Charles Lewinsky

 4.3 Sterne bei 148 Bewertungen
Autor von Melnitz, Kastelau und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Charles Lewinsky

Charles Lewinsky wurde 1946 in Zürich geboren und studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Zürich und Berlin, was er jedoch nie abschloss. Er arbeitete dann als Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Theatern. Nachdem er als Redakteur und Ressortleiter beim Schweizer Fernsehen gearbeitet hat, widmete sich Lewinsky ab 1980 ganz dem Schreiben als freier Autor. Er arbeitete dann für verschiedene Unterhaltungssendungen, gestaltete Hörspiele mit, schrieb Liedtexte, Theater- und Prosatexte. Mit seinem aktuellen Roman "Kastelau" steht er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

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Der A-Quotient

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Neu erschienen am 24.09.2018 als Hardcover bei Nagel & Kimche.

Alle Bücher von Charles Lewinsky

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Melnitz

Melnitz

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Erschienen am 14.07.2015
Andersen

Andersen

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Erschienen am 20.07.2018
Gerron

Gerron

 (16)
Erschienen am 01.10.2013
Kastelau

Kastelau

 (17)
Erschienen am 18.12.2015
Gerron

Gerron

 (10)
Erschienen am 29.08.2011
Ein ganz gewöhnlicher Jude

Ein ganz gewöhnlicher Jude

 (9)
Erschienen am 01.03.2007
Der Teufel in der Weihnachtsnacht

Der Teufel in der Weihnachtsnacht

 (9)
Erschienen am 01.10.2013
Zehnundeine Nacht

Zehnundeine Nacht

 (6)
Erschienen am 20.08.2008

Neue Rezensionen zu Charles Lewinsky

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Kastelau" von Charles Lewinsky

Lied der Freiheit
Giselle74vor 9 Monaten

Um den Kriegswirren in Berlin 1944 zu entkommen, reist ein Filmteam der UFA zu angeblichen Dreharbeiten in die bayrischen Alpen, in das verschlafene Dörfchen Kastelau. Auf engstem Raum und mit primitiven Mitteln versuchen sie den Eindruck aufrechtzuerhalten, sie drehten einen kriegswichtigen Film. Im Laufe der Zeit und unter dem Druck der Situation zeigt dabei jeder seinen wahren Charakter.
Erzählt wird in der Rückblende, mit Hilfe von Material, bestehend aus Drehbuchschnipseln, Interviews mit einer Darstellerin und Tagebucheinträgen des Drehbuchschreibers, die ein junger Amerikaner für seine Doktorarbeit zusammengetragen hat.

Angelehnt an die letzten Kriegsmonate Erich Kästners, die dieser in seinem literarischen Tagebuch "Notabene 45" beschrieb und die er in Tirol bei den Dreharbeiten zu dem Film "Das falsche Gesicht" verbrachte, verfasste Charles Lewinsky einen faszinierenden Roman, der Puzzleteilchen für Puzzleteilchen die (fiktiven) Geschehnisse in dem kleinen Bergdörfchen Kastelau enthüllt. Er erzählt von Werner Wagenknecht, einem von den Nazis mit Schreibverbot belegten Autor, der unter dem Decknamen Frank Ehrenfels das Drehbuch zu dem Film namens "Lied der Freiheit" verfasst, von Tiziana Adam, einer jungen aufstrebenden Schauspielerin und von dem später sogar in Hollywood berühmten Schauspieler Walter Arnold, der ein Meister darin ist, das Fähnlein karrierefördernd mit dem Wind zu drehen.

Trotz der nicht immer zusammenhängenden Schnipsel, gelingt Lewinsky eine eindringliche Personenzeichnung, wird Kastelau mit seinen Einwohnern und dem Filmteam lebendig. Das ist natürlich vor allem den Interviewteilen mit der wunderbaren  Tiziana Adam zu verdanken, bei der man sich wirklich nicht vorstellen kann, dass es sich um eine erfundene Person handeln soll. Man wünscht sich fast, man könne sie in ihrer Berliner Kneipe aufsuchen. (Würde sie wohl gar nicht wollen. Aber trotzdem.)

Die Geschehnisse in Kastelau hallen auch nach Beenden des Buches nach. Gerade weil die Abläufe so wahrscheinlich und nachvollziehbar sind, weil sie in Teilen sicher in ganz Deutschland ähnlich abgelaufen sind, hinterlassen sie fast unmerklich Frösteln und Gänsehaut. Nicht ohne Grund stand "Kastelau" 2014 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Ein phantastisch komponierter Roman über die letzten Kriegsmonate, ein Kammerspiel über Menschen unter Druck, mehr oder weniger abgeschlossen von der Außenwelt. Über Kadavergehorsam und Mutterliebe. Über Lebenslügen und den Preis ihrer Aufrechterhaltung.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Der Wille des Volkes" von Charles Lewinsky

auf dem Weg zur freiwilligen Diktatur
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Der erste Satz: «Manchmal nahm Weilemann den Hörer ab, obwohl es gar nicht geklingelt hatte, nur um zu überprüfen, ob da überhaupt noch ein Summton war.«

Schweizer Humor, Schweizer Charme und Schweizer Kultur, in diesem Buch trifft alles zusammen. Kurt Weilemann, ein alter, brummiger Journalist, der sich der modernen Technik verweigert, noch ein Schnur-Telefon besitzt, hält sich mit kleinen Aufträgen über Wasser, die Rente reicht nicht weit, »nächste-Station-Friedhof-Bett«. Man gibt ihm Nachrufe zu schreiben, auf alte Säcke, mit denen er einmal zusammengearbeitet hat. Da meldet sich Felix Derendinger, und ein ehemaliger Kollege, Freund und Konkurrent, trifft sich ihm, um ihm etwas mitzuteilen. Er ist hektisch, nervös, dreht sich ständig um, redet Unverständliches, steckt ihm eine Anstecknadel zu und ist schon in der Menge verschwunden. Gleich darauf ist er tot, angeblicher Selbstmord, von einer Mauer gesprungen. Weilemann glaubt nicht daran, glaubt, der Kollege war etwas auf der Spur. Mit den ihm mitgeteilten Fragmenten fängt er an zu ermitteln, denn ihm, dem guten Rechercheur hatte der Kollege vertraut. War der Mord an einem Politiker damals ein parteiinternes Komplott? Man hatte einen Asylbewerber dafür verantwortlich gemacht. Bald bekommt er es mit der Angst zu tun, ist man auch ihm auf der Spur?

»Dabei war es nicht so, dass ihn all die neuen Erfindungen überfordert hätten, überhaupt nicht, er war ja nicht verkalkt, er sah nur nicht ein, warum man sich ständig umstellen sollte, wenn die Dinge doch gut funktionierten, so wie sie waren.«

In dieser Dystopie befinden wir uns in einer nahen Zukunft, in der Autos selbstständig fahren, aber gleichzeitig fühlen wir uns ganz zu Hause, sogar die vergangene Zeit ist völlig präsent in der Hauptfigur. Alles ist überwacht. Weilemann trickst, fährt im Bus mit einem Seniorenausflug, anstatt ein Ticket zu kaufen, agiert mit fremden Visitenkarten, um seine Identität zu vertuschen, lässt das Handy im Zug liegen, wohin es auch immer reist. Wird ihm das etwas nützen?

»›Seit 1941 ist in der Schweiz die Todesstrafe abgeschafft‹, stand da. ›Sind Sie der Ansicht, dass man angesichts der virulenten Ausländerkriminalität diese Form der Vollsühne wieder einführen sollte?‹ – ›Vollsühne‹ ist eine Scheißformulierung, dachte Weilemanns Journalistenhirn automatisch, dafür ist ›virulent‹ ein gut ausgesuchtes Adjektiv: Die Leute wissen nicht genau, was es bedeutet, werden aber an einen Krankheitserreger erinnert, und für Krankheitsbekämpfung ist jeder.«

Die Schweiz wird allein von den »Eidgenössischen Demokraten« regiert, einer rechten, populistischen Partei, die einen digital überwachten Staat installiert hat, nun die Todesstrafe wieder einführen möchte, was den meisten Menschen recht logisch erscheint. Allein, was so ein Verbrecher im Knast jeden Tag kostet! Natürlich darf das Volk noch wählen! Es herrscht ja Demokratie! Die »Eidgenössischen« sind die Einzigen, die viel Geld aufbringen können und stecken dies in jede Menge Werbekampagnen zum Volksentscheid, man kommt an ihren Aufrufen, Artikeln, Plakaten und Unterschriften nicht vorbei, wird täglich berieselt.

«‹Das Gedicht, das Sie vorgelesen haben, von wem war das?‹ - Der Mann errötete. ›Von mir‹, sagte er und blickte verlegen zur Seite. ›Verse sind mein Hobby.‹ – ›Schön. Sehr schön. Übrigens: ‹Rhythmus› schreibt man mit zweimal ‹h›.‹ – ›Natürlich. Wieso …?‹ – ›Ich hatte den Eindruck, dass Sie das Wort noch nie gehört haben.‹ Es war ein billiger Sieg gegen einen wehrlosen Gegner, weit unter Weilemanns Würde, aber ab und zu tat es einfach gut, so einen verbalen Treffer zu landen und sich damit selber zu beweisen, dass man das Spiel mit der Sprache noch nicht ganz verlernt hatte.«

Mit Sprachwitz und gesellschaftskritischem Humor begibt sich Weilemann auf die Suche. Eine Suche in das Alter, in die moderne Zeit, in der viel zu kritisieren ist, »ein alter Sack war er geworden, ein altmodischer alter Sack«, »retro«, wie er sich selbst bezeichnet, Altersheim, Seniorenfahren, alles ist dabei. Dieser Krimi ist nichts für Schnellleser, die Handlung wird nicht herangetrieben, tritt oft auf der Stelle in den gedanklichen Exkursen des Protagonisten für alle möglichen Themen.

»Er hätte auch einen Wilhelm Tell genommen, es musste ja nicht gerade der sein, der da drüben an der Wand hing: das legendäre ED-Plakat für die Abstimmung damals, in der die Kündigung aller Verträge mit der EU beschlossen worden war, Wille im Sennenchutteli und mit Armbrust, und darunter das Schiller-Zitat ›Der Starke ist am mächtigsten allein.‹ Nur dass sich dann sehr bald herausgestellt hatte, dass die Schweiz eben doch nicht stark genug war, um allein mächtig zu sein, eine Tatsache, an der die einfachen Büezer immer noch zu knabbern hatten; selber schuld, warum machten sie aus ihren Kindern nicht Tochtergesellschaften und lagerten sie ins Ausland aus, so wie es die großen Konzerne mit ihren Fabriken taten? Wenn man so wollte, hatte ihnen der Friedrich Schiller mit seinem fetzigen Spruch die Misere eingebrockt, aber der war eben Ausländer, und von denen war noch nie etwas Gutes gekommen.«

Der Mord ist eigentlich Nebensache. Die Inneneinsichten des alternden Mannes über die Neue Welt treffen ins Schwarze. Was wäre, wenn einer allein die Macht hätte, die Presse und die Polizei im Griff und keiner merkt es? Der Roman ist politisch. Charles Lewinsky mahnt vor einer Zukunft, regiert durch die Rechten, ein Blick auf die SVP ist sicher nicht von ungefähr. Er haut auf alle drauf, in herrlichen Vergleichen. Was braucht Zürich die Mafia, es hat ja schon die Banken, erklärt er. Die gelangweilten Rentner reisen zur Burg nicht aus kulturellen Dingen, wegen der guten Mistkratzerli (Schweizer Name für Hühnchen) und dem guten Kaffee Doppelcreme im Burgkeller, um abends dann wieder die Abführmittel zu nehmen. Hier bekommt jeder sein fett ab. Ein Krimi, der eher für Nichtkrimileser geeignet ist, voll Satire und bösem Blick auf die Politik, der Frau Schweizer und dem Herrn Schweizer auf’s Mul geschaut.

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M

Rezension zu "Der Wille des Volkes" von Charles Lewinsky

Ein Blick in eine mögliche, nahe Zukunft im Gewand eines (ruhigen) Kriminalromans
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Ein Blick in eine mögliche, nahe Zukunft im Gewand eines (ruhigen) Kriminalromans

Mit immer wieder „Schweizer Spezial-Ausdrücken“ und bildreich geschilderten Szenen in Straßen, Häusern, kleinen und großen Ortschaften bis hin zur Fahrt mit Tram und Taxi gelingt es Lewinsky von Beginn an spielerisch leicht, den Leser mitten hinein in diese Schweizer Welt zu ziehen.

Zudem, zunächst noch eher überlesen, dann ein wenig irritierend, bis man es vollständig verstanden hat (selbstfahrende Trams und Autos), entpuppt sich das zunächst gemächliche „Pensionärs-Leben“ des ehemaligen Journalisten Kurt Weilemann als ein stückweit in die nähere Zukunft gesetzt.

Dem nicht nur die veränderten Alltagsbedingungen eine besondere Farbe verleihen, sondern die letztendlich das gesamte Gerüst und den Kern des Romans ausmachen werden.

Denn wenn sich Weilemann mit einem alten „Konkurrenten“ verabredet, dieser scheinbar sinnloses Zeug vor sich hin brabbelt und knapp 45 Minuten später tot ist (Selbstmord nach offizieller Lesart). Wenn dieser „Konkurrent“ mithilfe einer bezaubernden, jungen Frau und einer irritierenden Fotografie auf einen Kriminalfall von größter Tragweite verweist und wenn dann auch noch klar wird, dass genau jene nationalistischen Strömungen in der Schweiz seit zig Jahren an die Macht gelangt sind, die aktuell weltweit „wiederauferstehen“, dann erst beginnt sich beim Leser mehr und mehr Beklemmung einzuschleichen.

Die bis zum Ende des Romans nicht enden wird. Seien es rechte Kräfte in Frankreich, in Deutschland, sei es die Linie von Erdogan in der Türkei, all dies setzt Lewinsky in ruhigem Erzählfluss zu einem Gesamtbild zusammen, dass sich Seite für Seite mehr als nurmehr eine Fratze von Demokratie darstellt.

Und dabei nicht stehenbleibend schaut Lewinsky allen Protagonisten zumindest ein stückweit in die „völkische Seele“ und lässt den Leser immer wieder in die naiven Fallen tappen.

„Vollsühne“. Aha. Klingt ja eher possierlich, bis man weiß, was damit gemeint ist.

Und ein Ordnungsamt, das hat doch jede Kommune, jede Verwaltung. Wohl aber nicht so eines, in dem Weilemanns Sohn (mit dem er ein sehr angespanntes Verhältnis pflegt) einen hohen Rang bekleidet. Und auch mancher „Billett-Kontrolleur“ in der Bahn weckt im Nachgang ungute Erinnerungen aus dem Geschichtsunterricht aus den Zeiten vor 1945.

Diese Welt setzt Lewinsky in eleganter Sprache bestechend in Szene. Was allerdings in der Breite der Beschreibungen auch manche Längen mit sich bringt. Jene „Mehrfach-Witwe“ mit ihrer Sammlung an „Kantons-Ansteckern“ zumindest stört fast den Ablauf mehr, als dass diese eine Bereicherung für die Lektüre darstellen würde.

Mit zügigem Tempo dann wieder aber nähert sich Lewinsky mit einer überraschenden „Offenbarung“ eines senil wirkenden Schriftstellers dem Finale des Buches, das ebenfalls Erwartungen durchbricht und eine Strategie vollständiger Kontrolle und „genialer“ Inszenierung fast ohne Achillesferse einer Herrschaft durch „Volkskontrolle“ perfide vor Augen führt.

Eine empfehlenswerte Lektüre.

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