Mit Miami Blues von Charles Willeford hatte ich mir einen etwas anderen Crime-Roman erhofft – und genau das bekommt man auch. Allerdings nicht in jeder Hinsicht überzeugend.
Der Roman erinnert stellenweise stark an einen Film der Coen-Brüder: überzeichnete Figuren, absurde Situationen und ein schräger, fast schwarzhumoriger Ton. Mit Freddy als komplett drüber inszeniertem Charakter, einer grenzwertig naiven Susan und skurrilen Nebenfiguren bringt Willeford viele ungewöhnliche Elemente zusammen. Das Problem dabei: Man nimmt diesen Figuren nie ganz ab, dass sie wirklich „funktionieren“. Es fehlt an Tiefe oder zumindest an einer klaren inneren Logik, die sie greifbar macht.
Besonders schwierig war für mich die Figur von Hoke Moseley. Als abgehalfterter Cop angelegt, geht er für meinen Geschmack einen Schritt zu weit in Richtung „kaputt“. Statt rauer Coolness oder gebrochener Stärke bleibt vor allem Mitleid übrig. Hoke wirkt oft orientierungslos, teilweise fast treudoof – als müssten andere Figuren ihm sagen, was er als Nächstes zu tun hat. Dadurch entsteht wenig Bindung, und die Figur trägt die Geschichte nicht so, wie sie es eigentlich müsste.
Auch die Handlung kommt nur schwer in Fahrt. Über weite Strecken wirkt sie episodenhaft: kleinere Ereignisse, lose verknüpft, ohne klaren Zug nach vorne. Zufälle spielen eine große Rolle und wirken teilweise konstruiert, was zusätzlich Distanz schafft. Erst im letzten Drittel – insbesondere nach einem einschneidenden Ereignis rund um Hoke – zieht die Geschichte spürbar an. Hier wirkt Hoke zielgerichteter, und die Handlung bekommt endlich etwas mehr Fokus.
Das Ende ist dann insgesamt versöhnlich und rundet das Buch solide ab, auch wenn es die vorherigen Schwächen nicht vollständig ausgleichen kann.
Fazit:
Ein ungewöhnlicher Crime-Roman mit eigenem Ton und skurrilen Figuren, der aber unter fehlender Tiefe und einer zu ziellosen Handlung leidet. Unterhaltsam in Teilen, aber insgesamt nicht ganz mein Ding.















