückt mit hübschen Vergleichen und Wortwindungen wird eine Geschichte erzählt, verwoben in der Vergangenheit und Gegenwart der Hauptfigur, Inni Wintrop. Zentral steht die Bekanntschaft Innis mit zwei Männern, die gewollt einsam und nicht so recht ihren Platz in der Gesellschaft zu finden in der Lage sind. Anhand dieser drei, zufällig miteinander verwobener Leben werden Rituale der Selbstidentität beobachtet, die bestimmt sind von Zwängen, Erinnerungen und Erfahrungen. Fast ganz nebenbei und unbeschwert werden so tiefgreifende Themen wie Philosophie und Religion angesprochen, um die Weltanschauungen zu begründen, nach denen sich die Figuren ausrichten. Und es geht auch um Sex, Erotik und Frauen. "Wenn die Welt ein Rätsel war, dann waren die Frauen die Kraft, die dieses pulsierende Rätsel in Gang hielt, sie, nur sie allein hatten Zutritt zu diesem Rätsel." (S. 124) Eigentlich ist fast jeder Satz in diesem Buch ein kleines Kunstwerk. Ich müsste es noch viel öfter lesen, um jeder Formulierung die Anerkennung zuteil werden lassen, die sie verdienen. Die Handlung selbst ist eigentlich fast schon nebensächlich, da es ja vielmehr um das große Ganze geht, in das sie sich einbettet. Deswegen bereitete mir die Zeitreise in Vergangenheit und Gegenwart doch ein Vergnügen, weil sie das Tiefgründige auflockert und so die Schwere der Erzählung genommen wird. Mein Fazit: Es handelt sich bei "Rituale" um kein Buch, was mal ganz nebenbei gelesen werden kann, denn dazu stimmen einen die Handlung und das Thema viel zu nachdenklich. Trotzdem sind diese weltbewegenden Anschauungen und Rätsel des Lebens sehr angenehm erzählt und es wird, unterstützt durch den gewählt gewundenen Stil des Autors, an keiner Stelle aufdringlich. Ich denke, erst beim mehrmaligen Lesen erschließt sich die ganze Weite dieses Werkes. Auf jeden Fall zu empfehlen!

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