Charlotte Roth

 4.4 Sterne bei 522 Bewertungen
Autorin von Als wir unsterblich waren, Als der Himmel uns gehörte und weiteren Büchern.
Charlotte Roth

Lebenslauf von Charlotte Roth

Vom Leben inspiriert: Charlotte Roth wurde 1965 in Berlin geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft, Latein und Anglistik in Berlin, Neapel und London. Seit mittlerweile über zehn Jahren ist sie freiberufliche Autorin und schreibt nicht nur unter dem Namen Charlotte Roth, sondern auch unter mehreren anderen Pseudonymen. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Buches „Als wir unsterblich waren“ im Jahr 2014, welches auf ihrer eigenen Familiengeschichte basiert, erfüllte sie sich einen Lebenstraum. Das Buch erzählt auf verschiedenen Zeitebenen von den Berlinerinnen Alexandra und Paula, die die Stadt während dem Fall der Mauer und zur Zeit des Ersten Weltkrieges erleben. Charlotte Roth selbst lebt inzwischen nicht mehr in ihrer Geburtsstadt, sondern in London. Auch reist sie mit ihrer Familie sehr gerne durch Europa, ihr Herz hängt jedoch noch immer an Berlin.

Alle Bücher von Charlotte Roth

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Als wir unsterblich waren

Als wir unsterblich waren

 (220)
Erschienen am 02.05.2014
Als der Himmel uns gehörte

Als der Himmel uns gehörte

 (135)
Erschienen am 01.04.2015
Wenn wir wieder leben

Wenn wir wieder leben

 (91)
Erschienen am 02.07.2018
Weil sie das Leben liebten

Weil sie das Leben liebten

 (46)
Erschienen am 01.06.2016
Bis wieder ein Tag erwacht

Bis wieder ein Tag erwacht

 (22)
Erschienen am 03.07.2017
Wenn wir wieder leben: Roman

Wenn wir wieder leben: Roman

 (0)
Erschienen am 27.06.2018
Wir sehen uns unter den Linden

Wir sehen uns unter den Linden

 (0)
Erschienen am 01.04.2019
Bis wieder ein Tag erwacht

Bis wieder ein Tag erwacht

 (4)
Erschienen am 03.07.2017

Neue Rezensionen zu Charlotte Roth

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Buecherseele79s avatar

Rezension zu "Wenn wir wieder leben" von Charlotte Roth

Danzig am Meer
Buecherseele79vor 17 Tagen

Berlin 1963: Wanda lebt mit ihrer Mutter, den beiden Schwestern und Tante in Berlin, studiert beruflich etwas erreichen.
Doch dann lernt sie Andras kennen, einen jungen Mann der immer ruhelos scheint und immer einen dicken Aktenordner unter dem Arm bei sich trägt.
So kommt Wanda das erste Mal mit dem Grauen der Nazis, dem Holocaust, in Verbindung und merkt- es haben viele Menschen Familienmitglieder verloren, viele suchen Antworten und auch Wanda weiss von ihrer Familie eigentlich kaum was...

Zoppo/Danzig 1927: Die junge Gundi Sonnenschein möchte am liebsten für immer in Danzig bleiben, bei ihrem Pop, am Meer, immer das Rauschen der Wellen in den Ohren und berühmt werden als Musikerin.
Eine Band hat sie schon zusammen- ihre Halbschwester Lore, Erik und Julius.
Doch ihr fehlt das Talent zum Texte schreiben und somit scheint die Hoffnung als Band berühmt zu werden sehr gering...

Dies ist mein erstes Buch der Autorin, aber alleine der Titel, das Cover und vorallem der Text haben mich sehr neugierig werden lassen.
Der Einstieg in das Buch gelang mir eigentlich recht gut, man trifft im ersten Abschnitt auf Wanda, die in Berlin lebt, nach dem zweiten Weltkrieg und einfach versucht ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Durch Andras und seine Nachforschungen wird sie aber mit dem Holocaust konfrontiert und ich empfand viel Mitgefühl für Andras, in meinen Augen hat die Autorin diesen ruhelosen Charakter sehr gut dargestellt und man fühlte mit ihm mit.
Auch diese Ruhelosigkeit von Wanda fand ich sehr gelungen umgesetzt und konnte ihren Durst nach Wissen nachvollziehen, was ihre Familie während der Nazizeit getan hat- waren sie gegen die Nazis, waren sie glühende Anhänger?
Was hat die Familie zu verbergen?
Und warum erzählt niemand wie es in Polen/Danzig damals gewesen ist?

Mit Gundi Sonnenschein hatte ich dafür umso mehr meine Probleme.
Mir kam sie zu sprunghaft, ja fast naiv und dumm vor, sie hat viele Dinge ausgeblendet und gemeint mit ihrem Lachen und ihren Sprüchen kann sie viel erreichen.
Lore, Erik und Julius hingegen waren mittem im Leben, haben viel mehr zu verlieren, man merkt die Unterscheide zwischen den 4 jungen Menschen, wie sie mit der Finanzkrise umzugehen versuchen.
Toll hier fand ich die Beschreibung von Danzig, das Leben dort, die Menschen, die Aktivitäten, ich hatte immer ein sehr lebhaftes Bild vor Augen.
Auch viel Dialekt kam in diesem Buch vor den ich aber unglaublich toll fand, so wurde das Danzig noch intensiver und bunter, realistischer.

Die Zeitsprünge gingen oft zwischen Monate und Jahre, zu Beginn war das immer etwas schwer sich wieder in der Zeit von Wanda oder Gundi zurecht zu finden, aber mit der Zeit klappte es umso besser.
Die Wandlung von Wanda konnte ich besser nachvollziehen als die von Gundi, die war mir mit ihrer naiven Art und Ansichten oft zu nervig, zu anstrengend, zu leichtgläubig wenn ich ehrlich bin.
Doch hier liegt auch die Verwandlung von Danzig im Blick- von einer schönen Küstenstadt die nicht so richtig nach Deutschland aber auch irgendwie nicht zu Polen gehört, immer so ein Mittelding, im Wandel von Finanzkrise, wie die Stimmung kippt und dann die Nazis diese Stadt übernehmen.
Wie auch der Wandel in der Bevölkerung, unter den 4 Freunden, sich bemerkbar macht.

Der Hass, vor den Nazis, während den Nazis und die Zeit danach, der war immer irgendwie gleich, auf die Polen, auf die Juden, dann auf die Deutschen und hier merkt man dass nicht nur ein Land viel aufzuarbeiten hatte sondern halb Europa.
Auch diese Ansichten brachte die Autorin sehr gekonnt, gefühlvoll an mich Leser heran, man denkt öfter über das Gelesene nach.

Viele Wendungen, Überraschungen, der besondere Schreibstil mit seinem Dialekt und das Ende haben mich sehr überzeugen können, auch wenn ich mit einer Hauptprotagonistin nicht klar kam.
Aber zum Ende hin, das muss ich hier auch erwähnen, konnte Gundi noch hier und da einen Pluspunkt bei mir sammeln.

Unter dem Strich würde ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, gerade weil es nicht aktueller sein könnte.
Auch wenn ich hier und da meine Probleme mit einer der Protagonistinen hatte werde ich der Autorin treu bleiben.

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Svanvithes avatar

Rezension zu "Wenn wir wieder leben" von Charlotte Roth

Wenn wir wieder leben
Svanvithevor 2 Monaten

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Wenn Menschenfeinde aufmarschieren, müssen wir eine Zeit lang aufhören, Schneider, Buchhalter und Musiker zu sein, und zusammen zur Mauer werden, an der Verbrecher abprallen. Darum kämpfen, wieder zu leben. Unser richtiges Leben.“

Berlin 1963. Die neunzehnjährige Wanda hat bisher ein unbeschwertes und beständiges Leben geführt. Keines, in dem das Geld reichlich fließt, aber es geht ihr und ihrer Familie, die aus Mutter, genannt Matti, Tante Lore und den Schwestern Vera und Ariane besteht, gut. Zudem ist sie privilegiert: sie darf studieren. Mit ihrem offenen, den Menschen zugewandten Wesen findet sie schnell Freunde.

Als sie eines Tages Andras kennenlernt, ist die bisherige Gleichmut ihres Daseins vorbei, denn der streitbare junge Mann, der im Holocaust Mitglieder seiner jüdischen Familie verloren hat und sich vehement für die Opfer des Naziregimes einsetzt, gibt ihr eine harte Nuss zu knacken:

Warum hat es sie eigentlich nie interessiert, wo sie herstammt, wo ihre Wurzeln liegen? Warum wird in ihrer Familie nie darüber gesprochen? Hat diese womöglich in den Zeiten des Krieges Schuld auf sich geladen und versucht, wie viele andere einen Mantel des Schweigens darüber zu legen? Wanda lässt nicht locker und akzeptiert die wenigen, ausweichenden und vertröstenden Antworten nicht. Als sie ein erschütternder Schicksalsschlag trifft, muss sie sich selbst auf die Reise nach Polen an den Ort ihrer Geburt begeben, um die Schatten, die über der Vergangenheit liegen, lüften zu können...

In den Zwanziger Jahren genießen Gundi, Lore, Julius und Erik in Danzig und dem angrenzenden Ostseebad Zoppot ihre Jugend und die Sommerfrische und träumen von einer Karriere als Musiker. Sie wollen anderen Menschen Freude bringen und mit beschwingten Melodien unterhalten. Eine entsprechende Tanzkapelle haben sie bereits, indes der Erfolg will sich für „Die Piroggen“ noch nicht richtig einstellen. Danzig wird vom internationalen Völkerbund verwaltet, die Nazis haben in der Stadt, in der Deutsche und Polen relativ problemlos zusammenleben, bislang nichts zu melden. Doch ziehen bereits erste dunkle Wolken auf.

Aber das interessiert Gundi Sonnenschein – wie sie von allen genannt wird – nicht. Sie ist das glücklichste Kind von der Ostsee. Auch ohne Vater und Mutter, dafür verwöhnt vom heiß geliebten Großvater Pop und Tante Karl, nimmt sie das Leben leicht, redet sich die Welt schön, und keiner kann sich ihrem überschäumenden Gemüt und ihrer schwingenden Sinnlichkeit entziehen und ihr lange böse sein.

Als Gundi und „Die Piroggen“ mit dem Lied „Morgen am Meer“ ihren Durchbruch haben und zu einer bekannten Größe avancieren, dauert es nicht lange und sie fallen auch der ortsansässigen erstarkenden NSDAP ins Auge. Deren Gauleiter Forster ist in das Lied verliebt und protegiert „Die vier aus Zoppot“, wie sie inzwischen heißen, bis hin zu Auftritten auf der „Wilhelm Gustloff“, einem Kreuzfahrtschiff des von den Nazis kreierten „Kraft durch Freude“-Programms. Dort begegnet Gundi, zwischenzeitlich mit Julius verheiratet und Mutter einer Tochter, dem Sänger Tadek und der wahren Liebe, um die sie kämpfen muss, als Polen von Hitlers Deutschland überfallen wird und Tadek sich dem Widerstand anschließt. Zu welchen Opfern ist sie für die Erfüllung ihrer Sehnsüchte bereit?


Charlotte Roth überzeugt mit „Wenn wir wieder leben“ mit einer meisterhaften Geschichte, die nicht nur kraftvoll, sondern auch mit Gedankentiefe, Emotionalität und einer Botschaft erzählt wird. Durch ihren respektvollen Umgang mit der Vergangenheit, gelingt es der Autorin, mit ihrem Werk dem sich breit machenden Vergessen ein Erinnern entgegenzusetzen, das neben innigen, ergreifenden, traurigen und wütend machenden Momenten auch ungemein viel Hoffnung Humanität und Liebe offenbart.

Wortkonstrukte und Satzgesänge lassen unschwer die Autorin erkennen. Ihrem herausragende, bilderreichen, manchmal auch larmoyanten Schreibstil, der gleichermaßen zu Tränen rührt und einen lächeln lässt, wohnt ein einzigartiger Zauber inne, der nur in ihren Romanen zu finden ist. Erhöht wird der Lesegenuss dadurch, dass die Autorin es gekonnt versteht, dem Geschehen durch die Verwendung von Begriffen und Redewendungen des im Danziger Raum gesprochenen Missingsch zusätzliche Atmosphäre zu verleihen.

In den Figuren von Charlotte Roth steckt enormes Herzblut. Sie lotet deren charakterliches Potential aus, erspart ihnen nichts, heischt kein Wohlwollen ein, sondern lässt sie durchaus zum Unverständnis aller agieren. So erzeugt sie eine markante Lebensnähe, die nichts beschönigt. Deutlich wird dies insbesondere an Gundi, die mit ihrem Verhalten, ihrer politischen Unwissenheit und dem damit einhergehenden Desinteresse, ihrer Sorglosigkeit und starken, rücksichtslos scheinenden Sehnsucht nach Liebe nicht immer Sympathiepunkte sammelt, weil sie in der privaten kleinen Welt nicht über den Tellerrand schaut und die Auswirkungen auf die Ereignisse um sie herum begreift. Nicht rechtzeitig zumindest...


Es ist Charlotte Roths persönlichstes Buch, wie sie im Nachwort erklärt. Weil Danzig und seine Menschen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte sind. Und weil es wichtig ist, in dieser Zeit die Stimme zu erheben. Gut, dass sie es geschrieben hat.

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lielo99s avatar

Rezension zu "Wenn wir wieder leben" von Charlotte Roth

Sehr berührend
lielo99vor 2 Monaten

Und wieder einmal hat mich Frau Roth mit ihrem Buch in die Vergangenheit geführt. Dieses Mal war es Danzig und die Autorin hat hier das Erleben ihrer Familienmitglieder verarbeitet. Sie versteht es bestens, wie sie Spannung aufbaut. Dabei macht es nichts, dass sie in zwei Zeiten berichtet. Vergangenheit und Gegenwart sind so miteinander verwoben, dass zu keinem Zeitpunkt Irritationen auftreten.
Der Roman ist nicht nur spannend, sondern auch sehr emotional. Die Nazizeit mit all ihren Gräueln werden hautnah beschrieben und ich konnte bei einigen Situationen die Tränen nicht zurückhalten. So klar und lebendig schildert Frau Roth sämtliche Ereignisse.

Ein Buch, welches gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig ist. Leider herrscht momentan ein Geist, der sich mit der Weimarer Republik vergleichen lässt. Was daraus wurde, hat wohl jeder im Geschichtsunterricht gelernt.

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