Charlotte Perkins Gilman

 4,3 Sterne bei 97 Bewertungen
Autor*in von The Yellow Wallpaper, Die gelbe Tapete und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Charlotte Perkins Gilman (1860–1935) war eine amerikanische Schriftstellerin und Feministin. 1892 gelang ihr mit der Erzählung »Die gelbe Tapete« der literarische Durchbruch; ihre Utopie um eine nur von Frauen gebildete Gesellschaft im südamerikanischen Regenwald, »Herland«, wurde ebenfalls vielfach rezipiert und gilt als erste feministische Utopie. Ebenso erregten die politischen Schriften der Frauenrechtlerin große Aufmerksamkeit. 1935 nahm sie sich aufgrund einer Krebserkrankung das Leben.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Charlotte Perkins Gilman

Cover des Buches Die gelbe Tapete (ISBN: 9783992003013)

Die gelbe Tapete

(14)
Erschienen am 12.03.2021
Cover des Buches Die gelbe Tapete (ISBN: 9783695106486)

Die gelbe Tapete

(1)
Erschienen am 17.11.2025
Cover des Buches Diantha oder der Wert der Hausarbeit (ISBN: 9783854765479)

Diantha oder der Wert der Hausarbeit

(0)
Erschienen am 15.09.2017
Cover des Buches Heldinnen des Glücks (ISBN: 9783942374040)

Heldinnen des Glücks

(0)
Erschienen am 25.08.2010
Cover des Buches Herland (ISBN: 9783695719730)

Herland

(0)
Erschienen am 15.04.2026

Neue Rezensionen zu Charlotte Perkins Gilman

Spannende Klassiker


Drei junge Männer sind Ende des vorletzten/Anfang des letzten Jhds. Teil einer Expedtition, die einige letzte weiße Flecken auf der Landkarte füllen will. Im Zuge dieser Expedition stoßen sie unter den Eingeborenen auf einen Mythos: nicht weit von ihren Landen soll es eine Stadt geben, in der nur Frauen leben und aus der kein Mann lebend zurückkehrt. Der Ehrgeiz der drei ist geweckt: sie wollen diese Stadt finden oder zumindest den Mythos aus der Welt schaffen. Sie machen sich auf zu einer eigenen Expedition, angefüllt mit viele Vorurteilen über das, was sie erwarten wird. Doch alles kommt ganz anders...

Wiederentdeckungen sind wichtig, aber oft auch zweischneidige Angelegenheiten. Denn manches wird nur deswegen wieder aufgelegt, weil es thematisch zum Zeitgeist passt und weniger, weil es auch die Gegenwart literarisch bereichern kann.

Charlotte Perkins Gilmann war eine bedeutende Frauenrechtlerin und Vortragskünstlerin, dieses Vermächtnis steht außer Zweifel. Und Geschichten wie "Die gelbe Tapete (ebenfalls enthalten) zeigen, dass sie auch eine gute Autorin war. "Herland" aber ist, obwohl soziologisch und historisch vielleicht noch interessant, literarisch kein großer Wurf.

Zwar ist man anfangs noch gespannt, was die Einzelheiten der Frauengesellschaft angeht, aber schnell wird klar, dass Gilmann vor allem ein Lehrstück schreiben wollte, keinen  ausgeklügelten Roman. Dramaturgisch und logistisch lässt dieser dementsprechend einiges zu wünschen übrig. Zudem fehlt mir persönlich eine Prise Humor, Leichtigkeit, welche bspw. ein noch älteres Buch wie Christine de Pizans "Buch von der Stadt der Frauen" auch heute noch lesenswert machen. 

Cover des Buches Herland (ISBN: 9781909735125)
MelB2508s avatar

Rezension zu "Herland" von Charlotte Perkins Gilman

MelB2508
Ruhiges, feministisches Buch, das sehr zum Nachdenken anregt

Im Buch Wonderlands wurde ich auf Herland aufmerksam gemacht und nach sehr vielen Dystopien, ist Herland endlich mal eine Utopie, die ich gelesen habe. 


Es ist recht kurz und gut lesbar, eine klare Sprache und aus Sicht einer der 3 Männer geschrieben, die in das utopische Herland kommen und hier eine längere Zeit leben dürfen. Am meisten gefallen haben mir die Gespräche der Männer mit den Frauen. Diese werden alle sehr sanft und einfühlsam geschildert, dabei aber mit einer Stärke, der sie sich bewusst sind und voller Offenheit für die für sie fremde Welt. Weder beharren sie darauf, dass ihre Welt die bessere sei (obwohl niemand beim Lesen es anders sehen könnte), noch werden sie laut oder aggressiv. Wenn für sie unerträgliche Dinge zum Vorschein kommen, sammeln sie sich und trösten einander, statt zu schreien oder wütend zu werden. Die Geschichte, so phantastisch sie ist, ist so schön von der Vorstellung her, dass ich mir wirklich gewünscht habe, es sei wahr und es gäbe Herland, ein friedliches Land mit einer matriarchalen, harmonischen Ordnung und zufriedenen Frauen.


Zwei feministische Klassiker, die man gelesen haben sollte

„Die gelbe Tapete“, hier in einem Band mit „Herland“, von Charlotte Perkins Gilman ist ein echter Klassiker der feministischen und der US-amerikanischen Literatur. Bis zu Nicole Seiferts Buch „Frauen Literatur“ bin ich allerdings mit beiden Geschichten bisher gar nicht in Berührung gekommen. Das hat sich nun geändert und es hat sich absolut gelohnt.

Zunächst zu „Die gelbe Tapete“: Dabei handelt es sich um eine nur etwa 30 Seiten umfassende Erzählung, die sehr eindrucksvoll den geistigen Verfall einer jungen Frau dokumentiert. Charlotte Perkins Gilman, geboren 1860, verarbeitet in dieser Geschichte auch ihre eigenen Erfahrungen – es geht um postpartale Depression (oder wie man Ende des 19. Jahrhunderts noch sagte: Hysterie) und um falsche Behandlungsmethoden, die die Krankheit eher verschlimmerten als heilten.

Gleichzeitig ist „Die gelbe Tapete“ auch eine Gothic-Erzählung mit Horror-Elementen, die einem durchaus einen Schauer über den Rücken jagen kann. Mich hat sie jedenfalls sehr beeindruckt, denn sie gibt einen ehrlichen Einblick in das Frauenbild im 19. Und 20. Jahrhundert und greift zugleich Thematiken auf (v.a. psychische Erkrankungen und postpartale Depression), die zum Teil heute noch, mehr als 100 Jahre später, tabuisiert sind. Ein ganz großes Stück feministischer Literatur!

Gleiches gilt für den Roman „Herland“ – eine Utopie, welche das selbstbestimmte und unabhängige Leben von Frauen in den Mittelpunkt stellt. Und das ist erstaunlich, denn auch „Herland“ ist über 100 Jahre alt (erstveröffentlicht 1915). Charlotte Perkins Gilman macht mit dieser Geschichte um ein vom Rest der Welt abgeschnittenes Land, in dem ausschließlich Frauen leben und sich rund um selbst organisieren, deutlich, dass Emanzipation und Selbstbestimmtheit bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts große Themen für Frauen wie sie waren.

Besonders der Gegensatz zwischen der Welt der Männer (= Rest der Welt) und dem „Herland“ (also dem Frauenland) wird in dem Roman sehr gut herausgearbeitet. Dabei erleben wir das wundersame Land der Frauen aus Sicht eines Mannes, denn Protagonist und Ich-Erzähler ist der junge Van, ein US-Amerikaner, der bei einer Expedition mit zwei Freunden auf das geheimnisvolle Land stößt. Dort begegnet uns vieles, was für uns heute (zum Großteil!) selbstverständlich ist (z. B. arbeitende Frauen und gesellschaftlicher Zusammenhalt), was für die drei jungen Männer allerdings ein echter Schock ist.

Beide Geschichten sind in meinen Augen revolutionär für ihre Zeit und transportieren Botschaften und Werte, die heute ebenso wichtig und essenziell sind wie vor 100 Jahren. Dabei sind die Erzählungen zeitgemäß übersetzt und lassen sich wirklich angenehm lesen – wer sie nicht kennt, sollte das meiner Meinung nach unbedingt nachholen. Hier lernt man viel über die Geschichte des Feminismus und der weiblichen Emanzipation – und sicher auch noch einiges dazu.

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