Cesar Millan Tipps vom Hundeflüsterer

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Inhaltsangabe zu „Tipps vom Hundeflüsterer“ von Cesar Millan

Der Nr.-1-Bestseller aus den USA „Hundeflüsterer“ Cesar Millan ist der Experte für Hundeerziehung und Hunderehabilitation in den Vereinigten Staaten. In der US-Fernsehsendung „Dog Whisperer“ demonstriert er sein Talent im Umgang mit verhaltensauffälligen Tieren sowie seine Methode zu deren Rehabilitation. Es gibt unzählige Bücher über den Hund. Cesar Millans Weg zur Hundehaltung ist anders. Er besticht durch sein tiefes Verständnis des Hunde-Wesens und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für eine rundum erfreuliche Beziehung zwischen Mensch und „seinem besten Freund“. Millan macht seine Beobachtungen an drei Essentials fest: Bewegung, Disziplin und Zuneigung. Er bringt auf den Punkt: Was brauchen Hunde? Wie verhält man sich ihnen gegenüber? und was erwarten sie von ihrem Herren? Eine geniale Synthese aus Verhaltensforschung à la Konrad Lorenz mit ebenso einfachen wie effektiven Tipps für den täglichen Umgang. Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, einen Hund anzuschaffen, ist dieses Buch für Sie. Und ebenso, wenn Sie Ihren Hund über die Maßen lieben, ihm aber gewisse Unarten nicht abgewöhnen können. Denn der „Hundeflüsterer“ zeigt Ihnen, was im Kopf eines Hundes vor sich geht und wie Sie eine gute, erfüllte Beziehung erreichen.

Cesar Millan bringt Hundeerziehung auf den Punkt! Er zeigt uns, wie wir MIT der Natur arbeiten und was WIRKLICH wichtig ist.

— Morena92
Morena92

Ein sehr interessantes Buch mit guten Einblicken in die Psychologie des Hundes! Kein Anleitungsbuch aber sehr bereichernd!

— MissRichardParker
MissRichardParker

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  • Ein abschreckendes Beispiel - der "Hundeflüsterer"

    Tipps vom Hundeflüsterer
    WildRose

    WildRose

    12. July 2016 um 19:15

    Ich habe versucht, „Tipps vom Hundeflüsterer“ so vorurteilsfrei und unvoreingenommen wie nur möglich zu lesen. Dies ist natürlich nicht einfach, ist Millan doch der wohl umstrittenste und kommerziell erfolgreichste „Hundetrainer“ der Welt. Die Lektüre seines Buches hat mich aber davon überzeugt, dass Herr Millan von Hunden ebenso wenig versteht wie ein durchschnittlicher Dreijähriger von Quantenphysik. Warum ist das so? Nun, zunächst einmal basiert Millans Hundeverständnis auf der sogenannten „Dominanztheorie“. Diese geht davon aus, dass Hunde im Zusammenleben mit dem Menschen ständig die Rangordnung hinterfragen und die Position des „Alphatiers“ oder „Rudelführers“ übernehmen wollen, sodass man ihnen andauernd zeigen muss, dass sie nicht der Boss sind. Entwickelt wurde diese Theorie, um Beziehungen zwischen Mitgliedern organisierter Tiergesellschaften erklären zu können. 1802 wurden bei Hummeln Rangordnungen entdeckt, auf Wirbeltiere angewendet wurde das Modell 1922. Schjelderupp-Ebbes beschrieb in seiner Arbeit das Sozialverhalten von Hühnern, die einfache, lineare Hierarchien für den Sozialstatus haben. Auf Hunde übertragen, kommt es bei der Dominanztheorie aber zu zahlreichen Problemen. Zunächst einmal wurde die Dominanztheorie quasi „eins zu eins“ auf das Hund-Mensch-Verhältnis übertragen. Hund und Menschen gehören aber nicht derselben Spezies an, sodass ernst zu nehmende Verhaltensforscher wie Patricia B. McConnell inzwischen überzeugt davon sind, dass Hund und Mensch gar kein „Rudel“ bilden können. Selbst zusammenlebende Hunde bilden strenggenommen kein Rudel, da es sich bei einem Rudel immer um miteinander verwandte Tiere handelt.   Darüber hinaus gibt es keine einzige wissenschaftliche Studie, welche die Richtigkeit der Dominanztheorie in der Mensch-Hund-Beziehung belegt. Zudem weiß man heute, dass „Dominanz“ ein äußerst missverstandenes Konzept ist: Tatsächlich gibt es nämlich „den“ dominanten Hund nicht, jeder Hund kann in bestimmten Situationen „dominant“ auftreten, in anderen wiederum vermeidend und unsicher. Menschen glauben überdies oft, „Dominanz“ sei mit „Aggression“ gleichzusetzen, was einfach nicht der Wahrheit entspricht. Oftmals beruft sich Millan in seinem Werk auf „Energien“. Seiner Meinung nach muss man als Mensch einfach nur die richtige „ruhige und bestimmte Energie“ ausstrahlen. Gleichzeitig vertritt er die wissenschaftlich nirgendwo belegte Ansicht, es gebe Hunde unterschiedlichen „Energieniveaus“, wobei er diesen Begriff nie wirklich definiert. Mal scheint er ihn ein hohes Energielevel synonym mit „Dominanz“ zu verwenden, mal einfach einen sehr aktiven, lebhaften Hund damit zu meinen. Dieses Konzept ist aber ohnehin zu vernachlässigen, da es wohl nur spirituell angehauchte Menschen anspricht. Interessant ist auch, dass Millan sehr oft von Vermenschlichung spricht. Er ist der Meinung, viele Hundebesitzer würden ihren Hund vermenschlichen, was zu Problemverhalten führen könne. Gleichzeitig vermenschlicht er Hunde aber auch, wenn er ihnen unterstellt, sie seien stets darauf aus, ihren Rang und ihren Status innerhalb des „Rudels“ (das es so ja gar nicht gibt!) zu verbessern. Dabei sind eher wir Menschen diejenigen, die äußerst rang- und statusbewusst sind und in deren Gesellschaft Ansehen und Macht eine große Rolle spielen.     In seinem Buch finden sich sehr viele fragwürdige, widersprüchliche oder schlichtweg faktisch falsche Aussagen. Von diesen möchte ich nun auf einige eingehen: Bereits auf Seite 18 verwendet Millan den Begriff des „Rudels“, und zwar auf eine missverständliche und inkorrekte Weise. Lange Zeit ging man davon aus, dass es im Wolfsrudel eine streng hierarchische Ordnung gibt und die sogenannten Alphatiere, also die Ranghöchsten im Rudel, jedes Fehlverhalten massiv bestrafen und eine Art „Tyrannenherrschaft“ führen. Tatsächlich stammt dieser Irrglaube aus Forschungen an gefangenen Wölfen, die in unnatürlichen Bedingungen leben mussten – nicht selten in viel zu beengten Verhältnissen, willkürlich mit fremden Artgenossen zusammengesteckt, und unter Futterknappheit leidend. Natürlich löste dies des öfteren als  „aggressiv“ interpretierte Verhaltensweisen aus. David Mech beobachtete und erforschte viele Jahre lang Wolfsrudel in freier Wildbahn und fand so heraus, dass diese stets aus Familienverbänden bestehen. Leitwolf und Leitwölfin sind keine strengen Autoritäten, sondern ganz im Gegenteil fürsorgliche Eltern. Vor allem die Jungtiere genießen erst einmal „Narrenfreiheit“, die Jungtiere werden also nicht streng gemaßregelt, sondern dürfen wild herumtoben, erwachsene Tiere um Futter anbetteln, und zu Zurechtweisungen kommt es äußerst selten. Interessanterweise beobachtete Mech innerhalb von 13 Jahren bei seinen Wolfsbeobachtungen auf Ellesmere Island keinerlei Dominanzstreitigkeiten mit anderen Wölfen!   Auf Seite 28 beschreibt Millan seinen Umgang mit Beauty, einer angstaggressiven Deutschen Schäferhin, die zurückweicht oder angreifen will, sobald sich ihr jemand nähert. Wörtlich schreibt er: „Wenn ich sie anleinen will, muss ich sie so lange hetzen, bis sie müde wird, und dann warten, bis sie aufgibt. Es kann sein, dass ich das tausendmal machen muss, bis ihr klar wird, dass es das Beste ist, wenn sie zu mir kommt, sobald ich die Hand nach ihr ausstrecke.“ Geht man so mit einem angstagressiven Hund um, gewinnt man so sein Vertrauen? Wer auch nur über ein Fitzelchen Einfühlungsvermögen besitzt, wird solche Praktiken hoffentlich ablehnen. Auf Seite 34 behauptet Millan, dass Hunde es vorziehen, in einem „Hunderudel“ zu leben als in einer menschlichen Familie. Allerdings gibt es Untersuchungen, die diese Ansicht widerlegen – tatsächlich scheinen Hunde die Gesellschaft von Menschen denen ihrer Artgenossen auf Dauer vorzuziehen! Auch bekommen die Hunde in Millans Dog Psychology Center angeblich 7 bis 8 Stunden Bewegung pro Tag. Wenn man bedenkt, dass das Ruhebedürfnis eines erwachsenen Hundes bei 18 bis 20 Stunden liegt und Hunde somit den Großteil des Tages verdösen (was auch bei Straßenhunden so ist), wird einem klar, dass Millan die Hunde körperlich ständig an ihre Grenzen bringt und diese nicht etwa ruhig und unterordnungsbereit, sondern einfach nur todmüde sein und unter chronischem Schlafmangel leiden müssen. Auf Seite 46 beschreibt Millan das Leben auf dem Land in Mexiko und meint: „Ich habe nie gesehen, dass eines der Tiere die Zähne gefletscht, meinen Großvater angeknurrt oder sich ihm gegenüber aggressiv verhalten hat.“ Gut, wenn ein Mensch sich einem Hund gegenüber immer korrekt verhält, sieht dieser vielleicht wirklich nie einen Anlass, zu knurren. Allerdings sind Knurren und Zähnefletschen normale Kommunikationsstrategien des Hundes, die erst mal nichts mit Aggression zu tun haben. Damit signalisiert der Hund einfach nur ein „Lass mich in Ruhe, du kommst mir zu nahe!“ oder „Das gefällt mir aber überhaupt nicht!“ Knurrt ein Hund seinen Besitzer an, ist er also sicherlich kein Problemhund, wie hier unterschwellig suggeriert wird – er kommuniziert einfach nur. Auch auf Seite 60 beschlich mich ein mulmiges Gefühl, denn hier schreibt Millan: „Auf der Farm kam ein dickes Stück Seil einer Leine am nächsten, das wir in der Art, wie es auf Hundeschauen üblcih ist, um den Hals besonders schwieriger Tiere legten, bis sie uns als Rudelführer anerkannten.“ Selbst wenn es so was wie einen Rudelführer in der Hund-Mensch-Beziehung gäbe, würde ein Hund diese Position gewiss nicht aufgeben, weil eine Leine an ihm hängt. Es ist wohl nicht völlig abwegig zu vermuten, dass die Leine missbraucht wurde, um die Hunde damit zu Gehorsam und Unterordnung zu zwingen, wie es leider auch heute noch oft geschieht, obwohl eine Leine stets nur der Sicherung des Hundes dienen soll. Auf Seite 74 gibt Millan an, den Schnauzgriff zu verwenden.  Der sogenannte „Schnauzgriff“ wird als Erziehungsmittel von manchen Trainern leider immer noch propagiert. Dabei handelt es sich um einen Griff von oben über die Schnauze mit mehr oder weniger starkem Druck gegen die Lefzen auf die darunter liegenden Zähne. Der Schnauzgriff wird damit gerechtfertigt, dass Mutterhündinnen ihre Welpen so maßregeln würden. Tatsächlich entspricht dies nicht der Wahrheit. Das „Über-den-Fang-Greifen“ kann zwar mal vorkommen, es handelt sich dabei aber nicht um ein brutales Erziehungsmittel, sondern um ein sanftes, nachdrückliches Stupsen, wenn ein Welpe besonders hartnäckig ist. Wir Menschen können diesen Schnauzgriff aber gar nicht richtig nachahmen. Durch diesen Griff verunsichern wir unseren Hund bloß und fügen ihm noch dazu Schmerzen zu. Auf Seite 104 befindet sich das Bild eines Schäferhundes, Bildunterschrift: „Aufmerksam und dominant.“ Nun deutet die Körpersprache des Hundes jedoch einzig auf Aufmerksamkeit hin – wie bitte soll ein „dominanter“ Hund denn aussehen? Selbst wenn Dominanz eine Charaktereigenschaft wäre, würde man diese einem Hund wohl kaum auf einem einzigen Foto ansehen können. Auf Seite 105 wird ein anderes Bild mit „Ruhige Unterordnung“ beschrieben, obwohl der Hund Stresssymptome zeigt und die Ohren angelegt hat. So sieht keine ruhige Unterordnung aus – vielmehr lässt das Buch an einen Hund denken, der beschwichtigt, unsicher ist und meidet. Auf Seite 107 schreibt Millan: „Wenn im Dog Psychology Center ein neuer Hund das Revier des Rudels betritt, gebietet es die Höflichkeit, dass er stillhält, wenn die Rudelmitglieder ankommen und ihn beschnuppern. Bleibt er ruhig stehen und wartet er, bis die anderen fertig sind, wird er leichter ins Rudel aufgenommen. Wenn er zurückweicht wird er von den anderen so lange gehetzt, bis sie genug gerochen haben.“ Konkret bedeutet das, dass Millan den Hund einfach in eine Horde fremder Artgenossen setzt und ihm keinerlei Schutz bietet. Der Hund wird somit einer massiven Stresssituation ausgebracht. Es gibt viele Hunde, die ungern von Artgenossen bedrängt werden, und es ist sicherlich nicht der richtige Weg, Artgenossen in „Tut-nix-Manier“ einfach auf diese zustürmen zu lassen. Millan unterstellt Hunden, die sich nicht beschnuppern lassen, keine Manieren zu haben – in Wahrheit haben aber jene distanzlosen, aufdringlichen Hunde keine Manieren, die jeden Hund unabhängig von dessen Körpersprache bedrängen. Auf Seite 143 berichtet Millan von einem Spaziergang mit einem Klienten-Hund, den er unternahm, damit der Hund ihn als „dominant“ anerkannte. Nun ist die Dominanztheorie höchst problematisch und ich bin mir sehr sicher, dass der Hund hauptsächlich deshalb folgte und sich benahm, da er verwirrt und eventuell überfordert mit der neuen Situation war. Auf Seite 158 vertritt Millan die Auffassung, dass es für einen Hund in einer Beziehung nur zwei Rollen gebe: die des Anführers oder die des Mitglieds. Wenn man bedenkt, dass wir kein Rudel mit Hunden bilden können, sondern in einem sozialen Gefüge mit ihnen zusammenleben, und es keinerlei Beweis dafür gibt, dass Hunde versuchen, ihre Halter zu „dominieren“, werden solche Aussagen sehr fragwürdig. Auf Seite 165 behauptet Millan, der Rudelführer gehe immer zuerst aus der Tür. Lustigerweise ist genau dies eine „Vermenschlichung“ des Hundes, die er selbst ablehnt. Wer zuerst durch die Tür geht, hat auf Hunde absolut keinen Effekt, obwohl es natürlich nützlich sein kann, zuerst aus der Tür zu gehen, wenn man, beispielsweise, einen Angsthund hat, oder an einer viel befahrenen Straße wohnt. Millan meint auch, beim Spaziergang müsse der Hund immer dem Besitzer laufen, ansonsten überlasse man ihm die Führung. Das ist natürlich Unsinn und eine weitere Vermenschlichung. Ein gut erzogener Hund gehorcht seinem Besitzer hoffentlich immer, nicht nur, wenn er hinter diesem laufen muss! Ich selbst möchte übrigens sogar, dass mein Hund vor mir läuft, da ich ihn so besser im Blickfeld habe und Situationen erfolgreicher managen kann. Auf Seite 172 widmet sich Millan der Therapie von Oprah Winfreys Hündin und schreibt: „Ich holte sie ins Rudel und korrigierte sie jedes Mal leicht mit der Leine, wenn ich sah, dass sie die Lefzen aus Angst oder Furcht zurückziehen wollte.“ Man kann einem Hund seine Angst nicht „wegkorrigieren“, schon gar nicht durch wiederholtes Rucken an der Leine! Ein Leinenruck schädigt das Vertrauen des Hundes in den Menschen und kann zu negativen Fehlverknüpfungen führen. Außerdem ist es gesundheitsschädigend, wenn man immer wieder völlig unvorbereitet am empfindlichen Hals plötzlich einen heftigen Ruck erhält – und Hundehälse sind empfindlich! Auf Seite 177 behauptet Millan, man könne erkennen, dass der Hund sich für den Ranghöchsten halte, wenn er z.B. nach einer Trennung am Besitzer hochspringt oder zuerst durch die Tür geht. Solche Ansichten sind allerdings längst überholt. Als hochsoziale Wesen ist es für Hunde völlig normal, ihren Sozialpartner nach einer Phase des Alleinbleibens zu begrüßen. Natürlich kann man ihnen abgewöhnen, an einem hochzuspringen – das hat aber nur etwas mit Erziehung zu tun, nichts mit einer ohnehin fiktiven Rangordnung. Auf Seite 192 wird es sehr skurril, als Millan „dominante“ Welpen beschreibt. Er behauptet, dass sich in einem Wurf ein Welpe als der dominanteste erweist und dann das Rudel führen wird. Das stimmt allerdings weder auf Hunde noch auf Wölfe bezogen. Wölfe leben im Familienverband, die Jungwölfe verlassen den Familienverband nach der Geschlechtsreife und gründen dann eigene Familien. Auf Seite 196 rät Millan davon ab, Zerrspiele mit dem Hund zu veranstalten und warnt insbesondere davor, den Hund gewinnen zu lassen. Dabei sind Zerrspiele eine gute Möglichkeit, die Bindung zum Hund zu vertiefen. Außerdem handelt es sich hier um eine Spielsituation, der Hund denkt sich sicher nicht, wenn man ihm das Tau überlässt: „Ich hab’s doch gewusst, ich bin der Rudelführer!“ Moderne Hundetrainer raten heutzutage nur dann von Zerrspielen ab, wenn der Hund sehr ressourcenorienfixiert ist. Seite 203 beweist, dass Bilder mehr sagen als tausend Worte. Sie zeigen eine angeleinte Hündin Millans – auffallend ist sofort, dass das Halsband sehr hoch oben am Hals sitzt und sehr eng anliegt. Dies ist nicht tierschutzkonform und schon ein leichter Ruck an der Leine wird für den Hund so höchst unangenehm, ja schmerzhaft. Man wage den Selbstversuch… Auf Seite 208 empfiehlt Millan den Hund aufs Laufband zustellen, sollte für Spaziergänge keine Zeit vorhanden sein. Die Amerikaner mögen noch so lauffaul oder bequem sein – ein kompetenter Hundetrainer wird NIEMALS empfehlen, einen Hund aufs Laufband zu stellen, da dies nichts anderes ist als purer Zwang und Stress für das Tier. Würde Millan das Wohlergehen der Tiere wirklich am Herzen liegen, sollte er faulen Haltern raten, ihr Tier besser in sachkundigere Hände abzugeben. Richtig grotesk wird es auf Seite 273: „Für das Tiere sind die ersten beiden Wochen auf diesem Gerät eine geistige Herausforderung, weil sich der Boden bewegt und sein Instinkt ihn in diesem Fall dazu auffordert davonzulaufen!“ Alles klar – ich setze meinem Hund also einer Todesangst aus, weil ich den Hintern nicht von der Couch hochkriege und bekomme dafür sogar noch den Segen eines Hundeflüsterers, der meint, früher oder später würde der Hund sich schon aufs Laufband fixieren und es unbedingt nutzen wollen. Selbst wenn dem so ist – kurz zuvor warnt Millan selbst davor, dass es gefährlich sein kann, wenn Hunde sich zu stark auf ein Objekt fixieren. Ja, was denn nun? Auf Seite 218 erläutert Millan den Fall von Brooks, einem Hund, der sich sehr stark auf den Laserpointer fixierte. Seine Beschreibung der Situation liest sich sehr merkwürdig: „Brooks liebte dieses Spiel, denn endlich konnte auch er einmal etwas jagen. Zur Abwechslung lief etwas vor ihm davon! Er fühlte sich ein wenig dominanter, konnte sich besser leiden und die ganze Energie, die in seinen Unsicherheiten gespeichert war, bei der Jagd nach dem Licht loswerden.“ Die Wahrheit ist, dass viele Hunde einfach sehr stark auf Bewegungsreize reagieren und dass nichts mit einem „Dominanzgefühl“ zu tun hat, sondern in der Natur des Hundes liegt. Genau deshalb raten Hundeexperten ja auch vom ständigen Ballwerfen ab. Für den Hund bedeutet dies letztlich nämlich nichts anderes als Stress! Auf Seite 242 beschreibt Millan einen Fall und gibt an, den Hund gewaltsam auf die Seite gelegt zu haben, damit er sich einem Artgenossen unterordnete. Tatsächlich weiß man aber heute, dass dieses Verhalten unter Wölfen und Hunden nicht vorkommt. Einzig die passive Unterwerfung wurde beobachtet. Hier dreht sich ein Hund freiwillig auf dem Rücken, präsentiert seinen Bauch und verharrt reglos. Dieses Verhalten erfolgt niemals aus Zwang. Wenn doch, dann nur und ausschließlich mit der Absicht zu töten.Wer seinen Hund also mittels des „Alphawurfs“ diszipliniert, signalisiert ihm damit nichts anderes als „“Ich will Dich töten!“. Langfristig gesehen schädigt dieses Erziehungsmittel das Vertrauen des Hundes und verunsichert ihn zutiefst. Auf Seite 265 sind Bilder zu sehen, wie man eine Leine angeblich richtig anlegt – nämlich so, dass der Hund bei einem „Leinenimpuls“ möglichst starke Schmerzen empfindet! Das verschweigt Herr Millan natürlich, denn für ihn ist der Leinenruck ja ein legitimes Erziehungsmittel. Warum braucht er solche Folterwerkzeuge eigentlich, wo er doch angeblich so viel ruhige und bestimmte Alpha-Energie ausstrahlt? Auf Siete 280 verteidigt Millan seine Techniken mit der Behauptung: „In der freien Natur korrigieren Hunde einander pausenlos.“ Nein, das stimmt nicht! Es kommt sehr selten zu Korrekturen, und wenn, dann fallen diese viel nunancierter aus als Millans Korrekturen – und noch dazu erfolgen sie oft ganz ohne Körperkontakt, einfach körpersprachlich! Da Millan Hunde an der Leine ruckt, tritt und gewaltsam am Boden fixiert, kann hier von „nuanciert“ und „körpersprachlich“ jedoch keine Rede sein! Auf Seite 282 beweist Millan, dass er die positive Verstärkung nicht verstanden hat, denn er setzt sie wohl damit gleich, einfach mit Leckerlis zu werfen. Was für ein Unsinn! Das Training mit positiver Verstärkung ist viel vielschichtiger, abwechslungsreicher und beruht vor allem auf lerntheoretischen Erkenntnissen anerkannter Wissenschaftler. Heutzutage weiß jeder mit einem Hauch von lerntheoretischem Wissen, dass Belohnung effektiver und nachhaltiger wirkt als Bestrafung. Tatsächlich ist „richtiges Strafen“ eine solche Kunst, dass sie kaum jemand richtig hinbekommt – dies kann man übrigens auch in Millans Sendung immer wieder beobachten, wenn er seine Korrekturen im falschen Moment anwendet. Übrigens kenne ich Hundehalter und Trainer, die auch mit sehr schwierigen Hunden (z.B. mit solchen, die ernsthafte Beschädigungs- oder Tötungsabsichten hatten) über positive Verstärkung Trainingserfolge erzielten. Wenn Millan meint, in solchen Fällen funktioniere das nicht, spricht das nicht gegen die positive Verstärkung, sondern gegen Milalns Fähigkeiten als Hundetrainer… Auf Seite 317 gibt Millan den fast schon fahrlässigen Tipp: „Noch wichtiger ist, ihn darauf zu konditionieren, dass er das Baby als weiteren Rudelführer respektiert.“ Mal abgesehen von der haltlosen Rudelführer-Theorie: Ein Baby ist ein Baby, kein ausgewachsener Mensch, und das wissen Hunde nach heutigem Stand der Forschung sehr wohl. Wie soll ein Baby bitte einem Hund „Rudelführer“ sein?? Auf Seite 329 gibt Millan den Tipp, einen ängstlichen Hund im Hundepark sich selbst zu überlassen: „Lassen Sie nicht zu, dass er sich hinter Ihnen versteckt oder zwischen Ihren Beinen kauert.“ Heute sagt jeder Trainer mit fundierter wissenschaftlicher Ausbildung, dass man Angst nicht verstärken kann, indem man einem Hund Schutz bietet. Im Gegenteil, der Hund lernt so, dass er sich auf den Sozialpartner Mensch verlassen kann und Situationen nicht alleine regeln muss, was für ein friedliches Zusammenleben essentiell ist. Sucht ein Hund Schutz bei seinem Menschen, ist dies ein Vertrauensbeweis, den man nicht ignorieren sollte. Die Devise lautet, den Hund aus einer Situation rauszunehmen, wenn diese ihn überfordert oder ängstigt. Auch die Tipps zur Zusammenführung mit Artgenossen (Seite 339) sind ein Witz: Millan beschreibt eine Zweithundadoption, bei der er eine Klientin unterstützte. Dem Ersthund wurde erlaubt, die neue Hündin zu besteigen, um „seine Dominanz zu demonstrieren.“ Wieder einmal wird ein Hund von Millan schändlich im Stich gelassen. Besteigen ist zu unterbinden, sofern es ja nicht einmal ein Zeichen für Dominanz sein muss. Wurde dem Ersthund seine neue Gefährtin einfach vor die Pfoten gesetzt, war er vermutlich so gestresst, dass sein Besteigen eher Übersprungshandlung war. Millan wies die Kundin auch an, den Zweithund zwei Wochen lang nicht zu streicheln, damit ihm die Rangordnung klar wird. Nun sind die Hunde aber nicht miteinander verwandt, und eine feste Rangordnung gibt es bei kaum irgendwelchen zusammenlebenden Hunden. Das können Dutzende Mehrhundehalter aus eigener Erfahrung berichten.   Fazit: Herr Millan mag vieles sein – ein genialer Geschäftsmann, ein begnadeter Selbstvermarkter, auf seine eigene verquere Denkweise sogar ein Hundeliebhaber – aber er ist kein Hundeflüsterer. Sein Wissen ist veraltet und besteht keine einzige wissenschaftliche Prüfung. Er hat sich seine eigene löchrige Theorie zusammengereimt, die auf pseudowissenschaftlichen Grundlagen basiert. Hunde, die ihm gehorchen, tun dies nicht aus Respekt, sondern da sie Angst vor ihm haben oder ins Meideverhalten gehen, was man in seiner Fernsehsendung anhand der Körpersprache der Tiere leicht erkennen kann. Es gibt keine unabhängigen Berichte, wonach seine Trainingsmethoden langfristig effektiv sind. Ernst zu nehmende Hundeexperten, die eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung haben, Verhaltensbiologen und sogar Tierärzte raten von seinen Methoden ab, da diese auf Zwang, Strafe und Druck beruhen und im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädigend sind. Millan rechtfertigt seine Taten oft damit, die „Problemfälle“ zu rehabilitieren, an die sich sonst keiner rantraut – doch die Hunde in seiner Show sind sehr selten echte Härtefälle. Zudem gibt es zahlreiche Trainer, die selbst mit Hunden, die ernsthafte Beschädigungs- oder Tötungsabsichten haben, über positive Verstärkung Erfolge erzielen. Gewalt ist nie eine Lösung.

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  • Sehr hilfreiche Einblicke in das Wesen des Hundes

    Tipps vom Hundeflüsterer
    MissRichardParker

    MissRichardParker

    Wer bei diesem Buch klare Anleitungen für Kommandos oder ähnliches erwartet, liegt falsch. Dafür lernt man hier sehr viel wichtigeres. Nämlich wie ein Hund tickt, denkt, und was er braucht.  Wir vermenschlichen Hunde viel zu sehr und stören dadruch seine Ausgeglichenheit und Psyche. Cesar Millan schreibt flüssig, interessant und leicht verständlich.  Ich konnte aus diesem Buch sehr sehr viel lernen und anwenden. Vor allem was die Energie ausmacht die man ausstrahlt und die "Glücksformel" was ein Hund wirklich braucht. Ein wirklich bereicherndes Buch.

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    MissRichardParker

    MissRichardParker

    16. December 2014 um 11:02
  • Hat mir sehr geholfen!

    Tipps vom Hundeflüsterer
    Morena92

    Morena92

    30. October 2014 um 23:51

    Cesar Millan erklärt in seinem Buch eine neue Sichtweise auf die Bedürfnisse eines Hundes. Alles ist sehr verständlich und ich persönlich hatte viele "Aha"-Momente.  Mein Hund war als Welpe nicht gerade der ruhigste & friedlichste. Ich hatte vieles versucht (z.B. die positive Verstärkung). Nur mein Kleiner liess sich nicht so einfach beeinflussen oder bestechen. :-)  Seit ich verstanden habe was er wirklich braucht, ist er viel ausgeglichener und glücklich! Cesar wird oft kritisiert wegen seiner Methoden aber wenn man sich mal damit befasst sieht man, wie viel Wahres hinter dem steckt, was er sagt... Ich finde, bei der ganzen Kritik sollte man trotz allem beachten wie viele Hunde er gerettet hat. 

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  • Rezension zu "Tipps vom Hundeflüsterer" von Cesar Millan

    Tipps vom Hundeflüsterer
    bücherelfe

    bücherelfe

    Auf dieses Buch bin ich durch die TV-Show „der Hundeflüsterer“ gestossen. Es ist faszinierend, mit welchen Methoden Cesar Millan innert kürzester Zeit aus den wildesten Hunden gehorsame Lämmchen macht und welche Tipps er Hundebesitzern gibt, die bislang von ihren Hunden spazieren geführt werden. Nach der Lektüre dieses unterhaltsamen Werks könnte ich einen kampflustigen irischen Wolfshund bändigen. Auch eine deutsche Dogge, die bisher Chihuahuas zum Frühstück frass, könnte ich ernährungstechnisch umpolen. Einem englischen Mastiff den Sheriffstern abnehmen, wäre auch keine grosse Sache. Theoretisch natürlich. Praktisch müsste ich wohl den Hundeflüsterer einfliegen lassen... Fazit: Unterhaltsamer Mix aus Biografie und Ratgeber

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  • Rezension zu "Tipps vom Hundeflüsterer" von Cesar Millan

    Tipps vom Hundeflüsterer
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. June 2012 um 23:33

    Das wohl schlechteste Werk von Millan, nix neues und für mich ärgerlich- eher eine Biographie mit gnadenlos überzogener Selbstdarstellung seitens Millan.

  • Rezension zu "Tipps vom Hundeflüsterer" von Cesar Millan

    Tipps vom Hundeflüsterer
    Benita Castillo

    Benita Castillo

    15. April 2010 um 11:02

    Es gibt zahlreiche Bücher über Hundeerziehung, Hundespiele, Hundetricks, etc. Aber die wenigsten Bücher handeln von dem wichtigsten Thema - eine gelungene Beziehung zwischen Mensch und Hund. In dem Buch geht es nicht darum seinen Hund zum absoluten Gehorsam zu drillen, sondern auf die Bedürfnisse (s)eines Hunde einzugehen und den Hund als Tier zu verstehen. Viele Hunde werden heutzutage von ihren Haltern vermenschlicht. Der Autor Cesar Millan erzählt in seinem Buch von der Erfülllung seines Traums zum Hundepsychologen. Es ist ein lehrreiches Buch auch für Nicht-Hundebesitzer.

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