"Gretchen" ist der dritte Teil in der Thriller-Reihe von Chelsea Cain rund um die Serienkillerin Gretchen. Zugegeben, wenn man die vorigen beiden Bücher gelesen hat, ist es bestimmt von Vorteil.
Cover
Das Cover sieht nicht schlecht aus, aber es passt meiner Meinung nach richtig zur Geschichte. Die Distel, der Schnee... Mir fällt spontan nicht ein, welchen Bezug die beiden zur Geschichte haben.
Inhalt
Archie ist nach der Folter durch Gretchen in der Psychiatrischen Abteilung gelandet, wo er sich zum Selbstschutz verkriecht. Schon zweimal hat er es mit Gretchen aufgenommen um sie endlich hinter Gitter zu bringen. Jetzt ist der "Beauty-Killer" ausgebrochen und auf der Flucht. Neue Morde, die auf den ersten Blick alle die Handschrift von Gretchen tragen, zwingen Archie aus seinem selbstgewählten Gefängnis zu einem letzten Tanz mit dem Tod. Doch bald merkt Archie, dass die Details der Morde nicht stimmen. Ist es ein Nachahmungstäter oder eine ganz persöhnliche Botschaft an Archie? Will Gretchen vielleicht noch etwas von ihm, so wie er es von ihr möchte?
Allen in allem war ich etwas enttäuscht von der Geschichte. Die Idee ist gut, die Umsetzung eher nicht. Ich konnte Archies Stockholm Syndrom nicht ganz nachvollziehen und weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Vermutlich hilft es, wenn man die Bände davor gelesen hat. Trotzdem kam es mir ziemlich unlogisch vor. Etwas anderes, was auch nicht ganz nachvollziehen konnte, war die Obsession mit Gretchen der Öffentlichkeit. Die Fan-Artikel, Touren, Foren, usw. erschienen mir dann doch etwas übertrieben.
Der Plot an sich war okay. Obwohl die "richtigen" Zutaten durchaus da waren, hat mir die Spannung gefehlt. Das Buch konnte mich einfach nicht abholen. Es gab zwar einige Plottwists und Überraschungen, die ich nicht habe kommen sehen, aber leider hat es nicht gereicht. Zur Mitte hat sich das Buch wirklich gezogen, wurde langatmig und langweilig. Den Fall, den Susan paralell zur Verfolgungsjagd von Archie lösen musste, hat mich nicht interessiert und ich musste mich da wirklich eher durch quälen.
Zum Thema Quälen an dieser Stelle: In der Geschichte ist eine Menge Perversion enthalten und Brutalität. Ich bin absolut nicht zimperlich, was diese Dinge angeht, aber hier fand ich es übertrieben. Vor allem, weil es eher so rüberkommt, als hätte die Autorin es als Schockfaktor drin haben wollen.
Schreibstil
Der Schreibstil war okay. Ich mochte ihn nicht besonders, aber man kommt flüssig und leicht durch die Geschichte. Etwas gestört hat mich die häufige Nutzung von "sein" in den Beschreibungen.
Charaktere
Am liebsten mochte ich Archie. Obwohl ich sein Stockholm-Syndrom nicht nachvollziehen konnte, mochte ich seinen Charakter und seine trockene, sarkastische Persönlichkeit. Er ist eher ruhig und hat mit den Folgen der Folter durch Gretchen zu kämpfen. Er ist intelligent und stur, was bei Gretchen und der Aufklärung der Morde nicht verkehrt ist. Nach der Affäre, die er mit Gretchen hatte, leiden seine Ehe und sein Gewissen darunter. Trotz der Folter fühlt er sich auf eine gewisse Art zu Gretchen hingezogen, sowohl psychisch, als auch körperlich (sexuell). In diesem Buch ist er ein Wrack, erkennt aber zum Schluss selbst, wie kaputt er ist und beginnt langsam, sich von Gretchen und ihrem Einfluss auf sein Leben zu lösen.
Susan mochte ich gar nicht. Sie ist Reporterin und schreibt ein Buch über Gretchen und Archie. Deswegen hilft sie Archie auch, die neuen Morde aufzuklären. Jedes Mal wenn die Kapitel ihr folgten, hat mich etwas an ihrer Art gestört. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber mich hat sie meistens nur genervt und ich war froh, wenn sie mal weg war. Sie ist altklug, besserwisserisch und nicht auf den Mund gefallen. Allerdings gingen mir ihre Sprüche bald auf den Geist. Was ich ihr aber sehr hoch anrechne, ist wie sie für Archie da ist, ihm hilft und ihn unterschützt, egal wie gefährlich oder riskant es ist. Die beiden sind ein gutes Team.
Mit Jeremy hatte ich Mitleidm selbst wenn seine Perversion mich gestört hat. Aber was kann man anderes erwarten, bei dem was er durchgemacht und gesehen hat? Gretchen hat ihn zerstört, mehr noch als sie Archie zerstört hat.
Gretchen, die Beauty-Killerin. Ich fand es unfassbar interessant, mal ein Buch über eine weibliche Serienmörderin zu lesen. Immerhin sind die meisten Serienkiller männlich. Gretchen ist ein gut geschriebener Charakter. Ich verstehe ihren Charme nicht ganz oder die Faszination, die sie auf jede Figur im Buch auslöst, aber das liegt auch vielleicht daran, dass man in diesem Band nur wenig Gretchen sieht.
Fazit
Gute Ideen, schlechte Umsetzung. Zieht sich, besonders zur Mitte hin, und bietet eine Menge Perversion und Brutalität. Wen das nicht stört, oder sich fürs Stockholm-Syndrom interessiert, der hat sicher seine Freude mit dem Thriller.