Der elfjährige Erwin lebt bei seiner Mutter, die ihn nicht gerade mit Aufmerksamkeit und Zuneigung verwöhnt. Lediglich der großväterliche Meneer Bär, bei dem er einmal wöchentlich Cellounterricht hat, wie auch dessen Frau vermitteln dem sensiblen Jungen das Gefühl von Fürsorglichkeit und willkommen zu sein. Aber ausgerechnet dort trifft er auf dessen Nichte, eine junge Frau deren Gebaren ihn in Angst und Schrecken versetzt. Doch auch das Verhalten von Meneer Bär und seiner Frau verunsichert ihn - und es gibt niemandem, dem er sich anvertrauen könnte.
Es ist eine recht kurze Zeitspanne aus dem Leben Erwins, die die Autorin größtenteils aus seiner Sicht beschreibt, einem Jungen der mit seinen Ängsten und Nöten von seiner ziemlich selbstsüchtigen Mutter weitestgehend alleingelassen wird. Die Welt der Erwachsenen ist ihm unverständlich und seine wenigen festen und ihm Sicherheit verleihenden Bezugspunkte sind 'sein Haus' und sein Cellospiel wie auch die Unterrichtsstunden bei Meneer Bär.
Vieles bleibt im Unklaren bei dieser kleinen Erzählung: Zu welcher Zeit spielt sie? Was ist mit Erwins Vater? Und Meneers Nichte? Doch es entspricht der Sicht des Jungen und so freut und leidet man mit ihm und kann sehr gut nachvollziehen, weshalb er nie erwachsen werden will. Aber manchmal ändern sich die Dinge...
Chaja Polak
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Quelle: Verlag / vlb
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Brief in der Nacht
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Chaja Polak drückt mit leisen Worten das Unfassbare aus, versucht eine neutrale Sichtweise zu vermitteln und legt den Finger in eine blutende Wunde, die wohl niemals verheilen wird. Das kleine Büchlein soll vermitteln, Mitgefühl ausdrücken und ist, ob der eigenen Erlebnisse und Erinnerung von Polak ein Aufruf für Völkerverständigung und Frieden.
Gerade in einer Zeit, in der der deutliche Rechtsruck nicht mehr zu leugnen ist, sind solche eindringlichen Worte nötiger denn je, um auf die Folgen von Antisemitismus, Völkermord und Kriege jeglicher Art aufmerksam zu machen. Polak vermittelt ihre Gedanken und Gefühle, die nicht immer für beide betroffenen Seiten - Israel und Gaza - in gleichem Maß vorhanden sind, sondern sie lässt einer bestimmten Gruppe mehr Mitgefühl zukommen.
Im Hinblick auf ihre eigene Lebensgeschichte verständlich, jedoch sollte auch eine gewisse Neutralität gewahrt bleiben, um Unklarheiten in ihrer Argumentationskette gar nicht erst entstehen zu lassen. Auch wiederholt sie oft und gerne den folgenden Satz : "Ich bin mir dessen bewusst, dass diese Aufzählung bei Weitem nicht vollständig ist". Auf der einen Seite drückt sie so unmittelbar ihre Bestürzung aus, erweckt jedoch auf der anderen Seite den Anschein, etwas unstrukturiert und unklar in ihren Begründungen und Formulierungen zu sein.
Ein erstaunlicher Einblick in die Gedanken und Gefühlswelt einer Holocaust-Überlebenden, der schmerzhaft ist und nachdenklich stimmt, jedoch nicht immer vollends überzeugen kann.
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