Chandler. Raymond

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Schniecke Sache.

Der Privatdetektiv Philip Marlowe wird von General Sternwood engagiert, dessen jüngere Tochter Carmen von einem Buchhändler erpresst wird. Während des Gesprächs kommt sich heraus, dass der Mann von Sternwoods älterer Tochter Vivian vermisst wird.. Diese Ehe war zwar nicht glücklich, doch der alte Sternwood hat einen Narren an seinem Schwiegersohn gefressen und deutet indirekt an, auch an der Aufklärung seines Verschwindens interessiert zu sein.. Und so macht sich Marlowe daran, die Verbrechen aufzuklären..

Eigentlich fängt es ganz harmlos an und auf einmal findet man sich umgeben von Erpressern, Schmugglern, Schlägern und Mördern wieder. Und Marlowe, sexy eigenbrötlerischer Marlowe, ist mittendrin und versucht mit Glück und Kalkül Licht ins Dunkel zu bringen. 

Marlowe ist wirklich eine Figur für sich. Beschrieben als groß und attraktiv hat er eine starke Anziehungskraft auf das andere Geschlecht und auch ich finde ihn spannend… allerdings kommt er mir auch wie ein gepflegter Alkoholiker vor, der sich in seinen Ermittlungen zwar auf seinen brillanten Verstand bauen kann, aber teilweise echt Dodlsau hat und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Das verleiht dem Fortlauf der Geschichte leider eine gewisse Unglaubwürdigkeit.. 

Dafür liebe ich den Schreibstil. Man muss mitdenken, eigene Schlussfolgerungen ziehen und auf viele Dinge und Gegebenheiten selbst drauf kommen und sich das dann auch mal selber merken. Nicht alles wird einem vorgekaut und 9238572385 mal wiederholt. Also ein Buch für anspruchsvolle Leser, das man nicht einfach mal in 3 Stunden ausliest.. denn das Lesen erfordert wirklich Konzentration. Schniecke Sache. 

Und ich muss mir unbedingt einmal die Verfilmung mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall ansehen.. soll sehr gut sein! 

Marlowe ist ein Ermittler nach Maß

Ach, dieser Philip Marlowe ist ein wunderbarer Ermittler. Der große Schlaf ist ein Krimi, wie er mir gefällt. Es geht nicht nur um das klassische Who-dunnit? Dieses Buch könnte auch ohne seine Krimihandlung als Roman stehen, denn Chandler kann schreiben und hat seinen Ich-erzählenden Ermittler Marlowe mit einer wunderbar schnodderigen Schnauze ausgestattet. 

Marlowe bedient sich hochamüsant schiefer und weit hergeholter Vergleiche wie "Ein paar Strähnen trockenen weißen Haars hingen an seinem Schädel wie wilde Blumen, die auf nacktem Fels um ihr Leben kämpften." Der 33 Jahre alte Privatschnüffler schnüffelt in der Welt der Reichen und Schönen - vor allem der reichen und schönen Gauner - in und um Los Angeles. 

Chandler schrieb den Roman "Der große Schlaf" 1939 und begann damit die Reihe um den unterhaltsamen Marlowe. Es geht um eine Erpressung in den besseren Kreisen, um spiel- und unterhaltungssüchtige Töchter aus bestem Haus, um Gaunereien, unerwartet tote Verdächtige und einen vermissten Ehemann. Marlowe quasselt und beobachtet und prügelt sich durch die miteinander verwobenen Fallstränge. Er analysiert seine Gegenüber und die aktuelle Lage sehr treffsicher und genau - ohne deshalb jedoch allen Verfehlungen zu entgehen. Er macht einfach nur Spaß, Chandlers Krimi. Man fühlt sich komplett aus dem Jetzt in Marlowes LA versetzt, kann mitriechen, mitfühlen und muss sich zusammenreißen, im Hintergrund nicht zu viel zu kichern, um ihn nicht zu verraten.

Ich habe mir "Den großen Schlaf" durch Zufall in der Bahnhofsbuchhandlung gekauft. Weil ich mein Buch vergessen hatte und mich dann dieses schöne, bunte, stoffeingebundene Diogenes Deluxe-Taschenbuch anstrahlte. Ein tolles Format haben die Schweizer da erdacht. Und Gunar Ortlepp hat Marlowe eine ganz wunderbare deutsche Stimme verliehen. Ich hoffe, die Übersetzer der anderen sechs Abenteuer haben es ebenso gut hinbekommen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Marlowe-Coup.

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