Charles Dickens Große Erwartungen

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Inhaltsangabe zu „Große Erwartungen“ von Charles Dickens

Charles Dickens schönster und reifster Roman liegt nun in brillanter Neuübersetzung vor. Der Waisenjunge Pip erlernt das Handwerk des Schmieds, dann stiftet ihm ein unbekannter Wohltäter ein Vermögen, damit er sich in London zum Gentleman ausbilden kann. Es geht um Kindheit und Erwachsenwerden, um Arm und Reich, um Klug und Dumm, um Gut und Böse. Melanie Walz hat in ihrer Neuübersetzung den unverwechselbaren, leicht ironischen Ton Dickens' perfekt getroffen. Im Nachwort erklärt sie die Entstehungsgeschichte des Buches.

Der große Dickens hat meine großen Erwartungen hier nicht erfüllt. Sprachlich trotzdem ein Meisterwerk, nur etwas zäh.

— LolitaBuettner

Grossartige Literatur!

— Manfi

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Schmiesen

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  • Charles Dickens - Grosse Erwartungen

    Große Erwartungen

    Jari

    13. June 2017 um 21:30

    Wer kennt dieses enorme Werk der Weltliteratur nicht: „Grosse Erwartungen“ von keinem Geringeren als Charles Dickens. In wie vielen Büchern bin ich schon über diesen Titel gestolpert? Tatsächlich habe ich sogar Lloyd Jones' Buch „Mister Pip“ im Regal stehen. Ohne das berühmte Original gelesen zu haben. Überhaupt - Schande über mich, dass ich mich so lange vor diesem Meisterwerk, diesem Geniestreich gedrückt habe. Denn dafür gab es überhaupt keinen Grund! Der Titel des Buches mag gross und schwer daherkommen, doch sollte man sich keineswegs davor fürchten. Eigentlich ist "Grosse Erwartungen" ganz zahm und sehr liebesbedürftig. Mister Pip erzählt uns seine Geschichte höchstselbst und dies mit einer angemessenen Portion Humor. Dadurch bekommt vor allem seine brutale Kindheit einen nostalgischen Wert, ohne jedoch zu verheimlichen, wie drastisch Pips Leben damals war. Und dann geschehen Dinge... Stellt euch vor, alles, wovon ihr geträumt habt, wird plötzlich wahr. Genau das passiert Pip. Sein Leben ändert sich schlagartig. Welche Veränderungen bringt plötzlicher Reichtum mit sich? Ändert sich durch Geld auch der Mensch? Diesen Fragen geht Dickens gekonnt auf den Grund und führt dabei ein spitzfindiges Gespür für psychologische Vorgänge zutage. Es war für mich atemberaubend, Pip auf seinem Weg zu folgen, seinen Gedanken zu lauschen und dabei auch noch seinen spannenden Erlebnissen beizuwohnen. Deshalb hat "Grosse Erwartungen" für mich alles, was ein Roman von Weltrang braucht: Glaubhafte Figuren, skurrile Charaktere, Humor, Spannung und Tiefgang. Dickens schafft es, eine unergründlich tiefgründige Geschichte so gekonnt und voller Schwung zu erzählen, dass mir an keiner Stelle langweilig war. Dabei habe ich mich ganz und gar in Dickens Sprache verlieren können. Sein Erzählstil ist dem Ruf würdig, den Charles Dickens bis heute hat. Fein ziseliert, jedes Wort ist am richtigen Fleck, und doch vor allem in der Übersetzung von Melanie Walz ohne Mühe lesbar. Hier wird das Erzählen tatsächlich zur Kunstform erhoben. Welch für mich absolut perfektes Werk! Welch kleines Wunder in Buchform! Definitiv eines jener Bücher, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde oder für die Nachwelt aufbewahren würde.

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  • Große Erwartungen für Pip

    Große Erwartungen

    Lese-Krissi

    Aufmachung des Buches Ich besitze die Ausgabe aus dem nikol Verlag. Dabei handelt es sich um ein gebundenes Buch. In einem roten Kreis steht in weißer Schrift der Titel „Große Erwartungen“. Schwarze Vogelkäfige zieren einen hellblauen Hintergrund und ein paar Vögel fliegen herum. Mir gefällt das altertümlich wirkende Cover. Inhalt Der junge Pip wächst bei seiner Schwester und deren Mann Joe auf, weil die Eltern bereits verstorben sind. Seine Schwester ist leider keine liebevolle Persönlichkeit. Allein der Schmied Joe kümmert sich reizend um Pip. Eines Tages ändert sich Pips Leben schlagartig. Alles beginnt damit, dass er einem entflohenen Häftling gezwungenermaßen hilft. Dann wird er noch bei einer Dame, Miss Havisham, geladen um sie zu bespaßen. Miss Havisham, die seit Jahren ein Brautkleid trägt und sich immer in ihrem abgedunkelten Zimmer aufhält, lebt zusammen mit ihrer Ziehtochter Estella auf einem großen Grundstück. Pip verliebt sich in die Schönheit Estella, die allerdings eine kühle Persönlichkeit ist. Pip strebt eine gute Allgemeinbildung an und wendet sich zusehends von Joe ab, der Pip eigentlich zu einem Schmied ausbilden sollte. Doch seitdem Pip Miss Havisham besucht, ändert sich sein Wesen und Charakter erheblich. Schließlich erhält er die Nachricht von „Großen Erwartungen“, die ihn nach London führen. Wer ihm zu großen Ansehen verhelfen will, bleibt lange Zeit geheim. Pip hat seine Vermutung, aber ob sich diese bewahrheitet, steht lange in den Sternen… Meine Meinung In Rahmen einer Klassiker-Gruppe bei lovelybooks habe ich mich entschlossen „Große Erwartungen“ von Charles Dickens zu lesen. Dass ich fast zwei Monate für dieses Buch benötigen werde, war mir am Anfang noch nicht bewusst. Zwar ist der Roman nicht gerade dünn, aber trotzdem hatte ich diese Lesezeit nicht erwartet. Ich bin leider nur langsam in der Geschichte rund um Pip und seine Großen Erwartungen vorangekommen. Der Erzählstil hat mich nicht dazu angereizt das Buch längere Zeit an einem Stück weiter zu lesen. Möglichweise liegt es aber auch an der Übersetzung. Unterschiedliche Übersetzer haben „Große Erwartungen“ ins Deutsche übertragen. Deshalb kann es gut aus sein, dass mich deshalb die Erzählung nicht so richtig mitgerissen hat. Mir waren die Sätze zu verwinkelt und teilweise zu lang. Merkwürdigerweise gibt es aber immer wieder mal Stellen, die sich wiederrum flüssig lesen lassen... Ich habe bereits „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens gelesen. Ich mag dieses Buch und deshalb war ich bereit auch ein weiteres Werk von ihm zu lesen. Nur leider fiel es mir bei „Große Erwartungen“ schwer in die Handlung hineinzufinden. Die Geschichte plätschert lange so dahin. Ich fragte mich oft, wozu erzählt Pip  manche Dinge so ausführlich. Mir wurde es des Öfteren ziemlich langatmig. Erst spät erfährt man warum gewisse Personen wichtig für die Geschichte sind. Beispielsweise war mir sehr lange die Bedeutung des Häftlings nicht klar, dem Pip geholfen hat. Im Nachhinein beweist sich, dass es sehr wichtig ist, von diesem Häftling zu erfahren. Andere erzählte Situationen sind für mich aber auch teilweise überflüssig bzw. haben sich für mich zu oft wiederholt. Die Besuche bei Miss Havisham sind sehr merkwürdig. Die Frau trägt seit Jahren ein Brautkleid und scheint eine Abneigung gegen die Männerwelt zu haben. Ihre Ziehtochter Estella scheint sie für einen Rachezug gegen fast alle Herren der Welt erzogen zu haben. Pip schwärmt für Estella, die sich ihm sehr abweisend gegenüber verhält. Doch Pips Liebe wächst stetig. Pips Wesensänderung hat mir überhaupt nicht gefallen. Er lässt Joe fallen und schämt sich für ihn, weil dieser keine richtige Bildung genossen hat. Pip wendet sich immer mehr von ihm ab. Seine Bekannte Biddy, die eine wunderbare Freundin für Pip sein könnte, behandelt er auch nicht viel besser. Lieber „läuft“ er Estella hinterher, die ihn eher demütigt als gut behandelt. Pip erhält die Nachricht von Großen Erwartungen eines geheimen Gönners und zieht schließlich nach London. Dort lernt er neue Leute kennen, auch Freunde fürs Leben. Es dauert sehr lange bis Pip schließlich erfährt, wer für seine Großen Erwartungen verantwortlich ist. Pip wird sehr überrascht sein. Doch mit Offenbarung des Geheimnisses werden seine Augen allmählich geöffnet und Reue gegenüber verschieden Personen keimen in ihm auf. Richtig warm wurde ich leider mit keinem Charakter. Trotzdem finde ich einige Protagonisten liebenswert. Am besten gefallen haben mir Joe und Biddy. Sie sind gutmütige Personen, die Pip sehr mögen. Doch leider wendet sich dieser zunehmend von ihnen ab. Interessant finde ich auch Wemmick. Er wechselt sein Wesen je nachdem ob er für den Anwalt Mr. Jaggers arbeitet oder privat unterwegs ist. Privat ist er ein guter Freund für Pip. Wenn er aber arbeitet, ist er sehr distanziert. Auch Herbert ist ein gutmütiger Mensch und guter Freund für Pip. Beide wohnen eine Zeitlang gemeinsam in einer Wohnung in London. Pip erweist sich später auch als ein großzügiger Mensch gegenüber Herbert. Hier erkennt man auch gute Züge von Pip. Das sind aber auch schon fast alle Menschen in Pips Umfeld, die irgendwie liebenswert sind. Viele Personen haben mir überhaupt nicht gefallen, wie beispielsweise Pips aggressive Schwester oder Mr. Pumpblechook. Aber das ist wohl auch Sinn und Zweck der Geschichte, dass die Leser diesen Persönlichkeiten gegenüber abgeneigt sind. Es gibt viele Situationen im Buch, die erwähnt und später wieder aufgegriffen werden. So fügen sich gewisse Dinge zu einem Ganzen und der Zusammenhang wird schließlich verständlich. Für diese Verknüpfungen in der Handlung muss man vor Dickens auch den Hut ziehen. Er versteht es unwichtig erscheinende Erwähnungen später in der Geschichte wieder aufzugreifen, sodass dann der Sinn zu verstehen ist. Erst spät hat mir manches im Buch besser gefallen. Doch leider hat mich auch dann der Roman nicht umgehauen. Das Ende gefällt mir ganz gut. Es wendet sich einiges wieder zum Besseren in Pips Leben, er versöhnt sich mit ihm wichtigen Leuten und entwickelt sich zu einer weitaus sympathischeren Person als im Hauptteil des Werkes. Mein Fazit Ich habe lange für dieses Buch gebraucht und trotzdem bis zum Schluss durchgehalten, denn ich breche ungern Bücher ab. Schließlich bin ich dann doch neugierig auf was die Erzählung hinausführt. Ich wurde zwar nicht so richtig bei der Geschichte mitgerissen, bewundere aber Dickens Idee. Von daher gebe ich „Große Erwartungen“ drei Sterne. „Eine Weihnachtsgeschichte“ (auch eine deutlich kürzere Lektüre) hat mir doch besser gefallen.

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    • 4
  • Erwartungen an das Schicksal

    Große Erwartungen

    Buchgespenst

    Der Lebensweg des Waisenjungen Pip scheint vorgezeichnet: als Prügelknabe der Schwester bei der er lebt, als generelles personifiziertes Übel des Dorfes, wird er bei seinem Schwager eine Schmiedelehre machen und sein Rückzugsort bleibt das kalte, einsame Moor. Doch da greift eine unbekannte Macht ein, die Pip zu Wohlstand und Bildung verhilft, seine großen Erwartungen fördert und ein glanzvolles Leben in London ermöglicht. Erwartungsvoll blickt Pip dem Tag entgegen, der ihm seinen Wohltäter offenbaren soll. Dann wird sich sein Geschick erfüllen. Ein klassischer Dickens. Ein Roman der von Melancholie und Düsternis schwer wird wie das neblige Moor, in dem Pip aufwuchs. Diese Schwere bleibt an Pip und dem Leser kleben, lässt die Geschichte manchmal zäh und hoffnungslos wirken, doch dann blitzt, gleich einem Sonnenstrahl, Dickens Humor auf und der Leser weiß wieder, was er an dem Buch hat. Skurrile Figuren und schräge Einfälle sorgen immer wieder für eine Überraschung. Manchmal fand ich die Charaktere unerträglich und in der Mitte zog sich die Geschichte etwas, aber trotzdem bin ich begeistert. Vor allen Dingen im letzten Drittel wird es noch mal spannend, denn genau wie Pip, fiebert der Leser dem Moment entgegen, in dem sich die Frage des Gönners klärt. Tja, und danach geht es noch mal richtig rund. Ein anspruchsvolles Buch mit ein paar Längen, die es den 5. Stern gekostet haben, aber trotzdem ein toller Dickens. Die Übersetzung von Melanie Walz ist großartig und der umfangreiche Anhang mit Hintergrundinformationen sowie Anmerkungen eine hervorragende Ergänzung. Schade, dass bei dieser Ausgabe auf die Originalillustrationen verzichtet wurde (bei „Nickolas Nickleby“ sind sie durchaus vorhanden), aber das ist auch alles, was ich anzumerken habe. Eine tolle Dickens-Ausgabe, eine wunderbare Geschichte – was will man mehr?

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    • 5

    Buchgespenst

    21. January 2016 um 21:04
  • Große Erwartungen – Charles Dickens

    Große Erwartungen

    Sikal

    09. January 2016 um 09:39

    Dickens beschreibt hier den Aufstieg und Fall des jungen Pip, einem Schmiedelehrling aus ärmlichen Verhältnissen, dem ein Gönner seine großen Erwartungen erfüllen möchte. Dass sich Pip auf dem Weg nach London und zu einem besseren Leben von seiner Herkunft abwendet und seinen wichtigsten Freund Joe vergisst/verdrängt, findet man während des Lesens schon sehr bedauerlich. Doch weiß man, dass Dickens sicher den Weg wieder in eine andere Richtung lenkt. Pip erkennt im Laufe der Zeit, dass seine Liebe zu Estella sehr einseitig ist. Er erkennt auch, wer sein Gönner ist und dies ist alles andere als erbauend für ihn. Doch während man die Verwandlung Pips miterlebt, seine Begegnungen mit Sträflingen, Anwälten und sonderbaren Freunden, während man Pip am liebsten schütteln oder umarmen möchte, man Angst um ihn hat oder über seine Handlungen den Kopf schüttelt, erhofft man doch für ihn das Glück zu finden, das er sich wünscht. Eine Geschichte über einen Traum, der sich dann doch nicht so erfüllend darstellt, wie erwartet. In abgewandelter Form könnte die Geschichte auch in unserer Zeit spielen, Beziehungen spielen auch heute noch eine große Rolle. Die Charaktere sind so detailliert gezeichnet, spiegeln alle Facetten der Gesellschaft wieder. Wie auch in Dickens anderen Romanen werden die Personen sehr prägnant beschrieben, lassen ihr soziales Umfeld erkennen und bilden den Querschnitt der Gesellschaft ab. Seine kritische Sichtweise wird hier mehr als einmal erkannt. Wäre nicht der Mittelteil etwas zäh zu lesen, müsste ich nicht einen Stern abziehen. Doch wer Dickens mag, wird hier nicht enttäuscht sein und am Ende für das Durchhalten belohnt.

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  • Große Erwartungen

    Große Erwartungen

    littleowl

    23. November 2015 um 07:27

    Worum geht’s? Der Waisenjunge Pip wächst bei seiner Schwester und deren Mann Joe auf, der für ihn Vater, Bruder und bester Freund zugleich ist. Die Familie führt ein karges, aber zufriedenes Leben und Pip freut sich darauf, später als Schmied in Joes Fußstapfen zu treten. Zumindest, bis der Junge – zunächst eher unwillig – zum ersten Mal das Haus der alten Miss Havisham betritt, die nach ihrer im letzten Moment geplatzten Hochzeit zur exzentrischen Einsiedlerin geworden ist. Durch seine regelmäßigen Besuche erwacht in Pip der Wunsch, ein Gentleman zu werden – und die Liebe zu Miss Havishams Adoptivtochter, der wunderschönen, aber grausamen Estella. Pips Traum von Vornehmheit scheint unerreichbar, doch dann eröffnet ihm tatsächlich ein unbekannter Gönner die Möglichkeit, zu Wohlstand und Bildung zu kommen. Nur eine Bedingung gibt es: Pip darf niemals Nachforschungen über die Identität seines anonymen Wohltäters anstellen. Meine Meinung Nachdem mich „Oliver Twist“ absolut begeistern konnte, war es für mich ganz klar, dass ich unbedingt noch mehr Dickens-Romane lesen muss. Doch egal, wie gut das Original ist, fremdsprachige Klassiker zu lesen ist für mich immer ein Glücksspiel, weil es dabei sehr auf die Übersetzung ankommt. In der Hinsicht habe ich bei „Große Erwartungen“ zum Glück nicht danebengegriffen. Die Neuübersetzung von Melanie Walz ist wirklich gelungen und liest sich sehr leicht und flüssig. Die Übersetzerin hat tatsächlich das Kunststück vollbracht, Dickens wunderbaren Humor ins Deutsche zu hinüberzuretten. So ist „Große Erwartungen“ auch nach über 150 Jahren noch unterhaltsam und teilweise wirklich herrlich komisch. Die Seitenzahl mag auf den ein oder anderen abschreckend wirken, aber zumindest bei mir ist die Zeit wie im Flug vergangen. Außerdem sind Dickens Romane allein schon deshalb die Lektüre wert, weil man unglaublich viel über die englische Gesellschaft im viktorianischen Zeitalter erfährt. „Große Erwartungen“ ist da keine Ausnahme, neben der eigentlichen Handlung also auch noch eine spannende Geschichtsstunde. Gerade deshalb habe ich mich sehr über das umfangreiche Nachwort mit Informationen zu Dickens‘ Biografie und der Entstehungsgeschichte des Romans gefreut. Zudem fand ich während dem Lesen die zahlreichen Anmerkungen im Anhang sehr hilfreich. Wie bei den meisten englischen Klassikern ist auch bei „Große Erwartungen“ am Anfang ein bisschen Geduld gefragt, weil die Handlung erst ganz allmählich in Rollen kommt. Später wartet der Roman dann aber mit vielen überraschenden Wendungen auf und das spannende Finale entschädigt auf jeden Fall für ein paar kleine Längen zu Beginn. Ich persönlich war wirklich erstaunt, dass ein Werk, das vor etwa 150 Jahren entstanden ist, im Grunde schon eine echte Coming-of-age-Geschichte erzählt. Ich-Erzähler Pip, der in diesem Roman auf sein Leben zurückblickt, war mir schon nach wenigen Seiten sympathisch. Als junger Mann, der plötzlich zu Reichtum gekommen ist, entwickelt er sich besonders gegenüber Joe zu einem ziemlichen Egoisten, bevor er am Ende geläutert wird. So richtig übelnehmen konnte ich ihm das allerdings nicht, denn der Erzähler geht mit seinem jüngeren Ich ziemlich hart ins Gericht und sagt ganz deutlich, wann er sich falsch und arrogant verhalten hat. Und Dickens wäre nicht Dickens, wenn er seinen Roman nicht zusätzlich mit vielen unvergesslichen Nebenfiguren bevölkern würde. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir unter anderem der Armenanwalt Jaggers, Pips gutherziger bester Freund Herbert, der Prahlhans Mr. Pumblechook und natürlich die gelinge gesagt exentrische Miss Havisham samt unnahbarer Ziehtochter. Fazit Unter anderem dank Melanie Walz‘ fantastischer Übersetzung ist „Große Erwartungen“ auch nach über 150 Jahren alles andere als verstaubt und bietet immer noch ganz großes Lesevergnügen!

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  • Wundervoller Klassiker

    Große Erwartungen

    BubuBubu

    29. August 2015 um 13:13

    Typisch Dickens, auch in große Erwartungen wird die Geschichte eines Waisenkindes aus England im 19. Jahrhundert erzählt. Der kleine Pip wächst als Waisenkind bei seiner großen Schwester und dessen Mann Joe auf. Seine Schwester zieht ihn „von Hand auf“ und sieht in ihm eine Last. Sein liebeswerter Schwager sieht ihn ihm einen guten Freund und beide verbindet eine tiefe Freundschaft. Er ermöglicht ihm eine Lehre in seiner Schmiede. Eines Tages wird Pip in das Satis House zitiert, in dem Miss Havisham und ihre Adoptivtochter Estella wohnen. Miss Havisham, da nach einer nicht zustande gekommenen Hochzeit zurückgezogen in ihrem Haus wohnt, erzieht Estella zu einem kalten Mädchen, die die Männer abschätzig behandelt, so auch Pip. Pip verliebt sich dennoch in die bildhünsche Estelle, die seine Liebe nicht erwidert. Ein Londoner Anwalt besucht die Schmiede und erklärt, dass jemand Pip mit finanziellen Mitteln ausstatten möchte, und „große Erwartungen“ in ihn setzt und aus ihm einen Gentleman machen möchte. Von dem Augenblick an lernt Pip eine ganz andere Welt als sein bisherige Welt kennen.  Pip glaubt, dass seine Wohltäterin Miss Havisham ist, als sich herrausstellt, dass sein Vormund, Mister Jaggers, der Anwalt Miss Havishams ist, verhärtet sich dieser Verdacht. Pip wächst zu einem Gentleman heran, und vergisst seine Herkunft und seinen lieben Freund Joe.  Als Estella erneut in sein Leben tritt, kommt sein Leben erneut ins Schwanken. Wundervoller Klassiker. Charles Dickens ist einfach ein Meister der Erzählungen.

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  • Große Erwartungen

    Große Erwartungen

    peggy

    14. March 2015 um 15:34

    Der Kleine Pip wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, bei seiner Schwester und dem Schwager indem er einen Väterlichen Freund findet. Doch er hat Große Erwartungen an das Leben und täumt davon ein Gentleman zu sein und ein Leben in Wohlstand und Ansehen zu verbringen. Durch die Gunst eines Wohltäters gelangt er nach London, doch bald erkennt er, das es mehr bedarf als Geld, um das Glück zu finden. Die Geschichte an sich ist Grandios und voller Tragik, allerdings hat sie so ihre Längen. Der Schwierige Schreibstil macht das Lesen auch nicht gerade zum Genuss. Meiner Meinung nach hätte man die Geschichte auch auf 400 Seiten erzählen können und hätte alles untergebracht. Ich habe es nur häppchenweise lesen können. 3,5 Sterne für die Geschichte, Umsetzung und Schreibstil lasse ich mal außen vor.

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  • Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

    Große Erwartungen

    tragalibros

    10. January 2015 um 15:42

    Der Waisenjunge Pip wächst bei seiner kaltherzigen, strengen Schwester und deren herzensguten Ehemann Joe auf.  In Pip regen sich bald erste Sehnsüchte nach einem besseren Leben und seine Erwartungen an die Zukunft steigen.  Durch eine plötzliche Wendung des Schicksals, wird Pip von einem unbekannten Gönner nach London geholt, wo er fortan in reichen Kreisen verkehrt. Doch bald muss Pip lernen, dass es wichtigere Dinge als Geld gibt. Dickens großer Roman über einen Jungen, der Erwartungen an sein Leben stellt, die eigentlich über seinen gesellschaftlichen Stand hinausgehen, zählt zu den Klassikern der englischen Literatur.  Der Protagonist muss auf einem holprigen Weg lernen, dass Familie und Freundschaft weitaus wichtiger und anhaltender sind als Reichtum.  Dieses Buch ist zwar keine leichte Kost, dennoch ist dieses Werk ein wichtiger Teil der Weltliteratur.  Charles Dickens verwendet viele Schachtelsätze, die zum Teil sehr verworren sind. Da auch die Sprache sehr gehoben und umständlich ist, war dieses Buch eine kleine Herausforderung.  Meine Meinung: Wer anspruchsvolle Literatur mag, die neben einer einfühlsamen Geschichte auch eine Moral hat, der kann mit Charles Dickens "Große Erwartungen" nichts falsch machen.

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  • Nicht zu viel erwartet

    Große Erwartungen

    Mina - Das Irrlicht

    14. April 2013 um 11:18

    Den Roman „Große Erwartungen“ lasen wir in der gemeinsamen Klassiker-Leserunde im Februar 2012. Der zw. 1860 und 1861 verfasste Roman von Charles Dickens erzählt die Kindheit und Jugend des jungen Pip, der als Vollwaise zu Beginn des Romans bei seiner Schwester und deren Mann Joe lebt. Joe ist ein Dorfschmied und ein herzensguter Mensch dazu. Er kümmert sich stets liebevoll um Pip und leitet ihn an. Eines Tages begegnet Pip dem Sträfling Magwitch, dem er hilft zu fliehen und ihm etwas zu Essen gibt.  Einige Zeit später wird Pip zu der psychisch labilen Miss Havisham und ihrer Pflegetochter Estella gerufen. Miss Havisham hat sich dazu auserkoren der Waisen Estella beizubringen, die Männer zu demütigen, nachdem sie selbst von ihrem Verlobten am Hochzeitstag sitzen gelassen wurde und dies nie verwunden hat. Pip verliebt sich in Estella und ahnt nichts von der Herzlosigkeit, zu der sie erzogen wurde. Von da an sehnt sich Pip danach, ein Gentlemen zu sein, der Estella den Hof machen kann. Später im Buch lebt Pip in London, da ihm ein geheimer Gönner, viel Geld zur Verfügung stellt. Pip wird sehr egozentrisch, leugnet seine Herkunft und macht große Schulden. Insgeheim glaubt er, Miss Havisham sei seine Gönnerin. Später stellt sich jedoch heraus, dass nicht sie Pip finanziell unterhielt, sondern der Sträfling Magwitch, der es in Australien zu Geld gebracht hatte. Als dieser illegal wieder nach London zurückgekehrt und Pip bewusst wird, dass er diesem sein ganzes Vermögen verdankt, verstricken sich deren beider Leben erneut. Einige Ungeheuerlichkeiten, die auf verschiedenen Ebenen zuvor im Roman geschildert wurden, klären sich nun auf. Magwitch, der mit Pips Hilfe versucht zu fliehen, kommt um. Pip lebt einige Zeit im Ausland, kehrt aber am Ende des Werkes geläutert zu Joe zurück in die Schmiede und begegnet dort auf dem ehemaligen Anwesen Miss Havishams Estella wieder, die dann doch noch zusammenfinden.  Mich hat dieser weitere Dickens erneut überzeugt, auch wenn Oliver Twist mein Lieblingswerk bleiben wird. Der Roman Große Erwartungen ist sehr verdichtet geschrieben, die Atmosphäre wird dadurch manchmal so schwer, das man glaubt, in einem stickigen Sommertag festzustecken, bevor das erlösende Gewitter losbricht.

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  • Ein langer Weg...

    Große Erwartungen

    Favole

    04. April 2013 um 11:12

    Der Junge Pip hat es nicht einfach mit seiner strengen Schwester, die ihn aufzieht. Zum Glück ist da noch ihr Mann - der Schmied Joe, ein einfacher, aber herzensguter Bursche. Doch auch sonst gibt es einiges für ihn zu erleben. Mit einem Sträfling. Mit einer alten verbitterten Jungfrau. Mit einem wunderschönen Mädchen. Und plötzlich bekommt er von einem anonymen Spender "große Erwartungen", die ihn nach London in eine andere Welt führen. Doch die Vergangenheit mischt sich in die Gegenwart und es fragt sich, welche Erwartungen sich erfüllen können und wo Pips Weg enden wird. Große Erwartungen ist sicherlich ein Klassiker, so wie viele Bücher von Dickens. Doch ich habe ein ganze Weile gebraucht, bis ich in das Buch reingekommen bin. Die Sprache ist nicht schwer, aber doch irgendwie umständlich und bringt die Handlung nur langsam voran. Mit den ersten beiden Dritteln des Buches hat ich daher so meine Mühe, um es nicht endgültig wegzulegen. Im letzten Drittel jedoch flogen die Seiten nur so dahin. Das Buch war endlich spannend und emotional. Letztlich jedoch konnte es mich nur bedingt überzeugen, da der Funke trotz des letzten Teils einfach nicht übergesprungen ist. Der Protagonist blieb mir die ganze Zeit fremd. Und obwohl die Charaktere alle schön ausgearbeitet waren, blieb doch die meiste Zeit eine große Distanz zu Ihnen bestehen, die es mir schwer machte. Gut fand ich allerdings die Beschreibung der gesellschaftlichen Zustände. Das hat mir bereits bei Oliver Twist sehr gut gefallen. Insgesamt fand ich das Buch im Hinblick auf das Lesevergnügen, um welches es mir ja letztlich geht, leider nur durchschnittlich. Nichts desto trotz kann ich das Buch allen Klassikerfans weiterempfehlen, auch wenn es für mich definitiv bessere gibt. Fazit: Sicher ein lesenswerter Klassiker, der mich jedoch an vielen Stellen nicht erreichen konnte.

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  • Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

    Große Erwartungen

    Penelope1

    26. February 2013 um 17:40

    Ein Klassiker aus der Feder Dickens, der jedoch nicht ganz so bekannt ist wie z.B. David Copperfield oder Oliver Twist. Auch in "Große Ewartungen" wird die Geschichte eines Waisenjungen in England erzählt. Pips, so heißt dieser Junge, wird "von Hand aufgezogen", von seiner Schwester, die in ihm jedoch nur eine Last sieht. Mit ihrem Mann, dem Schmied Joe, verbindet Pips jedoch eine enge Freundschaft. Eines Tages wird Pips in das Haus der reichen Miss Havisham bestellt, er soll der Dame die Zeit vertreiben - von nun an geht er regelmäßig dorthin und spielt mit Estelle, der Adoptivtochter, Karten. So richtig wohl fühlt er sich dort allerdings zunächst nicht, er ist es einfach nicht gewohnt, sich in diesen Kreisen zu bewegen. Estelle macht sich auch sofort über ihn lustig und verachtet ihn offensichtlich, was ihn jedoch nicht davon abhält, sich in sie zu verlieben. Miss Havisham - von ihrem Verlobten vor vielen Jahren sitzengelassen - ist einsam und verbittert, die Zeit scheint für sie stehengeblieben zu sein. Unerwartet erhält Pips von einem unbekannten Gönner Unterstützung: er soll ein Gentlemen werden, sich bilden und nach London ziehen, das dafür nötige Geld wird ihm zur Verfügung gestellt. Dass Pips dafür seine bisherige Familie und das karge Leben dort verlassen muss, stört ihn dabei nur wenig... Nun macht er sich auf den Weg und hat "große Erwartungen", wobei er von seinem Gewissen einerseits und seinen Erwartungen andererseits hin- und hergerissen wird. Als er nach vielen Jahren erfährt, wer ihm zu seinem Aufstieg verholfen hat, fällt er aus allen Wolken und überdenkt sein gesamtes Handeln, seine Vergangenheit und seine Zukunft... Meine Meinung: Dieser Klassiker hat es wirklich in sich: Dickens' Schreibstil bannt den Leser, ihm gelingt es einfach, Situationen und Ereignisse so detailliert und bildhaft zu beschreiben, dass man die Personen förmlich vor sich sieht und sich vollkommen in das England zu Beginn des 19. Jahrhunderts hineinversetzen kann. Dickens scheut sich dabei auch nicht, sozialkritische Themen anzuführen und zeigt wieder einmal auf sehr anschauliche und unterhaltsame Weise, wie mühsam das Leben damals sein konnte. Dabei erhält man bei Pips durchaus den Eindruck, dass sein Leben nun sorgenfrei sein könnte, doch Geld ist eben doch nicht alles, was man ebenso an einigen anderen Figuren deutlich erkennen kann. So düster der Roman einerseits anmutet, so zeigt Dickens aber auch seine humorvolle Seite und lässt den Leser oft schmunzeln. Der Unterschied zwischen arm und reich zeichnet er deutlich - nicht nur durch ihr Aussehen war der Standesunterschied erkennbar, sondern ebenso durch Bildung und Sprache. Fazit: Ein Dickens-Roman, der ebenso wie Oliver Twist und David Copperfield unter die Haut geht, die Menschen berührt, unterhält und dem Leser das Londoner Leben zu Beginn des 19. Jahrhunderts näherbringt. Ein wahrer Lesegenuss!

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  • Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

    Große Erwartungen

    Trinkt-aus-Piraten

    15. August 2012 um 19:21

    "Große Erwartungen" ist meiner Meinung nach eins der typischen Charles-Dickens-Bücher. Es handelt sich bei der Hauptperson um einen armen Waisenjungen, der mit allerhand merkwürdigen Leuten zusammenkommt und auch mächtig unter ihnen zu leiden hat. Dann begeht er reichlich Fehler, aber am Ende sieht er sie ein und es wird doch alles wieder gut. Dieses Buch zeichnet sich aber dadurch aus, dass es besonders berührend ist. Neben vielen durchaus komischen und einigen sogar richtig witzigen Stellen, gibt es die Geschichte mit seinem Schwager und Ziehvater Joe. In dieser Beziehung begeht Pip, also die Hauptfigur, so viele Fehler, behandelt den armen Joe so ungerecht, dass man Pip am liebsten eine kräftige Ohrfeige verpassen würde, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Joe ist der liebste und gütigste Mensch überhaupt und auch, wenn er ungebildet ist, doch mehr wert als alle ach so gebildeten Herren der gehobenen Klasse. Das macht ihn ehrlich gesagt zu meiner Lieblingsfigur. Auch, weil ich persönlich mich mit Pip nicht identifizieren konnte, eher noch mit seinem Freund Herbert. Auf jeden Fall könnte man das ganze Ende mit Weinen zubringen, weil Pip endlich einsieht, wie falsch er an Joe gehandelt hat und Charles Dickens wirklich rührende Szenen daraus macht. Ebenfalls berührend fand ich die letzten Wochen vom Sträfling Magwitch, bei denen Pip auch seinen Sinn gewandelt und sich auf dessen "Niveau" heruntergelassen hat. Alles in allem ist das Buch zwar eher ruhig, eigentlich gar nicht spannend, aber am Ende wirklich schön.

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  • Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

    Große Erwartungen

    Karin1970

    22. April 2012 um 02:15

    *In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort* Am 7. Februar 2012 wäre Charles Dickens (*1812 – 1870) 200 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass sind etliche seiner Romane neu aufgelegt worden. Der Hanser Verlag hat mit einer sehr schönen Neuübersetzung durch Melanie Walz das Buch „Große Erwartungen“ herausgebracht. Das Buch ist eine wunderschöne Dünndruckausgabe, die zu der Reihe der „Hanser-Klassikern der Neuübersetzungen“ gehört. Auf gerade mal zwei Zentimeter Dicke kommen 832 Seiten, somit ist das Papier wirklich sehr filigran. Das Buch besteht aus 3 Bänden und einem sehr ausführlichen Anhang, der sich über 137 Seiten erstreckt. *Erster Band* *Geheimnisvolle Erbschaft* Der Waisenjunge Pip wächst bei seiner älteren Schwester und dessen Mann Joe im Marschland der Themse auf. Bei Joe erlernt er auch das Handwerk des Schmiedens. Eines Tages begegnet er auf dem Friedhof dem entflohenen Häftling Magwith. Zu Tode geängstigt besorgt er ihm aus der Speisekammer Essen und Trinken und stiehlt aus Joes Schmiede eine Feile. In einem zweiten Handlungsstrang eröffnet sich Pip eine ihm völlig unbekannte Welt, als er eingeladen wird bei Miss Havissham zu spielen. Die exzentrische Alte Miss Havissham und deren Adoptivtochter Estella erwecken in Pip den Wunsch nach einem anderen Leben. Als ihm plötzlich von einem unbekannten Wohltäter ein Vermögen gespendet wird, bekommt er die Möglichkeit sich in London zu einem Gentleman ausbilden zu lassen. Inzwischen kann er nur noch an Estella denken und verleugnet so sein wahres Leben, seine Freunde und die Verwandtschaft. Für die herzlos erzogene Estella und deren Ziehmutter ist Pip aber nur ein Übungsobjekt. *Zweiter Band:* *Große Erwartungen* Pip lebt inzwischen in London und führt dabei das Leben eines Snobs. Er ist vor allem damit beschäftigt Geld auszugeben. Auch wenn er seine Wurzeln verleugnet, vergisst er nie das alte Leben mit Joe. Nur aus Angst, Estella könnte es missfallen hält er an sein snobistisches Leben fest und verleugnet seine Familie. *Dritter Band:* *Was es mit dem Leben auf sich hat* Pips Gönner gibt sich zu erkennen. Und somit gewinnt der Roman von Dickens noch einmal an Fahrt. Mehr zu schreiben würde Spoilern bedeuten, deshalb belasse ich es hierbei. Am Ende des Romans liefert Dickens, überzeugt durch seinen Freund Edward Bulwer Lytton, ein alternatives Ende. *Kindheit und Erwachsen werden* In den 137-seitigen Anhang finden wir die Entstehungsgeschichte der „Große Erwartungen“ als Fortsetzungsroman geschildert. Die unterschiedlichen Fassungen des Romanschlusses werden diskutiert. Die Verbindungen zwischen diesem Roman und Charles Dickens Leben werden veranschaulicht. Charles Dickens hat seine Kindheitserlebnisse in diesem Roman verarbeitet und thematisiert das ärmliche Leben der Menschen in England in verdichteter Form. In der Zeit von 1837 bis 1901 gehörten zwei Drittel der Bevölkerung der sozialen Unterschicht an. *Mein Fazit:* Ich frage mich, wie man den Tonfall der viktorianischen Zeit (1837 – 1901) - also einer vergangenen Epoche – in die Neuzeit transferieren kann? Melanie Walz ist das wunderbar gelungen. Ich kenne zwar das Original nicht, glaube aber zu verstehen, was uns Dickens als Sozialkritik vermitteln wollte, selbst heute noch im 21. Jahrhundert. Er schafft so ein lebendiges und bildhaftes Gesellschaftsgemälde. Dickens klagt in seinem Spätwerk das Gentleman-Ideal, der von Materialismus und Moralheuchelei geprägten viktorianischen Gesellschaft an. Es geht um alle Gegensätzlichkeiten im Leben, um Kindheit und Erwachsen werden, Arm und Reich, Gut und Böse und das macht er mit einem leicht ironischen Unterton. Charles Dickens erfasst perfekt die kindliche Psyche und gibt gleich auf den ersten Seiten eine Spitze an alle Erwachsenen weiter. _Zitat: „Seit jener Zeit, die lange vorbei ist, habe ich oft daran gedacht, wie wenige Erwachsene wissen, was Kinder für Seelenqualen erleiden, wenn man sie in Angst und Schrecken versetzt.“_ Mich hat die Stringenz der Handlung mehr als fasziniert. Bei einer solchen Seitenanzahl das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist mehr als bemerkenswert. Die Komplexität der Figuren-Charakterisierung wirkt zu keiner Zeit farblos oder stereotyp. Eine bunte Vielfalt der viktorianischen Zeit wird uns hier aufgezeigt. Für mich ein absolutes Meisterwerk, wie ich es so noch nie gelesen habe!

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  • Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

    Große Erwartungen

    Mr. Rail

    „Meines Vaters Name lautet Pirrip, mein Vorname Philip, und aus beiden Namen vermochte meine kindliche Zunge nichts Längeres und Verständlicheres zu bilden als Pip. So kam es, dass ich mich Pip nannte und Pip genannt wurde.“ Pip wächst unter den ungünstigsten, für die Mitte des 19. Jahrhunderts allerdings nicht untypischen Bedingungen auf. Waisenkind, arm, dem Gutdünken seiner großen Schwester und einer kinderfeindlichen Umwelt ausgeliefert. Einzig Joe, sein Schwager, nimmt ihn vor allen Unbillen in Schutz und ermöglicht ihm eine Lehre in der eigenen Schmiede. Ein Glückstreffer im eigentlichen Sinne – die Schmiede wird zum Sinnbild des Formens der eigenen Zukunft. Nicht der schlechteste Weg für einen mittellosen Jungen. Wäre da nicht eine Verlockung, die Pip so unvermittelt trifft, wie eine Chance vom anderen Stern. Ein Londoner Anwalt eröffnet ihm, dass „Jemand“ große Erwartungen in ihn setzt und ihn mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausstatten möchte, um aus dem armen Jungen einen richtigen englischen Gentleman zu machen. Pip zieht nach London und lernt eine gänzlich andere Welt kennen. Als Wohltäter kann eigentlich nur jene reiche Dame aus seinem Heimatort in Frage kommen, zu deren Zerstreuung er als Kind oftmals herhalten musste. Miss Havisham, traumatisiert von einer nie zustande gekommenen Ehe, lebt in ihrer eigenen morbiden Welt aus vergangenen Wünschen und Hoffnungen. Sie formt aus ihrer bildhübschen Tochter Estella einen weiblichen Racheengel am männlichen Geschlecht. Pip verliebt sich in das bildhübsche Mädchen und wird zur Zielscheibe der jungen aufstrebenden Frau. Doch vielleicht hat er ja bessere Chancen, wenn …. Aber die neuen Lebensumstände ändern nichts. Estella bleibt sein unglückseliger Fixstern – unnahbar und herzlos ihm gegenüber. Der Aufstieg Pips vollzieht sich rasch. Kleidung und Habitius entsprechen bald einem Gentleman und mit der äußerlichen Veränderung verändert sich der Mensch. Der Aufstieg in eine andere Gesellschaftsschicht lässt Pip seine Herkunft vergessen und in einem der dunkelsten Momente seines Lebens verleugnet er seinen besten Freund, den liebevollen Schmied Joe. Erst als sich herausstellt, wer in Wahrheit der Wohltäter des jungen Pip ist, gerät alles ins Wanken. Das Leben, die Liebe und der eigene Weg – nichts ist selbstbestimmt und am Ende aller Tage besteht für Pip die Gefahr, einen manipulierten Weg gelebt zu haben. Instrumentalisiert… Der Artikel zum 200 Geburtstag des Autors erscheint am 07. Februar 2012 bei Literatwo.

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  • Rezension zu "Große Erwartungen" von Charles Dickens

    Große Erwartungen

    blueberry7

    03. January 2011 um 14:33

    Oh ja, ein Dickens-Klassiker.
    Mein erster seit Jahren. Und ich gebe zu, dass Geschichte und Sprache gar nicht mal so antiquiert waren, wie ich befürchtete.
    Dennoch bin ich zwar sehr angetan von diesem Werk, kann aber nicht gar so in Lobeshymnen verfallen wie meine Lieblingsliteratin.
    Werde aber dennoch 4 von 5 Punkten vergeben.

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