Charlotte Wood

 3,6 Sterne bei 84 Bewertungen
Autor*in von Ein Wochenende, Tage mit mir und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Charlotte Wood stammt aus New South Wales, Australien. Sie ist Journalistin und Autorin von mehreren Romanen und Sachbüchern. Ihren nationalen sowie internationalen Durchbruch erreichte sie 2016 mit "Der natürliche Lauf der Dinge", das u. a. den Stella Prize gewann. Sie lebt mit ihrem Mann in Sydney.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Charlotte Wood

Cover des Buches Ein Wochenende (ISBN: 9783036961255)

Ein Wochenende

(62)
Erschienen am 13.07.2021
Cover des Buches Der natürliche Lauf der Dinge (ISBN: 9783038800019)

Der natürliche Lauf der Dinge

(9)
Erschienen am 13.01.2017
Cover des Buches Tage mit mir (ISBN: 9783036961941)

Tage mit mir

(9)
Erschienen am 18.04.2025
Cover des Buches The Weekend (English Edition) (ISBN: B07VFKCJVS)

The Weekend (English Edition)

(2)
Erschienen am 25.06.2020

Neue Rezensionen zu Charlotte Wood

Cover des Buches Ein Wochenende (ISBN: 9783036958255)
Aischas avatar

Rezension zu "Ein Wochenende" von Charlotte Wood

Aischa
Die Wahrheit ist ein gefährliches Unterfangen

Drei Frauen, alle über siebzig, treffen sich in einem Strandhaus, das einst ihrer verstorbenen Freundin Sylvie gehörte. Eigentlich ist es ein ganz praktisches Vorhaben: Auf Wunsch von Sylvies Lebensgefährtin sollen Adele, Wendy und Jude das Haus ausräumen und für den Verkauf vorbereiten. Doch dieses letzte gemeinsame Wochenende wird schnell zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme – ihrer Freundschaft, ihrer Lebensentwürfe und ihres Älterwerdens.

Adele, die extrovertierte ehemalige Schauspielerin, ist nach wie vor attraktiv und voller Energie, aber beruflich längst auf dem Abstellgleis gelandet. Ohne Engagements, ohne finanzielle Sicherheit und gerade von ihrer Partnerin verlassen, versucht sie, ihre Fassade der Unbeschwertheit aufrechtzuerhalten. Wendy dagegen ist eine erfolgreiche feministische Intellektuelle, deren öffentliches Leben deutlich geordneter wirkt als ihr privates: Die Beziehung zu ihren Kindern ist schwierig, und gleichzeitig kann sie sich nicht von ihrem alten, fast blinden und tauben Hund trennen, obwohl dessen Leid offensichtlich ist. Jude schließlich, kultivierte Gastronomin und selbstbewusste Persönlichkeit, lebt seit Jahrzehnten als heimliche Dauergeliebte eines reichen, verheirateten Mannes – eine Entscheidung, die viel über ihre Einsamkeit und ihre Sehnsüchte verrät.

Charlotte Wood zeichnet ihre Figuren sehr genau und mit großer sprachlicher Sicherheit. Die Dialoge sind scharf, oft böse und manchmal auch komisch. Die Gedanken der drei Frauen sind voller Gemeinheiten, Neid und unausgesprochener Vorwürfe – vieles bleibt nicht länger verborgen, manches wird ausgesprochen. Das macht die Figuren lebendig und glaubwürdig. Wood fängt die Unterschiede zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung hier sehr treffend ein.

Trotzdem habe ich mich mit dem Buch schwergetan. Nicht wegen des Schreibstils – Charlotte Wood kann ohne Frage schreiben. Die Geschichte hat Tempo, die Figuren besitzen Tiefe, und die Mischung aus Tragik und trockenem Humor funktioniert durchaus. Mein Problem liegt eher in der Aussage des Romans: Was möchte die Autorin mit dieser Darstellung erreichen?

Denn die drei Frauen erscheinen letztlich allesamt auf die eine oder andere Weise als gescheitert. Alter wird hier vor allem mit Verlust verbunden: mit nachlassender Attraktivität, Einsamkeit, körperlichem Verfall, unerfüllten Hoffnungen und dem Gefühl, dass die besten Jahre vorbei sind. Zwar verweigert Wood bewusst ein idealisiertes Bild vom „weisen und glücklichen Alter“ und zeigt stattdessen eine unbequeme Realität – ein Ansatz, bei dem ich durchaus mitgehe. Aber ich empfand diese Perspektive als zu pessimistisch, Altern und alt sein wird hier als durchweg negativ beschrieben.

Außerdem hat mir ein tieferer Zugang zur Freundschaft dieser Frauen gefehlt. Man erfährt, dass Sylvie offenbar das verbindende Element der Gruppe war und die fragile Balance zwischen den Freundinnen aufrechterhielt. Aber warum diese vier Frauen über Jahrzehnte verbunden waren, was sie einander gegeben haben und warum diese Freundschaft trotz aller Konflikte Bestand hatte, bleibt für mich zu sehr im Hintergrund.

„Ein Wochenende“ ist damit ein Roman, der interessante Fragen stellt: Wie verändern wir uns im Alter? Was bleibt von langjährigen Freundschaften, wenn eine zentrale Person fehlt? Wie ehrlich sind wir mit uns selbst? Charlotte Wood liefert darauf keine einfachen Antworten und schreibt mit großer Beobachtungsgabe. Dennoch blieb bei mir nach der Lektüre ein zwiespältiger Eindruck zurück: ein sprachlich starker, kluger Roman mit gelungenen Figuren – aber auch ein Werk, das ein für mich zu düsteres und einseitiges Bild von Alter und Freundschaft zeichnet.

Cover des Buches Ein Wochenende (ISBN: 9783036961255)
dasbuchzuhauses avatar

Rezension zu "Ein Wochenende" von Charlotte Wood

dasbuchzuhause
Freundschaft im Alter

Jude, Adele und Wendy treffen sich wie jedes Jahr in Sylvies Strandhaus, um gemeinsam Weihnachten zu verbringen. Doch dieses Jahr ist es anders, Sylvie fehlt, sie ist gestorben und die drei Freundinnen treffen sich, um das Haus zu entrümpeln.

Schon bei der Beschreibung der Anreisen wird klar, dass es ausreichend Konfliktpotential und Ungeklärtes zwischen den hart an der 70 kratzenden Freundinnen gibt.

Jude, distanziert und bossy, daran gewöhnt zu bestimmen, trägt seit Jahren ein Geheimnis mit sich herum. Adele, noch ganz gut in Schuss, aber Geld- und frisch Beziehung-los, ist in einer Gedankenschleife um sich selbst gefangen und die intellektuelle Feministin Wendy hadert mit ihrer schlechten Beziehung zu ihren Kindern und dem Missfallen von Jude, die nicht begeistert ist, dass Wendy ihren dem Enten Hund Finne mitbringt.

Sylvie hat die ungleichen Frauen zusammengehalten und während sich Schrank für Schrank leert, wird deutlich, was die Frauen trennt und was sie noch zusammenhält.

Sie kennen sich in und auswendig, sprechen schonungslos aus, was sie übereinander denken und sind doch füreinander der Fels in der Brandung.

Charlotte Wood gelingt es, dies ohne Pathos zu erzählen, sondern bleibt bissig witzig dabei. Viele von uns werden sich da wieder finden und schmunzeln und das Gefühl der Dankbarkeit für lebenslange Freundschaft nachvollziehen können, auch wenn man sie ab und an auf den Mond schießen könnte.

Cover des Buches Ein Wochenende (ISBN: 9783036958255)
Ana80s avatar

Rezension zu "Ein Wochenende" von Charlotte Wood

Ana80
Freundschaft

Vier Freundinnen, vier absolut unterschiedliche Leben und trotzdem eine jahrzehntelange Treue. Jude, Adele und Wendy treffen sich zu einem gemeinsamen Wochenende in Sylvies Strandhaus, nachdem diese verstirbt. Beim Ausräumen des Hauses stellen die Freundinnen immer wieder fest, dass Sylvie irgendwie der Kitt der Gruppe war. Ohne sie finden die übrigen drei nicht so richtig zueinander und es kommt an dem Wochenende zu Situationen und Aussagen, die ihre Freundschaft stark auf die Probe stellen… 

Ich bin zunächst gut in das Buch hineingekommen. der Schreibstil ist einfach und schnell zu lesen und das „Entdecken“ der sehr unterschiedlichen Leben der Frauen gefiel mir gut. Obwohl diese Frauen wirklich interessante Leben haben, bin ich allerdings mit keiner von ihnen so richtig warm geworden. Mir fehlte bei diesem Buch dann doch am Ende die Tiefe, obwohl das Thema da wirklich Potenzial hatte. Ich glaube ich hätte mir das Buch dann doch etwas länger gewünscht, damit die einzelnen Lebensgeschichten mit mehr Intensität herausgearbeitet hätten werden können.
Insgesamt trotzdem ein schönes Buch über das Leben und Freundschaft, was sich ohne Anstrengung schnell lesen lässt. 

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