Charles D. Ellis

Alle Bücher von Charles D. Ellis

Winning the Loser's Game

Winning the Loser's Game

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Erschienen am 01.03.2011
What It Takes

What It Takes

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Erschienen am 06.03.2013

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Rezension zu "Winning the Loser's Game - Timeless Strategies for Successful Investing" von Charles D. Ellis

"Es kracht, es zischt, zu sehn ist nischt"
R_Mantheyvor 3 Jahren

Die Rezension bezieht sich auf die deutsche Übersetzung, erschienen bei Campus. Hier ist sie leider nicht gelistet.

 

Dieser kleine Reim aus der Überschrift stammt aus Fußnote 19 und kennzeichnet in gewisser Weise den Inhalt dieses Buches, das auf seiner Rückseite Peter Drucker mit den Worten zitiert, dass es "mit Abstand das beste Buch über Investmentstrategie und -management" sei. Nun will ich Peter Drucker, der mir als Anlagestratege noch nicht durch besondere Leistungen aufgefallen ist, nicht widersprechen, aber anmerken, dass solche Aussagen vielleicht doch etwas vom subjektiven Kenntnisstand und dem eigenen Wahrnehmungsvermögen abhängen.

Der Vorteil dieses Textes besteht darin, dass er keinen Schaden anrichten kann, weil er im Grunde seinem Leser nur rät, sich ein Zertifikat des S&P500 zu besorgen und es langfristig zu halten, weil es kaum jemandem gelingen wird, diesen Markt durch eigenes aktives Management zu schlagen. Wenn das jedoch so ist, dann fragt man sich immer wieder, wozu man dann darüber so viel schreiben muss. Das ist nur einer der zahllosen Widersprüche, in die sich der Autor verstrickt. Wie fast alle amerikanischen Investmentstrategen offenbart er sich als ein Liebhaber von Statistiken, die er allerdings wie fast alle Laien nicht immer richtig versteht. Zudem kämpft er oft erfolglos mit der Aussagenlogik, was ich später erläutern möchte.

Zunächst muss man den Titel dieses Werkes verstehen. Der Autor erklärt, dass sich Profi-Tennis von Amateur-Tennis erheblich unterscheidet. Profi-Tennis wäre ein Spiel für Gewinner, weil die Punkte tatsächlich herausgespielt, also gewissermaßen erzwungen werden. Beim Amateur-Tennis gewinnt dagegen derjenige, der sich selbst am wenigsten im Wege steht. Das ist das typische Verlierer-Spiel. Und an einem solches Spiel würden sich alle beteiligen, die die Märkte schlagen wollten. Deshalb sollten wir davon besser die Finger lassen.

Erwiesenermaßen gelingt es nur sehr wenigen Fondmanagern, ihren Referenzindex zu überbieten. Und selbst dann, so rechnet uns der Autor vor, sollte man noch die Gebühren und die Preissteigerungsrate abziehen, um auf die reale Performance zu gelangen, die - so entkleidet - ihren Charme völlig verlieren würde. Statistisch ist diese Aussage in Ordnung. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch überhaupt stimmt. Um die Behauptung zu widerlegen, dass man den Markt nicht schlagen könne, reicht nach der Aussagenlogik bereits ein Gegenbeispiel aus. Doch es gibt zahlreiche lebende Beweise dafür. Leute, die das können, managen aber in der Regel keine Publikum-Fonds, weil man mit diesem Vehikel aus vielerlei Gründen auf Dauer in diesem Sinne keinen Erfolg haben kann.

Einer dieser Gründe besteht in der Ungeduld des Publikums. Auch der Autor erklärt uns, dass eine der großen Wahrheiten für einen langfristigen Anlageerfolg das Vermeiden dauerhafter Verluste ist. Das leuchtet ein. Doch wann muss ein Verlust als ein solcher erkannt werden? Darüber schweigt er. Und andererseits erzählt er seinen Lesern, dass man Durststrecken bei gut aufgestellten Unternehmen oder Aktienindizes auch einmal durchstehen muss. Die eigentliche Wahrheit hinter solchen widersprüchlichen Empfehlungen ist, dass jeder letztendlich seine Entscheidungen nach seinen finanziellen und mentalen Präferenzen und seinen Fähigkeiten treffen muss.

In seinen zehn Geboten (ab Seite 166) verbietet der Autor dem Leser, sich mit Rohstoffen zu befassen, weil dies reine Preisspekulationen wären. Es würde weder wirtschaftliche Produktivität, noch ein zusätzlicher Wert entstehen. Wie subjektiv solche unsinnigen Aussagen sind, sieht man darin, dass er auf das Jahr 2008 verweist, in dem solche Anlagen verloren hätten. Nun, Aktien ist es nicht besser gegangen. Langfristig hat sich übrigens Gold auf Dollarbasis von Ende 1991 bis jetzt von 350 auf 1600 Dollar entwickelt, Silber in der Spitze verzehnfacht. Der S&P500 stieg von ungefähr 350 auf 1550 in der Spitze. Allerdings kam es zwischenzeitlich bei ihm zu zwei gewaltigen Einbrüchen, bei Gold nicht.

Man sieht also an diesen Beispielen ziemlich genau, dass der Autor nicht der Realität folgt, sondern seinen Ansichten, die sicher nicht falsch sind, aber eben auch nicht die volle Wahrheit beinhalten. Obwohl er zu Beginn des Textes behauptet, in Aktienmärkten gäbe es keine Muster, die man erfolgreich zur Kapitalvermehrung nutzen kann, hat dann doch ein zentrales herausgefunden: die Rückkehr der Märkte zum Mittelwert. Das wäre so eine Art Naturgesetz, das er dann auch sogleich wie viele Laien-Logiker mit einem Beispiel zu beweisen glaubt. Ich möchte darauf nicht kleinlich herumreiten, sondern im Gegenteil erwähnen, dass dieses grundsätzliche Muster von Tradern mit geschickten Methoden genutzt wird, um nachhaltig die Märkte zu schlagen.

Doch dieses Buch lehnt solches Teufelszeug grundsätzlich ab. Und das ist sicher auch gut so, denn der Laie, der fürs Alter vorsorgen möchte, ist mit solchen Methoden wirklich grundsätzlich überfordert. Was bleibt also? Am billigsten, besten und ruhigsten fährt man in diesem Fall in der Tat, wenn man sich kostengünstig an der Performance eines Aktienindexes beteiligt und nicht versucht, den Markt zu schlagen. Insofern erteilt der Autor den einzig vernünftigen Ratschlag unter dieser Voraussetzung.

Dazu hätte er sich allerdings kürzer fassen können, sich weniger in Widersprüche verwickeln und nicht auf Allgemeingültigkeit seiner Aussagen beharren sollen.

Der Autor hat entsprechend seiner Denkweise im Gegensatz zu Leuten, die die Märkte tatsächlich schlagen, die Finanzkrise von 2008 nicht vorausgesehen. Er schreibt dazu auf Seite 209: "Dass fast jeder professionelle Investor ebenso überrascht wurde, ist ein magerer Trost." Und dann zitiert er Graham und Dodd (1934): "Langfristig orientierte Investoren sollten sich davor hüten, aus jüngst erlebten Widrigkeiten zu viel zu lernen." Nun ja, viel Spaß beim nächsten Schmerz.

Fazit.
Man kann dieses Buch als langfristig orientierter Anleger durchaus mit Gewinn lesen und dann der Empfehlung folgen, einfach in einen Aktienindex zu investieren. Ich kenne allerdings nur Wenige, die ihre langfristige Orientierung beibehalten haben, wenn die Märkte in Panik gerieten. Wirkliche Strategien außerhalb der grundsätzlichen Empfehlung, nicht den Versuch zu unternehmen, die Märkte schlagen zu wollen, konnte ich in diesem Text nicht finden. Es enthält darüber hinaus lediglich zahlreiche allgemeine Ratschläge, die nach meiner Erfahrung nicht falsch sind, dann aber im Ernstfall doch übersehen werden. Meine persönliche Bewertung wären drei Sterne. Ich möchte meine gänzlich andere Sichtweise auf die Märkte jedoch nicht zum Maßstab machen.

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