Chad Harbach

 4,4 Sterne bei 95 Bewertungen

Lebenslauf

Chad Harbach, geboren 1975, wuchs in Wisconsin auf und studierte in Harvard und an der University of Virginia. Er ist Redakteur der literarischen Zeitschrift ›n+1‹, die er gemeinsam mit Keith Gessen, Mark Greif und Benjamin Kunkel gründete. Chad Harbach lebt in Virginia. ›Die Kunst des Feldspiels‹ ist sein erster Roman (2012).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Chad Harbach

Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)

Die Kunst des Feldspiels

(89)
Erschienen am 22.08.2013
Cover des Buches The Art of Fielding (ISBN: 9780316217538)

The Art of Fielding

(6)
Erschienen am 22.11.2012

Neue Rezensionen zu Chad Harbach

Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)
Christin87s avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Christin87
A real American Story

Henry Skrimshander ist ein unscheinbarer dürrer Junge aus einem Kaff in South Dakota - mit einem riesen Talent. Als Baseballspieler wirft und fängt er Bälle wie kein Zweiter. Eine besondere Fähigkeit, derer er ich selbst gar nicht so bewusst ist. Bis Mike Schwartz, Collegestudent des Westish College, ihn nach einem gemeinsamen Spiel entdeckt und ihn Dank seines sportlichen Einflusses am gleichen College und damit in seiner Mannschaft unterbringt.

Henrys Zimmergenosse wird Owen - speziell, sehr schlau, ebenfalls ein Teamkamerad der College-Mannschaft und mit einer besonderen Beziehung zu Collegepräsident Guert Affenlight.

Dieser wiederum ist sehr beliebt auf dem Campus hat aber eine äußerst schlechte Beziehung zu seiner Tochter Pella. Diese ist mit 19 durchgebrannt und taucht nun, 4 Jahre später, wieder in ihres Vaters Leben auf.

Diese fünf Personen sind die Hauptprotagonisten dieser sehr bodenständigen, gut lesbaren, auf Grund des Settings und des Baseballs typisch amerikanischen Geschichte. Eine Geschichte, die sich beim Lesen so anfühlte als könnte das Geschehene der Realität entspringen (das reelle Ex-Sportler und Schriftsteller neben viel Fiktivem in die Handlung eingestrickt wurden, verstärkt den Effekt sicherlich). 

Wir folgen den Personen über einen Zeitraum von 4 Jahren, aber mir wurden die zeitlichen Sprünge meistens erst bewusst, als das Collegejahr einzelner erwähnt wurde. Es ist eine Verknüpfung von Höhen und Tiefen fünf schwieriger Charaktere. Jeder davon trägt im Grunde einen Kampf mit sich selbst und seinem Schicksal aus. Druck, Depression, Sexualität, Unsicherheit, Zukunftsängste. . . Alle fünf sind im Laufe der Handlung auf irgendeiner Ebene emotional miteinander verbandelt.

Trotz der vielen Schwierigkeiten mit denen der Leser konfrontiert wird, fühlte ich mich in der Geschichte wohl.

Dennoch hatte ich ein, zwei Sachen die letztlich einen Stern Abzug gekostet haben. Als jemand der überhaupt nichts von Baseball versteht, waren die Kapitel auf dem Spielfeld mit all den spielspezifischen Fachbegriffen Großteils recht unspannend. Und da man eh nicht weiß worum es geht, ließt man da schnell drüber weg, ohne sich viel herausziehen zu können.

Zum Zweiten fand ich das Ende ein wenig zu theatralisch. Ich finde nicht, dass die Handlung das noch gebraucht hat, um einen runden Abschluss zu finden.

Keine Ahnung warum, aber das eigentlich schlicht gehaltene Cover hat mich damals beim Kauf einfach angezogen und ich habe es auch nicht bereut die Zeit für die etwas mehr als 600 Seiten investiert zu haben. 

Wer realistisch und leise erzählte Geschichten mag und auch eine Sympathie für ein amerikanisches Setting hat wird hiermit gute Lesestunden verbringen.

4 Sterne.




Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)
engineerwifes avatar

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

engineerwife
Take me out to the ballgame ...

Was wäre, wenn dir die Gabe gegeben wäre, Baseball in seiner Form auf erstaunliche Weise zu meistern, obwohl du doch sonst eher unscheinbar bist und gerne eher ungesehen durchs Leben gehst? Fragen wir den jungen Henry Shrimshander, dem genau dieses Wunder widerfahren ist. Als er überraschenderweise mit einem Baseball Scholarship am Westish College aufgenommen wird, nimmt ihn sein Mentor Mike Schwartz unter seine Fittiche und macht aus ihm eine „lean mean fighting machine“. Alles geht über Monate hin gut doch dann packen Henry nach einigen verpatzten Würfen Selbstzweifel und auch Mike beginnt seine Rolle zu hinterfragen als er merkt, dass er selbst auf der Strecke zu bleiben scheint …

Was für eine wunderbarer Debutroman des Autors Chad Harbach, der mir viel Baseball aus meiner Zeit in den USA wieder in Erinnerung gerufen hat, der aber auch das ganze Konstrukt um die beiden Protagonisten Henry und Mike auf hervorragende Weise verwirklicht hat. Rektor Affenlight, alleine schon der Name ließ mich schmunzeln, seine Tochter Pella, Henrys schwuler Mitbewohner Owen und viele mehr machen den Roman zu einem Meisterwerk, das an bitterem Ernst verbunden mit viel unterschwelligem Humor und Herzblut kaum zu überbieten ist. Von mir gibt es ein kleines Sternchen Abzug für einige Längen aber ansonsten mit vier sehr, sehr verdienten Sternen ein absolute Leseempfehlung. Ein wenig Baseball Wissen schadet nicht, ist aber kein Muss. Fallenlassen, mitfiebern und genießen ist hier das Motto! 

Cover des Buches Die Kunst des Feldspiels (ISBN: 9783832162528)
J

Rezension zu "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach

Johann_Baier
Leistungssport und Affären

Die Lektüre des Buches hat mich immer nur kurz gefesselt, dann kamen immer wieder lange Passagen, in denen meine Gedanken abschweiften, bei denen ich auch mal Seiten quergelesen habe (so genau will ich das jetzt nicht wissen…), bei denen ich das Buch zugeklappt habe.

Woran liegt’s?

Es könnte daran liegen, dass ich mich noch nie für Baseball oder Sport im Allgemeinen interessiert habe. Aber ich konnte dem Roman gerade dadurch etwas abgewinnen, dass er mir einen Einblick in die mir völlig fremde Innenwelt des amerikanischen College-Sports gewährt hat. Literatur als Zugang zu fremden Lebenswelten, warum nicht?

Mein Interesse erlahmte, weil der Sport und alles andere zu detailliert dargestellt wurde. Details sind notwendig, wenn sie Stimmungen vermitteln, eine Person charakterisieren, für den Fortgang der Handlung notwendig sind. Die Details in dem Roman erfüllten sehr oft keinen dieser Zwecke. Viele Details wiederholten, was schon klar war, lange Dialoge brachten nichts Neues oder Wichtiges.

Ich konnte auch nur mäßiges Interesse für die Hauptfiguren entwickeln. Die Sportler Henry und Mike haben ein geringes psychologisches Innenleben, es geht um Training, Leistungssteigerung, Siegen.  Das ganze Baseball-Team ist eine recht oberflächliche, coole Männerclique, in der es um Stärke, Kampf, Rivalität, Sieg oder Niederlage geht. Ein bisschen Mitgefühl wecken die beiden, als sie in Leistungskrisen geraten, an sich und ihrer Zukunft zweifeln. Sie überwinden allerdings ihre Krisen und setzen am Schluss in Baseball-Karrieren fort, als wäre nichts gewesen.

Auch die drei anderen Hauptfiguren haben mich nicht gefesselt. Die heimliche homosexuelle Beziehung des Rektors der Uni zu einem Studenten erzeugt immerhin ein bisschen Spannung: wann und wie fliegt Affäre auf und welche Konsequenzen wird dies haben? Die Tochter des Rektors geht mit beiden Sportlern Beziehungen ein, jeweils sehr plötzlich und emotionslos, ohne dass klar wird, worin die gegenseitige Anziehung besteht. Genauso emotions- und folgenlos werden die Beziehungen wieder beendet. Die einzigen Gefühle, die man von ihr erfährt, sind die zu ihrem Ex-Mann.

Es gibt mehrere Handlungsstränge, die sich immer mal wieder berühren. Ab und zu gibt es Begegnungen zwischen den Figuren, die plötzlich eine große Intensität und Spannung haben, so dass man beim Lesen voll dabei ist und die einzelnen Figuren lebendig vor sich sieht. Leider nicht allzu oft.

Das Buch lädt ein, über Leistungssport oder Leistungsdenken allgemein nachzudenken: sollte man Stärke, Disziplin, Durchhaltewillen, Leistung, Sieger bewundern und verherrlichen oder sollte man die Einseitigkeit, das Leid, die Selbstzweifel, das Unglück der Leistungsbesessenen bewusstmachen und bemitleiden?

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