Charlotte Erpenbeck

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Moderne Weihnachten

Neu erschienen am 24.11.2018 als Taschenbuch bei Machandel-Verlag.

Likörrezepte aus zwei Jahrhunderten

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Grimms Märchen Update 1.1

Grimms Märchen Update 1.1

 (5)
Erschienen am 01.12.2012
Andersens Märchen Update 1.1

Andersens Märchen Update 1.1

 (3)
Erschienen am 31.08.2013
Grimms Märchen Update 1.2

Grimms Märchen Update 1.2

 (3)
Erschienen am 01.12.2012
Die Putze von Asgard

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 (2)
Erschienen am 20.10.2016
Hauffs Märchen Update 1.1

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Erschienen am 23.03.2017
Andersens Märchen Update 1.2

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 (0)
Erschienen am 15.08.2017
Mittelalter-Ausrüstung für Anfänger

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Erschienen am 01.09.2006
Moderne Weihnachten

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Erschienen am 24.11.2018

Neue Rezensionen zu Charlotte Erpenbeck

Neu
Yoyomauss avatar

Rezension zu "Die Putze von Asgard" von Charlotte Erpenbeck

Wunderbare Kurzgeschichtensammlung
Yoyomausvor 6 Monaten

Zum Inhalt:
Wenn's schiefgeht, was glauben Sie, wer dann in der Fantasy-Welt aufräumt?
Hier lesen Sie, was Sie sonst nie erfahren,

- von eingestaubten Schrumpfköpfen
- von großen Kriegern mit Hexenschuss
- von Magierinnen mit Reinlichkeitswahn
- von Staubteufeln im Ohr
- von Katzengemeinheiten
- von der fliegenden Putzkavallerie
- von detektivischer Putzarbeit im Schatten der Pyramiden
- von Hexenbesen im Großeinsatz
- von der Putzkolonne Walhalls

Cover: 
Also das Cover ist ja mal wirklich ein absoluter Hingucker. Auf der Buch Berlin ist es mir sofort ins Auge gesprungen, weil es bis dahin etwas völlig anderes war, als die Cover die man sonst so von Büchern kennt. Dieses Monster im unteren Bereich des Covers wirkt gefährlich, jedoch scheint sich die Kämpferin samt Besen, die sich darauf stürzt, darum nicht zu scheren. Ein imposantes Bildnis, auch mit einer ordentlichen Portion Humor, wenn man die Szene weiter spinnt. Das allein war schon ausschlaggebend für den Kauf, spätestens der Titel hat den Kauf restlos besiegelt. Einfach klasse.

Eigener Eindruck: 
Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. So ist es in der Menschenwelt, aber eben auch in der magischen Welt. Wie dreckig wäre die magische Welt, wenn es nicht den einen oder anderen Helfer mit Sauberkeitswahn geben würde... In dieser Anthologie erhält der Leser einen Einblick darüber, was es heißt in der magischen Welt zu putzen. Da gibt es Putzfrauen, die bei Werwolffamilien ein- und ausgehen, um jedes Krümelchen Dreck zu beseitigen oder eben auch Putzfrauen, die ganz das Gegenteil tun, wie es eben die Kundschaft wünscht. Dass bei solch einem Besuch in einer mystischen Familie auch einmal etwas schief gehen kann und das Leben der Putzfrauen davon abhängt, das ist Alltag. Dann gibt es da das berühmte Fußballspiel zwischen den Hexen und den Besen. Es gilt Blutspuren von Opfern zu beseitigen oder hinter den Göttern in Asgard nach deren alltäglichen berühmten Schlacht hinterherzuräumen. Auch ein Kampf gegen übergroße Kakerlaken und das Beseitigen von magischem Staub in der Menschenwelt ist nicht ohne! Gut also, dass es für alle Belange einen Fachmann gibt!

Die Geschichten an sich fand ich wirklich nicht schlecht und es hat wirklich Spaß gemacht, die Geschichten zu lesen und die Ideen der einzelnen Autoren nach zu verfolgen.  Jedoch muss ich ehrlich gestehen, dass mich aber nicht jede Geschichte wirklich zu 100 Prozent  begeistern konnte. So fand ich die Geschichte rund um das magische Fußballspiel zwar interessant, jedoch hat es sich für mich irgendwann einfach nur noch dahin gezogen wie Kaugummi, da ich irgendwann einfach nicht mehr hinterher gekommen bin, wer denn wie spielt beziehungsweise wer denn nun noch am Zug ist. Dass die Länge der Geschichte in dem ganzen Wirrwarr nicht förderlich war, das könnt ihr euch wohl denken.
Ganz besonders begeistert hat mich die Geschichte aus Wallhalla. Das war wirklich interessant zu lesen, war magisch und spannend. Hier hätte von mir aus noch mehr kommen können.
Auch gut war die Detektivarbeit rund um die menschenfressenden Kakerlaken und der Putzeinsatz bei dem Ghul, der fast einer neuen Kollegin der Putzkolonne zum Verhängnis geworden wäre. Wirklich erstklassige Ideen und sehr gut beschrieben. Da konnte man mitfiebern.

Fazit: 
Wer kurzweilige Geschichten rund um die Welt von Vampiren, Ghulen, Hexen und anderen magischen Wesen sucht, der ist hier genau richtig. Mit einer ordentlichen Portion Humor und Spannung wird die magische Welt einmal aus Sicht der "Putzmeister" betrachtet. Gut gemacht.  


Idee: 5/5
Spannung: 3/5
Humor: 4/5
Charaktere: 4/5

Gesamt: 4/5

Daten:
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1805 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 150 Seiten
Verlag: Machandel Verlag (20. Oktober 2016)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B01MA4SCU9

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isabella_benzs avatar

Rezension zu "Grimms Märchen Update 1.2" von Charlotte Erpenbeck

Abgedrehte Kurzgeschichten
isabella_benzvor 4 Jahren

„Grimms Märchen im Neuen Gewand“ – mit dieser Vorgabe rief Charlotte Erpenbeck 2011 zu einem Wettbewerb auf, dessen Ergebnis die beiden Anthologie „Grimms Märchen Update“ waren. Während das erste Update eher traditionell gehalten ist, finden sich im zweiten die skurrileren Varianten. Nachdem ich den ersten Band mit großer Freude gelesen habe, mache ich mit großen Erwartungen an Band 2.

Die erste Geschichte „Datt Taachebuch vonne Märchenprinzessin“ erfüllt diese Erwartungen zum Großteil. Amüsant im Dialekt geschrieben werden unterschiedliche Märchen von einer „Prinzessin“ erlebt und dabei jeden Tag ein anderes Märchen verarbeitet. Einzig und allein die Tatsache, dass mit „Die kleine Meerjungfrau“ in dieser Grimm-Ausgabe auch ein Andersen-Märchen mit verarbeitet wurde, hat meiner Meinung nach ein wenig Tadel verdient. Da hätten Autor und Herausgeber besser aufpassen müssen! (4/5)

„Rotkäppchen“ ist eine junge Frau, die gemeinsam mit ihrer Großmutter ein Lokal betreibt. Immer wieder kommen Männer, die in ihrem Namen ein „Wolf“ haben, zu ihnen. Doch was haben die beiden Frauen und der Förster mit diesen Männern vor? Gut geschrieben und flott zu lesen. Es ist die Story, auf die der Titel des zweiten Bandes am besten passt. Die Auflösung ist etwas simpel, ansonsten gibt es aber nichts zu beanstanden. (4/5)

„Aschenputtels zweite Schwester“ erzählt das Märchen aus der Sicht der zweiten Schwester nach. Viel Neues wird nicht zu Tage gefördert. Die Story ließ mich etwas Schulterzuckend zurück. Sie war nicht schlecht geschrieben, reißt aber auch nicht sonderlich vom Hocker. (3/5)

In „Goldmarie und Pechmarie“ wird es ziemlich eklig. Eine kurze Geschichte, die mich schaudern ließ. Goldmarie heißt in dieser Story Miriam und ist eine junge Studentin, die einer alten Frau hilft, deren Sohn sehr sonderbar ist. Als sie ins Ausland geht, übernimmt Marianne ihre Arbeit bei Frau Holle. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. (4/5)

„Allerleirau“ ist in dieser Geschichte Patricia, die Tochter eines reichen Schönheitschirurgen, der nach dem Tod seiner Frau Gefallen an seiner Tochter findet. Patricia entkommt ihrem Vater und flieht nach Asien, wo sie in einem Hotel anheuert und einen reichen Jungunternehmer kennen lernt. In der Story ist mir zu viel nacherzählt, und es passiert zu wenig. Weder sonderlich lustig noch sonderlich spannend und am Ende geht dann doch auch alles sehr schnell. Schade. (2/5)

Die arme Stiefmutter von Schneewittchen hat es schon schwer. Denn „Schneewittchen – die ganze Wahrheit“ offenbart: In Wahrheit wollte Schneewittchen ihre Stiefmutter einfach nur loswerden und deshalb hat sie so getan, als ob ihre Stiefmutter sie umbringen wollen würde. Ob es der verzogenen Göre auch gelingt, ihre Stiefmutter und ihren Vater zu trennen? Eine weinerliche Königin, ein fieses Schneewittchen und ein intriganter Spiegel. (4/5)

Die Story „Schlaf, Dornröschen, schlaf“ erklärt die Hintergründe für das Verhalten der dreizehnten Fee: eigentlich wünscht sie sich einfach nur einen weisen Herrscher für das Volk, doch weil Dornröschens Vater ihren Rat nach seiner Hochzeit nicht mehr annimmt, rächt sie sich an der Familie. Teilweise ist mir die Story etwas zu pathetisch und die Art, wie die Story versucht, dem Leser Verständnis für die Fee abzugewinnen, war auch nicht so ganz meins. (3/5)

Bekanntlich hat es so seine Tücken, „Das WORLD WIDE WEB“. Aber wer kann schon wiederstehen, wenn er auf eine Internetseite gerät, die einem drei Wünsche gewährt? Aber wer einmal etwas hat, will bekanntlich auf einmal immer mehr … Die Geschichte offenbart im Vergleich zum Märchen nichts Neues. Die Ausgangslage mit der Webseite hat mir gut gefallen, ansonsten wurde mir aber auch in dieser Story zu viel nacherzählt und zu viel schlicht festgestellt. Schade, da hätte man meiner Meinung nach mehr draus machen können. (2/5)

Ein Fahrkartenautomat, dessen Anzeige „Hallo“ sagt und der mit einem spricht? Ich glaube, so einem Fahrkartenautomat möchte ich auch gerne einmal begegnen, auch wenn ich vermutlich erst einmal genauso reagieren würde wie Petra in „Der verwunschene Fahrkartenautomat“. Sehr kurzweilige Unterhaltung mit einer schönen Umdeutung eines bekannten Märchens! (5/5)

Wenn ein Arzt vom Tod eine Medizin erhält, mit der er alle Gebrechen heilen kann, dies aber nur dann darf, wenn der Tod den Patienten nicht für sich beansprucht, ist Gefahr vorprogrammiert. Entsprechend gerät „Doktor Tod“ Mark Brunner auch bald in Versuchung – und muss den Preis für die Missachtung des Paktes zahlen. Die Story ist gut geschrieben, aber leider ziemlich vorhersehbar. (3/5)

Bei „Blutdurst“ ist die Auflösung der Geschichte bereits im Titel versteckt. Ein Mädchen wartet sehnsüchtig auf ihren 16 Geburtstag, denn ihre Mutter hat ihr prophezeit, dass dann ein Prinz kommt, um sie abzuholen. Mir geht in der Story insgesamt alles zu schnell. Der Anfang ist zu nacherzählt und dann handelt die Protagonistin imho sehr dumm, das konnte ich leider auch nicht wirklich nachvollziehen. (2,5/5)

Sehr amüsant ist die Umdeutung des Märchens „Gestiefelter Kater“, sowohl vom Schreibstil her – „Worum es hier geht ist das, was passierte, nachdem das Wort „Ende“ unter die Geschichte gesetzt wurde, die ihr kennt – und jeder Liebhaber spannender Geschichten wird erkennen, dass das Nachspiel dieses Märchens es weit mehr verdient hätte, erzählt zu werden.“ (Zitat, S.110) – als auch vom Inhalt, wie das Märchen des gestiefelten Katers weiter geht. Einzige Änderung innerhalb des Märchens, die vorab angenommen wird: der gestiefelte Kater ist in Wahrheit ein Agent für Karriereplanung, den der Müllersohn anheuert. Auch in dieser Story ist unglaublich viel nacherzählt, allerdings auf eine lustige Art und Weise, gewusst wie. Hier habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt, zumal auch wirklich gekonnt auf aktuelle Themen (ich sage nur: Politiker und ihre Doktorarbeiten) Bezug genommen wird! (4,5/5)

Die Geschichte „Gebranntes Kind“ ist deutlich länger als ihre Vorgängerstories. Diesmal haben wir einen ermittelnden Kommissar, der zu einem Häuschen im Wald gerufen wird, in dem vor Jahren eine alte Frau verbrannt ist. Was wie Selbstmord aussieht, erweist sich bald als kaltblütiger Mord. Aber wer hat den Mord begangen? Und aus welchem Grund? Eine schöne Kriminalgeschichte, die beiden ermittelnden Charaktere waren leider etwas einfach gestrickt, da hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, zumal die Story ja länger ist, ansonsten hat sie mir aber gut gefallen. (4/5)

„Nur Fliegen ist schöner“ besticht vor allem durch die Atmosphäre, die die Geschichte schnell hervorzaubert. Mit dem Protagonisten spüre ich die Hitze beim Erdbeerpflücken und leide über den Verlust, den er erlitten hat. Als er dann aber endlich in Aktion tritt, geht alles sehr schnell und das Ende wollte für mich nicht Recht zum Rest passen. Gut angefangen hat es sich schnell verloren. (3,5/5)

Auch die Geschichte „Drosselbart“ hat eigentlich eine schöne Ausgangslage, indem das Märchen einfach in die Moderne versetzt wird. Allerdings werden mir für das moderne Setting teilweise zu sehr märchenhafte Begriffe verwendet (z.B. „am Leibe tragen“), was nicht so Recht zur Moderne passen will, und auch hier ging es mir am Ende zu schnell (was wurde aus dem Vater?), zumal der Bauer auf mich viel älter wirkte als er wohl sein sollte. Hier bleibt für mich ebenfalls ein „Schade“ zurück. (3/5)

In „Der Meisterdieb oder Trau schau wem“ rächt sich ein junger Mann an einem Unternehmer. Die einzelnen Szenen sind gut geschrieben, insgesamt läuft die Story aber etwas sehr geradlinig und eintönig ab, ein paar mehr Tücken hätten hier sicherlich nicht geschadet. (3,5/5)

Eine interessante Interpretation der aktuellen Castingshows verknüpft mit dem Motiv eines bekannten Märchens – damit besticht „Das Tor zum Glück“. Eine gelungene Story, einziges Manko auch hier: es ist viel zu kurz. Da hätte man einfach mehr daraus machen können, indem v.a. zum Ende hin weniger erzählt und mehr szenisch gezeigt wird. (4/5)

„Rapunzulla“, bzw. Ursula/Ulla ist ein Mädchen mit langen Haaren, die von drei Jungs umschwärmt wird, mit denen sie immer gemeinsam Blödsinn macht und schließlich haben die vier eine ganz besondere Verwertung für Ullas lange Haare gefunden. Die Story ließ mich etwas ratlos zurück. Sie ist nicht schlecht geschrieben, aber irgendwie fehlte mir der besondere Pepp. (2/5)

Eine ganz andere Seite vom großen, bösen Wolf präsentiert „Eine Wolfsgeschichte“. Der arme Wolf will doch einfach nur wie ein Hund von Rotkäppchen geliebt werden. Eine sehr niedliche Geschichte, die allerdings meiner Meinung nach eher für Kinder geeignet ist und dadurch nicht so ganz zum Rest passt. (3/5)

„Ein Fall von Erpressung“ handelt von einem Detektiv, der einen Erpresser aufspüren soll. Dieser will das Kind eines reichen Society-Girl. Wie Rumpelstilzchen heutzutage ablaufen würde, das passt. Gut getroffen fand ich am Anfang auch die Charakterisierung des Detektivs. Leider ist der Erpresser etwas schnell gefunden und das Ende kommt auch wieder zu früh. Ein Ansatz, der ruhig etwas weiter hätte ausgebaut werden können. (3/5)

„Von der professoralen Ebene sieht alles anders aus“. Nun ja, ganz dahinter gestiegen, was die Story mir jetzt sagen will, habe ich nicht. Auf der einen Seite hat es mich berührt, wie sehr der Protagonist leidet, auf der anderen Seite … mmh, schwierig. Richtig Fahrt aufgenommen hat die Story leider erst als die Kinder sich im Wald verlaufen, aber was der alte Kauz dann wollte, kann ich nur erahnen – das hätte imho auch ausgearbeitet werden können. Sehr tiefgründig, aber streckenweise auch einfach zäh. (2/5)

„Snowy und Rosi“ arbeiten als Prostituierte, was Snowy aber gar nicht leiden kann. Als der hünenhafte Urs, der Sohn einer alten Freundin ihrer Mutter, zu Besuch kommt, hofft Snowy, dem alten Leben zu entfliehen. Gelungener Ansatz, bei dem mir aber auch zu viel offen blieb, besonders für die Rolle von Rosi hätte ich mir mehr Aktion gewünscht. (2,5/5)

„Der Rolf und die sieben Waisen“ versucht, das Märchen mit dem ähnlich klingenden Namen auf so realistische Weise wie möglich darzustellen. Mutter Geiß wird zu einer Witwe aus Transsylvanien, der böse Wolf zu einem Menschenhändler und die sieben Kinder zu Mädchen, die die Frau adoptiert hat. Motivisch ist also alles Märchenhafte verschwunden, teilweise bleibt die Story dennoch unrealistisch, bzw. sehr utopisch und der Schreibstil klingt trotz allem noch nach Märchen. Mir hätte die Story besser gefallen, wenn der Ansatz des „realistischen“ da konsequenter durchgezogen wäre. (3/5)

„Das tapfere Schneiderlein“ bleibt ganz in der Linie des gleichnamigen Märchens, bis zu dem Moment, an dem das tapfere Schneiderlein den Auftrag erhält, das Einhorn und den Riesen zu vertreiben. Eine nette Wendung, die aber meiner Meinung nach deutlich besser im Charaktere vorangelegt hätte werden können … (3/5)

Auch die Märchen-Adaption „Schneewittchen und der gestriegelte Kater“ ist realistisch, wenn auch aus der Sicht eines Katers geschrieben. Ansonsten wurde der Realismus aber sehr konsequent durchgehalten, hat mir gut gefallen, die Geschichte, wenn auch noch so ein kleiner Funken mehr Spannung gefehlt hat. (4/5)

Bei „Dem Fischer sin Fru“ hätte ich es peppiger gefunden, wenn der Dialekt auch in der Geschichte zu finden ist. Dort fehlt er leider. Ansonsten eine solide Nacherzählung aus der Sicht der Fischersfrau, bei der ich aber ein bisschen das Besondere vermisst habe. (2,5/5)

In „Totkäppchen und der Rolf“ kümmert sich Rolf um seine todkranke Großmutter und geht für sie Pilze sammeln. Dabei begegnet er einer Prostituierten. Aber welche Pilze waren nun nochmal essbar und welche giftig? Nette Umdeutung! (4/5)

„Das Totenhemdchen“ ist eigentlich fast zu kurz, um es zusammenzufassen. Mir hat ein wenig die Atmosphäre gefehlt, bei dem Inhalt hätte ich mir mehr Gänsehaut gewünscht. (3/5)

Auch „Rape’n’sell“ ist unglaublich kurz. Es ist sehr wirr und experimentell geschrieben. Auf seine Weise hat dieser Schreibstil etwas und er ist auch konsequent durchgehalten worden. Ganz mein Fall ist das nicht, trotzdem finde ich die Geschichte gut und nachdenkenswert. (4/5)

Die Story „Der böse Wolf“ schließt sich vom Schreibstil gut an ihren Vorgänger an. Auch sie ist eher wirr geschrieben, hat dabei aber noch mehr greifbare Handlung. Mit etwas mehr Gedanken hätte man eventuell den Wandel in der Protagonistin noch besser darstellen können, ansonsten habe ich aber nichts zu beanstanden. (4,5/5)

„Unglaubliches über Hänsel und Gretel – eine Analyse“ sagt eigentlich schon alles über die Geschichte aus. Es ist eine Analyse, allerdings meiner Meinung nach keine sonderlich Gute. Es versucht zu überprüfen, wie realistisch das Märchen ist und ob die Charaktere in sich stimmig handeln, wirft dabei Fragen auf, denen man zum Teil später noch einmal nachgehen will, die aber dann doch unbeantwortet bleiben und macht damit genau das, was es dem Märchen vorwirft: es ist in sich nicht stringent und ich hatte zum Teil wirklich Mühe, es nachzuvollziehen. Sonderlich amüsant fand ich es ebenfalls nicht, mit der Story konnte ich leider gar nichts anfangen. (1/5)

Mit „Leanders Rettung“ ist in der Anthologie ein weiteres Genre vertreten: Die Erotik. Leander ist ein Muttersöhnchen, der Gedichte sammelt, bis er bemerkt, dass auf der Rückseite der Zettel eine Adresse abgedruckt ist. Warum er die Werbung erst so spät bemerkt, ist mir schleierhaft, ansonsten ganz nett, aber meiner Meinung nach nicht herausragend (3/5)

Obwohl wir in „Die Anzeige“ lediglich einen Einseitigen Dialog haben – als würden wir einem Poizisten zuhören, der eine Anzeige zu Protokoll nimmt, ist die Story sehr amüsant geschrieben. Teilweise sind mir die Informationen zu gewollt eingestreut für einen Dialog. (4/5).

Wieder eine andere Seite ist durch die Geschichte „Das andere Aschenputtel“ zu finden – hier wird der Homoerotik ihren Tribut gezollt. Gut geschrieben, abgesehen davon, dass ich mir „Das Aschenputtel“ etwas stärker und nicht so weinerlich gewünscht hätte. (3,5/5)

Am längsten ist die letzte Geschichte dieser Anthologie, und „Die Schwanendrude oder: Die sechs Schwäne“ verdient meiner Meinung nach auch eher den Titel Kurzroman als Kurzgeschichte. Hier ist mir die Bewertung besonders schwer gefallen. Gestört hat mich v.a, dass sich die erste Hälfte für mein Empfinden doch stark gezogen hat und viele Motive mir aus anderen Werken bekannt vorkamen (Harry Potter, Dragonheart, Das 10. Königreich …), andererseits hat ich gerade das Ende doch wieder „zufrieden“ gestimmt … mmh, ein klares Unentschieden bei dieser Geschichte. (3/5)

Insgesamt:
Nachdem ich jetzt beide Märchenbücher durchgelesen habe, wäre mein Endfazit: Vielleicht wäre es doch besser gewesen, man hätte aus beiden Büchern eines gemacht. Mich konnten nicht alle Geschichten überzeugen und bei manchen hatte ich das Gefühl, dass sie zwar nettes Füllmaterial sind, aber es auch nicht geschadet hätte, sie wegzulassen. Eine strengere Auswahl hätte dem ganzen meiner Meinung nach nicht geschadet, und eine Anthologie hätte vermutlich genügt.

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isabella_benzs avatar

Rezension zu "Grimms Märchen Update 1.1" von Charlotte Erpenbeck

Schönes Update der Grimmschen Märchen
isabella_benzvor 4 Jahren

„Grimms Märchen im Neuen Gewand“ – mit dieser Vorgabe rief Charlotte Erpenbeck 2011 zu einem Wettbewerb auf, dessen Ergebnis die beiden Anthologie „Grimms Märchen Update“ waren. Während das erste Update eher traditionell gehalten ist, finden sich im zweiten die skurrileren Varianten. Doch auch schon im ersten ist es mitunter schwierig zu erkennen, welches Märchen die Autoren nun aufgearbeitet haben, zumal, wenn man nicht alle Märchen der Gebrüder Grimm kennt. Zum Glück gibt es aber am Ende auf Seite 378 eine Übersicht. Die Geschichten sind aber in der Regel auch verständlich, ohne ihre ursprüngliche Herkunft zu kennen.

Den Auftakt der Anthologie bildet die Novelle „Und wenn sie nicht gestorben sind?“, die sich mit eben dieser Frage beschäftigt. Von einem Publikum aus der Erzählung gerissen beginnt der/die Ich-ErzählerIn (das Geschlecht bleibt bis zum Ende unklar) zu überlegen, was denn nun wirklich aus dem Froschkönig, dem alten Fischer, den sieben Geißlein, Hänsel und Gretel, dem Schneewittchen und vielen mehr geworden ist. Der Leser wird hierbei auf eine Reise geschickt, in der er oder sie die verschiedensten Märchenfiguren trifft und das „wahre Ende“ erfährt. Teils humorvoll, teils schaurig und düster wird der Faden der Erzählung um gesponnen. Die Novelle erweist sich dadurch als äußerst facettenreich, mir persönlich kam allerdings der Umschwung von der lockeren Unterhaltung (bei der ich mich tatsächlich köstlich amüsiert habe) zur plötzlich ernsten Thematik ein wenig plötzlich, einziges Manko der Geschichte (4/5)

Nach dem langen Auftakt erscheint „Cinderellas Asche“ wie ein kurze Intermezzo. Wieder haben wir es mit einem Ich-Erzähler zu tun, der diesmal auf sein Leben zurückblickt und die Geschichte des modernen Aschenputtels als einzige Farce enttarnt. Die Erinnerungen geben einem ein wenig das Gefühl, durch einen bösen Traum zu waten, aus dem es kein Erwachen gibt, Emotionen werden wenig spürbar, die Handlungen erscheinen eher wie die einer Marionette, auch wenn die Ich-Erzählerin das bereut. Rückblenden und wenig Emotionen treffen leider nicht ganz meinen Geschmack, unterhalten hat mich das „Intermezzo“ aber trotzdem. (2/5)

In „Jorinde und Joringel“ ist das gleichnamige Märchen in eine schaurigen Horrorversion verformt. Mit schön modernen Ansätzen, ein wenig männerfeindlich, aber gut geschrieben, die Wendungen innerhalb der Geschichte sind nachvollziehbar. Ei4nzig und allein mit dem Setting habe ich mich ein wenig schwer getan, die Gedanken der „Nymphen“ wirken sehr modern, ansonsten ist es eine Mischung aus Mittelalter und Märchenwelt. Ich bin kein Fan von Horrorgeschichten, finde die Geschichte allerdings dennoch gelungen (4/5).

„Rumpelstilzchens Namenstag“ ist ein Alternativende des Rumpelstilzchen-Märchen. Der König sieht den kleinen Mann ums Feuer tanzen und hört seinen Namen, anstatt es aber der Königin zu berichten und ihr die Möglichkeit zu geben, den Zauber mit den Bedingungen des Rumpelstilzchens zu brechen, greift der König den Zwerg an. Die Geschichte ist sehr kurz und liest sich schnell. Am Ende bleibt ein leichtes Schmunzeln, allerdings vermisse ich hier ein wenig die Originalität (3/5)

„Aschenputtel“ ist nicht etwa der Name eines jungen Mädchens, es ist eine Schuhboutique und zwar eine, die einen schrecklichen Skandal zu verzeichnen hat. Unterhaltsam und lustig geschrieben, kurzweilige Unterhaltung, nicht übermäßig spannend, aber nett erzählt (4/5)

„Vermutung über das Verschwinden des Froschkönigs“ ist mit die skurrilste Geschichte unter den Erzählungen. Ich würde unbedingt raten, vorher das Original-Märchen noch einmal zu lesen. Die Umdeutung ist gelungen, hinterlässt bei mir aber einen schalen Nachgeschmack, da die Charaktere schlicht und ergreifend „irre“ wirken, definitiv keine leichte Kost (4/5)

Es ist schon eine Unverschämtheit sondergleichen, einfach während dem Schlafen auf den Mund geküsst zu werden! Genau das berichtet Dornröschen in „Dornröschen erwacht“ auch ihrem Tagebuch. Rückblendenartig wird die Dornröschen-Geschichte aus der Sicht der Prinzessin geschildert. Etwas seltsam ist der plötzliche Umschwung mit wörtlicher Rede ¨C der Tagebuchstil wird nicht ganz durchgehalten, bzw. mutet für ein Tagebuch seltsam an. Ansonsten aber ein schöner Einfall, das Tagebuch bringt definitiv noch einmal Abwechslung in die Geschichten hinein (4/5)

Mit „Hans und Margarethe“ haben wir eine Version von „Hänsel und Gretel“ in Erwachsen und den ersten richtigen Krimi in der Anthologie. Sehr passend hierbei die Namenswahl, aus den Verniedlichungen einfach die richtigen Namen zu nehmen! Gut gefallen hat mir auch das Ende, in dem Traum und Realität verwischen und dem Leser auch nicht mehr klar ist, ob das, was er da die ganze Zeit verfolgt hat, nun wirklich passiert ist, oder ob er den Fantasien einer Irren erlegen ist ¨C sehr gelungen und durchweg spannend! (5/5)

„Der verkaterte Stiefel“ ist äußerst experimentell und lässt sich meiner Meinung nach nur sehr schwer mit den anderen Geschichten vergleichen. Die Stiefel sind in der Geschichte „Der gestiefelte Kater“ mit das wichtigste Emblem des Katers ¨C aber was halten sie eigentlich von den Aktivitäten ihres Besitzers? Nun, rechter Stiefel und linker Stiefel sind da durchaus nicht einer Meinung. Ein witziges Streitgespräch ist die Folge, in der die Geschichte des Märchens auf pfiffige Weise nacherzählt wird. Der Autorin gelingt es hierbei wirklich gut, nur mit Dialog Bilder heraufzubeschwören. Leider wirkt die wörtliche Rede an manchen Stellen ein bisschen erzwungen (4/5)

Das moderne Rotkäppchen heißt „Ronja“ und ist ein vierzehnjähriges Problemkind, das von ihrer Mutter zur Oma geschickt wird, weil die Mutter selbst nicht mehr mit ihr klar kommt. In der Straßenbahn begegnet sie einem Fremden. Die Geschichte greift das Motto „Geh nicht mit Fremden mit“ auf. Ebenfalls sehr gut geschrieben, eine der düsteren Geschichten, die dem Leser einen Schauer bescheren (4,5/5)

Die Geschichte „Einundzwanzig Jahre“ wird aus naheliegenden Gründen nicht bewertet.

„Eine Probierphase braucht man“ ist ein Gespräch zwischen der Urgroßmutter und ihrer Tochter, in der die Geschichte des „König Drosselbart“ umgedeutet wird. Hier fehlt mir leider ein wenig der Spannungsbogen, es ist aber nett zu lesen (2/5)

„Die dreizehnte Fee oder Die Wahrheit über Dornröschen“ steigt aus der Perspektive der „bösen Fee“ in die Geschichte ein und verlinkt das Märchen mit dem Cthulu-Mythos von Lovecraft. Ein interessanter und spannender Einstieg. Leider flacht die Geschichte danach ein wenig ab. Das Ende hat mich nicht so richtig überzeugen können, was ein wenig Schade ist (3/5)

Das Märchen, das hinter „Machtübernahme“ steckt, ist nicht leicht zu erkennen. Wie die Story über den Froschkönig ist auch diese Story keine leichte Kost und hinterlässt bei mir ein wenig Verwirrung. Mir hätte hier etwas mehr Infos über die Charaktere besser gefallen. Gestört hat mich außerdem, dass die Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede gefehlt haben, da dies nur bei dieser Geschichte passiert ist, vermute ich, dass es Absicht war, allerdings erschließt sich mir der Sinn hinter dieser Gestaltung nicht wirklich (2/5)

Das „Punkgirl“ greift mit Misshandlung ernstes Thema auf. Larissa flieht nach dem Tod der Mutter vor ihrem Stiefvater, der sie misshandeln will und muss sich fortan auf der Straßen durchschlagen. Meistens ist man als Leser gut in dem jungen Mädchen drin, fiebert mit ihr mit und insgesamt ist der Charakter auch logisch gezeichnet. Nur an einer Stelle hat mir Larissas Innensicht gefehlt, was ich Schade fand, da diese Stelle für mich eine Schlüsselszenerie darstellte. Im Nachhinein ist ihr Verhalten zwar stimmig, speziell an der Stelle erschließt es sich mir jedoch erst einmal nicht und dadurch wird eine Distanz geschaffen, die nicht zum Rest der Geschichte passt (4/5)

Das Märchen hinter „Auf Schritt und Tritt“ ist besonders am Anfang gar nicht so leicht zu entziffern. Erneut haben wir es mit einem sehr ernsten Thema zu tun: Boris kommt aus furchtbaren Verhältnissen, seine Mutter ist ein Drogenabhängiger Junkie, seine Großmutter, mit der er sich nie verstanden hat, vor kurzem verstorben, seinen Vater kennt er nicht. Nun hat er erfahren, dass er eine Schwester hat und macht sich auf die Suche nach ihr, die als Baby verkauft wurde und nun bei einer reichen, Hamburgerfamilie lebt. Das Setting ist sehr glaubhaft und gelungen dargestellt, die Hintergründe werden beleuchtet, ohne, dass es zäh oder langweilig würde. Ein paar Fäden verlaufen nach meinem Geschmack aber ins Leere (4/5)

Im Gegensatz zur Vorgängergeschichte ist das Märchen hinter „Hans im Glück, die Fortsetzung“ sofort erkennbar. Das Märchen wurde so ziemlich 1:1 in seinen einzigen Abschnitten adaptiert, nur, dass Hans hier statt Gegenstände seine Berufe durch tauscht und sich in den Branchen hoch angelt, nur das Ende ist anders als im Märchen. Die Kurzgeschichte passt zwar zur Struktur des Märchens, allerdings fand ich es ein wenig langweilig, das Ende hat mich ebenfalls nicht überrascht und teilweise empfand ich es leider als ein wenig lieblos runter geschrieben, hat meinen Geschmack leider nicht so ganz getroffen (2/5)

Schon als ich die Leseprobe zur Anthologie gelesen habe, war ich insbesondere neugierig auf „Rotkäppchen 2012“ und ich wurde nicht enttäuscht. Der Leser wird mitten in eine Gerichtsverhandlung hineingeworfen, wer schuldig ist, bleibt bis kurz vor Schluss unbekannt und lädt zum Rätselraten ein. Definitiv gut gemacht und eine der Perlen unter den Geschichten (5/5)

Mit „Leserbrief an Dr. Sommer“ haben wir erneut ein kurzes Intermezzo. Die Frau des ehemaligen Froschkönigs ist verzweifelt über das Verhalten ihres Mannes und muss den Bravo-Star Dr. Sommer um Rat fragen. Köstlich! (5/5)

„Das Böse ist immer und überall“ greift ein bislang vernachlässigtes Märchen auf. Luisa sucht nach einem Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter, stattdessen gibt sie das Geld einem alten Bettler und hilft noch so manch anderen Gestalten. Gleichzeitig wird ein Banküberfall geschildert. Schon von Anfang an fiebert man der Szene entgegen, indem die Bankräuber und Luisa aufeinander treffen. Beim Ende fehlt mir allerdings ein bisschen die eigentliche Pointe des Märchens, ist natürlich nicht zwangsläufig notwendig, aber es wurde mehr das bekannte Sterntaler-Bild aufgegriffen, was zur Geschichte passt, allerdings ist nichts von der Aussage zu merken: wer gibt, bekommt es vergolten, was ich persönlich Schade finde (4/5)

Was wohl der Vogel, der vom tapferen Schneiderlein gefangen wird, über den Betrüger denkt? In „Der Schneider und die Tiere“ wird die Geschichte des Schneiderleins aus Sicht der Tiere geschildert: Kühe, eine Ziege, der Vogel, ein Eichhörnchen, die Pferde des Königs, das Einhorn und die bedauernswerte Wildsau, alle ärgern sie sich über das Schneiderlein. Witzig und Geistreich bietet die Story zum Rest auch noch einmal eine schöne Abwechslung. Teilweise ist es mir stilistisch zu wenig „tierisch“ (z.B. seit wann „schleichen“ Vögel?), ansonsten ist es aber gut zu lesen (4/5)

Bei dem Titel „Frau Holle, erzählt von Pechmarie“ ist das Komma zu beachten, damit man ihn richtig liest: unsere arme Pechmarie erzählt von der reichen Frau Holle, und es ist ja eine Zumutung, deren schweres Bett aufschütten zu müssen. Etwas überraschend werden zum Ende hin noch weitere Märchen hineinverarbeitet. Moderne und Märchen verwischen dabei, was ein etwas skurriles Setting ergibt. (3/5)

Und noch eine Aschenputtel-Adaption: „Prinzessin für eine Nacht“ erzählt von Sara, die von ihrer Stiefmutter unterdrückt wird. Sie darf nicht einmal auf ihren eigenen Abiball, der ganz stilgetreu in einem Schloss stattfindet. In der Geschichte stecken einige gute Ansätze, besonders gut gefallen hat mir die „Erklärung“ zur Fee am Ende der Geschichte. Zwischendurch hat die Storys aber ein paar Schwächen aufzuweisen: Wie kann es sich eine Stufe leiste, in einem Schloss Abiball zu feiern? Warum vertraut „der Prinz“ Sara so schnell? Und die Auflösung mit der Stiefmutter und der Stiefschwester empfand ich auch als unlogisch/unrealistisch. Der Ansatz der Story gefällt mir außerordentlich gut, aber ich hätte mir hier mehr Aufarbeitung der Charaktere und insbesondere eine logischere Auflösung zur Stiefmutter gewünscht. Zudem fand ich es etwas unpassend, dass die Story meiner Meinung nach in einigen Elementen mehr an die Cinderella-Verfilmung „Auf immer und ewig“ angelehnt ist, die ja bereits sehr weit vom Originalmärchen abweicht, finde ich für eine Anthologie, die sich mit „modernen Märchen“ beschäftigt, etwas unpassend und wäre in vielerlei Hinsicht auch nicht notwendig gewesen. (3/5)

Ich frage mich, ob die Autorin von „Körri“ Schalke-Fan ist, die Geschichte lässt es beinahe vermuten. Eine sehr moderne Adaption des Rapunzels, indem das arme Mädchen nach der Currywurst benannt ist, die im Nachbargarten bruzelt. Sehr amüsant, insbesondere auch die Umgangssprache / der Dialekt. Mitunter ist es mir aber ein bisschen zu skurril (4/5)

In „Jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“ wird ein unbekannteres Märchen aufgegriffen und das sehr detailgenau, mit angesprochen werden hierbei Probleme wie die Weltwirtschaftskrise. Gut und flüssig geschrieben, ein wenig fehlt mir der Spannungsbogen, was aber klassisch Märchen ist: Die „Böse“ ist einfach unsympathisch und funktioniert für mich als Perspektivträger nicht richtig, der sympathische und bedauernswerte Fischer gerät dagegen leider aus dem Blickfeld (4/5)

Sehr gut gefallen hat mir die Kurzgeschichte „Auf Abwegen“. Schneewittchen ist einfach ein Problemkind, die alles in den falschen Hals kriegt, keinen Humor versteht und Tatsachen verdreht. Und mehr möchte ich an der Stelle nicht über die Geschichte verraten. Selber lesen! (5/5)

Die „Hausordnung der 7 Zwerge“ ist in der Tat keine Geschichte, sondern eine ebensolche Hausordnung und fällt damit total aus dem Rahmen, in einer Doppelseite halten die Zwerge 7 Regeln fest, um das Leben im Haus mit Schneewittchen zu regeln. Eine nette Idee, mir ein bisschen zu sexistisch (3/5)

Als Geschichte las sich „Die Spinnerin“ schön, als Märchen-Adaption fand ich es weniger gelungen. Es wird lediglich ein Element aus dem Märchen aufgegriffen, das für mich zu wenig Tragweite hat. Außerdem wirkt die Geschichte abgebrochen und unlogisch/unverständlich ist für mich auch die Reaktion der Eltern. (2/5)

Das „Blendwerk“ fängt sehr vielversprechend an. Ilara verliert bei einem Raubüberfall ihre Eltern samt der Karawane und irrt alleine durch den Wald. Dass sie überlebt, verdankt sie einem sprechenden Raben. Ein stark gezeichnetes Setting, eine starke Perspektivträgerin, der Stil zeugt von einem guten Handwerk und hat mich definitiv überzeugt, besonders gut gefallen hat mir die Beschreibung des Rabens und seiner Bewegungen. Einzig das Ende fällt aus dem Rahmen und will nicht so Recht zum Rest passen (4/5)

„Thalor, der liebende Hakir“ ist eine weitere Geschichte, die mich als Märchen-Adaption nicht überzeugt. Thalor liebt die Prinzessin des Reiches, muss aber für deren Vater in den Krieg ziehen, das passt Madame gar nicht. Es ist gut geschrieben, war aber nicht mein Fall (2/5)

Amüsanter wird es wieder bei „Schneeweißchen und Rosenrot“. Der arme, beschuldigte Zwerg hat den Prinzen gar nicht wegen seines Goldes in einen Bär verwandelt. In Wahrheit ist er der Lehrer des verwöhnten Prinzen-Bengels und wollte dem Kerlchen nur ein wenig Manieren einbläuen, als Entlohnung hat er dafür die Schätze des Königs erhalten – von wegen Dieb! Was man als Zwergenlehrer eines verwöhnten Prinzenbengels alles über sich ergehen lassen muss – in dieser Geschichte erfahrt ihr es! (4/5)

„Gut gemeint“ ist eine sehr kurze Geschichte und erinnert mich an die Drabble – erst mit dem letzten Satz wird klar, von was die Seite handelte. Deshalb an dieser Stelle keine näheren Informationen. Gelungenes Intermezzo! (4/5)

Die Geschichte „Zwei Königinnen“ greift auf originelle Weise ein ebenfalls weniger vertretenes Märchen auf. Was denkt eigentlich die Stiefschwester von „Brüderchen und Schwesterchen“ über die Handlungen ihrer Mutter? Sehr eindrucksvoll wird es in dieser Geschichte geschildert. Leider fand ich hier ebenfalls das Ende nicht ganz passend (4/5).

Insgesamt kann sich diese Märchen-Anthologie von Charlotte Erpenbeck durchaus sehen lassen! Der Herausgeberin ist es gelungen, eine ausgewogene Mischung herauszugeben, bei denen die meisten Stories solide und gut sind, einige Sternchen herausstrahlen, und nur wenige mich nicht überzeugen konnten, wobei auch diese meist gut zu lesen waren. Hervorzuheben ist außerdem die liebevolle Gestaltung des Buches. Die Storys sind mit mehreren Bildern verziert, die sehr passend und beeindruckend ausgewählt wurden. Cover und auch die Kopfzeichnungen auf jeder Seite erinnern an ein klassisches Märchenbuch. Bemerkenswert fand ich zudem, dass der Buchrücken keinerlei Schlieren aufweist, was bei mir sehr selten der Fall ist. Bei einer Zweitauflage würde ich nur darum bitten, bei einigen Geschichten noch einmal die Zeichensetzung (besonders bei den amerikanischen oder europäischen Anführungszeichen) zu überarbeiten.

Der Durchschnitt der Geschichten ergab 3,6, die ich gerne auf 4 Sterne aufrunde, da ich die abwechslungsreiche Komposition wirklich gut finde und die Anthologie bedenkenlos für empfehlenswert halte!

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