Charles Chadwick Ein unauffälliger Mann

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Inhaltsangabe zu „Ein unauffälliger Mann“ von Charles Chadwick

Ein hochintelligentes Porträt unserer Zeit Tom Ripple, ein ganz normaler Mann, nicht gerade mit Charme oder intellektueller Neugier ausgestattet, erzählt von seinem ganz normalen Leben in der Londoner Vorstadt, vom Auf und Ab menschlicher Beziehungen, von seiner Sicht auf die Welt. Seine Aufzeichnungen sind mit das Überzeugendste, Erstaunlichste und Originellste, was die Gegenwartsliteratur zu bieten hat. Ein grandioses Sittengemälde Englands seit den Siebzigern, ein hochintelligentes Porträt unserer Zeit, ein weise-ironischer Blick auf die menschliche Natur.

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  • Recht gruselig

    Ein unauffälliger Mann
    Skrutten

    Skrutten

    17. January 2017 um 08:55

    Eine recht gruselige Geschichte von einem äußerst erschreckend durchschnittlichen, überangepassten Mann, der selbst auf den Missbrauch seines Sohnes keine angemessene Reaktion zeigt, im Laufe seines Lebens aber eine gewisse Weisheit und Abgeklärtheit erlangt.  Schaurig ist die Story aber allemal, weil so wenig "Substanz" übrig bleibt von so einem Leben.Viel Ausdauer erfordert der seitenstarke Roman, bei dem ich gelegentlich sogar einige Namen aus den Augen verlor und nachblättern musste. Ich fands okay, werde aber nicht unbedingt Ausschau nach weiteren Büchern von Chadwick halten.

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  • Rezension zu "Ein unauffälliger Mann" von Charles Chadwick

    Ein unauffälliger Mann
    HeikeG

    HeikeG

    15. August 2008 um 11:50

    Die unendliche Zufälligkeit des Ganzen Ein Sammelsurium an Erinnerungen eines unauffälligen Mannes, der sich nicht nur manchmal zwischen richtig und falsch entscheidet. Ein sympathischer, älterer Herr (geboren 1932) lächelt dem Leser vom Buchumschlag entgegen: Charles Chadwick, pensionierter britischer Staatsbeamter. Sicher kein ungewöhnliches Alter für einen Schriftsteller. Aber dass er 2005 - siebzigjährig! - mit Ein unauffälliger Mann (Originaltitel: It's all right now) debütierte, ist schon untypisch. Außergewöhnlich lang ist auch die Entstehungszeit des Buches: über 30 Jahre hat Chadwick an seinem Werk geschrieben. Und die dritte Ungewöhnlichkeit ist seine "Monstrosität": ein 300.000 Wörter-Manuskript mit fast 1.000 eng bedruckten Seiten Papier und ein Plot, der eigentlich keine Handlung hat. Und das I-Tüpfelchen von allem ist der eher unbedeutende, gewöhnliche, ja fast langweilige Protagonist Tom Ripple. Kein Roman in herkömmlich literarischem Sinn also. Um derart opulente und augenscheinlich langweilige Literatur zu bewältigen, gehört schon eine gehörige Portion Enthusiasmus dazu - meint man. Doch vorweg: Die Lektüre lohnt sich, um nicht zu sagen, sie ist ein Genuss! Und lassen Sie sich nicht gleich vom Anfang hinwegtäuschen, der alles andere als vorwärtstreibend beginnt: "Ich weiß nicht so recht, was das eigentlich werden soll. Wir werden sehen müssen. Es kann ziemlich lange dauern." Der Leser trifft Chadwicks "Held" - Ich-Erzähler Tom Ripple (geschätzte 37 Jahre jung) - das erste Mal in den frühren 1970er Jahren, in einem "(gerade so) freistehenden, kleinen Haus, einem kleinen Garten, mit einem kleinen Auto (alles Folge [seines] kleinen Jobs"), in einer undefinierbaren, nichts sagenden Londoner Vorstadt. Er ist "gestraft" mit seiner anstrengend, tugendhaften Frau, die sich für soziale Gerechtigkeit engagiert und den trockenen Witzen ihres Gatten nichts abgewinnen kann (was gleichwohl so ziemlich jedem Agierenden in diesem Buch so geht). Einziger Trost: "zwei völlig zufriedenstellende Kinder". Tom Ripple ist zu Beginn ein beinahe unsympathischer Geselle, obwohl er den Leser eines besseren zu belehren versucht: "Ich bin ein nicht unangenehmer Kerl, der, leider, ausschließlich das tut, was man von ihm erwartet". Seine väterlichen Aktivitäten beschränken sich darauf, seinen Sohn, der gern Tischlern möchte, zu ermuntern, dies von seinem zwielichtigen, pädophil veranlagtem Nachbarn Webb zu lernen, um ungestört seinem Lieblingszeitvertreib - fernsehen - nachgehen zu können. Die Erziehung seiner Kinder, Adrian und Virginia, hat er komplett in die Hände seiner Frau gelegt. "Kojak" und "Starsky & Hutch" sowie heimliche, sexuelle Fantasien über jedwede weibliche Person in seiner Nähe stellen den Großteil seiner aufregenden Erlebnisse dar. Ripple schwelgt in seiner Abgestumpftheit gegenüber der Welt und dem Desinteresse der Welt ihm gegenüber. Chadwick verdeutlicht mit seinem Protagonisten die allzu gewöhnliche Erstarrung einer Existenz, aber hier in detaillierter Genauigkeit. Was auf den ersten Blick wie eine langweilige Beschreibung eines gewöhnlichen, nichtssagenden Lebens aussieht, offenbart allerdings auf den zweiten eine außerordentlich genaue Beobachtungsgabe und einen trockenen, feinsinnigen (typisch englischen) Humor. Was Tom Ripple im Endeffekt von anderen farblosen Langweilern unterscheidet, ist seine zunehmende Selbsterkenntnis. Trotzdem er seine Gleichgültigkeit zeitlebens nicht völlig über Bord werfen kann, erkennt er sie am Ende wenigstens an: Er bringt seine "Taten" zu Papier. Ripple - mittlerweile ein alter Mann um die 70 (Chadwick verweist auf keinerlei autobiografische Züge) - reflektiert sein Leben. Er sinniert darüber, was er gern gesagt und getan hätte. Auf diese Weise beginnt er zu leben: "Es ist freundlicher zu vergessen, obwohl die Vergangenheit alles ist, was wir sind (...) Vielleicht ist das der Grund, warum ich versuche, über mein unbedeutendes Leben zu schreiben." Diese Reflektionen durchziehen latent metaphorisch den ganzen Roman. Vielfach sind sie zwischen den Zeilen versteckt und der Leser muss sie erst entdecken und "ausgraben". So entsprechen die 926 Seiten gefühlt fast eher 1.500, jedoch ohne langatmig und mühsam zu wirken. Einen Bogen von über 30 Jahre überspannt Charles Chadwick und gliedert dies in vier große Kapitel. Beherrscht in Teil Eins die Situationskomik weite Stellen, so liegt in den darauf folgenden Passagen über große Strecken eine tiefe Schwermut und Traurigkeit. Spätestens jetzt wächst dem Leser Tom Ripple unausweichlich ans Herz. Ripples Ehe zerbricht, er zieht nach Suffolk aufs Land, dann wieder zurück nach London und lässt sich schließlich in einer ruhigen Küstenstadt nieder. Sämtliche Personen, denen er im Laufe seines Lebens begegnet, sind großartig porträtiert. Auch wenn es ihm nicht immer gelingt, den Ursprung und die Bedeutung aller Dinge zu erkennen, so ist und bleibt er doch ein ausgezeichneter Beobachter. Charles Chadwick hat ein wunderbar lebendiges Sitten- und Zeitengemälde Großbritanniens, von den Siebzigern bis in die Gegenwart geschaffen, geprägt von einer subtilen Zuneigung und Liebe zu einen "unauffälligen" Mann, der in seinem ganzen Leben "so gut wie nichts gesagt und getan hat". Ein unauffälliger Mann ist eine Reise der Erinnerung, durch die Gedanken und die Zeit. Tom Ripple reflektiert über den Glauben, über Glück und Unglücklichsein, das Leben und den Tod. Er lässt den Leser aktiv an seinem Leben teilhaben, ohne es literarisch "umzumodeln, die Fäden zu einem neuen Muster zu verweben oder etwas daraus zu machen, was davon getrennt oder darüber steht, wie eine Bedeutung etwa, die man daraus ziehen oder auf die man zeigen kann." Dies überlässt der Autor dem Leser. Sicher kann Chadwick nicht mit Updike auf eine Stufe gestellt werden kann (sein Tom Ripple wird zuweilen mit dessen Rabbit Armstrong verglichen) und so lässt er auch seinen Helden artikulieren: "Wie beschämt können wir werden von der Armseligkeit unseres eigenen Denkens, da andere viel tiefer und komplexer gedacht haben, als wir es je können". Trotzdem ist ein wundervoll leiser, unaufdringlich eindringlicher Roman entstanden. Klaus Berr hat mit seiner Übersetzung aus dem Englischen den ganz eigenen Ton des liebenswerten Tom Ripple auf eindrucksvolle Art getroffen und Christine Popp, der Lektorin des Luchterhandverlages, hat dafür gesorgt, dass Ein unauffälliger Mann auf dem deutschen Büchermarkt eine Chance bekommt. Fazit: Auch wenn Chadwick kein literarisches Meisterwerk abgeliefert hat, so ist Ein unauffälliger Mann eine kleine Liebeserklärung auf hohem Niveau, an den gewöhnlichen, "unbedeutenden" Mann. Denn viele Menschen (auch wenn sie nicht Ripple = "kleine Welle, Kräuselung" heißen) sind - auch wenn sie in ihrem Leben keine großen Wellen schlagen - auf ihre ganz eigene Art essentiell.

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