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SandraFlorean

vor 5 Monaten

(29)

"La Vita Seconda" gehört zu den Büchern, die man unmöglich einem Genre zuordnen oder gar in eine Schublade packen kann. Sogar ein zweifelsfreies Urteil fällt mir schwer. Ich versuche es dennoch, weil die Autorin es verdient hat, dass man über ihr Buch spricht.


Eins vorweg: "La Vita Seconda" ist anders, gehaltvoll, verwirrend, wunderschön, aber auch ehrlich, direkt und schonungslos.
Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben, die sich abwechseln. Allein das lässt einen schon durch die Seiten fliegen. Dennoch haderte ich etwa Mitte des Buches mit der Geschichte. Denn gerade die Perspektive des verwirrten, stummen Mädchens in der Vergangenheit schien zwischenzeitlich auf der Stelle zu treten und scheinbar nirgendwohin zu führen. Ich kann im Nachhinein jedoch sagen: bleibt dabei! Denn alles, jedes Detail hat nachher seinen Sinn und Zweck und klärt sich am Ende auf wunderbare Weise auf.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr schön, nahezu fehlerfrei, was ich sehr begrüße. Bei den Geschichten in der Gegenwart merkt man, dass sie sich mit medizinischen Dingen und den Abläufen in Krankenhäusern bestens auskennt. Sie beschreibt alles sehr detailliert, ohne dass es steril oder gestelzt wirkt. Auch die Charaktere sind ihr gut gelungen, wobei ich die Reaktionen von Mia zwischendurch nicht hundertprozentig nachvollziehen konnte. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Auch merkt man, dass die Autorin viel und gründlich recherchiert hat. Die Passagen in der Vergangenheit wirken dadurch lebendig, authentisch und man hat schöne Bilder im Kopf - wobei mir hier die wiederholten Stadtrundgänge ein bisschen zu viel historischer Infodump waren, weil sie die Geschichte nicht wirklich voran trieben. Auch haben mich in der Erzählperspektive des stummen Mädchens einige moderne Begriffe gestört, aber das ist wohl eher meinem Hobby als historischer Reenactor zu schulden und stört in keinster Weise den Lesefluss. Insgesamt hat sich die Autorin sehr stark mit jeder ihrer Perspektiven (in der Vergangenheit und der Gegenwart) auseinandergesetzt, was genau diese stimmigen Bilder erzeugt haben, fast, als hätte man einen Film gesehen. Tolle Arbeit!

Das Buch sollte man auf jeden Fall in Ruhe lesen und bewusst. Es enthält so viele Details, Hinweise, Kleinigkeiten, die man beachten muss, damit das Ende wirkt. Und das Ende hat es wirklich in sich. Auch wenn ich es irgendwie geahnt hatte, war ich doch sehr gespannt darauf, wohin all diese kleinen Fäden und Geschichtchen führen mögen. An dieser Stelle sei gesagt: Der Klappentext wird dem Buch nicht annähernd gerecht - bis auf den Satz "Jede neue Antwort wirft neue Fragen auf" vielleicht.

Zusammenfassend möchte ich dieses Buch einfach jedem empfehlen. Weil es anders ist. In seiner Mischung aus Historie und gegenwärtiger Liebes-/Lebensgeschichte, aber auch, weil man in jeder Zeile merkt, wie viel Mühe sich die Autorin Charlotte Zeiler gemacht und wie viel Herzblut sie hinein gesteckt hat, um diese Geschichten (denn es sind in der Tat mehrere) zu Papier zu bringen. Vielen Dank, liebe Charlotte Zeiler, für diesen etwas anderen, aber lange nachwirkenden Lesespaß!

Autor: Charlotte Zeiler
Buch: La Vita Seconda
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