Was ich euch nicht erzählte

von Celeste Ng 
4,5 Sterne bei216 Bewertungen
Was ich euch nicht erzählte
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Positiv (205):
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Grandios tiefsinnig!

Kritisch (3):
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Viel zu langatmig.

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Inhaltsangabe zu "Was ich euch nicht erzählte"

Spannung und Unterhaltung auf hohem literarischen Niveau

»Lydia ist tot.« Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord? Die Lieblingstochter von James und Marilyn Lee war ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James Lee, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem inneren Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423145992
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:13.10.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Linatostvor einem Monat
    Der Blick tief hinein

    Ich habe dieses Buch nach „Kleine Feuer Überall“ gelesen. Den Sprachstil kannte ich daher schon. Aber auch sonst fand ich den zweiten Roman der Autorin besser als ihr Debut. Vielleicht liegt das auch am Thema.

    Die Autorin ist schonungslos zu ihren Charakteren. Wir erfahren alle ihre guten und ihre schlechten und noch schlechteren Eigenschaften. Dabei zeigt sie nicht unbedingt mit dem Finger auf ihre Charaktere, sie erzählt sie von einer sehr menschlichen Seite. Es ist eine Spezialität der Autorin Verhaltensweisen ihren Charakteren anzudichten, die so völlig natürlich entstanden sind. Des Öfteren ertappte ich mich beim Lesen dabei wie ich dachte, ja genauso hättest du auch reagiert. Ja auch ich könnte es sein, wenn ich in ihrer Stelle wäre. So entspringt bei mir nach und nach immer mehr Identifikation mit jedem einzelnen Charakter.

    Warum ich dieses Buch dann hinter seinem Nachfolger sehe? (Die Bücher stehen in keinerlei thematischen Zusammenhang) Wahrscheinlich machen es bei mir eher die Umstände. Das Buch ist eher düster gehalten. Die Familie hat es schwerer als andere sie müssen mit Ausgrenzung leben. Ich las dieses Buch jedoch gerade in meinen Flitterwochen.

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    PagesofPaddys avatar
    PagesofPaddyvor einem Monat
    Tolles Buch, bewegende Geschichte

    Familiendramen sind soo alt und es gibt soo viele. Ob literarisch verarbeitet, als Film oder ganz einfach in der Realität. Familiendramen spielen sich häufig genug ab. Der amerikanische Autorin Celest Ng ist ein kleiner, aber sehr lesenswerter Roman gelungen, der genau dies als Grundlage nimmt: Familie am Abgrund. Es wird erzählt was der Tod der Tochter für Auswirkungen auf eine kleine Familie hat und wie es soweit kommen konnte. Das alles wird wirklich sehr durchdacht erzählt. 
    Immer wieder springt Ng in der Zeit, erzählt von früher (zum Beispiel dem kennenlernen der Eltern) und dann wieder die unmittelbaren Folgen des Todes der Tochter. So entsteht ein sehr kompaktes aber gleichzeitig komplexes Bild dieser Familie. Und daraus ergibt sich eine sehr interessante Grundspannung. Themen wie Identität, Zugehörigkeit, Angst, Trauer und Familienzusammenhalt werden hier sehr gut und sehr gekonnt verwoben und zu einer Geschichte gewebt, die mich teilweise sehr emotional erwischt hat. Das liegt vor allen an den fein herausgearbeitet Figuren und dem wunderschönen Schreibstil von Ng. 
    Ich hab es ja, wie man sehen kann, auf englisch gelesen und was mir im englischen immer wieder auffällt (allgemein gesehen) sind die großen Unterschiede in denen Autoren schreiben. Ja, auch im deutschen erkennt man das aber ich hab oftmals das Gefühl im englischen ist es noch deutlicher zu spüren. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich im englischen deutlich konzertierter lese als im deutschen. Ngs Stil ist jedenfalls klar und bestimmt aber gleichzeitig irgendwie weich!?! Ich kann es nicht anders beschreiben. 
    Jedenfalls hat mir das alles sehr gut gefallen. 
    Zugegeben, ich habe nicht jeden Satz verstanden aber manchmal braucht man das auch nicht, um ein Gesamtwerk gut zu finden. Für mich wars ein wirklich tolles Buch, fein geschrieben und fesselnd zu lesen. Anspruchsvoll aber gleichzeitig unterhaltsam genug um auch Leute anzusprechen die eigentlich nicht dieses Genre lesen. Auf jeden Fall ein Tipp!

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    Amy86vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: ...das Ende war mir nicht ganz klar. Schade. Es war ein spannendes, vielversprechenedes Buch.
    Familiendrama

    Ein Buch über den Konflikt eines Chinesisch-Amerikanischem Paares, welches die eigenen Konflikte und unerfüllte Träume auf die mittlere Tochter projiziert. Bis diese eines Tage verschwindet. Spannend aber mit vielen offenen Fragen

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    Schuggas avatar
    Schuggavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Hervorragender Einblick in die zerrissene Seele eines Teenagers sowie dessen Familie
    Einblick in eine zerrissene Seele

    Im Mai 1977 wird die sechzenjährige Lydia Lee tot im See aufgefunden. War es Mord, Selbstmord – oder gar ein Unfall? Mit diesem Rätsel beginnt der Roman um ein Mädchen, Tochter der ehrgeizigen Marilyn sowie von James, einem Sohn chinesischer Einwanderer.

    Was zuerst wie ein Krimi anmutet, entpuppt sich beim Lesen als ein Roman, welcher ein tiefsitzendes Familiendrama aufdeckt. Professor James Lee heiratete seine Marilyn zu einer Zeit, in welcher die Durchmischung der Hautfarben in einigen US-Staaten sogar noch gesetzlich verboten war. Entsprechend reagierten viele auf diese Kombination und selbst beruflich hatte James viel mit Vorurteilen zu kämpfen, während Marilyn die langersehnte berufliche Erfüllung versagt blieb.

    Einfühlsam schildert Celeste Ng den familiären sowie gesellschaftlichen Druck, unter welchem Lydia aufwächst, hin- und hergerissen zwischen mütterlichem Ehrgeiz und dem Stigma der Andersartigkeit. Ein Druck, unter welchem sie zu zerbrechen droht. Mich hat dieser Roman sehr berührt, da Celeste Ng einen Einblick in Lydias Seele gewährt, welcher oberflächlich betrachtet kaum wahrnehmbar war. Ein Einblick, welcher auf traurige Art erkennen lässt, unter welchem Umständen Lydias Leben endete.

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    thiefladyXmysteriousKathas avatar
    thiefladyXmysteriousKathavor 5 Monaten
    ein ganz besonderes Buch

    Was ich euch nicht erzählte

    Bei diesem Roman handelt es sich um das Debüt der amerikanischen Autorin Celeste Ng, von der ich bereits sehr viel Gutes gehört hatte. Endlich habe ich nun „Was ich euch nicht erzählte“ gelesen und war sehr angetan und beeindruckt von dieser Geschichte. Celeste Ng hat eine sehr besondere Art Geschichten zu erzählen und ich bin bereits sehr gespannt auf ihr neues Buch „Kleine Feuer überall“.

     

    Inhalt

    »Lydia ist tot.« Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord? Die Lieblingstochter von James und Marilyn Lee war ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James Lee, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem inneren Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat.

     

    Meinung

    Dieses Buch hat mich von Anfang an beeindruckt. Man wird als Leser direkt mit einer sehr heftigen Situation konfrontiert, denn Lydia, die älteste Tochter einer amerikanisch-chinesischen Familie kommt nicht zum Frühstück und bleibt verschwunden. Schlimmer noch, sie wird tot aufgefunden. Hat sie sich selbst umgebracht? Ihre Mutter glaubt nicht daran, die Polizei aber schnell schon.

    Celeste Ng zeigt uns dann die verschiedenen und nicht nur positiven Facetten dieser Familie. Es ist alles andere als eine „Happy Family“ und jeder hat ein eigenes Päckchen zu tragen. Geschickt baut die Autorin eine bedrückende Stimmung auf, die dem Leser immer weiter zusetzt, je weiter man im Buch voranschreitet. Aber man kann nicht aufhören zu lesen. Zusätzlich ist auch die Sprache sehr schön und ich habe mir ein paar besondere Sätze markiert.

    Das Buch ist weder actionreich noch voll von Ermittlungsarbeit, es ist eher ruhig aber dabei doch so faszinierend und beklemmend. Und das Ende haut einen dann wirklich um – damit hatte ich nicht gerechnet und es hat mich mit einem sehr seltsamen Gefühl zurückgelassen.

    Insgesamt hat mich dieses Buch absolut überzeugt und ich freue mich auch auf das neue Buch dieser talentierten Autorin. „Was ich euch nicht erzählte“ erhält von mir volle 5 Sterne.

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    Tintenschoenvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein tolles Buch mit Tiefgang!
    Ein stilles Familiendrama!

    Ein einfühlsames Buch über eine Familie, die den Tod der Tochter verkraften muss. Nach und nach erfährt der Leser, wie es dazu gekommen ist, welche Rolle die einzelnen Familienmitglieder dabei gespielt haben und welche untetschwelligen Gefühle und Konflikte hinter jeder Fassade einer perfekten Familie brodeln können. Es sind die kleinen Dinge, die ein oder mehrere Leben für immer verändern können. Die Aitorin erzählt so einfühlsam, dass man sich in jeden der einzelnen Charaktere und seine Taten hineinversetzen kann, ohne dass das Buch je kitschig wird. Mich hat das Buch nachhaltig beeindruckt und ich kann es nur jedem Leser, der auf der Suche nach einer Geschichte mit Tiefgang ist, ans Herz legen.

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    BeaSwissgirlvor 8 Monaten
    Was ich euch nicht erzählte


    Mein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)


    Ich hatte schon viel Gutes über dieses Buch hier gehört, weshalb ich neugierig geworden bin.....


    Der Schreibstil ist sehr dicht, sprachgewandt, intensiv, eindringlich, detailreich und doch nie ausschweifend. 
    Geschrieben ist das Ganze aus der Sicht des allwissenden Erzählers und doch hatte ich teilweise den Eindruck, als würde ich in der ICH- Perspektive der verschiedenen Charakteren lesen.
    Dieses Gefühl verursachte bei mir manchmal eine leichte Verwirrung beim Lesen....;)


    Die einzelnen Personen wurden wirklich gut ausgearbeitet und obwohl uns die Autorin nicht alles erzählt ;) erfahren wir doch so Einiges. Ich jedenfalls fand die Art und Weise wie sie uns die Charaktere mit ihren ganzen Gedanken und Emotionen näher bringt einfach grandios. Vor allem fühlte ich irgendwie mit Allen mit, auch wenn ich natürlich nicht mit allen Verhaltensweisen oder Handlungen einverstanden war.


    Die Geschichte selbst empfand ich als wahnsinnig einvernehmend, beklemmend, fesselnd und atmosphärisch. Ich durchlebte jenste Gefühle wie Trauer, Wut, Entsetzen, wollte die Charaktere schütteln, anschreien oder einfach nur umarmen.
    Das Buch hat mich berührt und sehr zum nachdenken angeregt und ich bin froh dass ich es gelesen habe.


    Ein eindrückliches, faszinierendes, aufrüttelndes Familien- Drama mit einem spannenden Thriller- Touch


    4,5 Sterne   

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    FrauSchafskivor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachlich facettenreich, bleibt der Leser dennoch auf Distanz zu den Figuren
    Wenn Eltern ihre Träume auf die eigenen Kinder projizieren ...

    Dieses Buch stellt den amerikanischen Traum auf den Kopf: Du kannst versuchen, alles zu werden, aber du wirst daran scheitern. Das Scheitern ist der zentrale Begriff im Leben der Familie Lee - auch wenn sie das nicht wissen. Der Tod der ältesten Tochter Lydia konfrontiert sie mit der großen Frage nach dem Warum. Und so wird einerseits in Rückblicken, andererseits in der Gegenwart nach Gründen gesucht. Gründe, die zum Teil außerhalb der Familie zu suchen sind, Gründe, die, wie sich herausstellt, vor allem innerhalb der Familie liegen. Gründe, die aus den besten Absichten heraus erwachsen, nämlich der Überzeugung, nur das Beste für die eigene Familie zu wollen. Daraus entsteht eine Verbissenheit, die letztlich alle in die Katastrophe treibt.

     

    Sprachlich konnte mich das durchaus überzeugen. Mit viel Feingefühl und ohne Opulenz oder Übertreibung seziert die Autorin die Gedanken, Hoffnungen und Träume der einzelnen Familienmitglieder und verwebt alles zu einem dichten Teppich aus Faktoren, die letztlich alle ihren Anteil an Lydias Tod haben. Dennoch bleibt der Leser auf Distanz, beobachtet von außen das Verhalten der Figuren. Auch wenn diese neutrale Position sinnvoll ist, hat sie auch dazu geführt, dass ich nur bedingt in die Handlung rein kam und eine Beziehung zu den Figuren aufbauen konnte.

     

    Fazit: Den überschwänglichen Lobreden auf das Buch kann ich mich leider nicht anschließen. Sprachlich ist es wirklich gut umgesetzt. Jedoch wirken die Figuren für mich, als würden sie auf einer Blaupause der Realität hin und her geschoben, dazu verdammt, an den eigenen Wünschen zu scheitern. Immerhin möchte ich 3,5 verdiente Sterne vergeben, weil die Autorin noch jede Menge Luft nach oben hat.

     

    Kommentare: 2
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    miahs avatar
    miahvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr berührende Familiengeschichte, die einem vor Augen führt, wie wichtig es ist, miteinander zu reden und einander zuzuhören.
    Was ich euch nicht erzählte

    Inhalt:

    Ein Mädchen erscheint nicht zum Frühstück und wird am nächsten Tag tot aufgefunden. Die Mutter will es nicht glauben und geht auf Spurensuche. Der Vater verzweifelt und erträgt es nicht mehr, zuhause zu sein. Der ältere Bruder gibt dem Nachbarsjungen die Schuld. Nur die kleine Schwester ahnt, dass Lydia Probleme hatte.

     

    Meine Meinung:

    Das Buch ist kein Krimi, in dem es um die Ermittlungen der Polizei geht. Viel mehr steht die Familie des toten Mädchens im Vordergrund. Es geht darum, wie sie mit dem Verlust umgehen und wie ihre Vergangenheit sie beeinflusst hat. In wechselnden Perspektiven erfährt der Leser all die unausgesprochenen Dinge, die die Protagonisten täglich beschäftigen und die ihr Handeln bestimmen und sie zu den Menschen werden ließen, die sie jetzt sind.

    Die Sichtweise wechselt immer mitten im Kapitel. Von einem Absatz zum nächsten geht es um eine andere Person. Diese Vorgehensweise machte es mir am Anfang schwer, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. So erfährt der Leser, was in allen Mitgliedern der Familie vor sich geht und lernt ihre Gefühle und Gedanken kennen. Das meiste davon bleibt ungesagt, sodass der Leser am Ende die einzige Person ist, die alles weiß, sogar, was in jener Nacht wirklich geschah.

    Die Geschichte bleibt nicht im Hier und Jetzt, sondern zeigt vor allem die Vergangenheit auf. So erfährt man die Hintergründe und Lebensgeschichte der Familie und versteht ihr Handeln umso besser. Die ganze Zeit ist die Stimmung aber eher traurig und aufwühlend.

    Die Charaktere sind alle gut gezeichnet. Man kann sich mit ihnen identifizieren, denn ihre Fehler machen sie menschlich. Auch wenn es viele Situationen gab, in denen ich die Protagonisten gerne einfach mal wachgerüttelt hätte, war ihr Verhalten immer nachvollziehbar. Ihre Beweggründe erfuhr meistens allerdings nur der Leser.

    Der Vater James hatte es nie leicht im Leben. Als Sohn chinesischer Einwanderer war er schon immer ein Außenseiter, weil er auffiel. Bereits in der Schule wird er für sein Aussehen gemobbt. Das ändert sich auch später nicht. Die Blicke und dummen Sprüche der Menschen auf der Straße wird er immer über sich ergehen lassen müssen. Auch seine Heirat mit einer Amerikanerin erregt Aufsehen. Ihre Kinder haben es ebenfalls nicht leicht. Immerhin müssen sie mit den gleichen Anfeindungen zurechtkommen. James will nur, dass es seine Kinder mal besser haben und versucht sein Bestes, damit sie Freunde finden und gemocht werden. Damit schießt er nur leider häufig übers Ziel hinaus, obwohl er es nur gut meint.

    Die Mutter Marylin ist klug und ehrgeizig. Sie wollte unbedingt Ärztin werden und setzt sich in dem männerdominierenden Studienfach durch. Auch sie hat es nicht leicht. Häufig ist sie die einzige Frau und muss die dummen Sprüche ihrer Kommilitonen und Dozenten weglächeln. Ihre Mutter wünscht sich allerdings nur eins für sie: Heirat und Kinder. Als Marylin noch vor ihrem Abschluss schwanger wird, muss sie ihr Studium abbrechen. Sie kümmert sich fortan um den Haushalt und gibt für ihre Kinder ihren Traum, Ärztin zu werden, auf. Allerdings bereut sie dies ihr Leben lang. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter Lydia es mal besser haben wird und fordert und fördert sie jeden Tag. Auch sie schießt übers Ziel hinaus, denn Lydia leidet sehr unter dem Druck. Aber auch sie meint es eigentlich nur gut.

    Lydias älterer Bruder Nath ist ebenfalls sehr klug. Nach der Schule will er nach Harvard. Doch das scheint in seiner Familie niemanden so wirklich zu interessieren, weil sich alles um die Lieblingstochter Lydia dreht. Nath fühlt sich vernachlässigt. Das Verhältnis zu seiner Schwester war eigentlich immer sehr innig. Denn nur mit ihm redet sie offen. Mit seinem Entschluss, nach Harvard zu gehen, löst er bei Lydia allerdings Ängste aus. Sie will nicht, dass er geht. Sie beginnt, sich häufig mit dem von Nath gehassten Nachbarsjungen zu treffen. Für Nath ist nach Lydias Tod klar, dass er etwas damit zu tun haben muss.

    Die jüngste Tochter Hannah fällt eigentlich nie auf. Sie ist sehr still und wird noch weniger beachtet als Nath. Allerdings fallen ihr viele Dinge auf, sodass sie die einzige ist, die ahnt, wie sehr Lydia wirklich leidet. Ihre Menschenkenntnis ist sehr gut, da sie schon ihr Leben lang alles beobachtet und eigene Schlüsse daraus zieht. Ich fand es sehr traurig zu sehen, wie sehr auch sie leidet, da sie für ihre Eltern manchmal fast unsichtbar zu sein scheint. Dabei hätte auch sie die Aufmerksamkeit verdient.

    Die ganze Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, denn besonders das Ungesagte kann manchmal so viel anrichten.

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    Fourlyns avatar
    Fourlynvor einem Jahr
    Oder "Was ich euch hätte erzählen sollen"

    Puh. Ich habe dieses Buch aufgrund einer Empfehlung gelesen und habe anfangs schwer in die Geschichte gefunden. Gerade der Charakterwechsel war anfangs, wenn man die ganzen Leute noch nicht so gut kennt, etwas schwierig.
    Ansonsten ist dieses Buch ein gelungenes Beispiel dafür, welche vielen Kleinigkeiten und Lebenslinien zu etwas wie den Suizid eines Menschen führen können. 
    Es wird beeindruckend beschrieben, wie ihre Eltern auch Menschen sind, welche hilflos ihre Fehler machen und trotzdem versuchen keinen Fehler zu begehen. 

    Mitgenommen hat mich die kleine Hannah, die oft übersehen wurde. Mitgenommen hat mich, wie Marylin aufgrund ihrer eigenen Träume die Wünsche von Lydia so enorm übersehen hat,

    Und dann denkt man als Mutter nach, welche Facetten man selbst so an sich finden kann. Und dass man wohl häufiger mal über Bedenken, Wünsche und Fehler sprechen sollte.

    Vier Sterne! 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    LaMargaritas avatar

    Die verheerenden Folgen des Schweigens

    Lydia ist der Sonnenschein der Familie, die Lieblingstochter der Eltern, die all die zerplatzen Jugendträume der beiden für sich erfüllen wird ... doch dann wird sie tot aufgefunden und die Familie stürzt ins Chaos. Celeste Ng schafft mit „Was ich euch nicht erzählte“ eine Mischung aus einem packenden Spannungsroman, den man nicht mehr zur Seite legen kann, und einer berührenden Familiengeschichte, die tief unter die Haut geht.

    Mehr zum Inhalt:
    "Lydia ist tot." Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord? Die Lieblingstochter von James und Marilyn Leewar ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass der gutaussehende Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat

    Hier findet ihr die Leseprobe und weiteres Zusatzmaterial zum Buch

    Die Autorin
    Aufgewachsen ist Celeste Ng (sprich: "Ing") in Pittsburgh, Pennsylvania und Shaker Heights, Ohio, inmitten einer Familie von Wissenschaftlern - sich selbst bezeichnet die Autorin daher gerne auch als "Wissenschaftsnerd". Sie hat in Harvard und an der University of Michigan studiert, wo sie ihren Masterabschluss erwarb. Ihre Essays und fiktionalen Texte wurden in diversen Magazinen veröffentlicht und mehrfach prämiert. Ihr erster Roman "Was ich euch nicht erzählte" erscheint in Deutschland im Mai 2016 und wurde neben Deutsch auch in 19 weitere Sprachen übersetzt. Eine Verfilmung ist bereits geplant. Celeste Ng lebt aktuell in Cambridge, Massachusetts.

    Als besondere Überraschung hat die Autorin noch ein kurzes Grußvideo für euch gemacht:
    ###YOUTUBE-ID=d0QmJ0hIi90###

    Gemeinsam mit dem dtv Verlag verlosen wir 25 Exemplare an nervenstarke Testleser, die bereit sind zu erfahren, was mit Lydia wirklich passiert ist und sich in unserer Leserunde mit anderen darüber austauschen wollen. Bewerbt euch einfach über den „Jetzt bewerben“- Button* und beantwortet bis zum 05.06. in eurer Bewerbung folgende Frage:

    Dieses Buch weist auf, wie wichtig es in einer Familie ist miteinander zu reden und den anderen zuzuhören. Was sind eurer Meinung nach weitere wichtige Grundsätze für eine glückliche Familie?

    Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten!

    Viel Glück!

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