Charles Portis

 4.2 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von True Grit, True Grit (2010), 1 DVD und weiteren Büchern.

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Die mutige Mattie

Die mutige Mattie

 (1)
Erschienen am 01.01.1969
True Grit

True Grit

 (35)
Erschienen am 30.10.2012
Escape Velocity

Escape Velocity

 (0)
Erschienen am 27.03.2014
Norwood

Norwood

 (0)
Erschienen am 20.01.2011
Masters of Atlantis

Masters of Atlantis

 (0)
Erschienen am 20.01.2011
Gringos

Gringos

 (0)
Erschienen am 04.01.2011
Masters of Atlantis

Masters of Atlantis

 (0)
Erschienen am 01.03.2002

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Gulans avatar

Rezension zu "True Grit" von Charles Portis

Echter Schneid.
Gulanvor einem Jahr

Heutzutage glaubt kein Mensch mehr, dass ein vierzehnjähriges Mädchen mitten im Winter sein Elternhaus verlassen könnte, um den Mord an seinem Vater zu rächen; aber damals erschien einem das nicht so seltsam – wenn ich auch sagen muss, dass es sicher nicht alle Tage vorkam. Ich war gerade mal vierzehn, als ein Feigling namens Tom Chaney meinen Vater unten in Fort Smith, Arkansas, über den Haufen schoss und ihm sein Leben, sein Pferd, 150 Dollar sowie zwei kalifornische Goldstücke raubte, die er im Hosenbund trug. (S.7)

Die 14jährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters zur Rechenschaft ziehen. Sie begibt sich nach Fort Smith und heuert den alternden Marshal Rooster Cogburn an, um den Mörder Tom Chaney zu jagen. Ebenfalls auf der Suche nach Chaney ist der Texas Ranger LaBœuf, denn in Texas ist auf diesen ein hohes Kopfgeld ausgesetzt. Die beiden Männer wollen gemeinsam den Mörder im angrenzenden Indianerterritorium aufspüren. Doch beide haben nicht damit gerechnet, dass Mattie sich der Jagd anschließen wird.

Mattie ist ein überaus kluges und selbstbewusstes Mädchen. Sie lässt sich auch vom Widerstand der Männer nicht beeindrucken, nimmt an der Jagd teil und erwirbt sich nach und nach den Respekt der Männer. Überhaupt lebt diese Geschichte von den drei unterschiedlichen Charakteren der Hauptfiguren. Die mutige, resolute, manchmal vorlaute Mattie, der etwas abgehalfterte, dem Alkohol nicht abgeneigte, einäugige Rooster und der hartgesottene und großspurige LaBœuf sind sich anfangs alles andere als grün, sie reiben sich aneinander, aber – man ahnt es – raufen sich im Laufe der Geschichte zusammen. Das ist zumeist ziemlich vergnüglich zu lesen.

Die Handlung spielt um das Jahr 1880 in Arkansas und dem damaligen Indianer-Territorium (heute: Oklahoma). Zu Beginn taucht auch die echte Person des berühmt-berüchtigten Richters Isaac Charles Parker in der Story auf. Die Geschichte wird von Mattie rückblickend als Ich-Erzählerin erzählt. Die Erzählperspektive empfand ich durchaus als suboptimal, denn Mattie kommt in ihrer eigenen Erzählung manchmal etwas altklug daher. Zudem verliert sie sich gerade am Anfang in etwas belanglosen Szenen, ein wenig mehr Stringenz wäre nicht schlecht gewesen. So richtig Fahrt nimmt die Story erst zur Mitte des Buches auf, als Mattie, Rooster und LaBœuf ins Indianer-Territorium aufbrechen, um Chaney nachzustellen, der sich der Bande des Banditen Ned Pepper anzuschlossen hat.

Charles Portis arbeitete zunächst als Journalist, ehe er sich der Schriftstellerei widmete. Bereits mit seinem Debüt „Norwood“ war er erfolgreich, sein 1968 erschienener zweiter Roman „True Grit“ wurde dann sein größter Erfolg. Erstmals wurde der Roman schon 1969 unter der Regie von Henry Hathaway verfilmt, in Deutschland unter dem Titel „Der Marshal“. John Wayne gewann damals in der Rolle des Rooster Cogburn einen Oscar als bester Hauptdarsteller.

Vierzig Jahre später verfilmten die Coen-Brüder den Stoff erneut. Auf die üblichen Skurrilitäten, die man bei den Coens gewohnt ist, muss man jedoch nicht verzichten, so etwa findet die erste Begegnung zwischen Mattie und Rooster durch die Tür eines Klohäuschens statt oder Mattie übernachtet zunächst beim Bestatter zwischen den Särgen. Später im Film beißt sich LaBoeuf fast die Zunge entzwei und lispelt fortan. Dennoch ist True Grit deutlich enger am Originalwerk als „Der Marshal“. Er beginnt sogar mit den Original-Anfangssätzen. Wie im Buch ist das Zusammenspiel der Darsteller von besonderem Reiz. Dabei hat mich durchaus überrascht, dass die damals 13jährige Hailee Steinfeld als Darstellerin der Mattie sich gegen die schauspielerischen Schwergewichte Jeff Bridges (als Rooster) und Matt Damon (als LaBoeuf) behaupten kann. Interessant fand ich die Anpassung im Drehbuch, dass die drei sich im Streit gleich zweimal trennen, während dies im Buch nicht passiert. Insgesamt ist die Verfilmung aus meiner Sicht gut gelungen, da sie die Atmosphäre und den Stil des Buches adäquat in Bilder umsetzt.

Insgesamt muss ich zusammenfassen, dass „True Grit“ (übersetzt übrigens: „Echter Schneid“) ein Spätwestern um ein Rache/Vergeltungsmotiv ist, der mich gut unterhalten hat, aber bei dem mir ein paar Überraschungsmomente für die ganz große Begeisterung fehlten. Das Grundgerüst ist ziemlich genrekonventionell, allerdings sorgen die unterschiedlichen Charaktere der drei Hauptfiguren durchaus für Abwechslung.

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brudervomwebers avatar

Rezension zu "True Grit" von Charles Portis

"Here is what happened ..."
brudervomwebervor 5 Jahren

Wenn man über TRUE GRIT seine Meinung abgeben will, ist es ratsam, auch seine eigene Historie mit dem Stoff offenzulegen ... immerhin gibt es inzwischen zwei Verfilmungen des Romans von Charles Portis.

In meinem Fall fand die erste Begegnung mit Mattie Ross und Rooster Cogburn tatsächlich nicht über den Roman, sondern via Verfilmung der Coen-Brothers statt, und ich muss zugeben, dass mich dieser Film, der wie das Buch eine schnurgerade "straight story" erzählt, insbesondere aufgrund der Darstellung von Jeff Bridges als einäugigem, rauhbeinigem, versoffenen US-Marshall und insbesondere durch Hailee Steinfelds Leistung als "little big girl" Mattie Ross fesselte.

Mit dem oscarprämierten "Duke", sprich: John Waynes Interpretation des vierschrötigen Gesetzeshüters, habe ich mich in der Rolle des Marshalls nie auseinandergesetzt. Ich kenne den Film nicht. Ich kenne die Coen-Version. Und inzwischen auch den im Zuge der Verfilmung wieder aus der Versenkung aufgetauchten Roman von Charles Portis.

Die Coens haben immer betont, dass ihr Film kein Remake des John-Wayne-Films sei, sondern eine Verfilmung des Romans. Man muss nicht viele Seiten lesen, um zu erkennen, dass das nicht gelogen ist. Einige Dialoge sind wortwörtlich aus dem Roman übernommen, und auch, wenn der Film Szenen hinzudichtet und die Handlung sanft modifiziert, um die vermeintliche Schlichtheit des Originals ein wenig zu komplizieren, verdient er es, vorlagengetreu genannt zu werden.

Aber ich will gar nicht über den Film schwadronieren, sondern über das Buch. Ich mochte den Film, und ich wollte wissen, ob ich das Buch ebenfalls mögen würde. Große Überraschungen auf Handlungsebene erwarteten mich natürlich nicht, nachdem ich den Film bereits kannte, aber bei Geschichten wie dieser ist der Weg das Ziel, gibt die Narration den Ton an, das "Wie" des Erzählens wiegt schwerer als das "Was".

Mattie Ross' pragmatischer Tonfall liegt hier über allem. Wenn du willst, dass etwas ordentlich erledigt wird, kümmere dich selbst darum. Punkt. Ich muss zugeben, dass ich den Roman mit einem kontinuierlichen Schmunzeln im Mundwinkel las, sicherlich mit einigen (Film)Bildern vor dem geistigen Auge, und dass ich aufgrund der Pfiffigkeit von Mattie, der Bärbeißigkeit von Rooster Cogburn, der selbstgefälligen Eitelkeit des Texas Rangers LaBoeuf, des brandgefährlichen Selbstmitleids eines Tom Chaney und der redlichen Verbrecherseele Ned Pepper trotz des mir bekannten Ausgangs an jeder Zeile, an jedem Wort hing.

Die von mir gelesene Ausgabe brachte zudem ein Vorwort mit, in welchem die generationen- und geschmacksübergreifende Tauglichkeit des Romans gepriesen wurde, und in der Tat muss ich mich diesem Credo anschließen. TRUE GRIT ist nicht einfach ein Western. Der Roman schildert das harte Leben im sprichwörtlichen Wilden Westen aus der Sicht eines früh zum Erwachsenwerden gezwungenen Mädchens, erzählt und gelebt mit einer Mischung aus matter-of-fact-Abgeklärtheit, die selbst einen Marshall Cogburn einzunorden vermag, und einer trotz aller Geschäftstüchtigkeit nicht verlorengegangenen Blauäugigkeit.

Im zweiten Absatz bringt Mattie die Geschichte bereits auf den Punkt. Da heißt es: "Here is what happened." Geradeheraus. So ist es gewesen. Lies es oder lass es.

Meine Empfehlung: Lies es!

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Rezension zu "True Grit" von Charles Portis

Rezension zu "True Grit" von Charles Portis
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

„True Grit“ dürfte den meisten vordergründig durch die (zweite) Verfilmung mit Jeff Bridges und Matt Damon aus dem Jahre 2010 bekannt sein – und man darf an dieser Stelle ruhig erwähnen, dass sie die Buchvorlage sehr gut trifft.

Charles Portis erzählt eine Wildwestgeschichte aus dem 19. Jahrhundert, in der die 14jährige Mattie den Tod ihres Vaters rächen wird. Auf der Suche nach dem Mörder wird sie begleitet von dem als furchtlos geltenden Marshal Rooster und dem Texas Ranger LaBoeuf. Was die drei auf ihrem riskanten Trip erleben, wird von dem Autor mehr als plastisch dargestellt: Bei der Lektüre flogen mir die Kugeln fast um die Ohren, ich sah Blut fließen, spürte den Schmerz nahezu.

Besonders herausgestellt wird auch die Besonder- und Eigenheit der Figuren: Mattie, dieses 14jährige etwas altkluge, aber sehr toughe Mädchen; Rooster und LaBoeuf, auch auf den zweiten Blick nicht unbedingt Sympathieträger, die jedoch im entscheidenden Moment selbstlos und – um passend zur Geschichte ein altmodisches Wort zu gebrauchen – edelmütig handeln.

Hinzu kommt der geradlinige und dichte Erzählstil, der diesen kleinen, aber feinen Wildwestroman zu einem stimmungsvollen und fesselnden Lesevergnügen macht. Wer klassische amerikanische Literatur mag, wird die Lektüre von „True Grit“ kaum bereuen.

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