Chad Harbach

 4.4 Sterne bei 78 Bewertungen
Autor von Die Kunst des Feldspiels, The Art of Fielding und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Chad Harbach

Die Kunst des Feldspiels

Die Kunst des Feldspiels

 (72)
Erschienen am 17.08.2016
The Art of Fielding

The Art of Fielding

 (6)
Erschienen am 22.11.2012
The Art of Fielding

The Art of Fielding

 (0)
Erschienen am 06.12.2011

Neue Rezensionen zu Chad Harbach

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schokoloko29s avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Baseball
schokoloko29vor 3 Jahren

Henry Skrimshander ist ein junger Mann, der begnadet Baseball spielt. Er wird in seinem Dorf entdeckt und darf im Westish University Baseball spielen. Je mehr Menschen sein Talent entdecken, desto mehr hat er Angst zu versagen. Als dann auch die Talentscouts zu den Spielen kommen ist seine Unbefangenheit dahin. Er macht Fehler, spielt den Ball nicht ab und setzt sich immer mehr unter Druck. Er trainiert noch mehr und bestraft sich mit wenig essen etc. Am Ende kann er gar nicht mehr mit seiner Mannschaft auf den Platz gehen.
Auf der anderen Seite geht es auch um seine Teamkollegen, dem Chef der Uni und seiner Tochter und den Unialltag.


Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es geht im Endeffekt um den Aufstieg und Fall von Henry und wie sein soziales Umfeld damit umgeht. Es ist leicht geschrieben und mir sind die Figuren sehr ans Herz gewachsen. Und obwohl ich mich nicht mit Baseball auskenne sind diese Passagen sehr spannend geschrieben. Es war für mich nicht langweilig.

Fazit:
Ein sehr gutes Buch, was ich jedem empfehlen kann zu lesen.

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ralluss avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Kunst des Lebens
rallusvor 5 Jahren

"3. Es gibt drei Stadien. Gedankenloses Sein. Denken. Gedankenloses Sein.
33. Verwechsle nicht das erste und das dritte Stadium. Das gedankenlose Sein kann jeder erreichen, die Rückkehr zum gedankenlosen Sein nur sehr wenige."

Henry Skrimshander ist Shortstop beim Westish-College in der Baseballmannschaft.
Seit Monaten hat er die Kunst des gedankenloses Sein, die höchste dritte Stufe die im Buch "Die Kunst des Feldspiels" (Das Buch im Buch) seines Idols Aparicio Rodriguez geschildert wird, erreicht.
Er kratzt sogar an dem Rekord der längsten fehlerlosen Spiele.


Um Henry, als Auge im Sturm, versammelt Chad Harbach mehrere Figuren die um ihn, mit ihm kreisen, alle im College in der Kleinstadt in Wisconsin.


Mike Schwartz, vom Leben gebeutelt, schon mit 14 von seinen Eltern alleingelassen, ist der 'Entdecker' von Henry und treibt ihn in unermüdlichen Trainingsstunden an, sein aktives Spiel zu verbessern.
Sein Schulleben vor dem College war nicht einfach, doch er hat sich durchgebissen:
"- gesetztes Ziel der Einrichtung war es, soweit Schwartz das sehen konnte, dreitausend potentielle Irre so lange mit Langeweile zu sedieren, bis eine Abfolge von Geburtstagen sie in Erwachsene verwandelt hatte."
Trotzdem sieht er einen Sinn, ja ist es sein Lebensinhalt, der Kapitän der Baseball- UND Footballmannschaft im College zu sein.
Das Sportlerleben fordert seinen Preis, seine Knie knacken und krachen, die Schmerzen werden mit Tabletten und weiterem Training verdrängt.


Pella Affenlight, die Tochter des Universitätsprofessor, flieht in jungen Jahren in eine Heirat mit einem älteren Mann, von der sie ausgebrannt und depressiv nach Westish zurückkehrt:
"Sie war so schnell vorgeprescht, dass es sie aus der Kurve getragen hatte und sie nun weit hinter den anderen zurücklag. (...) Das echte Leben hatte sie eingeholt und war an ihr vorbeigezogen."


Ihr Vater - Guert Affenlight - freut sich über die Heimkehr der Tochter, sein Leben verläuft studierend in Schulen  über Harvard ist er nach Westish als angesehener Professor zurückgekehrt:
"Einen Satz zu schreiben war einfach, wollte man hingegen ein Kunstwerk erschaffen, so wie Melville, musste jeder einzelne zu dem vorangegangenen passen und zu dem ungeschriebenen, der darauf folgen würde.", sinniert der junge Guert.
Der Verweis zu Melville, der Moby Dick schrieb, zeigt auf das Idol der Universität hin, weitab vom Meer steht doch Melville als Statue und mit seinem Buch, übermächtig, am See von Westish.


Das zentrale Thema ist das Feldspiel und wie Henry es betreibt, als gedankenloses Sein, und anfangs läuft noch alles rund für die Protagonisten im Buch.
Solange Henry im gedankenlosen Sein verharrt, spielt er zwar Baseball wie ein Gott, doch vernachlässigt sein eigentliches Leben.
Doch eines Tages zerbricht ein Wurf von ihm die schöne Ordnung und wie Kaskaden fallen alle anderen Figuren in ihr eigenes privates Chaos.
Henry ist gepeinigt von seinem Mittelpunkt und verweigert das Zurückkehren vom Denken, ins gedankenlose Sein. Ja er verweigert das ganze Leben, das Leben,  was erst durch den Baseball für ihn als Einzelgänger überhaupt einen Sinn machte.
Durch die Neuorientierung wird das Feldspiel, das eigentliche Leben plötzlich anders, jeder Charakter besinnt sich, kommt an seine Grenzen und überschreitet sie.
Henry verzweifelt an seinem Denken was ihm ein gutes Spiel unmöglich macht, Schwartz verzweifelt am Festhalten von Henry, an seiner eigenen Zukunft, Guert Affenlight verliebt sich in einen Studenten, Pella kämpft mit ihrer Unabhängigkeit.


Harbach liebt seine Figuren, er lässt sie nicht alleine zerbrechen an dem Feldspiel und gibt ihnen immer noch Hoffnung.
Sensibel geht er mit dem Thema Homosexualität um: "Eine bestimmte Anzahl von Menschen ist schwul, so wie eine bestimmte Anzahl von Menschen blaue Augen hat. Oder Mumps.[..] Und ich weiß, dass Schwul sein keine Krankheit ist.
Worauf ich hinauswill, ist, dass es nur um Wahrscheinlichkeiten geht. Um Zahlen. Wie kann man sich nur über Zahlen aufregen?"


Vorsicht ist natürlich generell angebracht bei einem amerikanischen Buch über Baseball, dem "Ur-Sport" der Amerikaner.
Ein wenig Vorwissen wird sicherlich benötigt, doch nicht viel, um den Sportszenen zu folgen, vielmehr ist das Spiel als Allegorie als Prüfung zu verstehen, die Trainings als Lernen, das Feldspiel ist das Leben.

Ein träumerisches, positives, leichtfüßiges Debüt, trotz, oder gerade, wegen der menschlichen Tragödien die dort passieren.
Die Figuren bewegen sich teils leichtfüßig wie Owen (mit Spitznamen Buddha) über die Bühne des Lebens,  sie wachsen einem so ans Herz, sind durch kleine Begebenheiten sehr plastisch beschrieben, fügen sich wie ein Tetris-Stein in die Gesamtheit ein.
Ein Sportbuch, ein Buch übers Aufwachsen, Erwachsenwerden, das normale menschliche Einerlei, er packt sehr viel in seine Geschichte hinein und fast schafft es Harbuch sich dem perfekten Buch zu nähern, wo ein Satz in den anderen übergreift.
Fast sage ich, denn zu viel bewirkt hier doch manches Mal das Zerfasern der Geschichte, auch wenn der  Autor immer noch die Kurve bekommt.


Dabei benötigt der Leser auch das Hineingleiten in diese Geschichte, das transzendentale Bewusstsein den Rahmen zu umfassen und sich darauf einzulassen auf das unprätentiöse Beschreiben, auf die kämpfenden Figuren die sich wie beim Baseballspiel, mal mehr links oder rechts von den Bases aufstellen.
Alle Figuren strahlen etwas positives, Leuchtendes aus, kleine Kapitel wie Pella feststellt, dass der Koch ein Fels im Sturm ist, jemand der sich im Leben gefunden hat, aber auch jemand der oft übersehen wird.


Hier wird das Hingeben in das Leben, das Erleben, das Dasein, die Einfachheit protegiert, auch wenn es mit Schmerzen, Leid oder Irritation der Umwelt einhergeht.
Ein großartiges Debüt und Charaktere die einem lange im Kopf bleiben!

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Bris avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Die Kunst der Überwindung
Brivor 5 Jahren

" Die Fähigkeit einen Baseball zu werfen hatte etwas Alchemisches, war wie die geheime Kraft eines Superhelden. Man konnte nie wissen, wer sie besaß."

Mike Schwartz ist was seine eigene Spielkunst angeht eher der Typ des Kriegers, als ein Alchemist. Wahres Talent, spielerische Anmut und Brillanz erkennt er jedoch auch dort, wo andere sich von Äußerlichkeiten ablenken und gar täuschen lassen.

Henry Skrimshander ist nicht das, was man sich landläufig unter einem Baseballstar vorstellt. Es sieht jünger aus, als er ist und er ist eindeutig zu schmächtig. Aber dieses gewisse Etwas, das Geheimnis des Alchemisten das besitzt er ohne Zweifel. Einmal von Schwartz erkannt, gibt es kein Entkommen für Skrimmer aus der Schwartz`schen Talentschmiede.

Die Kunst des Feldspiels ist Henrys Bibel, Aparicio Rodriguez sein größter Held. Die Ratschläge oder vielmehr Anweisungen des größten Shortstop aller Zeiten, versucht er in seinem eigenen Spiel umzusetzen. Seit er denken kann. Nichts wünscht er sich sehnlicher, als auch nach Abschluss der Highschool eines tun zu können: Baseball spielen. Collegemannschaften jedoch setzen auf körperlich eindrucksvollere Spieler.

" College - Coaches waren wie Mädchen: Ihre Augen richteten sich sofort auf die großen, muskulösen Typen, ganz egal, was sie tatsächlich taugten."

Aber Mike Schwartz ist eben kein College-Coach ...

Anfangs als Sportroman getarnt, entpuppt sich Die Kunst des Feldspiels - was für ein Titel! - als eine Geschichte über Zusammenhalt, Schwäche, Stärke und das, was man im wahren Leben manchmal auch braucht: Durchhaltevermögen, Standhaftigkeit und - Freunde.

Persönliche Niederlagen einstecken zu können ist schwer, viel schwerer aber ist es, das auch noch öffentlich tun zu müssen. Druck von außen erhöht zwangsläufig den Druck von innen. Zuweilen sogar bis zur vollkommenen Lähmung. Dabei geht es im Baseball, wie bei allem, was mit Leidenschaft und in Perfektion ausgeübt wird, darum, in den Fluß zu kommen

" Der wahrhaftige Spieler lässt den Weg des Balls zu seinem eigenen werden, denkt sich in ihn hinein und lässt das eigene Ich, die Ursache allen Übels, auch einer schlechten Verteidigung, hinter sich."

Überwindung, Wahrhaftigkeit, Demut, Opferbereitschaft oder der Dienst am Größeren - nicht nur für einen angehenden Baseballstar sind das hehre, ja fast buddhistische Ziele. Denn natürlich geht es in der Kunst des Feldspiels nicht nur um den bulligen, hart trainierenden Mike Schwartz, der schon lange komplett auf sich alleine gestellt leben muss oder den eher unscheinbaren aber hoch talentierten Henry Skrimshander, den neuen Shortstop der Collegemannschaft von Westish.

Doch obwohl die Figur Henrys psychologisch relativ unausgeleuchtet bleibt, ist er der Dreh- und Angelpunkt, sein Schicksal untrennbar mit dem der anderen Haupt-Neben-Figuren - so eindeutig ist die Zuweisung an dieser Stelle nicht - verbunden. Das Netz der Beziehungen beginnt sich mit einem unglücklichen Wurf zu entwickeln. Ein Wurf, der die einzelnen Personen miteinander in Beziehungen zu setzen beginnt und gleichzeitig Henry aus der Bahn wirft. So sehr aus der Bahn wirft, dass die enger geknüpften Fäden zu einem schwer zu lösenden Knoten werden.

"Baseball war eine Kunst, doch um es darin zur Meisterschaft zu bringen, musste man sich in eine Maschine verwandeln. Es spielte keine Rolle, wie schön man 'ab und zu' spielte, was man an seinem besten Tag leistete oder wie viele spektakuläre Punkte man machte. Man war kein Maler oder Schriftsteller - arbeitete nicht im Verborgenen und konnte seine misslungenen Stücke verwerfen, und es waren längst nicht nur die Meisterwerke, die zählten. Für eine Maschine zählte Wiederholbarkeit. Momente der Inspiration waren nichts, verglichen mit der vollständigen Eliminierung von Fehlern."

Beziehungen werden neu gemischt. Der Präsident des College, Guert Affenlight, dessen Tochter Pella, Henrys schwuler Mulattenmitbewohner und Teamkollege Owen, der omnipräsente Mike Schwartz - alle sind sie bemüht darum, etwas für Henry zu tun, was sie nicht zu leisten vermögen, denn jeder hat seine eigenen Aufgaben zu lösen.

Wir Menschen sind eigenartige Wesen. Erkennen wir doch unsere Stärken und Schwächen meist nicht an uns selbst, sondern in unserem Gegenüber, welches uns widerspiegelt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Überwindung muss oft hart erkämpft werden und es bedarf der Loslösung von Autoritäten, um den eigenen Weg zu gehen.

Triffst Du Buddha, töte ihn (oder gib ihm einen aus) - das ist für mich die Botschaft, die Chad Harbach in diese wunderbar unterhaltsam und sprachlich fein augearbeitete Geschichte gepackt hat.

Wer Sätze wie diese

" 3. Es gibt drei Stadien. Gedankenloses Sein. Denken. Gedankenloses Sein.

33. Verwechsle nicht das erste und das dritte Stadium. Das gedankenlose Sein kann jeder erreichen, die Rückkehr zum gedankenlosen Sein nur sehr wenige. "


formuliert, kann nur eine solche Botschaft im Sinn haben.

Dennoch könnte man Harbach bei seinem Erstling ein paar Schwächen ankreiden: Einige wenige der geschickt verwobenen Fäden des Netzes finden keinen Anschluss. Sie flattern ein wenig verloren im Wind. Allerdings ohne den Fortlauf der Geschichte zu behindern. Und wenn man ehrlich ist, dann passiert so etwas im wahren Leben ja durchaus auch manchmal: Fäden werden aufgenommen, ohne einen Abschluss zu finden. Das Leben setzt sich ohne große Unterbrechung fort - genauso wie dieser Roman.

Um diesen Roman zu mögen, muss man weder ein Spezialist für das durchaus komplizierte Feldspiel sein, noch sich tatsächlich für diese Sportart begeistern. Die detaillierten Beschreibungen der wichtigen Spielsentenzen halten sich absolut im Rahmen und haben in meinem Fall tatsächlich zum Verständnis beigetragen und Neugierde auf diese Art des Mannschaftssports geweckt. Und noch etwas habe ich gelernt: Baseball ist nichts für Dummköpfe, hier geht es um blitzschnelle Reaktionen und eiskalte Strategien ebenso, wie es manchmal einfach darauf ankommen zu lassen.

In diesem Sinne: Lasst es darauf ankommen und spielt eine Runde mit.

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