Tja, leider kann man die Sterne nur für das Buch im Ganzen vergeben.
Fünf Sterne verdient der erste Teil. Die Klimaaktivistin Hannah berichtet von ihren Erfahrungen bei Demonstrationen und von Polizeigewalt. Wir erfahren wie sie aufgewachsen ist und politisiert wurde. Die Bundespolizistin Chiara berichtet von ihren Erfahrungen aus dem Inneren der Bundespolizei. Es sind sowohl gute, als auch schlechte Erfahrungen. Als sie versucht, Probleme intern zu benennen um sie abstellen zu können, beißt sie auf Granit. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde über ihren Vorgesetzten löst eine Welle der Repression aus, die bis heute anhält. Chiara schildert Polizeialltag und die polizeiliche Sicht auf die Dinge. Polizisten und Polizistinnen sind nicht alle gleich, aber der Konformitätsdruck ist hoch. Trotzdem gibt es auch immer wieder Erfolge bis höhere Polizeiinstanzen mit massiver Macht versuchen dem ein Ende zu setzen.
Es folgen Reflexionen über den Klimawandel und die Untätigkeit der Politik, Verdrängung bei den einfachen Menschen und einer Polizei, die eigentlich auf der falschen Seite steht. Auch der Kapitalismus als Treiber eines Wirtschaftssystems, das unsere Lebensgrundlagen zerstört, wird angesprochen.
Im hinteren Teil passierten den Autorinnen leider ein paar wissenschaftliche Fehlschlüsse in Bezug auf die Gehorsamsexperimente von Stanley Milgram und das Stanford-Prison-Experiment von Zimbardo. Besonders die Experimente von Milgram gehören zu den wichtigsten Erkenntnissen der Sozialpsychologie und wurden vieltausendfach repliziert. Sie berufen sich dabei auf ein Buch von einem niederländischen Journalisten, Rutger Bregman. Es ist sicher keine böse Absicht oder bewusste Verfälschung. Wenn man nicht Psychologie studiert hat, kann es natürlich passieren, dass man dem Inhalt eines Buches hundertprozentig vertraut. Trotzdem hat mich diese Stelle veranlasst, nur drei Sterne zu vergeben.
Danach folgen Reflektionen über Utopien, über die sich nachzudenken lohnt.




