Chad Harbach

 4,4 Sterne bei 88 Bewertungen
Autor von Die Kunst des Feldspiels, The Art of Fielding und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Chad Harbach

Chad Harbach, geboren 1975, wuchs in Wisconsin auf und studierte in Harvard und an der University of Virginia. Er ist Redakteur der literarischen Zeitschrift ›n+1‹, die er gemeinsam mit Keith Gessen, Mark Greif und Benjamin Kunkel gründete. Chad Harbach lebt in Virginia. ›Die Kunst des Feldspiels‹ ist sein erster Roman (2012).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Chad Harbach

Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)

Die Kunst des Feldspiels

 (82)
Erschienen am 17.08.2016
Cover des Buches The Art of Fielding (ISBN: 9780316217538)

The Art of Fielding

 (6)
Erschienen am 22.11.2012
Cover des Buches The Art of Fielding (ISBN: 9781611132106)

The Art of Fielding

 (0)
Erschienen am 06.12.2011

Neue Rezensionen zu Chad Harbach

Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)katzenminzes avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Mehr davon!
katzenminzevor 4 Monaten

Man sieht es ihm nicht an, aber Henry hat ein unglaubliches Talent für Baseball. Er scheint voraus zu ahnen, wo der Ball landet und tanzt beim fangen elegant übers Spielfeld. Was ihm fehlt sind die sportlertypische muskulöse Statur und Selbstbewusstsein. Letztere Attribute hat Mike Schwartz zu genüge: Er rackert sich schon seit Jahren gleichzeitig für die Football- und Baseballmannschaft seines Colleges ab. Nebenbei schreibt er seine Abschlussarbeit in Jura. Er hat große Pläne für sein Leben und als er Henry spielen sieht, weiß er, dass mit ihm die eher mittelmäßige Baseballmannschaft eine echte Chance auf Erfolg haben könnte. Doch nach einem einzigen missglückten Wurf droht Henry fast an seinen Selbstzweifeln zu zerbrechen.

Harbachs gelungener Debütroman spielt am kleinen, heimeligen College Westish im Nordosten Wisconsins. Neben Mike und Henry lernen wir noch Henrys Mitbewohner Owen, College-Direktor Guert Affenlight und dessen Tochter Pella kennen, deren Geschichten sich im Laufe des Romans mehr und mehr miteinander verflechten. Allen gemein sind die Liebe zu ihrem Collage und die Stolpersteine auf ihrem Lebensweg. Dabei ist Westish mit seinen Wohnheimen, den Grünanlagen, den Pullovern und Krawatten in Mannschaftsfarben, der Melville Statue und dem nahe gelegenen See so plastisch beschrieben, dass es fast echt erscheint.

Auch wenn ich nur rudimentäre Kenntnisse von Baseball habe und der Roman sich nicht damit aufhält, Laien die Spielregeln auseinanderzusetzen, hatte ich bei der Lektüre viel Spaß! Der Teamgeist sowie die Konflikte innerhalb der Mannschaft sind anschaulich beschrieben. Es grenzt an Wahnsinn, wie sehr sich einige Jungs – allen voran Mike Schwartz – für den Amateursport ihre Gesundheit ruinieren. Sport ist Mord. Aber auch die Erhabenheit und die pure Freude, die er auslösen kann, kommen besonders an Henrys Beispiel gut rüber. Aber auch neben dem Baseball bietet der Roman gute Unterhaltung! So hat mir die Geschichte des charmanten und smarten Direktors Affenlights ausgesprochen gut gefallen.

Harbach schreibt mit einigem Witz, er erschafft eine angenehme heimelige Atmosphäre und doch ahnt man beim lesen, dass bald etwas gewaltig schief gehen wird. Die Figuren sind liebenswert, haben aber alle ihre Fehler und man kann wunderbar mit ihnen leiden.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft eigentlich nur die letzten 50 Seiten. Es war mir im Vergleich mit dem bis dahin absolut gelungenen Roman einfach nicht rund genug. Ich hätte mir ein bisschen mehr Selbsterkenntnis gewünscht, ein bisschen mehr Reflektion der eigenen Fehler, ein bisschen mehr Blick auf das Zwischenmenschliche. Über der letzten großen Wendung der Geschichte ging das meiner Meinung nach etwas unter.

Ob Sportfan oder nicht: Die Kunst des Feldspiels ist ein absolut lesenswerter Roman über Freundschaft, Erfolgsdruck und in gewissem Sinne dem Sinn des Lebens. Es ist herzzerreißend, es ist witzig, ein klein wenig skurril und größtenteils einfach schön. Gerne mehr davon!

Kommentare: 3
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Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832196264)schokoloko29s avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Baseball
schokoloko29vor 5 Jahren

Henry Skrimshander ist ein junger Mann, der begnadet Baseball spielt. Er wird in seinem Dorf entdeckt und darf im Westish University Baseball spielen. Je mehr Menschen sein Talent entdecken, desto mehr hat er Angst zu versagen. Als dann auch die Talentscouts zu den Spielen kommen ist seine Unbefangenheit dahin. Er macht Fehler, spielt den Ball nicht ab und setzt sich immer mehr unter Druck. Er trainiert noch mehr und bestraft sich mit wenig essen etc. Am Ende kann er gar nicht mehr mit seiner Mannschaft auf den Platz gehen.
Auf der anderen Seite geht es auch um seine Teamkollegen, dem Chef der Uni und seiner Tochter und den Unialltag.


Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es geht im Endeffekt um den Aufstieg und Fall von Henry und wie sein soziales Umfeld damit umgeht. Es ist leicht geschrieben und mir sind die Figuren sehr ans Herz gewachsen. Und obwohl ich mich nicht mit Baseball auskenne sind diese Passagen sehr spannend geschrieben. Es war für mich nicht langweilig.

Fazit:
Ein sehr gutes Buch, was ich jedem empfehlen kann zu lesen.

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Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)ralluss avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Kunst des Lebens
rallusvor 7 Jahren

"3. Es gibt drei Stadien. Gedankenloses Sein. Denken. Gedankenloses Sein.
33. Verwechsle nicht das erste und das dritte Stadium. Das gedankenlose Sein kann jeder erreichen, die Rückkehr zum gedankenlosen Sein nur sehr wenige."

Henry Skrimshander ist Shortstop beim Westish-College in der Baseballmannschaft.
Seit Monaten hat er die Kunst des gedankenloses Sein, die höchste dritte Stufe die im Buch "Die Kunst des Feldspiels" (Das Buch im Buch) seines Idols Aparicio Rodriguez geschildert wird, erreicht.
Er kratzt sogar an dem Rekord der längsten fehlerlosen Spiele.


Um Henry, als Auge im Sturm, versammelt Chad Harbach mehrere Figuren die um ihn, mit ihm kreisen, alle im College in der Kleinstadt in Wisconsin.


Mike Schwartz, vom Leben gebeutelt, schon mit 14 von seinen Eltern alleingelassen, ist der 'Entdecker' von Henry und treibt ihn in unermüdlichen Trainingsstunden an, sein aktives Spiel zu verbessern.
Sein Schulleben vor dem College war nicht einfach, doch er hat sich durchgebissen:
"- gesetztes Ziel der Einrichtung war es, soweit Schwartz das sehen konnte, dreitausend potentielle Irre so lange mit Langeweile zu sedieren, bis eine Abfolge von Geburtstagen sie in Erwachsene verwandelt hatte."
Trotzdem sieht er einen Sinn, ja ist es sein Lebensinhalt, der Kapitän der Baseball- UND Footballmannschaft im College zu sein.
Das Sportlerleben fordert seinen Preis, seine Knie knacken und krachen, die Schmerzen werden mit Tabletten und weiterem Training verdrängt.


Pella Affenlight, die Tochter des Universitätsprofessor, flieht in jungen Jahren in eine Heirat mit einem älteren Mann, von der sie ausgebrannt und depressiv nach Westish zurückkehrt:
"Sie war so schnell vorgeprescht, dass es sie aus der Kurve getragen hatte und sie nun weit hinter den anderen zurücklag. (...) Das echte Leben hatte sie eingeholt und war an ihr vorbeigezogen."


Ihr Vater - Guert Affenlight - freut sich über die Heimkehr der Tochter, sein Leben verläuft studierend in Schulen  über Harvard ist er nach Westish als angesehener Professor zurückgekehrt:
"Einen Satz zu schreiben war einfach, wollte man hingegen ein Kunstwerk erschaffen, so wie Melville, musste jeder einzelne zu dem vorangegangenen passen und zu dem ungeschriebenen, der darauf folgen würde.", sinniert der junge Guert.
Der Verweis zu Melville, der Moby Dick schrieb, zeigt auf das Idol der Universität hin, weitab vom Meer steht doch Melville als Statue und mit seinem Buch, übermächtig, am See von Westish.


Das zentrale Thema ist das Feldspiel und wie Henry es betreibt, als gedankenloses Sein, und anfangs läuft noch alles rund für die Protagonisten im Buch.
Solange Henry im gedankenlosen Sein verharrt, spielt er zwar Baseball wie ein Gott, doch vernachlässigt sein eigentliches Leben.
Doch eines Tages zerbricht ein Wurf von ihm die schöne Ordnung und wie Kaskaden fallen alle anderen Figuren in ihr eigenes privates Chaos.
Henry ist gepeinigt von seinem Mittelpunkt und verweigert das Zurückkehren vom Denken, ins gedankenlose Sein. Ja er verweigert das ganze Leben, das Leben,  was erst durch den Baseball für ihn als Einzelgänger überhaupt einen Sinn machte.
Durch die Neuorientierung wird das Feldspiel, das eigentliche Leben plötzlich anders, jeder Charakter besinnt sich, kommt an seine Grenzen und überschreitet sie.
Henry verzweifelt an seinem Denken was ihm ein gutes Spiel unmöglich macht, Schwartz verzweifelt am Festhalten von Henry, an seiner eigenen Zukunft, Guert Affenlight verliebt sich in einen Studenten, Pella kämpft mit ihrer Unabhängigkeit.


Harbach liebt seine Figuren, er lässt sie nicht alleine zerbrechen an dem Feldspiel und gibt ihnen immer noch Hoffnung.
Sensibel geht er mit dem Thema Homosexualität um: "Eine bestimmte Anzahl von Menschen ist schwul, so wie eine bestimmte Anzahl von Menschen blaue Augen hat. Oder Mumps.[..] Und ich weiß, dass Schwul sein keine Krankheit ist.
Worauf ich hinauswill, ist, dass es nur um Wahrscheinlichkeiten geht. Um Zahlen. Wie kann man sich nur über Zahlen aufregen?"


Vorsicht ist natürlich generell angebracht bei einem amerikanischen Buch über Baseball, dem "Ur-Sport" der Amerikaner.
Ein wenig Vorwissen wird sicherlich benötigt, doch nicht viel, um den Sportszenen zu folgen, vielmehr ist das Spiel als Allegorie als Prüfung zu verstehen, die Trainings als Lernen, das Feldspiel ist das Leben.

Ein träumerisches, positives, leichtfüßiges Debüt, trotz, oder gerade, wegen der menschlichen Tragödien die dort passieren.
Die Figuren bewegen sich teils leichtfüßig wie Owen (mit Spitznamen Buddha) über die Bühne des Lebens,  sie wachsen einem so ans Herz, sind durch kleine Begebenheiten sehr plastisch beschrieben, fügen sich wie ein Tetris-Stein in die Gesamtheit ein.
Ein Sportbuch, ein Buch übers Aufwachsen, Erwachsenwerden, das normale menschliche Einerlei, er packt sehr viel in seine Geschichte hinein und fast schafft es Harbuch sich dem perfekten Buch zu nähern, wo ein Satz in den anderen übergreift.
Fast sage ich, denn zu viel bewirkt hier doch manches Mal das Zerfasern der Geschichte, auch wenn der  Autor immer noch die Kurve bekommt.


Dabei benötigt der Leser auch das Hineingleiten in diese Geschichte, das transzendentale Bewusstsein den Rahmen zu umfassen und sich darauf einzulassen auf das unprätentiöse Beschreiben, auf die kämpfenden Figuren die sich wie beim Baseballspiel, mal mehr links oder rechts von den Bases aufstellen.
Alle Figuren strahlen etwas positives, Leuchtendes aus, kleine Kapitel wie Pella feststellt, dass der Koch ein Fels im Sturm ist, jemand der sich im Leben gefunden hat, aber auch jemand der oft übersehen wird.


Hier wird das Hingeben in das Leben, das Erleben, das Dasein, die Einfachheit protegiert, auch wenn es mit Schmerzen, Leid oder Irritation der Umwelt einhergeht.
Ein großartiges Debüt und Charaktere die einem lange im Kopf bleiben!

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