Chloe Hooper

 3.8 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Die Verlobung, Märchen eine wahren Mordes und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Chloe Hooper

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Märchen eine wahren Mordes

Märchen eine wahren Mordes

 (4)
Erschienen am 01.11.2004
Die Verlobung

Die Verlobung

 (4)
Erschienen am 28.07.2014
Der große Mann

Der große Mann

 (3)
Erschienen am 22.02.2016
Die Verlobung: Roman

Die Verlobung: Roman

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Erschienen am 28.07.2014
The Engagement

The Engagement

 (1)
Erschienen am 26.02.2013
Engagement

Engagement

 (0)
Erschienen am 18.10.2014
A Child's Book of True Crime

A Child's Book of True Crime

 (0)
Erschienen am 01.04.2003
Tall Man

Tall Man

 (0)
Erschienen am 07.04.2009

Neue Rezensionen zu Chloe Hooper

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Jisbons avatar

Rezension zu "Märchen eines wahren Mordes" von Chloe Hooper

Verwirrend, aber interessant
Jisbonvor einem Jahr

"Märchen eine wahren Mordes" ist eine Geschichte, die mich sehr verwirrt hat. Auf den ersten Blick ist die Handlung klar umrissen - Kate, die Ich-Erzählerin, hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, dessen Frau Veronica Schriftstellerin ist und ein Buch über einen Mord geschrieben hat, dessen Umstände einige Parallelen zum Leben der Protagonistin. Aus diesem Grund macht sie sich Sorgen, dass Veronica ihr nach dem Leben trachten und sie ermorden könnte, so wie es dem Opfer in dem Buch ergangen ist. Je mehr die Handlung voranschreitet, desto offensichtlicher wird für den Leser, dass die Situation nicht so einfach ist, wie es sich aus Kates Sicht darstellt. Ist sie einfach nur paranoid und verliert ihren Halt in der Realität? Oder ist sie wirklich in Gefahr? Wenn ja, wer ist darin verwickelt? Diese Fragen waren es, die das Buch für mich interessant gemacht haben, und der Autorin ist es gut gelungen, die Spannung aufrecht zu erhalten. Dies wird dadurch verstärkt, dass Kate von Beginn an klar ein unzuverlässiger Erzähler ist und keinen vollständigen Einblick in die Situation hat, sodass man versuchen muss, selbst die Hinweise und Andeutungen zusammen zu setzen, was ich interessant fand.

Trotzdem ist es mir manchmal schwer gefallen, der Geschichte zu folgen. Die Autorin kombiniert hier die Einblicke in Kates Gedanken mit der Geschichte eines Modes und Ausschnitte in das 'Kinderbuch', das Kate darüber schreibt, miteinander, was bei mir zu Verwirrungen geführt hat. Die Narrative wird schnell unübersichtlich, da Kate in ihren Gedanken hin und her springt. Als Erzählart fand ich dies realistisch, doch sobald die Protagonistin anfängt, immer mehr über den wahren Mord zu sinnieren und ihre eigene Situation damit gleichzusetzen und sich in die Rolle des Opfers zu denken, war für mich nicht immer deutlich, was wirklich passiert und was nur in ihrer Fantasie oder den Erzählungen stattgefunden hat. Das macht "Märchen eines wahren Mordes" definitiv zu einem anspruchsvollen Buch, auf das man sich voll und ganz konzentrieren muss.

Die Charaktere selbst sind nicht unbedingt sympathisch, die Hauptperson eingeschlossen, aber Hooper hat alle sehr realistisch dargestellt und schonungslos ihre Schwächen beleuchtet.  Alle sind irgendwie verkorkst. Kate selbst hat einige eher negative Eigenschaften und auch ihr Handeln ist keineswegs perfekt, was sich schon daran zeigt, dass sie eine Affäre mit dem Vater eines Schülers hat. Diese Punkte spricht die Autorin ganz direkt an und der Leser bekommt einige unbequeme Details, die meiner Meinung nach nicht nötig waren, aber zum Ton der Geschichte insgesamt passen.

Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen. Dadurch, dass es so direkt und offen alle Schattenseiten der Charaktere aufdeckt und auch ihr Handeln nicht beschönigt, ist es mir nicht leicht gefallen, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, und die komplizierte Narrative hat mich mehr als einmal irritiert. Davon abgesehen fand ich aber die Handlung sehr interessant und ich war gespannt, mehr über den Mord und Kates Schicksal zu erfahren. Die Parallelen und auch die Reaktionen der Protagonistin auf diese waren sehr gut ausgearbeitet, weshalb die Geschichte mich trotz allem fesseln konnte. Deshalb vergebe ich 3,5/5 Sternen.

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sapperlots avatar

Rezension zu "Der große Mann" von Chloe Hooper

Eine intensive Suche nach dem Warum und Weshalb
sapperlotvor 2 Jahren

Das ungewöhnliche aber auffallende Cover und die Kurzbeschreibung haben mich letzten Herbst zum Kauf dieses Buches animiert und nachdem es fünf Monate auf dem Stapel ungelesener Bücher verbracht hat, habe ich es endlich zur Hand genommen und den ausführlichen Tatsachenroman rund um den durch Polizeigewalt zu Tode gekommen Aborigine Cameron Doomadgee und den mutmasslichen Täter Christopher Hurley gelesen. In den Nachrichten sehen/lesen/hören wir Europäer immer wieder von Tötungsdelikten aus den USA, wo Schwarze wegen Bagatelldelikten von weissen Polizisten erschossen werden. Inhaltlich beschreibt dieses Werk so einen Fall, nur das er in Australien geschehen ist. In gewissen Teilen dieses riesigen Landes gibt es grosse Spannungen zwischen den Ureinwohner, die Aborigines, und der weissen Einwohnerschicht. Es sind aber nicht nur die Äusserlichkeiten die die Menschen unterscheidet. Es klafft eine enorm grosse Lücke wegen dem geschichtlichen und kulturellen Hintergrund. Hautfarbe, Vergangenheit und Glauben spalten die Bevölkerung und es scheint unheimlich schwer diese Kluft zu überwinden.

Die australische Autorin schafft es die Ambivalenz des Tötungsdeliktes sowie des ganzen Drumherum zu beschreiben ohne dabei allzu wertend einzugreifen. Dies überlässt sie, ganz so wie es sein soll, den Lesern. Die journalistische Aufarbeitung zeigt, dass sowohl Opfer wie auch Täter Menschen sind mit Vergangenheit und Lebenserfahrungen die ihr Wesen, ihre Persönlichkeit geprägt und geformt haben. Sie nimmt den Fall zum Anlass um ein umfassendes und wirklichkeitsgetreues Bild zu beschreiben was es heisst Aborigine zu sein und was es heisst, ein weisser Bewohner und Gesetzeshüter zu sein auf einer Insel auf die die Ureinwohner abgeschoben bzw. strafversetzt werden und auf der ich wegen der latent vorherrschenden Armut, Hoffnungslosigkeit und Gewalt keinesfalls leben möchte.

Ein realer Fall minutiös recherchiert und stilistisch so geschrieben, dass sich dieses Werk genremässig in keine Schublade stecken lässt. Es enthält ein Verbrechen sowie die spannenden Elemente von einem Krimi, die Ernsthaftigkeit eines Sachbuches mit Zügen einer Biografie über die Personen die in diese schreckliche Tat involviert waren. Der Begriff "Tatsachenroman" trifft den Kern der Geschichte punktgenau. Ein gelungenes literarisches Experiment das mich in der Art und Weise wie es konzipiert ist frappant an Truman Capotes Klassiker "Kaltblütig" erinnert hat. Und das ist als grosses Kompliment zu verstehen.

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Gulans avatar

Rezension zu "Der große Mann" von Chloe Hooper

Australiens gespaltene Gesellschaft
Gulanvor 2 Jahren

Ich hörte im beiläufigen Ton vorgetragene Horrorgeschichten. In den vergangenen sechs Wochen hatte ein Mann im Streit um ein Glas Bier seinen Bruder mit einem Messerstich fast tödlich verletzt; eine Frau hatte einer anderen die Lippe abgebissen; ein Mann hatte Benzin über seine Freundin gegossen und sie angezündet. Die Arbeitslosenquote lag bei 92 %. Auf dieser Insel begingen junge Männer drei Mal öfter Selbstmord als junge weiße Männer in Townsville. Die Hälfte der Männer auf Palm Island starb vor dem fünfzigsten Lebensjahr. Die Insel war ein schwarzes Loch, in das Menschen hineingefallen waren. Sollte es also ruhig noch Steine regnen. (S.110)

Am 19.November 2004 kommt es zu auf Palm Island zu einem Wortwechsel zwischen dem Aborigine Cameron Doomadgee und dem Polizeibeamten Christopher Hurley. Nach einer angeblichen Beleidigung wird Doomadgee wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen. Vor der Polizeiwache gibt es ein weiteres Handgemenge und schließlich einen Sturz. Doomagdee wird in eine Zelle geschleift. Dort wird er eine halbe Stunde später tot aufgefunden – gestorben an schweren inneren Verletzungen. Ein Unfall oder ein Fall von Polizeigewalt?

Palm Island ist eine Insel vor der Ostküste Australiens im Bundesland Queensland, 60 km nördlich von Townsville am Great Barrier Reef. Eigentlich eine klassische Paradiesinsel wurde sie etwa 60 Jahre lang bis in der 1970er von der Regierung von Queensland als Straflager genutzt, in das die Ureinwohner der Aborigines deportiert wurden. Dies ist zwar inzwischen Geschichte, aber die Probleme sind dadurch natürlich nicht verschwunden. Perspektivlosigkeit aller Orten, Armut, eine wahnsinnig hohe Arbeitslosenquote. Familiäre Gewalt, Drogen- und Alkoholsucht sind an der Tagesordnung. Der Tod von Doomadgee löst extreme Ausschreitungen aus, die Polizeistation und das Wohnhaus des Beamten Hurley werden abgefackelt.

Cameron Doomadgee ist einer dieser Perspektivlosen, 36 Jahre alt, sein Clan stammt ursprünglich aus einer Gegend in Nordwest-Queensland, mehr als 1000 km entfernt. Er stirbt an massiven inneren Verletzungen: Seine Leber ist durch starken Druck auf die Wirbelsäule gequetscht worden und fast entzwei gerissen. Verletzungen, die nicht durch einen bloßen Sturz zu erklären sind. Der Polizeibeamte Hurley wird zum Hauptverdächtigen. Ein markanter, kräftiger Mann, mehr als zwei Meter groß. Hurley ist schon seit langem in Aborigine-Gemeinden tätig, bislang ohne negativ aufgefallen zu sein. Er weist alle Schuld von sich, behauptet schließlich im Nachhinein, er müsse beim Sturz wohl auf Doomagdee gefallen sein. Eine Erklärung, die seine Kollegen zufriedenstellt, bei der Aborigine-Gemeinde aber mit großer Wut aufgenommen wird. Es kommt zu einer Anhörung, die immer wieder verzögert wird. Dort empfiehlt die Untersuchungsrichterin, Anklage gegen Hurley wegen Totschlags zu erheben. Die Staatsanwaltschaft weigert sich. Erst durch Intervention des Generalstaatsanwalts kommt es schließlich doch zum ersten Prozess in Australien, in dem ein Polizist wegen eines Todesfalls in Polizeigewahrsam angeklagt wurde.

Die Autorin Chloe Hooper wird von Rechtsanwalt Andrew Boe angesprochen, er vertritt die Interessen von Doomagdees Hinterbliebenen. Kurz vor Beginn der Anhörungen trifft sie relativ unbefleckt auf Palm Island ein und verfolgt die Ereignisse bis zur Urteilsverkündung im Prozess gegen Christopher Hurley. In bester Tradition Truman Capotes hat sie daraus einen Tatsachenroman verfasst, der 2008 erstmals im Original erschien und in Australien schon jetzt ein moderner Klassiker ist.

Der große Mann kommt in vielerlei Gestalt, sagen die Leute. Er kann seine Form verändern, aber wenn er einen am Boden hat, dann ist, ob man schwarz oder weiß ist, das Grauen dasselbe. (S.352)

Die Aborigines haben inzwischen alle Bürgerrechte und es wurde sich doch für begangenes Unrecht entschuldigt, sagen viele aus der weißen Bevölkerung Australiens. Das stimmt und doch macht die Autorin in diesem Buch deutlich, wie sehr die brutale Assimilationspolitik die kulturelle, spirituelle und zum Teil auch persönliche Identität der Ureinwohner beschädigt und große Teile der Aborigine-Gesellschaft bis heute marginalisiert hat. Dies manifestiert sich in im Vergleich zur Gesamtbevölkerung extrem erhöhten Prozentsätzen von Sucht, Gewalt, Kriminalität und Kindesmissbrauch. Die Weißen reagieren mit Abscheu und alltäglichem Rassismus. Ein Teufelskreis entsteht, in dem selbst einem nicht unbedingt als „bad cop“ bekannten Polizisten wie Christopher Hurley die Sicherungen durchbrennen können. Doch auf den Korpsgeist ist Verlass: Die Polizeigewerkschaft fährt alle Geschütze auf, um ihren Mann vor der Verurteilung zu bewahren.

Chloe Hooper recherchiert in Palm Island, begleitet die Prozesse und begibt sich auch auf die Reise in den Heimatort Doomadgee und nach Burketown, eine frühere Station in Hurleys Berufsleben. Ihre Recherchen ergeben das Bild eines immer noch tief gespaltenen Australiens. Dabei schreibt Hooper nicht im Stil einer wütenden Aktivistin, sondern präzise und stilistisch elegant. Sie erweist sich als genaue Beobachterin, vor allem im Gerichtssaal, und setzt nur dort, wo nötig, erklärende historische Erläuterungen. Aber alles in allem setzt sie natürlich ein politisches Statement. Dies alles macht „Der große Mann“ zu einem überzeugenden Werk.

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