Charlie English

 4,4 Sterne bei 15 Bewertungen

Lebenslauf von Charlie English

Charlie English, Jahrgang 1967, ist studierter Elektrotechniker und heute Redakteur des Guardian. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in London. »Das Buch vom Schnee« ist das erste Buch des begeisterten Wintersportlers.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Charlie English

Cover des Buches Die Bücherschmuggler von Timbuktu (ISBN: 9783455006827)

Die Bücherschmuggler von Timbuktu

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Erschienen am 04.01.2020
Cover des Buches Das Buch vom Schnee (ISBN: 9783954030637)

Das Buch vom Schnee

 (3)
Erschienen am 21.02.2014
Cover des Buches The Snow Tourist (ISBN: 9781846270642)

The Snow Tourist

 (0)
Erschienen am 05.10.2009

Neue Rezensionen zu Charlie English

Cover des Buches Die Bücherschmuggler von Timbuktu (ISBN: 9783455006827)Sikals avatar

Rezension zu "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" von Charlie English

Die Faszination der Bücher
Sikalvor einem Jahr

Der Journalist Charlie English ist seit zig Jahren immer wieder in Afrika unterwegs und als solcher sicherlich jemand, der einen guten Einblick in das Geschehen hat. Mit seinem Buch „Die Bücherschmuggler von Timbuktu“ entführt er uns in eine Welt, die wohl für so manchen Leser eine gewisse Faszination ausübt. Doch die Realität sieht leider etwas anders aus. Als 2012 die Stadt von den Islamisten eingenommen wird, droht nicht nur Gewalt gegenüber der Bevölkerung. Es besteht auch die Gefahr, dass sämtliches Kulturgut – vor allem Dokumente, Bücher, Manuskripte – von den Besatzern vernichtet werden. Zum Glück gibt es eine Gruppe von Bibliothekaren, die unter schwierigsten Bedingungen die Bücher in Sicherheit bringen.

 

Zwischendurch eingeflochten, erfährt man einiges über Forschungsexpeditionen in den vergangenen Jahrhunderten, die sich auf den Weg nach Timbuktu machten – und die die Stadt nicht alle erreichten. Der Mythos war über die Jahre ungebrochen und übte auf Europäer eine Faszination aus. Sie erwarteten sich einen Ort, der reich an Gold ist und dies auch zur Schau stellt. Doch viele mussten auf dem Weg dorthin sterben.

 

Erst Alexander Gordon Lainig war der erste Europäer, der 1826 Timbuktu tatsächlich erreichte. Doch diese Niederschriften sind nie aufgetaucht und auch Lainig kehrte nie nach Europa zurück. Aufzeichnungen gibt es erst von späteren Expedition, beispielsweise von Caillié oder Barth, die auch wieder nach Europa zurückkehrten. Von einem Reichtum (Dächer aus Gold usw.) konnten diese Forscher jedoch nichts berichten. Dafür wurden ein Reichtum an Dokumenten, Schriftrollen und Pergamenten gefunden.

 

Ebenso eingeflochten wird der Beginn der Kolonialisierung, mit welcher Überlegenheit sich die Europäer die Länder aufteilten und ohne Einbeziehung der Bevölkerung über deren Grund und Boden verfügten. Einfach nur erschreckend wozu Menschen fähig sind, leider hat sich da bis heute nichts geändert.

 

Der Autor schafft es, ein Sachbuch dermaßen spannend zu schreiben, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Er zeigt aber auch auf, welcher Kritik die Bücherschmuggler ausgesetzt waren und welche Widersprüche es gab.

 

Am Ende findet man noch Bilder, weitere Quellenangaben und viele Randbemerkungen.

Eine interessante, aufschlussreiche Reise zur Rettung unzähliger Bücher. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Cover des Buches Die Bücherschmuggler von Timbuktu (ISBN: 9783455006827)E

Rezension zu "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" von Charlie English

Die Rettung von altem Wissen und der Mythos von Timbuktu
evaczykvor einem Jahr

Bei Charlie Englishs Buch "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" kommen gleich mehrere Arten von Lesern auf ihre Kosten - die historisch oder geografisch Interessierten, die Anhänger einer gut erzählten "David gegen Goliath"-Geschichte und natürlich all jene, in deren Ohren schon der Klang des Ortsnamens Timbuktu magisch-verheißungsvoll klingt, ähnlich wie Sansibar, Samarkand oder Buchara. Um die Geschichte der sagenumwobenen Oasenstadt geht es auch, um Mythos und Realität, aber auch um den - lange Zeit ignoranten und selbstherrlichen - europäischen Blick auf Afrika, um die Macht von Worten und Wissen und um die Konflikte, die den Wüstenstaat Mali in der Gegenwart prägen.

Charlie English, lange Leiter des Auslandsressort des "Guardian", Mitglied der Royal Geographic Society und seit seinem 19. Lebensjahr immer wieder unterwegs in Afrika, verwebt Geschichte und Geschichten, journalistisches Handwerk und Storytelling. Sein Buch über die Bücherschmuggler, jene Bibliothekare und Gelehrten aus Timbuktu, die während der Besetzung der Stadt durch Islamisten und Milizen das Kulturgut ihrer Stadt und ihres Landes schützten, die Bibliotheken und Schriften, die den eigentlichen geistigen Reichtum der Stadt ausmachten.

Entdecker und Eroberer hatten in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder vergeblich und oft mit tödlichem Ausgang den Weg nach Timbuktu gesucht. Die Handelsstadt zwischen Niger und Sahara sollte sagenhaften Reichtum enthalten. Dächer aus Gold, ein El Dorado in Afrika, so die Hoffnung derjenigen, die als erste ihren Fuß in die Stadt setzen wollen. Ein Teil des Buches behandelt die Geschichte dieses Mythos, der Expeditionen und auch des Blickes auf Afrika, das die europäischen Mächte als Spielball ihrer eigenen Interessen sahen.

Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth, der als einer der ersten Europäer tatsächlich Timbuktu erreichte, fand dort eine ganz andere Art von Reichtum: Schriften und Chroniken, die von afrikanischen Königreichen berichteten, die Chronik einer afrikanischen Geschichte, Rechtssprechung, Diplomatie - Dokumentation all dessen, was den Afrikanern von den Europäern damals abgesprochen wurde. Afrika hatte sozusagen tabula rasa zu sein - ein geschichtsloser Kontinent, dem erst die Weißen ihren Stempel aufdrückten. Die Manuskripte von Timbuktu waren der Gegenbeweis.

Vielleicht ist gerade dieser Exkurs in die Vergangenheit wichtig, um zu erklären, warum die Bibliotheken von Timbuktu, die auch in den alteingesessenen Familien von Generation zu Generation weitergegebenen Schriftrollen, den Bibliothekaren der Gegenwart so viel bedeuteten, dass sie den Islamisten trotzten und große Risiken auf sich nahmen. Denn so spannend es ist, über die Forschungsreisen und ihre teils exzentrischen, meist aber wagemutigen Persönlichkeiten zu lesen, ist es doch der stille Widerstand der Gelehrten, der hier fasziniert.

So wie einst die "Entdecker" afrikanische Reiche auslöschten, ihre Kultur und Tradition negierten und die Menschen, die sie vorfanden, als Rohstoff ansahen, versuchten auch die Kämpfer von AQUIM die Geschichte Timbuktus und des Nordens von Mali zu überschreiben - mit der Einführung der Scharia, mit der Zerstörung der Mausoleen, mit der brutalen Unterdrückung all dessen, was sie als haram, als unrein und unislamisch ansahen. Dass die alten Manuskripte als nächstes auf der Liste stehen könnten, ließ die Bibliothekare zu Bücherschmugglern werden: Die Manuskripte wurden zunächst in Privathäusern versteckt, schließlich durch die Wüste oder über den Fluss in die Hauptstadt Bamako geschmuggelt.

Eine solche Widerstandsorganisation erinnert ein bißchen an "Oneg Szabat" um Emanuel Ringelblum, den Archivar des Warschauer Ghettos: Völlig unmartialische Menschen, die nicht mit dem Gewehr kämpfen, sondern um den Erhalt von Wissen, die inmitten der Zerstörung und Gewalt noch dokumentieren.

Die Geschichte des Schmuggels, der zeitweise als Wettlauf gegen die Zeit erscheint, liest sich spannend wie ein Krimi - auch wenn am Ende Fragen aufkommen über die tatsächliche Zahl der Dokumente, über mögliche Übertreibungen oder wie groß die Gefahr für die Dokumente überhaupt je war. "Jeder hat seine eigene Version", sagt einer der Protagonisten, als er mit diesen Fragen konfrontiert wird. Gab es persönliche Bereicherungen, wurden Zahlen übertrieben, um ausländische Spendengelder locker zu machen? Manche Fragen bleiben unbeantwortet. Aber den Spirit, Bücher vor der Vernichtung zu bewahren, wird jeder Bücherfreund zu schätzen wissen. Klare Leseempfehlung.

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Cover des Buches Die Bücherschmuggler von Timbuktu (ISBN: 9783455000290)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" von Charlie English

Timbuktu - ein sagenumwobener Sehnsuchtsort
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Dieses Sachbuch liest sich wie ein Roman. In zwei Handlungssträngen erzählt der Journalist Charlie English die Geschichte von der Entdeckung der sagenumwobenen Stadt Timbuktu in Westafrika (im heutige Mali) bis hin zur Rettung von unschätzbarem Kulturgut vor dem zerstörerischen Furor des Islamischen Staates im Jahr 2012. 


Man schreibt das Jahr 1826 und der Schotte Alexander Gordon Lainig erreicht als erster Europäer nachweislich Timbuktu. Da er wenig später ermordet wird, sind seine Aufzeichnungen verschollen. Der nächste Forscher hat ein wenig mehr Glück, allerdings scheinen seine Berichte nicht dem erhofften „El Dorado“ zu entsprechen, denn der Reichtum der Stadt besteht vor allem aus Schriftrollen und Pergamenten. Kurze Zeit später wird Timbuktu und das Land ringsherum zum Spielball der Kolonialmächte England und Frankreich.  


Im Jahr 2012 erfährt Charlie English, Redakteur der britischen Zeitung „Guardian“, dass Timbuktu von den Horden des Islamischen Staates eingenommen worden ist, und der Bestand der wertvollen Bibliotheken ist in akuter Gefahr vernichtet zu werden. Beinahe gleichzeitig hört er, dass beherzte Bibliothekare Teile der einzigartigen Sammlungen und wertvollen Manuskripte mit List und unter Todesgefahr gerettet haben.  


Meine Meinung: 


Das Buch liest sich spannender als so mancher Krimi. Dennoch ist eine gewisse Aufmerksamkeit erforderlich. Die vielen arabisch-afrikanischen Namen bedürfen eines genauen Lesens. In drei Teilen, die in mehrere Kapitel unterteilt sind, erzählt der Autor von den Anfängen der Afrikaforscher bis hin zur Mythenbildung im Jahre 2015.  


Der Schreibstil ist zwar sachlich, anschaulich und dennoch mitreißend. Man kann förmlich den Saharasand unter den Füßen knirschen spüren und das Geschrei der Angreifer hören.  


Schon der Titel und das Cover machen neugierig. Die Fotos, Skizzen und Landkarten des antiken bzw. neuzeitlichen Timbuktu bereichern das Buch ungemein. Ich habe zwar nur die eBook-Version gelesen. Doch auch hier sind die Kostbarkeiten, die Manuskripte sichtbar. 


In Anhang gibt es ausführliche Anmerkungen und zahlreiche Quellenangaben, die interessierte Leser tiefer in die geheimnisvolle Stadt eintauchen lassen. 


Fazit: 


Ein penibel recherchierte Geschichte, die bestens informiert und fesselnd geschrieben ist. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne und eine Leseempfehlung.


 

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