Mit Chaled Al Chamissis, „Arche Noah“, bereits 2009 im Original erschienen, tauchen wir tief ein in ägyptische Gewässer von ausufernder Korruption, Vettern- und ökonomischer Misswirtschaft und sonstigen Untugenden der ägyptischen Gesellschaft. Die Folgen sind Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Aufbegehren, aber auch Resignation, und wer es sich leisten kann, verlässt die geliebte Heimat. Wenn möglich offizielll mit einem Visum, wenn dieser Weg nicht möglich ist: mit der Hilfe von Schleusern oder Schleppern. Mabrûk al Manûfi ist so ganz anders als die uns von den Medien präsentierten Schleuser. Er lässt seine Leute nicht im Stich. Aber er konstatiert auch, dass die Menschenschmuggelei ein ertragreiches Geschäft isei: nicht nur für die Schlepper, sondern auch für die einzelnen Staaten, den reichen des Nordens ebenso wie den armen des Südens. Brain Drain ist auch die -Basis für eine blühende Schattenwirtschaft in den armen Ländern durch die Geldsendungen, selten auf offiziellen Wegen, der Ausgewanderten.
Kleine Exkurse in die reiche pharanoische, arabische und nubische Kultur vermitteln ein komplexes Bild und durch verschiedene Portraits von Menschen zeigt er die Realität des Landes und verknüpft geschickt die persönlichen Schicksale miteinander. Er schickt uns durch ein Labyrinth an Namen, aber immer mit einem roten Faden. Alterierend setzt er erzählende Texte mit persönlichen Zeugnissen, die in Kursivschrift gesetzt sind, als Stilmittel ein.
So gelingt ein gemischtes Werk: Gesellschaftskritik, ägyptische Alltagsbiographien: vom Juristen über einen Restaurantbesitzer und seinen Koch, einen Philosophie-professor, eine Prostituierte bis hin zu einer Ärztin.
Etwas erschwerend ist die Lektüre insofern, da in erster und in dritter Person berichtet wird, mit Sprüngen von der Gegenwart in die Vergangenheit, von einem Protagonisten zum anderen. Da fehlt es an „Tiefenschärfe“ und so bleiben Leserinnen und Leser oft etwas überfordert zurück. Man sollte sich Zeit für diesen Roman nehmen, um Handlungen und Charaktere zu erspüren. Ein Roman, der sich wie die berühmte Puppe in der Puppe nur dem Geduldigen öffnet und ein Abbild einer Verlorenen Generation ist.







