Cho Nam-Joo

 4,2 Sterne bei 714 Bewertungen
Autor*in von Kim Jiyoung, geboren 1982, Miss Kim weiß Bescheid und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Cho Nam-Joo war neun Jahre lang als Drehbuchautorin fürs Fernsehen tätig. Ihr Roman »Kim Jiyoung, geboren 1982« hat sich weltweit über zwei Millionen Mal verkauft und war auch in Deutschland ein großer Bestseller. Cho Nam-Joo lebt in Korea.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Cho Nam-Joo

Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: 9783462007541)

Kim Jiyoung, geboren 1982

(486)
Erschienen am 15.08.2024
Cover des Buches Miss Kim weiß Bescheid (ISBN: 9783462005349)

Miss Kim weiß Bescheid

(154)
Erschienen am 11.01.2024
Cover des Buches Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah (ISBN: 9783462008098)

Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah

(57)
Erschienen am 05.06.2025
Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: B08QZ8TTFK)

Kim Jiyoung, geboren 1982

(1)
Erschienen am 11.02.2021

Neue Rezensionen zu Cho Nam-Joo

Cover des Buches Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah (ISBN: 9783462008098)
tameeliuss avatar

Rezension zu "Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah" von Cho Nam-Joo

tameelius
Leider emotionsarm und ereignisarm

Ich habe das Buch etwa bis zur Hälfte gelesen und dann abgebrochen, weil ich einfach keinen Zugang gefunden habe. Und ich hatte es bereits schon mal angefangen zu lesen, monatelabg beiseite gelegt und gedacht, dass ich einfach eine Leseflaute hatte. Turns out: it's not me, it's the book 🥲


Die Geschichte um Mani, die mit Mitte 30 arbeitslos bei ihren Eltern lebt und deren Kindheitstraum von einer Karriere in der Sportgymnastik früh zerplatzt ist, hat für mich keinen Spannungsbogen aufgebaut. Stattdessen reihen sich Alltagsszenen, Erinnerungen und Beobachtungen aneinander, die zwar gesellschaftliche Probleme andeuten, aber ohne wirkliche Entwicklung oder Dynamik bleiben.


Mani bleibt lange passiv, sie verharrt in ihrer Situation und handelt kaum. Das mag bewusst so angelegt sein, aber es hat es mir schwer gemacht, mit ihr mitzufühlen oder mich von der Handlung tragen zu lassen. Auch der Handlungsstrang um die mögliche Sanierung des Viertels deutete sich zwar an, aber hat mich wirklich sehr gelangweilt.


Am Ende hatte ich eher das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Für Leser:innen, die eine dichte Handlung, klare Figurenentwicklung oder eine zugespitzte Gesellschaftskritik erwarten, ist das Buch vermutlich frustrierend. Mir persönlich fehlte genau das, deshalb nur zwei Sterne.

Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: 9783462007541)
M

Rezension zu "Kim Jiyoung, geboren 1982" von Cho Nam-Joo

Maimouna19
Alltagssexismus am Beispiel Südkoreas

In "Kim Jiyoung, geboren 1982" erzählt Cho Nam-Joo die Geschichte von Kim Jiyoung, einer jungen Frau in Südkorea. Gleich zu Beginn erfährt man, dass die junge Frau, die inzwischen Mutter geworden ist an einer Psychose erkrankt ist,  bei der sie sich für Frauen aus ihrem engen Umfeld hält und wie diese agiert. Aus der Perspektive eines Psychologen, der die Lesenden chronologisch durch die verschiedenen Etappen ihres Lebens führt, wird gezeigt, dass ihre Psychose keine individuelle Erkrankung ist, sondern die Folge von Alltagssexismus und Diskriminierung. Beispiele aus Kindheit, Schul-und Berufszeit (allesamt haarsträubend!) sowie Statistiken und Fakten untermauern diese These.
Der nüchterne und distanzierte Schreibstil Cho Nam-Joos macht deutlich, dass es nicht um das individuelle Schicksal von Kim Jiyoung geht, sondern sie symbolisch für das Leben aller Frauen in der heutigen Gesellschaft steht.
Man würde es sich auch zu einfach machen, diese Thematik nur als ein Problem des asiatischen Raums abzutun, das es so in Europa nicht mehr gibt. Manche Formen des Alltagssexismus mögen vielleicht in Südkorea ausgeprägter sein als im Westen, aber viele der geschilderten Erfahrungen machen Frauen überall auf der Welt. Auch im ach so fortschrittlichen, aufgeklärten Europa werden Frauen immer noch bei der Jobsuche benachteiligt, nach wie vor gibt es den Gender Pay Gap, es sind in der Mehrheit die Mütter, die sich um die Kinder kümmern, etc. etc. Auf echte Gleichstellung müssen Frauen auch in der heutigen Gesellschaft wohl noch lange warten.
Mit ganz viel Wut im Bauch habe ich das Büchlein (270) Seiten in einem Rutsch durchgelesen.
"Kim Jiyoung, geboren 1982" ist nicht nur Fiktion, sondern ein wichtiger Beitrag zur Debatte über Frauenfeindlichkeit und Missstände in der Gesellschaft – ein wichtiges Buch, nicht nur für Frauen in Südkorea, sondern überall. Und es schadet auch nichts, wenn Männer dieses Buch lesen!

Cover des Buches Miss Kim weiß Bescheid (ISBN: 9783462005349)
bibliophilaras avatar

Rezension zu "Miss Kim weiß Bescheid" von Cho Nam-Joo

bibliophilara
Acht feministische Kurzgeschichten aus Südkorea

Das Motto für die Lesechallenge im Dezember lautete: „Das Jahr neigt sich dem Ende zu – lies ein Buch, das 2024 erschienen ist“. Das ist für mich ehrlich gesagt immer die schwierigste Challenge, da ich bspw. Reihen gerne vollständig kaufe oder bei vielen Büchern darauf warte, dass es als Taschenbuch erscheint. Das einzige Buch, das ich dieses Jahr spontan gekauft habe, und das auch dieses Jahr (zumindest als Taschenbuch) veröffentlicht wurde, ist „Miss Kim weiß Bescheid“ von Cho Nam-Joo. In meiner Buchhandlung gab es nämlich eine Ecke mit Büchern aus Asien und ich hatte Lust, mal ein Buch zu lesen, das nicht von einem deutsch- oder englischsprachigen Autoren geschrieben wurde. Deswegen habe ich mich für diese feministische Kurzgeschichtensammlung aus Südkorea entschieden. 

Kim Dongju ist über 80 Jahre alt, aber dennoch die jüngste von drei Schwestern. Ihre älteste Schwester Kumju ist an Demenz erkrankt und lebt in einem Seniorenheim. Dongju besucht sie zwar recht regelmäßig, doch aufgrund ihrer demenziellen Veränderung erinnert sie sich oft nicht daran. Die mittlere Schwester Unju ist bereits an Krebs verstorben und auch Kumju hat vermehrt gesundheitliche Probleme. Dongju weiß, dass auch ihr Tod nicht mehr allzu weit entfernt liegt.
Die Autorin Choah erhält zahlreiche Hasskommentare und Morddrohungen, nachdem sie einen feministischen Roman veröffentlicht hat. Doch nicht nur fremde Menschen kritisieren sie aufs Schärfste. Auch ihre ehemalige Lehrerin Kim Hyewon wirft ihr vor, ihre eigene Biografie, die sie ihrer ehemaligen Schülerin einst im Vertrauen erzählt hat, ohne ihre Zustimmung in ihrem Buch verarbeitet zu haben. So wird Choah gegen ihren Willen zu einer Ikone der Frauenrechtsbewegung und muss lernen, mit dem Hass umzugehen, der ihr tagtäglich entgegen schlägt.
Acht koreanische Frauen mit acht verschiedenen Schicksalen erzählen ihre nicht ganz alltäglichen Geschichten darüber, was es bedeutet, eine Frau in einer patriarchalen Gesellschaft zu sein. Auch wenn Südkorea für uns geografisch weit entfernt sein mag, sind es diese feministischen Kurzgeschichten überhaupt nicht. 

„Ich holte die Medizinbox aus dem Küchenschrank.“, ist der erste Satz der ersten Kurzgeschichte Unter dem Pflaumenbaum. Erst, wenn man die erste Kurzgeschichte beendet hat, begreift man, dass dieser Satz nicht rein zufällig gewählt wurde, sondern symbolisch für die Notwendigkeit von Arzneimitteln im fortgeschrittenen Alter steht. Denn die erste Geschichte erzählt die Protagonistin Kim Donju aus der Ich-Perspektive im Präteritum. Sie handelt vorwiegend vom Altern als Frau mit allem, was damit verbunden ist, wie bspw. Krankheit, körperliche Schwäche oder den näher kommenden Tod. Es geht aber auch darum, wie alte Frauen in der Gesellschaft unsichtbar gemacht werden und wie ihnen das Gefühl vermittelt wird, eine zeitliche und finanzielle Belastung für die Familie zu sein. Außerdem wird das Thema Trauerbewältigung angeschnitten, denn je älter eine Person wird, umso mehr gleichaltrige Menschen wird sie zu Grabe tragen müssen. Bereits die erste Kurzgeschichte scheut nicht davor zurück, Themen anzuschneiden, die in unserer Gesellschaft als schwierig gelten oder gar tabuisiert werden. Doch das Brechen dieser Tabus ist wichtig, um auf soziale Probleme hinweisen zu können.

Cho beweist mit ihrer Kurzgeschichtensammlung einen prägnanten, direkten und doch feinfühligen Schreibstil. Überflüssige Ausschmückungen werden vermieden und Beobachtungen werden oft nüchtern und sachlich beschrieben, wodurch die soziale Realität sowie Parallelen bei Ungleichheit und struktureller Diskriminierung verstärkt werden. Obwohl der Stil distanziert wirken kann, gelingt es Cho doch, eine emotionale Resonanz hervorzurufen. Die Figuren stehen mit ihren individuellen Geschichten im Vordergrund, die scheinbar alltägliche Situationen erleben, in denen gesellschaftliche Missstände offen gelegt werden. Dass Frauen auch in scheinbar fortgeschrittenen Ländern systematisch benachteiligt werden, zieht sich wie ein roter Faden durch die Kurzgeschichten. Es ist enorm wichtig, dass die Kämpfe von Männern und Frauen um Geschlechtergleichberechtigung nicht übersehen werden.

Insgesamt werden acht Kurzgeschichten mit folgenden Titeln erzählt: Unter dem Pflaumenbaum, Trotz, Weggelaufen, Miss Kim weiß Bescheid, Lieber Hyunnam, Die Nacht der Polarlichter, Große Mädchen sowie Erste Liebe, 2020. Die Protagonistinnen sind Koreanerinnen unterschiedlichen Alters und sozialer Herkunft. Von manchen Hauptfiguren, wie z.B. der aus Unter dem Pflaumenbaum erfährt man den vollständigen Namen als auch ihre Namensänderung, die sie nach dem Tod ihrer Eltern vollzogen hat. Bei anderen Protagonistinnen, wie der von Trotz wird lediglich der Vorname genannt und andere wiederum erhalten nie einen Namen. Das habe ich persönlich als störend empfunden und erschwerte mir auch die Formulierung der Rezension, da ich einige Figuren eben nicht namentlich benennen kann. Grundsätzlich können die Namen für europäische Leserinnen verwirrend sein, da in diesem Buch wahnsinnig viele Figuren den Nachnamen Kim tragen. In Südkorea ist das der häufigste Nachname, was historische, kulturelle und genealogische Gründe hat. Etwa 21% der Südkoreaner tragen diesen Nachnamen. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass in fast jeder Kurzgeschichte eine Figur mit dem Namen Kim vorkommt. Für Europäer kann es auch irritierend sein, dass bei Koreanern zuerst der Familien- und dann der Individualname genannt wird. So steht auf dem Cover der Name der Autorin Cho Nam-Joo, wobei Cho sozusagen ihr Nachname und Nam-Joo ihr Vorname ist. Grundsätzlich fallen in den Geschichten immer wieder koreanische Begriffe, bspw. für Lebensmittel, unter denen sich manche europäischen Leserinnen wohl wenig vorstellen können.

Bei acht Kurzgeschichten ist es nicht weiter verwunderlich, dass nicht alle gleich überzeugend sind. Mein persönlicher Favorit war Lieber Hyunnam, in der die 30-jährige Protagonistin ihrem Freund Hyunnam, mit dem sie zehn Jahre zusammen war einen Brief schreibt, in dem sie ihm erklärt, warum sie seinen Heiratsantrag ablehnt und mit ihm Schluss macht. Am wenigsten hat mir Trotz gefallen, weil die Geschichte sehr plötzlich endet und viele Fragen offen bleiben. Auch wenn Cho darin offenbar autobiografische Erlebnisse verarbeitet, ist diese Kurzgeschichte meiner Meinung nach nichtssagend. Die drei Kurzgeschichten Unter dem Pflaumenbaum, Die Nacht der Polarlichter und Große Mädchen sind dagegen besonders lesenswert.

Grundsätzlich behandelt jede Kurzgeschichte eine andere Form von weiblicher Ungleichbehandlung in der modernen koreanischen Gesellschaft. In Unter dem Pflaumenbaum geht es ums Altern, das mit dem Verlust vermeintlich weiblicher Attribute einhergeht: Fürsorge und Schönheit. Gerade in Korea haben extrem viele Frauen einen plastischen Eingriff hinter sich und weibliche K-Popstars setzen unrealistische Schönheitsideale in puncto makelloser weißer Haut, einer extrem schlanken Figur und einer niedlichen Ausstrahlung. Je älter Frauen werden, umso weniger entsprechen sie diesen Idealen und umso weniger gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhalten sie, da Frauen häufig auf ihr Äußeres reduziert werden. Außerdem wird von Frauen häufig erwartet, den Haushalt zu führen und sich um Familienmitglieder zu kümmern. Dies kehrt sich im Alter um, wenn die Frauen selbst auf Pflege angewiesen sind. Unter dem Pflaumenbaum zeigt eindrucksvoll, wie wenige Familienmitglieder tatsächlich bereit dazu sind, sich um ihre alternden Mütter zu kümmern, die sich ein Leben lang um andere gekümmert haben. Andere Kurzgeschichten behandeln bspw. sexistische Hasskommentare, familiäre Machtverhältnisse, Ungleichbehandlung von Frauen im Beruf, Gaslighting und Manipulation, Care-Arbeit, häusliche Gewalt oder Upskirting.

„Miss Kim weiß Bescheid“ von Cho Nam-Joo ist eine schöne Kurzgeschichtensammlung, die tief in die gesellschaftlichen Strukturen Südkoreas eintaucht und die Geschlechterungleichheit eindrucksvoll beleuchtet. Mit einem präzisen und doch einfühlsamen Schreibstil gelingt es der Autorin, alltägliche Situationen zu nutzen, um systemische Missstände offenzulegen und die Lebensrealität von Frauen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe darzustellen. Da manche Kurzgeschichten überzeugender sind als andere, habe ich sie einzeln bewertet und den Durchschnitt als Gesamtbewertung genutzt. Im Schnitt haben die acht Geschichten eine Wertung von 3,6. Aufgrund der thematischen Relevanz von Frauenfeindlichkeit in modernen Gesellschaften runde ich meine Bewertung auf vier von fünf Federn auf. Eine literarische Auseinandersetzung mit diesen Themen halte ich für sehr wichtig, deshalb gibt es für diese Kurzgeschichten aus dem Jahr eine klare Leseempfehlung!

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