Auf der Jagd nach magischen Dschinn-Relikten ist die Mitternachtshändlerin Loulie al-Nazari tief in die Wüste gereist, hat sich tödlichen Gefahren gestellt und mehr als eine Intrige verwickelt worden, die die Zukunft des ganzen Reichs bedroht. In der Verzweiflung eines aussichtslosen Kampfes ist sie im sagenumwobenen Sandmeer versunken, von ihren treuen Gefährten getrennt. Im Reich der Dschinn muss sie sich durch ein Geflecht aus Lügen und Geheimnissen schlagen, um zu entkommen, während sich auf der Oberfläche ein grausamer Sultan auf einen magischen Krieg vorbereitet…
Der Auftakt der Sandsea-Chronicles, Der Sternenstaubdieb, endete mit einem mehr als fiesen Cliffhanger. Jetzt, nach über einem Jahr Wartezeit, geht es endlich zurück in die tiefe Wüste, wo so manche Legende Wirklichkeit wird. Wir begleiten die gleichen Charaktere wie im ersten Teil, nur dass sie sich jetzt an verschiedenen Orten befinden und alles in ihrer Macht Stehende tun, um wieder zueinander zu finden und einen heraufziehenden Krieg zu verhindern.
Loulie kämpft sich mit List und Verhandlungsgeschick durch das sagenumwobene Reich der Dschinn und gewinnt dabei einige unerwartete Verbündete, währenddessen versucht die Räuberin Aisha, den Sultan um seinen wertvollsten Gefangenen zu bestehlen. Genau wie im ersten Teil spart die Autorin nicht mit Geheimnissen, die nur nach und nach aufgedeckt werden. Dieses Mal sind die auch noch undurchschaubarer und vielseitiger, noch mehr verknüpft mit alten orientalischen Märchen und Mythologie, fliegender Teppich inklusive.
Der Aufbau der Handlung hin zum Höhepunkt hat eine Weile gedauert, war aber die Wartezeit auf jeden Fall wert und auch vorher war die Geschichte um Loulie, den verirrten Prinzen Mazen und die Räuberin Aisha keinesfalls langweilig. Zusätzlich zur Wüstenatmosphäre gibt es hier nämlich noch Piraten und Seefahrer, die auf dem Sandmeer ihr Unwesen treiben, und jede Menge andere Wesen und Legenden zu entdecken. Chelsea Abdullah hat ganze Arbeit geleistet und uns chaotisch liebenswürdige Charaktere, eine tolle Found Family und eine sehr schöne, bunte und lebendige Welt geschenkt, in der die Zeit viel zu schnell vergeht. Außerdem gibt es mehr als einen epischen Moment a la Aragorn in die Rückkehr des Königs.
Auch der zweite Teil der Sandsea-Trilogie ist also ein fesselndes Fantasy-Abenteuer und eine würdige Fortsetzung des bereits sehr vielversprechenden „Sternenstaubdiebs“ und nun auch, auf eine mythisch-geheimnisvoll angehauchte Weise, noch mal deutlich komplexer als der Vorgänger, auch wenn sich das Buch trotzdem ein bisschen wie ein Mittelband anfühlt, der vor allem dazu gedacht ist, die Geschichte zu vertiefen und auf das große Finale vorzubereiten. Das ist auch gelungen.
Zusätzlich zum Abenteuer schenkt uns die Autorin noch eine hauchzarte Liebesgeschichte, die nur an ganz wenigen Stellen mal durchschimmert, sich auch nur ganz langsam entwickelt und sich auf diese Weise sehr gut in die Geschichte einfügt. Auch die anderen Charaktere machen eine beachtenswerte Entwicklung durch und zeigen immer mal wieder nachdenkliche Gedankengänge. Nur vom heimlichen Star der Reihe, dem geheimnisvollen Dschinn Qadir, hört man in diesem Buch leider nicht so viel wie erwartet, aber umso dramatischer ist sein Auftritt, als er dann doch noch den Weg in die Handlung findet.
Wie zu erwarten war, endet das Buch wieder auf einem heftigen Cliffhanger und mehr als einem losen Handlungsstrang. Wenn die Autorin in der Qualität weitermacht, wird das Finale ein Feuerwerk im Gewand eines orientalischen Märchens.























