Charles den Tex Die Zelle

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Inhaltsangabe zu „Die Zelle“ von Charles den Tex

Michael Bellicher weiß nicht, wie ihm geschieht: Der junge Amsterdamer Unternehmensberater wird Zeuge eines schweren Autounfalls und ruft die Polizei. Doch die eintreffenden Beamten beschuldigen ihn eines anderen Unfalls mit Todesfolge und nehmen ihn vorläufig fest. Wieder auf freiem Fuß, muss er feststellen, dass er ohne sein Zutun Eigentümer maroder Treibhäuser im niederländischen Gartenbaugebiet geworden ist. Bellichers Existenz wird mehr und mehr fremdbestimmt. Wer stiehlt erst seine Identität und will dann auch noch sein Leben?

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  • Identitätskrise.

    Die Zelle
    Gulan

    Gulan

    24. October 2016 um 18:58

    Das ist nicht mein Leben, was immer die anderen auch behaupten mögen. Es ist, als sei ich ein Fluss und als habe mich in der Nacht irgendjemand umgeleitet. Als flösse ich plötzlich durch ein anderes Land, eine unbekannte Gegend. Irgendjemand fährt mit einem Auto herum, das nicht mir gehört, aber auf meinen Namen zugelassen ist. In Monster, um genau zu sein. Das ist ein Anschlag auf meine Integrität. In Monster. Da bin ich noch nie zuvor gewesen. Da habe ich gar nichts zu suchen. Andere vielleicht, ich nicht. ICH KENNE MONSTER NICHT! Ich solle Ruhe bewahren, hat mir meine Anwältin geraten. Aber es gelingt mir nicht. Wenn ich nicht ganz schnell beweisen kann, dass ich Opfer eines Verbrechens geworden bin und nicht Täter eines anderen, dessen mich die Polizei beschuldigt, habe ich den Schwarzen Peter und ich kann nicht gut Karten spielen (S.79) Der Unternehmensberater Michael Bellicher ist auf einer Landstraße unterwegs, als vor ihm ein Wagen schwer verunglückt. Die beiden Insassen kommen ums Leben, Bellicher ruft die Einsatzkräfte. Doch als die Polizei eintrifft und seine Personalien kontrolliert werden, wird Bellicher vom Zeugen zum Beschuldigten. Denn er wird wegen Fehlerflucht bei einem anderen Unfall gesucht, der mit einem Wagen verursacht wurde, der auf seinen Namen zugelassen ist. Das Unfallopfer stirbt und Bellicher steckt mächtig in der Klemme. Aber die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Eine Bank meldet sich und erklärt ihm, dass er mit seinen Krediten in Rückstand ist. Dummerweise weiß Bellicher nichts davon, dass er für drei Millionen Euro ein verwahrlostes Haus und mehrere heruntergekommene Treibhäuser mitten im holländischen Gemüseanbauland gekauft haben soll. Und außerdem trachten plötzlich merkwürdige Gestalten nach Bellichers Leben. Aber auch der erste Unfall, den Bellicher beobachtet hat, holt ihn wieder ein. Die Opfer waren nämlich Bas Hoogemans und sein Chauffeur. Hoogemans war der Vorsitzende einer Untersuchungskommission zur Verwendung von Integrationsbeihilfen und offenbar sehr erfolgreich im Aufspüren von fehlgeleiteten Mitteln, die teilweise nicht zur Integration benutzt, sondern im Gegenteil von Islamisten zweckentfremdet wurden. Autor Charles den Tex zählt zu den erfolgreichsten niederländischen Krimiautoren des 21. Jahrhunderts. Wie sein Protagonist Michael Bellicher arbeitete auch er als Kommunikations- und Managementberater. Er gewann 2002 und dann sowohl mit dem ersten Michael-Bellicher-Thriller „Die Macht des Mr. Miller“ 2006 als auch mit „Die Zelle“ im Jahr 2008 den niederländischen Krimipreis „Gouden Strop“. Seine Bücher erscheinen im Dortmunder Grafit Verlag. In seinem Thriller lässt der Autor Michael Bellicher als Ich-Erzähler seine Geschichte erzählen. Dabei unterbricht er in regelmäßigen Abständen die Kapitel durch Einträge Bellichers in seinen persönlichen Blog. Der Plot ist zum einen natürlich eine Man-on-the-run-Story mit Bellicher auf der Suche nach seiner verlorenen oder besser gesagt kopierten Identität. Es geht um die Sicherheit des Einzelnen in der digitalisierten Welt, aber eben nicht nur. Zum anderen mischen in dieser Geschichte nämlich nicht nur Datendiebe mit, sondern auch Regierungsorganisationen, Militär, Nachrichtendienst und Terroristen. Was mir besonders gut gefiel, ist, dass Michael Bellicher nicht als Einzelkämpfer agiert und wie ein Protagonist in so manchem anderen Thriller unrealistische Fähigkeiten entwickelt, sondern er erhält massive Unterstützung von Freunden und Familie, ohne die er völlig verloren wäre. So ist sein Freund und Firmenpartner Gijs Mitglied einer Familie mit erheblichem Einfluss in den Niederlanden und selbst mit diesem Einfluss wird es noch schwer genug. Aber die freundschaftliche Unterstützung, die Bellicher erhält, hat der Autor den Tex wohl bewusst als Kontrast zu der digital-anonymen Welt und den gesellschaftlichen Machtstrukturen gesetzt. Ich tat, wie mir befohlen, und erduldete eine anale Untersuchung. Ein eingefettetes, flexibles Beobachtungsinstrument wurde in mich hineingeschoben. Der Mann blickte das Bild auf dem Monitor an, während er das Instrument hin- und herbewegte. Was ich dort verbergen sollte, war mir schleierhaft. Danach wurde ich nicht gefragt. Das Gefühl für die Absurdität der ganzen Operation wich nun der Angst. Nackt in einem Zimmer mit einem Militärarzt, der mir in den Arsch guckte – nein, ich hegte keinerlei Illusionen mehr über das Ziel der ganzen Aktion. Wenn ich in diesem Moment vor Nervosität einen fahren gelassen hätte, hätten mich die Soldaten auf der Stelle erschossen, aus Angst, ich könnte Senfgas pupsen. Der Kampf gegen den Terrorismus war ein Krieg, der jeden Augenblick ausbrechen konnte. An jedem erdenklichen Ort. Aber mein Anus war der letzte Ort, der mir dabei in den Sinn gekommen wäre. (S.298-299) „Die Zelle“ ist ein fulminanter Actionthriller über die Risiken des digitalen Zeitalters, aber darüber hinaus eine Zustandsbeschreibung unserer gesellschaftlichen und demokratischen Verhältnisse. Zusätzlich machen starke Figuren, viel Tempo und rasante Action (unter anderem eine Autoverfolgungsjagd mitten durch die Treibhäuser) das Buch zu einem hervorragenden Roman.

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  • Rezension zu "Die Zelle" von Charles den Tex

    Die Zelle
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. July 2011 um 09:56

    Der niederländische Unternehmensberater Michael Bellinger wird Zeuge eines Unfalls und kurz darauf Opfer von Internetkriminalität und Identitätsdiebstahl. Jemand kauft in seinem Namen Grundstücke und überfährt Menschen auf der Straße. Mit der Hilfe von Freunden und Familie macht sich Bellinger auf die Jagd nach seinen Feinden, durch Gewächshäuser und virtuelle Welten... Charles den Tex hat hier einen tollen Protagonisten auf die Reise geschickt. Der Ich-Erzähler schildert seine Geschichte flott und rasant, oft mit jovialem Unterton und einem zynischen Humor. Die Figur ist äußerst glaubwürdig, die Gedankengänge sehr realitätsnah. Auch die anderen Charaktere sind handfest und weisen Profil auf, sodass es sofort Spaß macht, den Dialogen zu folgen. Die Geschichte selbst pendelt irgendwo zwischen beängstigend und paranoid. Teilweise kam mir die eine oder andere Wendung ein bisschen zu hoch gegriffen vor, und manche Fakten werden auch einfach mal als gegeben hingestellt. In einer Art Selbsthilfegruppe erzählt z.B. ein Leidensgenosse, dass auch ihm sein Masterpasswort geklaut wurde und er daraufhin sein ganzes Leben verloren habe. Schön detailreich zwar, aber wie die Gangster denn nun an sein Passwort gekommen sind wird nicht klar, schade. Dies ist aber eine Ausnahme. Meistens versteht den Tex sehr gut, wovon er schreibt, Onlinebanking, PayPal, Second Life, offensichtlich alles sehr gut recherchiert. Das Erzähltempo ist recht straff, sodass auf den knapp 450 Seiten kaum mal Langeweile aufkommt. Eine für mich tolle Mischung aus Action, Dialogen und Ermittlungen hielt mich immer aufmerksam. Zwischendurch gibt es auch eine Stelle, die ich richtig packend fand, das kommt bei mir selten vor, da war ich sehr beeindruckt, wie gut der Autor die bedrückende Atmosphäre in einem Zug schilderte, in dem eine Bombenwarnung ausgerufen wurde. Das schrittweise Erkennen der Passagiere, anschließend das lange Warten, die Evakuierung, großartig geschrieben. Etwas schwammig fand ich dann das Ende. Zwar alles schlüssig dargelegt, aber irgendwie ein bisschen zu platt. Trotzdem ein echt guter Thriller, der mal nicht in den USA spielt, sondern hier bei uns in Europa, und der auch vor Themen wie religiösen Fanatikern und Terrorismus nicht halt macht. Ich werde auf jeden Fall bei Gelegenheit weitere Titel von Charles den Tex lesen.

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